Impotenz durch Krankheiten

Paar im Bett: Impotenz und ED können sich belastend auf die Beziehung auswirken.
Paar im Bett: Impotenz und ED können sich belastend auf die Beziehung auswirken. (Syda Productions )

Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber auch Nervenstörungen können die Ursache für Impotenz sein.

Impotenz durch Nervenerkrankungen & Verletzungen

Damit eine Erektion entstehen kann, müssen Nervensignale aus dem Gehirn in den Penis gesendet werden.

Die Signale werden über Nervenbahnen geleitet, die vom Gehirn über das Rückenmark verlaufen, aus dem sie etwa in Höhe des Kreuzbeines austreten. Anschließend führen sie gemeinsam mit den Blutgefäßen als so genanntes Gefäß-Nerven-Bündel hinter der Harnblase und Prostata (Vorsteherdrüse) bis zum Penis entlang. Auf jeder Station des langen Weges kann es zu Störungen und Unterbrechungen in der Signalübermittlung kommen, welche die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.

Fehler bei der Signalübermittlung

Die ersten Probleme können bereits in der "Schaltzentrale" auftreten, wenn die entsprechenden Nervenzentren im Gehirn geschädigt sind. Das kann durch krankhafte Veränderungen passieren, beispielsweise durch Schlaganfall, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson aber auch Tumore und Entzündungen.

Weitere Probleme bei der Signalübermittlung gibt es, wenn die weiterleitenden Nerven unterbrochen sind. Das ist beispielsweise bei einer Querschnittslähmung der Fall, wenn die Nervenbahnen durch einen Unfall durchtrennt bzw. ausgerissen werden.

Auch degenerative Erkrankungen wie etwa ein Bandscheibenvorfall oder Diabetes mellitus können die Impulsweiterleitung behindern. Eine erhebliche Rolle spielt in diesem Zusammenhang der übermäßige und dauerhaft erhöhte Alkoholkonsum. Er greift die Nerven im Gehirn und im Rückenmark an und schädigt insbesondere die Nervenendigungen.

Eine weitere mögliche Ursache ist, dass Nervenbahnen im Rahmen einer Operation verletzt wurden, etwa wenn der Enddarm (Rektum- oder Sigma-Operation) oder bei Krebspatienten die Prostata entfernt wurde.

Impotenz durch Penisverletzungen

Neben den Nervenimpulsen aus dem Gehirn sind für eine Erektion auch ein intakter Penis und funktionierende Schwellkörper notwendig. In diesem Bereich können Verletzungen dazu führen, dass der Penis sich nicht versteift. So können Schwellkörper oder Nerven im Genitalbereich bei einem Penisbruch, durch Unfälle, Schnitt- und Hiebverletzungen dauerhaft beschädigt werden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Arterienverkalkung (Atherosklerose) oder Herzrhythmus-Störungen gehen häufig mit einer Erektilen Dysfunktion einher.

Eine große US-amerikanische Studie ergab:

Rund 39 Prozent der untersuchten Männer, die wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen Medikamente einnahmen, litten unter schweren Potenzstörungen (Massachusetts Male Aging Study, Journal of Urology, 1994). Die Forscher fanden zudem heraus, dass viele Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ED übereinstimmen - darunter Rauchen und Übergewicht.

Penis ist "verkalkungsgefährdet"

Oft sind Potenzprobleme sogar der erste Hinweis darauf, dass das Herz-Kreislauf-System geschädigt ist. Denn das feine Adergeflecht im Penis ist besonders "verkalkungsgefährdet": Lagert sich eine zähe Plaque-Schicht aus Blutfetten und anderen Substanzen an den Innenwänden der Blutbahnen ab (Atherosklerose), sind diese nicht mehr in der Lage, sich zu weiten, und die Erektion bleibt aus. 

Ein weiterer möglicher Auslöser für Probleme mit der Potenz sind bestimmte Herz-Kreislauf- Medikamente. Beispielsweise können Betablocker, die zur Senkung des Bluthochdrucks verordnet werden, in einzelnen Fällen eine Erektion verhindern.

Angst um's Herz als Lustkiller

Auch die Psyche trägt ihren Teil zum gestörten Liebesleben bei: Viele Herz-Kreislauf-Patienten fürchten, das geschwächte Pumporgan beim Sex zu überfordern. Meist ist diese Sorge aber unbegründet, da sexuelle Aktivitäten Herz und Kreislauf nicht übermäßig belasten. Wer in normalem Tempo Treppen steigen kann, ohne aus der Puste zu kommen, braucht sich keine Sorgen zu machen.

Weniger fitte Männer mit Herzproblemen sollten ihren Kreislauf wieder behutsam in Schwung bringen. Insgesamt sind plötzliche Todesfälle beim Geschlechtsverkehr zwar äußerst selten, nichtsdestotrotz kann sich die Angst als beträchtliches Hindernis in Sachen Sexualität erweisen. Wer einen Herzinfarkt hinter sich hat, dem erscheint ein lustvoll gesteigerter Puls möglicherweise als bedrohlich.

Mehr als 150 Millionen Menschen weltweit leiden unter Diabetes, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Für Österreich gehen die Schätzungen bis zu 600.000 Betroffenen - von denen viele über ihre Erkrankung nicht einmal Bescheid wissen.

Bei Männern zählt die Erektile Dysfunktion (ED) zu den häufigsten Folgeschäden.

Diabetiker haben nicht nur häufiger Erektionsstörungen als Nicht-Diabetiker, die ersten Aussetzer ereignen sich auch tendenziell in jüngerem Lebensalter. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Problemen mit der Potenz kommt, steigt bei Diabetikern mit der Krankheitsdauer, dem Alter und dem Ausmaß der Folgeschäden. Was die Zahlen betrifft, kommen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen: Zwischen 30 und 50 Prozent der betroffenen Männer sollen unter Erektionsstörungen leiden.

Zerstörerischer Blutzucker

Vor allem langfristig erhöhte Blutzuckerwerte gefährden die Potenz. Die Zuckermoleküle lagern sich an den Wänden der Blutgefäße ab und führen dort zu einer Zerstörung der äußeren Zellschichten. Aufgrund der dadurch ausgelösten Entzündung verengen sich die Blutgefäße, es kann nicht mehr genügend Blut in die Schwellkörper fließen und der Penis bleibt schlaff. 

Auch die Nervenzellen können unter den erhöhten Zuckerwerten leiden, weil sie nicht ausreichend mit Blut versorgt werden. Die Zuckermoleküle setzen sich außerdem direkt an den Nervenenden fest. Die Folge: Die erektionsauslösenden Signale des Gehirns werden nicht weitergeleitet und die Erektion bleibt aus. Hinzu kommt, dass viele Diabetiker unter Bluthochdruck leiden, und so genannte Betablocker einnehmen. Diese Medikamente sind ebenfalls dafür bekannt, in Einzelfällen Erektionsstörungen hervorzurufen.

++ Mehr zum Thema: Medikamente als Ursache für ED ++

ED-Therapie bei Diabetes

Der beste Schutz vor einer diabetesbedingten ED ist natürlich ein langfristig gut eingestellter Blutzucker - was bei vielen Diabetikern nicht der Fall ist. Potenzstörungen als Folge des Diabetes lassen sich zunächst medikamentös behandeln. Wenn Nervenbahnen und Blutgefäße allerdings schon stark geschädigt sind, bleibt als letzte Therapiemaßnahme nur ein operativer Eingriff, beispielsweise das Implantieren eines mechanischen Schwellkörpers.

++ Mehr zum Thema: Penisprothese ++

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Redaktionelle Bearbeitung:
Jochen Niehaus (Arzt), NetDoktor.at

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