Kahnbeinbruch (Skaphoidfraktur, Kahnbeinfraktur)

Kahnbeinbruch Behandlung und Heilung
Der Kahnbeinbruch kann konservativ oder operativ behandelt werden. (Ann Baldwin / Shutterstock)

Das Kahnbein (Os naviculare oder Os scaphoideum) gehört zu den Handwurzelknochen, die das Handgelenk mit der Mittelhand verbinden. Es befindet sich zwischen der Speiche (Radius) und dem ersten Mittelhandknochen (Daumenstrahl). Ein Kahnbeinbruch ist der häufigste Knochenbruch der Handwurzel.

Kurzfassung:

  • Der Kahnbeinbruch ist der häufigste Knochenbruch der Handwurzel.
  • Ein frischer Kahnbeinbruch ist nicht immer einfach zu diagnostizieren.
  • Um permanente Schäden zu vermeiden, ist in manchen Fällen eine Langzeitbehandlung nötig.
  • Der Kahnbeinbruch kann konservativ oder operativ behandelt werden.
  • Zur Diagnostik kommen Röntgen, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz.

Das Kahnbein ist einer der Knochen der Handwurzel, der direkt an den Unterarmknochen grenzt. Bei einem Sturz auf die ausgestreckte Hand kann das Kahnbein brechen. In diesem Fall spricht man von einem Kahnbeinbruch (Kahnbeinfraktur). Um negative Folgen wie Fehlheilungen, geschwächte Greifkraft oder eingeschränkte Mobilität zu verhindern, ist eine möglichst frühe Diagnose wichtig.

Welche Symptome treten bei einem Kahnbeinbruch auf?

Der Bruch des Kahnbeins zeigt sich durch:

  • Schmerzen (vor allem bei Bewegung)
  • Schwellung
  • Druckempfindlichkeit

Wie wird ein Kahnbeinbruch diagnostiziert?

Um einen Kahnbeinbruch festzustellen, führt der Arzt zunächst eine körperliche Untersuchung durch. Dabei ist wichtig, wo genau die Schmerzen auftreten und ob der Patient eine Schonhaltung einnimmt. Danach können verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen. Die Diagnose eines Kahnbeinbruchs ist schwierig, da ein frischer Bruch auch auf Röntgenaufnahmen nicht immer eindeutig zu erkennen ist. Ist die Diagnose unklar, kann zusätzlich eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) notwendig werden.

Bei einem Knochenbruch setzen nach acht bis zehn Tagen Umbauvorgänge ein. Erst dann lässt sich der Bruch sicher diagnostizieren. Auch wenn nur der Verdacht auf einen Kahnbeinbruch besteht, wird in der Regel ein Gips angelegt und nach etwa zwei Wochen nochmals ein Kontrollröntgen angefertigt.

Wie wird ein Kahnbeinbruch behandelt?

Ein Kahnbeinbruch kann konservativ (ohne chirurgischen Eingriff) oder operativ behandelt werden. Welche Therapie infrage kommt, hängt von der Lokalisation und der Schwere des Bruches ab. Während die konservative Behandlung eine längere Heilungsdauer benötigt, gibt es bei einem chirurgischen Eingriff bestimmte Risiken.

  • Konservative Therapie

Die Ruhigstellung des Handgelenks ist für einen positiven Heilungsverlauf wichtig. Liegen keine größeren Knochenverschiebungen vor, kann konservativ behandelt werden. Dabei wird ein Gips im Bereich des Handgelenks angelegt, wobei in Abhängigkeit der Lokalisation des Bruches im Bereich des Kahnbeins ein zusätzlicher Daumeneinschluss vorgenommen wird. Wichtig dabei ist, dass der Gipsverband im Bereich des Daumens auf Höhe des Interphalangealgelenks (Gelenk zwischen den Knochen der Fingerglieder) abschließen sollte, sodass der Daumen ab dieser Region etwas bewegt werden kann.

Die Heilung eines Kahnbeinbruchs dauert meist länger als andere Knochenbrüche, daher kann sich die Behandlung über mehrere Monate erstrecken. Der Heilungsverlauf wird in der Regel mit einem Röntgen kontrolliert, in schwierigen Fällen ist jedoch die Computertomografie zu bevorzugen. In der Regel heilt ein konservativ behandelter Kahnbeinbruch nach etwa zwei bis drei Monaten aus. Nach der Behandlung sollte eine Physiotherapie anschließen.

  • Operation

Hat der Bruch einen langstreckigen Verlauf in Kombination mit verschobenen Bruchstücken, sollte eine Operation in Betracht gezogen werden. Die Kahnbeinbruch-OP kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Der Bruch wird dabei mit einer speziellen Schraube stabilisiert. Der Eingriff erfolgt in der Regel minimal-invasiv. Nach der Operation wird die Hand meistens mit einer elastischen Bandage oder einer speziellen Orthese ruhiggestellt; in Ausnahmefällen kann ein Gipsverband nötig sein, wobei die Ruhigstellungszeit maximal drei bis vier Wochen beträgt. Bei den meisten Patienten verbleibt die Schraube ein Leben lang im Handgelenk.

Wie ist die Prognose bei einem Kahnbeinbruch?

In der Regel heilt ein Kahnbeinbruch bei entsprechender Therapie und Kontrolle gut ab. Das Ergebnis hängt jedoch von der Frakturlokalisation und von der erzielten Frakturstellung ab. Bei ungünstigem Heilungsverlauf kann es zu einer Pseudoarthrose (ausbleibende Heilung eines Knochenbruchs) und karpaler Instabilität (gestörte anatomische Ausrichtung der Knochen zueinander) kommen, die zu schmerzhaften Funktionseinschränkungen des Handgelenks führen und auch durch Folgeeingriffe oft nicht korrigiert werden können.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Priv.-Doz.Dr. Harald K. Widhalm
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

S3-Leitlinie „Skaphoidfraktur“, Stand: 01.10.2015, gültig bis 30.09.2020; Reg.-Nr.: 012-016; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/012-016l_S3_Skaphoidfraktur_2015-10.pdf

Empfehlungen der Sektion Handchirurgie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie: Behandlung von Handwurzelfrakturen; https://www.dgu-online.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/behandlung_handwurzelfrakturen.pdf

Österreichische Gesellschaft für Unfallchirurgie: Patientenbroschüre „Die Hand“; https://www.unfallchirurgen.at/wp-content/uploads/MASTER_O%cc%88GU-Patientenfolder-Hand_22012016.pdf

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