Hypokalzämie (Kalziummangel, Hypocalcämie)

Kalziummangel
Verschiedene Faktoren können den Kalziumspiegel unter den Normbereich sinken lassen und so zu einem Kalziummangel führen. (Ca-ssis / iStockphoto)

Bei einer Hypokalzämie ist der Kalziumspiegel im Blut zu niedrig. Ein Mangel kann zu Knochen-, Muskel- und Nervenschäden führen.

Kurzfassung:

  • Hypokalzämie bezeichnet den Mangel an Kalzium im Blut.
  • Zu Beginn der Erkrankung treten kaum Symptome auf.
  • Bei einem starken Mangel kann es zu Muskelzuckungen und -krämpfen kommen.
  • Die Hypokalzämie wird mit Infusionen oder der Gabe von Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten behandelt.

Im Körper eines erwachsenen Menschen sind etwa 1.200 Gramm Kalzium (Ca) gespeichert. Der größte Anteil davon (99%) ist in einer speziellen Form – dem „Hydroxylapatit“ – im Knochen und in den Zähnen enthalten und sorgt dort unter anderem vor allem für die Stabilität des Knochengewebes. Nur einen kleinen Teil (1%) des über die Nahrung aufgenommenen Kalziums findet man im Blut oder in den Körperzellen. Erwachsene benötigen ca. 1.000 mg Kalzium pro Tag. Besonders reich an Kalzium sind Milchprodukte, Sojaprodukte sowie grünes Gemüse wie Brokkoli, Petersilie oder Fenchel.


Welche Aufgaben hat Kalzium?

Neben der Funktion als Knochenbaustein spielt das Kalzium eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung, bei der Signalübermittlung von Hormonen und bei Vorgängen der Reizübertragung in den Nerven und der Kontraktion von Muskeln.

Der Kalziumspiegel im Blut wird durch Hormone, Vitamin D, Phosphat-Stoffwechsel und die Nahrung beeinflusst. Die Regulation des Kalziumspiegels übernehmen hauptsächlich folgende Hormone:

  • Parathormon: Dieses wird in der Nebenschilddrüse gebildet und steigert unter anderem den Kalziumspiegel über eine Mobilisation des Kalziums aus dem Knochen.
  • Vitamin D3: Die Vorstufe dieses Hormons wird entweder über den Darm aufgenommen oder unter UV-Einwirkung in der Haut gebildet sowie über verschiedene Zwischenstufen in der Leber und Niere in eine aktive Form umgewandelt. Es hebt den Kalziumspiegel, indem es vor allem die Kalziumaufnahme aus dem Darm fördert.
  • Calcitonin: wird in der Schilddrüse gebildet. Es senkt den Kalziumspiegel, indem es den Einbau von Kalzium in den Knochen fördert.


Was ist ein Kalziummangel?

Verschiedene Faktoren können den Kalziumspiegel unter den Normbereich sinken lassen und so zu einem Kalziummangel führen. Bei Werten unter 2,2 (also 2,2) mmol/l spricht man von einer Hypokalzämie. Mögliche Ursachen dafür sind:

  • Mangel an Albumin (Hypalbuminämie), z.B. bei Leberzirrhose
  • mangelhafte Aufnahme von Kalzium und/oder Vitamin D durch den Darm, z.B. im Rahmen entzündlicher Darmerkrankungen (Durchfall, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Zöliakie)
  • Niereninsuffizienz (erhöhter Kalziumverlust über die Nieren)
  • Unterfunktion der Nebenschilddrüse und damit Mangel an Parathormon
  • akute Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • bestimmte Medikamente (Antiepileptika, Kortison, Diuretika)
  • Eine andere, häufige Ursache des relativen Kalziummangels kann eine einseitige und kalziumarme Ernährung vor allem des älteren Menschen sein – gerade dort, wo sie auch mit Bewegungsmangel (Immobilität) und Mangel an Sonnenexposition vergesellschaftet ist.
  • erhöhter Kalziumbedarf in der Schwangerschaft und Stillzeit
  • Essstörungen wie Bulimie
  • Überfunktion der C-Zellen der Schilddrüse (vermehrte Bildung von Calcitonin)


Welche Symptome treten auf?

Eine leichte Hypokalzämie verursacht kaum Beschwerden. Das Ausmaß der Symptome hängt stark von der Ausprägung des Kalziummangels ab. Folgende Symptome können auftreten:

  • erhöhte muskuläre und nervale Erregbarkeit (Zuckungen der Muskulatur, Muskelkrämpfe bei erhaltenem Bewusstsein, Spasmen der glatten Muskulatur)
  • Verstimmtheit, Depression und Angstzustände
  • Herzrhythmusstörungen
  • Ausbildung einer Katarakt (Linsentrübung)


Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Nach einer ausführlichen Anamnese (= Erhebung der Krankengeschichte) wird der Arzt Laboruntersuchungen von Blut und Urin anordnen. Weiters kann er eventuelle Veränderungen im EKG feststellen.


Wie wird eine Hypokalzämie behandelt?

Akut wird die Hypokalzämie durch die Gabe einer Kalzium enthaltenden Infusion oder durch die Gabe von Kalzium- und Vitamin-D-Präparaten behandelt. Falls die Ursache der Hypokalzämie eine Krankheit ist, muss diese behandelt werden.

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Autoren:
Prof. Dr. Harald Dobnig (Erstautor 2004),
Medizinisches Review:
Dr. Thomas Schwingenschlögl
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Astrid Leitner

Stand der Information: April 2018
Quellen

Journal für Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel: Hypokalziämie und Hyperkalziämie, 2011; http://www.kup.at/kup/pdf/10154.pdf (letzter Zugriff: 04.04.2018)
 

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