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Höhenkrankheit (Acute Mountain Sickness, AMS)

Höhenkrankheit, AMS
Der sinkender Sauerstoffgehalt in der Luft und Luftdruck ab 2.500 m erschwert die Aufnahme von Sauerstoff. Dem Körper Zeit geben, um sich anzupassen ist die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung der Höhenkrankheit. (Nora Doa / Fotolia.com)

Bereits ab einer Höhe von etwa 2.500 Metern kann es zu Symptomen der Höhenkrankheit kommen. Dabei kann der Körper durch den geringeren Sauerstoffgehalt der Luft und den sinkenden Luftdruck nicht verarbeiten und entwickelt unterschiedliche Symptome.

Kurzfassung:

  • Die Höhenkrankheit (AMS) kann ab 2.500 Höhenmetern auftreten.
  • Sie entsteht durch den geringeren Sauerstoffgehalt in der Luft und dem sinkenden Luftdruck, wenn zu viele Höhenmeter in kurzer Zeit gemacht werden und die Versorgung des Körpers dadurch erschwert wird.
  • Die Höhenkrankheit tritt bei ca. 30% der Bergsteiger auf, die sich über 3.000 m befinden. Es gibt keine Hinweise darauf, wer besonders anfällig dafür ist.  
  • Meist sind die Beschwerden unspezifisch und ungefährlich, es können sich aber auch lebensbedrohliche Hirn- oder Lungenödeme durch AMS entwickeln.
  • Langsames Aufsteigen ist die beste Gegenmaßnahme.

Was ist die Höhenkrankheit?

Die Höhenkrankheit (Acute Mountain Sickness, AMS) entsteht, wenn der Sauerstoffpartialdruck der Luft rapide abnimmt, und der Körper nicht genug Zeit hat, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen. In einer Höhe von 5.000 Metern ist der Sauerstoffpartialdruck nur noch halb so hoch wie auf Meereshöhe. Die geringe Sauerstoffversorgung und der verminderte Druck in den Lungenbläschen haben zur Folge, dass sich vermehrt Wasser aus den Blutgefäßen in das umgebende Gewebe einlagert. Dies kann besonders Lunge und Gehirn schwer wiegende Probleme bereiten –es entwickelt sich ein Hirnödem (High Altitude Cerebral Edema, HACE) bzw. ein Lungenödem (High Altitude Pulmonary Edema, HAPE).

Neben diesen beiden lebensbedrohlichen Erkrankungen kann es auch zu einer Reihe unspezifischer Beschwerden kommen, die als Höhenkrankheit bezeichnet werden. Die akute milde Höhenkrankheit ist sehr häufig. Sie tritt immerhin bei rund 30 Prozent der Bergwanderer auf, die sich auf über 3.000 m befinden. Auch schwerere – mitunter sogar lebensbedrohliche – Erkrankungsformen sind nicht selten.

Welche Beschwerden verursacht die Höhenkrankheit?

Die Symptome beginnen meist mit KopfschmerzenSchwindelÜbelkeit und einem allgemeinen Unwohlsein. Der Puls beschleunigt sich. Bereits diese Frühwarnzeichen einer beginnenden Höhenkrankheit müssen ernst genommen werden, zumindest sollte sofort eine Rast eingelegt werden. Nur wenn die Beschwerden völlig verschwinden, kann es weitergehen. Setzt man hingegen den Aufstieg fort, verschlechtert sich der Zustand innerhalb von 12 bis 24 Stunden. Es kommt zu deutlichen Warnzeichen:

  • Starke Übelkeit mit Erbrechen
  • Starker Dauerkopfschmerz
  • Rapider Leistungsabfall
  • Herzrasen
  • Atembeschwerden
  • Psychische Symptome: Antriebslosigkeit, Verwirrtheit
  • Trockener Husten
  • Schwindelgefühl
  • Gangunsicherheit
  • Verminderte Urin-Ausscheidung (weniger als ein halber Liter dunkler Urin pro Tag)
  • Schlaflosigkeit

Werden die Symptome weiterhin ignoriert, besteht akute Lebensgefahr! Es müssen sofort Notfallmaßnahmen getroffen und der Abstieg begonnen werden.

Im Endstadium der Höhenkrankheit verschlimmern sich die Beschwerden weiter: Die Kopfschmerzen werden unerträglich stark, Herzrasen und Übelkeit nehmen ebenfalls zu. Die körperliche Leistungsfähigkeit kann völlig zusammenbrechen, so dass ein Abstieg unmöglich wird. Bei einem Lungenödem erschwert ständiger schwerer Husten die ohnehin beeinträchtigte Atmung, es wird rostbrauner Schleim abgehustet. Die Urin-Ausscheidung kommt gänzlich zum Erliegen. Entsteht ein Hirnödem, treten Halluzinationen auf und es besteht starke Lichtscheu. Manche Patienten führen sich in diesem Stadium "verrückt" auf und bringen sich und andere dabei in Gefahr. Die anfängliche Benommenheit kann sich schließlich bis zur Bewusstlosigkeit hin steigern. Wenn nichts unternommen wird, führt die Erkrankung zum Tode.

Wer ist gefährdet eine Höhenkrankheit zu bekommen?

Die Höhenkrankheit kann jeden treffen. Vorhersagen hinsichtlich einer besonderen Gefährdung bestimmter Personen gibt es nicht. Alte Menschen sind ebenso häufig betroffen wie jüngere, Männer ebenso oft wie Frauen, Sportler nicht seltener als Untrainierte. Nicht einmal das Rauchen spielt bei der Entwicklung der Höhenkrankheit eine Rolle. Lediglich bei Kindern scheint eine größere Anfälligkeit zu bestehen. 

+++ Mehr zum Thema: Der Berg ruft: Was in die Wander-Apotheke gehört +++

Wie kann man der Höhenkrankheit vorbeugen?

Der einzig effektive Schutz vor der Höhenkrankheit ist die richtige "Taktik" beim Aufstieg: Beim Erklimmen großer Höhen sollte nicht zu schnell vorgegangen werden, um dem Körper die nötige Zeit zur Anpassung an die veränderten Bedingungen zu geben. Pro Tag sollten dabei nicht mehr als 300 bis 500 Höhenmeter überwunden werden. Bei Besteigungen von 4.000- 5.000 Höhenmetern wird empfohlen, zur Eingewöhnung einige Tage auf etwa 3.000 m zu verbringen. Erst nach Ende dieser Akklimatisierungs-Phase sollte man langsam weiter steigen.

Wie passt sich der Körper an die Höhe an?

Der Organismus besitzt eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an Änderungen des Umgebungsdruckes. Die vielen Millionen Menschen, die auf über 3.500 Metern leben haben keinerlei Probleme damit. Wenn unser Urlaubsflieger dagegen auf über 3.000 m  landet, ist der Körper noch nicht auf die dortigen Verhältnisse vorbereitet. Folgendes passiert im Körper: Es steigt der Gehalt an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Normalerweise liegt der Anteil dieser Sauerstofftransporter (Hämatokrit) im Blut bei Männern zwischen 42-50 Prozent, bei Frauen etwas darunter. Nach Ablauf von zwei Wochen ist dieser Anteil um 10 Prozent gestiegen. Leistungssportler machen sich diesen Effekt beim Höhentraining zunutze, um die Sauerstoff-Transportkapazität ihres Blutes zu steigern. Bei längeren Aufenthalten in extremer Höhe kann der Hämatokrit sogar auf 70 Prozent ansteigen.

Diese Anpassung birgt aber auch Nachteile: Der erhöhte Anteil fester Blutkörperchen behindert die Fließeigenschaften des Blutes, wodurch die Gefahr von Thrombosen (Verstopfen von Gefäßen durch verklumpte Blutkörperchen) steigt.

Neben der Transportkapazität des Blutes verbessert sich auch die Sauerstoffnutzung: In der Muskulatur sprießen neue Kapillaren, die Endversorgungsleitungen des Gefäßsystems.

Auch auf molekularer Ebene wird versucht, das geringe Sauerstoffangebot der Umgebung bestmöglich zu nutzen: Enzymsysteme in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle, laufen jetzt auf Hochtouren.

+++ Mehr zum Thema: Creatinkinase +++

Wie wird die Höhenkrankheit behandelt?

Bei der Höhenkrankheit ist es wichtig, dass bereits bei den ersten Beschwerden dem Körper Zeit für die notwendige Anpassung gegeben wird.

Notfallmaßnahmen wie die Gabe von Sauerstoff, Behandlung in der Überdruckkammer/  Überdrucksack sowie gezielte Atemtechniken können die Beschwerden oft schnell verringern.

Verursachte die Höhenkrankheit schwere Symptome wie Anzeichen eines Hirn- oder Lungenödems, muss sofort mit dem Abstieg begonnen werden.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung bei Höhenkrankheit +++

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