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Körperliche Auswirkungen von Alkohol

Alkohol Auswirkungen
Alkohol schädigt Körper und Seele. (483845942 / iStockphoto)

In größeren Mengen konsumiert, wirkt Alkohol als Zellgift und schädigt praktisch alle Organsysteme des Körpers.

Wie viel Alkohol ist unbedenklich?

Nach einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt der unbedenkliche Alkoholkonsum bei Männern bei 24 Gramm und bei Frauen bei 16 Gramm reinem Alkohol täglich. Als Richtwert gilt: 20 Gramm reiner Alkohol entsprechen einem halben Liter Bier oder einem Viertelliter Wein.

Grundsätzlich deutet aber jeder regelmäßige Konsum von Alkohol auf ein mögliches Alkoholproblem hin. Insbesondere dann, wenn der Alkohol nicht zum Genuss, sondern seiner Wirkung wegen (Entspannung, Problemlösung) getrunken wird.

+++ Mehr zum Thema: Alkohol: Zwischen Genuss und Missbrauch +++

Warum ist Alkohol schädlich?

Alkohol hat ein hohes Suchtpotenzial. Er kann eine starke psychische und körperliche Abhängigkeit erzeugen und über die Zeit nahezu alle Organsysteme schädigen.

Warum ist Alkohol für Frauen schädlicher als für Männer?

Frauen vertragen Alkohol in der Regel weniger gut als Männer, das bedeutet, dass die gleiche Menge Alkohol für Frauen schädlicher ist als für Männer. Das liegt vor allem daran, dass Frauen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht durchschnittlich mehr Körperfett und weniger Wasseranteil im Gewebe haben. Da sich Alkohol in Wasser aber besser löst als in Fett, ist die Blutalkoholkonzentration nach der gleichen Menge Alkohol bei Frauen höher als bei Männern mit demselben Körpergewicht. Zudem ist bei Frauen die Menge des Alkohol abbauenden Enzyms ADH (Alkoholdehydrogenase) geringer als bei Männern.

Unmittelbare Auswirkungen des Alkoholkonsums

Alkohol beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung, das Reaktionsvermögen und die Aufmerksamkeit, sondern auch das Verhalten. Mit steigendem Alkoholkonsum kommt es zudem zu körperlichen Auswirkungen, die mitunter lebensbedrohlich werden können.

Ab 0,5 Promille Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit lassen nach, beginnende Gleichgewichtsstörungen, größere Risikobereitschaft, gesteigerter Rededrang
Ab 0,8 Promille Beginnende Zeichen der Trunkenheit: Alkoholfahne, beginnender Verlust der Bewegungskoordination, stark verlängerte Reaktionszeit, beeinträchtige Wahrnehmung
Ab 1 Promille Beginnender Rauschzustand: Gleichgewichtssinn und Reaktionsfähigkeit stark beeinträchtigt, Verwirrtheit, Sprach- und Orientierungsstörungen, Selbstüberschätzung, Stimmungsschwankungen, Übelkeit, Erbrechen, Schläfrigkeit
Ab 2 Promille Betäubungsstadium: schwere Gleichgewichts- und Gedächtnisstörungen, kaum noch vorhandenes Reaktionsvermögen, Muskeln erschlaffen
Ab 3 Promille Beginnende Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, Gedächtnisverlust, erschlaffte Muskulatur, erniedrigte Körpertemperatur, Atemnot bis hin zur Atemlähmung
Ab 4 Promille

Koma, Ausfall lebenswichtiger Organfunktionen

+++ Mehr zum Thema: Alkoholismus +++

Langfristige Auswirkungen von chronischem Alkoholkonsum

Nach jahrelangem übermäßigem Alkoholkonsum zeigen sich in der Regel deutliche gesundheitliche Auswirkungen. Am häufigsten ist die Leber betroffen, es können aber auch nahezu alle anderen Organsysteme durch den Alkohol geschädigt werden.

Leber

Alkohol wird in der Leber abgebaut. Bei übermäßigem Alkoholkonsum kommt es zu einer Schädigung der Leberzellen und zu einer Anhäufung von Fettsäuren in der Leber. Daraus entwickelt sich über die Jahre eine alkoholische Fettleber, später kann daraus Gelbsucht, Leberzirrhose oder sogar Leberkrebs entstehen. Bei langjährigem Alkoholkonsum steigt auch der Eisengehalt im Blut, der die Leberzellen zusätzlich schädigt.

Magen und Darm 

Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und in weiterer Folge Blutungen in Magen und Darm

Speiseröhre

Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) und Mallory-Weiss-Syndrom (Schleimhauteinrisse am Übergang von der Speiseröhre zum Magen, die durch Erbrechen entstehen können und sehr leicht zu Blutungen führen)

Bauchspeicheldrüse

Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Wernicke-Enzephalopathie

Der alkoholbedingte Vitamin-B1-Mangel verursacht Symptome wie Bewusstseinstrübung, Verwirrtheit, Augenbewegungsstörungen und Ataxien.

Herz

Langjähriger übermäßiger Alkoholkonsum führt zu erhöhtem Blutdruck und begünstigt damit Herzinfarkte. Zusätzlich kommt es zu einer Vergrößerung des Herzens, die letztlich in einer verminderten Leistungsfähigkeit des Organs (Herzinsuffizienz) münden kann.

Nervensystem

Schäden an den Nervenbahnen (Polyneuropathien) machen sich durch Taubheitsgefühle, Missempfindungen wie Ameisenkribbeln, Muskelschwäche bzw. -krämpfe oder Nervenschmerzen bemerkbar. Von Polyneuropathien sind etwa 20% aller Alkoholiker betroffen; nach außen hin deutlich sichtbar wird die Nervenschädigung durch das typische unsichere, tapsige Gangbild.

Haut

Alkoholkonsum führt zu einer Schwächung des Immunsystems und damit zu einer erhöhten Anfälligkeit für pilzbedingte oder bakterielle Infektionen der Haut. Bestehende Hauterkrankungen können sich alkoholbedingt verschlimmern.

Gehirn

Durch Schäden an Gehirnzellen kommt es zu Störungen der Gedächtnisleistung, der Feinmotorik sowie der Konzentrationsfähigkeit. In weiterer Folge können sich auch psychische Erkrankungen wie Depression, Phobien und/oder Psychosen mit Suizidgefährdung entwickeln. Auch das Absterben ganzer Hirnstrukturen, die für Gedächtnis und Orientierung zuständig sind, ist möglich (Korsakow-Syndrom).

Krebserkrankungen

Personen, die übermäßig Alkohol trinken, haben ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen, insbesondere von Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre, Magen, Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse.

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Dr. Roland Mader
Redaktionelle Bearbeitung:
, ,

Aktualisiert am:
Quellen

Anton-Proksch-Institut; www.antonprokschinstitut.at (Zugriff im Juli 2012)

Leitlinie zur Sozialmedizinischen Beurteilung bei Abhängigkeitserkrankungen der deutschen Rentenversicherung www.sucht.de/tl_files/pdf/veroeffentlichungen/Leitlinie_Soz-Med_DRV.pdf Stand: 20.04.2010

S2-Leitlinie „Postakutbehandlung alkoholbezogener Störungen“ der Dt. Ges. f. Suchtforschung und der Dt. Ges. f. Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Stand: 18.10.2010
Batra A, Bilke-Hentsch O: Praxisbuch Sucht; Thieme, 2012

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