Humane Papillomaviren (Humanpathogene Papilloma-Viren, HPV-Infektionen, HPV)

HPV kann Gebärmutterhalskrebs verursachen.
HPV steht für Humanes Papilloma Virus. (luismmolina / iStockphoto)

Infektionen mit dem humanpathogenen Papilloma-Virus (HPV) gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen. Neben harmlosen Genitalwarzen können HPV-Infektionen auch schwerwiegende (Tumor-)Erkrankungen im Bereich des Genitaltrakts, des Darmausgangs oder im Rachenraum zur Folge haben.

Kurzfassung:

  • HPV steht für humanes Papillomavirus.
  • Vier von fünf Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit HPV in Kontakt.
  • In den meisten Fällen verlaufen HPV-Infektionen unbemerkt und heilen von selbst wieder aus.
  • In seltenen Fällen können sich aus lang anhaltenden HPV-Infektionen über die Jahre schwerwiegende Erkrankungen entwickeln, am häufigsten Gebärmutterhalskrebs.
  • Die wichtigste Vorsorgemaßnahme gegen Erkrankungen, die sich aus HPV-Infektionen entwickeln, ist die HPV-Impfung.

Was sind humane Papillomaviren?

Humane Papillomaviren (HPV) sind Krankheitserreger, die nur beim Menschen vorkommen und Hautveränderungen bzw. Entzündungen hervorrufen können. Sie dringen – durch kleine Risse oder Verletzungen – in die Schleimhäute ein und vermehren sich dort im Inneren der Zellen. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit befallenen Haut- oder Schleimhautzellen.

Beim Großteil der Betroffenen kann das Immunsystem die Viren erfolgreich bekämpfen. Gelingt dies nicht, kann eine chronische HPV-Infektion zu unterschiedlichen (Tumor-)Erkrankungen führen.

Derzeit sind rund 150 verschiedene HPV-Typen bekannt. Etwa 40 davon verursachen Infektionen von Haut- und Schleimhautzellen im Genitalbereich („genitale HPV“), andere befallen das Gesicht, die Hände oder Füße.

Einteilung genitaler HP-Viren

Genitale HP-Viren werden in Niedrigrisiko- und Hochrisikotypen eingeteilt:

  • Niedrigrisiko-Virustypen

Niedrigrisiko-HP-Virustypen führen zu Genitalwarzen oder anderen gutartigen Veränderungen am äußeren Genitalbereich, in der Scheide und am Gebärmutterhals. Diese sind zwar unangenehm, in der Regel aber harmlos. Bei einem Drittel der Betroffenen verschwinden sie unbehandelt von selbst wieder. Die HP-Viren werden hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr übertragen. Am häufigsten sind die Virustypen HPV 6 und HPV 11 für die Entstehung von Genitalwarzen verantwortlich.

+++ Mehr zum Thema: Feigwarzen +++

  • Hochrisiko-Virustypen

Hochrisiko-HP-Virustypen erhöhen das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen. Eine entsprechende Infektion bedeutet jedoch nicht, dass sich tatsächlich ein Tumor entwickeln wird; die Zellveränderungen können auch ohne Behandlung wieder ausheilen.

Unter Umständen – und nur sehr selten – entwickeln sich aus diesen Zellveränderungen über mehrere Zwischenschritte Krebsvorstufen bis hin zum Krebs, am häufigsten Gebärmutterhalskrebs. Dieser Prozess kann Jahre bis Jahrzehnte dauern. Nicht zuletzt deshalb ist es besonders wichtig, bei der jährlichen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung einen Krebsabstrich durchführen zu lassen. Nur so können mögliche Veränderungen am Gebärmutterhals frühzeitig erkannt und entsprechend therapiert werden.

Die am häufigsten in Tumorgewebe aus dem Gebärmutterhals nachgewiesenen HP-Virustypen sind HPV 16 und HPV 18. Neben Gebärmutterhalskrebs können HPV auch das Risiko für Tumoren in der Scheide, am Penis, am After sowie im Mund- und Rachenraum erhöhen. Solche Tumoren sind jedoch deutlich seltener als jene am Gebärmutterhals.

Welche Erkrankungen können durch HP-Viren ausgelöst werden?

Wie werden HP-Viren übertragen?

Die meisten Menschen kommen irgendwann im Leben in Kontakt mit humanen Papillomaviren (HPV): Schätzungen zufolge stecken sich vier von fünf Personen im Laufe des Lebens mit HPV an, meist ohne davon etwas zu bemerken.

In den meisten Fällen erfolgt die Ansteckung über sexuelle Kontakte. HP-Viren können aber auch während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Auch enger Hautkontakt kann zu einer Ansteckung führen: Kondome bieten daher keinen sicheren Schutz vor einer Übertragung von HP-Viren. Eine Ansteckung über Körperflüssigkeiten wie Sperma, Blut oder Speichel gilt als unwahrscheinlich.

Im Gegensatz zu vielen anderen Infektionserkrankungen wird der Organismus nach einer vorangegangenen HPV-Infektion nicht gegen die Viren immun. Man kann sich also wiederholt mit HPV anstecken.

Frauen und Männer stecken sich ähnlich häufig an. Mögliche Infektionsfolgen wie Krebs entwickeln sich bei Männern jedoch seltener.

Wie wird eine HPV-Infektion diagnostiziert?

Die meisten Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit HP-Viren in Kontakt, doch nur bei sehr wenigen entwickelt sich aus einer HPV-Infektion eine schwerwiegende Erkrankung. Aus diesem Grund ist es auch nicht notwendig, routinemäßig nach HP-Viren zu suchen.

Wonach jedoch im Rahmen der jährlichen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung gesucht wird, sind krankhafte Veränderungen am Gebärmutterhals, die als Folgeerkrankung einer HPV-Infektion entstanden sind. Bei diesem Krebsabstrich (PAP-Test) werden Zellen von der Oberfläche des Gebärmutterhalses mithilfe einer kleinen Bürste abgeschabt und anschließend unter dem Mikroskop untersucht. Auffällige Zellen im Abstrich deuten auf eine krankhafte Veränderung hin. Je nach Schweregrad werden die Bezeichnungen PAP 1 bis PAP 5 gewählt.

Bei äußerlichen Veränderungen an den Schleimhäuten oder an der Haut erfolgt die Diagnose anhand des klinischen Bildes. Zusätzlich stehen Histologie (Beurteilung von Zellen unter dem Mikroskop), PCR (Nachweis des Viruserbguts) und Hybridisationstechniken zur Verfügung.

Wurde bereits einmal eine Zellveränderung durch HP-Viren festgestellt, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen besonders wichtig. Auch Männer sollten bei Veränderungen am Penis nicht zögern und ihren Hautarzt oder Urologen aufsuchen.

Therapie einer HPV-Infektion

Bislang gibt es noch keine Therapie, die HP-Viren aus dem Körper eliminieren kann. Für die Behandlung von Genitalwarzen stehen unterschiedliche Therapieoptionen zur Verfügung.

Warzen oder HPV-Infektionen im Bereich des Afters sind unbedingt von einem Facharzt (Proktologe, Dermatologe, Urologe oder Gynäkologe) zu untersuchen. Vor einer Spiegelung des Enddarms sollten die Warzen um den Analeingang entfernt werden, da die Viren sonst in den Enddarm verschleppt werden können.

Wie kann man sich vor einer HPV-Infektion schützen?

Die Übertragung von genitalen HP-Viren erfolgt in erster Linie über sexuellen Kontakt. Vor allem bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern sollte daher grundsätzlich niemals auf das Kondom verzichtet werden, dennoch schützt es aber nur bedingt vor HPV-Infektionen.

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung von HPV-bedingten Erkrankungen ist die HPV-Impfung. Sie sollte möglichst früh – vor dem ersten Geschlechtsverkehr – erfolgen. Seit 2016 ist die 9-fach-HPV-Impfung im kostenlosen Kinderimpfprogramm enthalten. Die Impfung wird aber nicht nur für 9- bis 12-jährige Buben und Mädchen empfohlen, auch Jugendliche und Erwachsene können davon profitieren.

+++ Mehr zum Thema: HPV-Impfung +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. med. Eva Lehner-Rothe
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Webseite gesundheitsinformation.de: Humane Papillomaviren (HPV), Stand 2017; https://www.gesundheitsinformation.de/humane-papillomviren-hpv.2109.de.html?part=ursachen-fc (letzter Zugriff am 15.05.2019)

Gesundheit.gv.at: Humanes Papilloma-Virus (HPV, Feigwarzen), Stand 2017; https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/immunsystem/geschlechtskrankheiten/feigwarzen-hpv (letzter Zugriff am 15.05.2019)

Ministerium für Frauen und Gesundheit: HPV-Impfung gegen Krebs; https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/2/8/5/CH4062/CMS1471591660785/hpv-impfung-infobroschure.pdf (letzter Zugriff am 15.05.2019)

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