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Hyperkalzämie (Hypercalcämie, hoher Kalziumspiegel im Blut)

Zu hoher Kalziumwert im Blut
Eine Hyperkalzämie wird über eine Blutuntersuchung diagnostiziert. (508213508 / iStockphoto)

Als Hyperkalzämie wird ein zu hoher Kalziumspiegel im Blut bezeichnet. Während ein nur leicht erhöhter Wert keine oder nur leichte Beschwerden verursacht, kann ein sehr hoher Kalziumwert lebensbedrohlich werden.

Kurzfassung:

  • Kalzium ist ein Mineralstoff, der zu 98% in der Knochensubstanz gebunden ist.
  • Ist der Kalziumwert im Blut erhöht, spricht man von Hyperkalzämie.
  • Eine Hyperkalzämie entsteht meist infolge vermehrten Knochenabbaus.
  • Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein.
  • Die Diagnose Hyperkalzämie wird in der Regel über eine Blutuntersuchung gestellt.

 


Kalzium ist der mengenmäßig wichtigste Mineralstoff im menschlichen Körper. Etwa 98% des Gesamtkalziums (rund 1.000 g) sind im Knochengewebe und im Zahnschmelz gebunden und sorgen für die Festigkeit und Stabilität dieser Gewebe. Die restlichen 2% zirkulieren im Körper. Eine Hälfte des zirkulierenden Anteils ist freies (ionisiertes) Kalzium, die andere Hälfte ist an Eiweiße (Albumin und Globulin) oder anorganische Moleküle (Bicarbonat oder Phosphat) gebunden.

Gemeinsam mit Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor oder Chlorid zählt Kalzium zu den Elektrolyten, die wiederum an lebenswichtigen Stoffwechselfunktionen im Körper beteiligt sind. Sie alle werden aber nicht vom Körper selbst hergestellt, sondern müssen mit Nahrung und Getränken zugeführt werden.

Wofür benötigt der Körper Kalzium?

  • Knochenmineralisation: Kalzium ist ein wichtiger Bestandteil von Zähnen und Knochen.
  • Nerven- und Muskelerregbarkeit: Nervenimpulse werden in Muskelaktivität umgesetzt.
  • Blutgerinnung
  • Ausschüttung von Hormonen
  • Regulierung von Enzymaktivität

Diese Funktionen können allerdings nur bei exakter Einhaltung der Konzentration im Blut korrekt ablaufen. Die Regulation dieser Konzentration wird von verschiedenen Hormonen gesteuert:

Parathormon – der wichtigste Regulator: Es wird in der Nebenschilddrüse gebildet und steigert unter anderem den Kalziumspiegel durch Mobilisation des Kalziums aus den Knochen. Gleichzeitig wird Kalzium bei der Konzentrierung des Harns in der Niere „zurückgehalten“, d.h. weniger ausgeschieden.

Calcitonin: Es wird in der Schilddrüse gebildet und senkt den Kalziumspiegel, indem es den Einbau von Kalzium in den Knochen fördert. Beim Menschen ist im Unterschied zu den Fischen die Bedeutung dieses Hormones sehr gering.

Vitamin D: Die Vorstufe dieses Hormons wird entweder aus der Nahrung über den Darm aufgenommen oder unter UV-Einwirkung in der Haut gebildet und über verschiedene Zwischenstufen in Leber und Niere, aber auch in vielen anderen Zellsystemen in eine aktive Form umgewandelt. Es hebt den Kalziumspiegel, indem es vor allem die Kalziumaufnahme aus dem Darm fördert.

Was ist eine Hyperkalzämie?

Eine Hyperkalzämie bezeichnet einen zu hohen Kalziumspiegel im Blut. Der Normwert des Gesamtkalziums im Blut liegt bei 2,2–2,6 mmol/l. Wird im Labor ein Gesamtkalzium von > 2,6 mmol/l oder ionisiertes Kalzium > 1,3 mmol/l festgestellt, liegt eine Hyperkalzämie vor. Akut lebensbedrohlich gilt ein Gesamtkalziumwert ab > 3,5 mmol/l.

Welche Ursachen hat eine Hyperkalzämie?

Ein zu hoher Kalziumwert im Blut kann unterschiedliche Ursachen haben, die in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden müssen. Meist entsteht er aber infolge eines vermehrten Knochenabbaus.

Ursachen dafür können sein:

  • Störung der Nebenschilddrüsen: primärer Hyperparathyreoidismus
  • Bösartige Tumoren: Lungen- oder Brustkrebs, Prostatakarzinom, multiples Myelom
  • Hyperthyreose: Überfunktion der Schilddrüse
  • Lymphome
  • Knochenabbau durch fehlende Bewegung (Immobilisation)
  • Sarkoidose
  • Kalziumpräparate (z.B. Kalziumkarbonat als Phosphatbinder bei Niereninsuffizienz)
  • Medikamente: Thiaziddiuretika, Tamoxifen-Medikation, übermäßige Vitamin-D-Zufuhr
  • Ernährung
  • Erkrankungen mit Knochenbeteiligung

Welche Symptome treten auf?

Symptome treten meist erst bei Werten > 2,8–2,9 mmol/l auf. Diese sind aber – insbesondere bei nur geringgradiger Erhöhung – sehr unspezifisch:

  • vermehrter Harndrang
  • gesteigerter Durst
  • erschwerter Stuhlgang, Verstopfung
  • Übelkeit, Erbrechen

Je mehr Kalzium im Blut zirkuliert, desto schwerer wird die Symptomatik. Bei hohen Werten kommt es schließlich zu:

  • Polyurie, Austrocknung, Nierensteinen
  • Müdigkeit, Muskelschwäche, Lähmungserscheinungen
  • Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen), Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, Pankreatitis
  • Antriebslosigkeit, Bewusstseinsstörung bis hin zum Koma
  • Einbau von Kalzium (Kalzifizierung) in Niere, Magen und Lungen

Eine Kalziumvergiftung (Intoxikation) kann akut lebensbedrohlich sein. Typische Symptome sind:

  • Apathie, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
  • Austrocknung
  • Niereninsuffizienz
  • Tachykardie („Herzrasen“)
  • Herzstillstand

Wie erfolgt die Diagnose?

  • Blutuntersuchung

Eine (leichte) Hyperkalzämie wird häufig nur im Rahmen von Routine-Blutkontrollen entdeckt.

Durch die Bindung von Kalzium an Eiweiße (vor allem Albumin) kann der Messwert der Gesamtkalziumkonzentration im Blut zu hoch oder zu niedrig sein, ohne dass tatsächlich eine Erhöhung oder Erniedrigung des biologisch wirksamen ionisierten Kalziums vorliegt. Liegt die Albumin- oder Gesamteiweißkonzentration also nicht innerhalb der Normwerte, muss der Gesamtkalziumwert im Labor rechnerisch korrigiert werden.

Wesentliche Rückschlüsse darauf, welche Ursache die Kalziumerhöhung hat, erlauben die Bestimmung von Parathormon, Vitamin D sowie die Kalziumkonzentration im Harn.

  • Klinische Untersuchung
  • Neurologische Untersuchung
  • EKG: QT-Zeit-Verkürzung, AV-Block, Arrhythmien
  • Urinausscheidung: Polyurie
  • Röntgen: Kalzifizierung, Knochenabbau, Tumoren, Sarkoidose

Wie erfolgt die Therapie?

Welche Behandlung notwendig ist, hängt vom Ausmaß und der Ursache der Hyperkalzämie ab. Wird eine ursächliche Grunderkrankung wie etwa ein Tumor festgestellt, muss diese behandelt werden. Die symptomatische Therapie soll die Kalziumausscheidung fördern und den Abbau von Kalzium aus den Knochen reduzieren.

  • Leichte Hyperkalzämie (Gesamtkalzium ≤ 3,0 mmol/l):

Viel Flüssigkeit trinken (kein kalziumhaltiges Mineralwasser), Infusionen mit isotonischer Kochsalzlösung als Flüssigkeitsersatz; orales Phosphat reduziert die Aufnahme von Kalzium; Schleifendiuretika (Erhöhung des Harnflusses)

  • Mäßig schwere Hyperkalzämie (Gesamtkalzium 3,0 – ≤ 3,5 mmol/l):

Bisphosphonat, Kortikosteroide, evtl. Calcitonin (verlangsamt die Freisetzung von Kalzium aus den Knochen)

  • Schwere Hyperkalzämie (> 3,5 mmol/l):

Blutwäsche (Dialyse)

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.Prof. Dr. Harald Dobnig
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

MSD Manual: Hyperkalzämie, Stand 2018; https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/endokrine-und-metabolische-krankheiten/elektrolytst%C3%B6rungen/hyperkalz%C3%A4mie (letzter Zugriff am 20.11.2019)

Labors.at: Analysenverzeichnis – Calcium; https://www.labors.at/befundabfrage/analysenverzeichnis.xhtml (letzter Zugriff am 20.11.2019)

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