Hodenkrebs (bösartiger Hodentumor)

Darstellung männlicher Genitalien bei Hodenkrebs
Hodenkrebs betrifft zumeist jüngere Männer und ist in den ersten beiden Stadien sehr gut heilbar. (OOZ - fotolia.com)

Bei allen Geweben und Organen treten verschiedene Arten von Geschwulsterkrankungen (Krebs) auf, so auch bei den Hoden. Insgesamt selten, stellt der Hodenkrebs bei Männern im Alter von 20 - 40 Jahren jedoch die häufigste Krebserkrankung dar. Weltweit ist eine stetige Zunahme an Neuerkrankungen zu verzeichnen.

Kurzfassung:

  •  Die genauen Ursachen für Hodenkrebs sind nicht bekannt.
  • Symptome des Hodenkrebses werden oft nicht erkannt.
  • Die Diagnose wird nach einer Tast- und Ultraschalluntersuchung gestellt.
  • Zur Behandlung von Hodenkrebs gibt es 4 Therapiemöglichkeiten.

Die Hodentumoren (als Keimzelltumoren leiten sie sich von den Keimzellen des Hodens ab) werden in sogenannte Seminome und Nichtseminome (diese mit mehreren Untertypen) unterschieden. Diese Unterscheidung ist vor allem im Hinblick auf das verschiedene therapeutische Vorgehen bei den einzelnen Arten von Bedeutung.

Seminom und Nichtseminom kommen anteilsmäßig gleich häufig vor. Hodentumoren haben keine spezifische Symptomatik. Charakteristisch ist eine bei 70% der Patienten auftretende schmerzlose Schwellung.

Welche Ursachen für Hodenkrebs gibt es?

Die genaue Ursache für Hodenkrebs ist unbekannt, jedoch gibt es verschiedene Risikofaktoren, die ein erhöhtes Entartungsrisiko bedingen:

  • Vorangegangener Hodentumor
  • Hodenhochstand im Kindesalter
  • Unfruchtbarkeit und Hodenatrophie
  • Genetische Faktoren

Patienten die schon einmal an einem Hodentumor erkrankten, besitzen gegenüber der Normalbevölkerung ein 30x so großes Risiko, an einem Hodentumor der anderen Seite zu erkranken. Hodenhochstand (Maldescensus testis) im Kindesalter, auch wenn dieser erfolgreich operiert wurde, stellt ein Risiko für die Erkrankung an Hodenkrebs dar.

Ein erhöhtes Risiko besteht dabei auch für den anderen, normal in den Hodensack gewanderten Hoden. Familiäre Hodenkrebserkrankungen kommen statistisch gesehen häufiger vor, als es zu erwarten wäre.

Hodentumore treten überwiegend bei Weißen auf, Schwarzafrikaner und Asiaten sind seltener betroffen.

Bei bestehenden Risikofaktoren, sollten Sie regelmäßig eine Selbstuntersuchung durchführen, um auftretende Veränderungen rasch festzustellen. Zu achten ist dabei auf eine Änderung der Konsistenz und/oder eine Größenzunahme/Schwellung des Hodens. Die durchaus sehr guten Behandlungserfolge sind in erster Linie vom Zeitpunkt der Behandlung abhängig.

Hodenkrebs Symptome: Wie bemerkt man einen Hodentumor?

Die Krankheitszeichen sind nicht sehr typisch und werden von den oft Betroffenen verharmlost.

Das Leitsymptom ist meist eine schmerzende Größenzunahme des Hodens. Hodenkrebs wird dabei oft zufällig in Verbindung mit einem vergrößerten Hoden (Schwellung) oder einer knotigen Veränderung bemerkt. Die Veränderungen können dabei vom Betroffenen selbst ertastet werden.

Bei einem Teil der Betroffenen kann es zu unspezifischen Schmerzsymptomen kommen (Hodenschmerzen), gelegentlich wird ein Schweregefühl beschrieben. In späteren Stadien kann es zu Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und Leistungsknick kommen.

Bei Veränderungen an den Hoden sollte man nicht zögern, einen Arzt aufsuchen.

Wie wird Hodenkrebs diagnostiziert?

Der Arzt wird nach einer Befragung des Patienten eine Tastuntersuchung der Hoden vornehmen. Bei Verdacht auf Hodenkrebs wird er eine Ultraschalluntersuchung beider Hoden durchführen, welche ein Bild vom Inneren der Hoden erzeugt.

Ergibt sich bei der Untersuchung ein Verdacht auf einen Hodentumor, so muss der betreffende Hoden durch einen kleinen Eingriff über einen Schnitt in der Leiste freigelegt und entfernt werden (Semikastratio). Der betroffene Hoden wird mit dem zugehörigen Samenstrang und den Blutgefässen entfernt.

Gleichzeitig wird oft auch noch eine kleine Gewebeprobe des anderen nicht betroffenen Hodens untersucht, um eventuelle Veränderungen der Zellen (Vorläuferzellen eines Hodentumors) auszuschließen, die bei ca. 5 % der Betroffenen vorkommen können.

Mit weiteren Untersuchungen (Röntgenuntersuchung der Lunge, Computer-Tomographie des Brustraums, des Bauchraums und des Beckens) muss geklärt werden, ob bereits eine Absiedlung von Tumorzellen stattgefunden hat, um eine optimale Behandlung zu gewährleisten.

Zudem werden mittels Blutuntersuchung für die verschiedenen Tumorarten so genannte Tumormarker - dies sind spezielle Eiweißstoffe - bestimmt, die vor allem für den Verlauf und die Nachsorge der Erkrankung eine Rolle spielen (z.B. Alpha-Fetoprotein (AFP) und die Plazentare-Alkalische-Phosphatase (PLAP), Lactatdehydrogenase (LDH) und das Humane Choriongonadotropin (HCG).

Durch die vorgenommenen Untersuchungen erhält der Arzt wichtige Hinweise über die Art und Ausbreitung des Hodentumors um so ein der Krankheit entsprechendes Behandlungskonzept zu erstellen. Als Hilfe dient dabei die Einteilung des Tumors in Stadien (von I bis III).

Die Stadien I und II haben sehr gute Heilungschancen von über 90 %.

Die Behandlung von Hodenkrebs

Zur Behandlung gibt es vier verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

Bei allen Arten von Hodentumoren wird als operative Primärbehandlung der betroffene Hoden entfernt. Weitere von der Art und der Ausbreitung des Tumors abhängende eventuell notwendige Maßnahmen sind die Entfernung der Lymphknoten im Bauchraum, eine Strahlenbehandlung und/oder eine Chemotherapie.

Dem Behandlungskonzept und der Wahl und Kombination der Therapieformen liegen das Alter und die Verfassung des Betroffenen, die Einteilung des Hodenkrebses in Stadien, welche auch die mikroskopische Beurteilung in Seminom und Nicht-Seminom beinhaltet zu Grunde. - Seminome reagieren sensibler auf Bestrahlung als Nicht-Seminome.

Zur Kontrolle nach der Behandlung (Rezidivkontrolle) werden ebenfalls die oben erwähnten Tumormarker herangezogen sowie regelmäßige CT Untersuchungen durchgeführt. In jedem Fall sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich.

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Da die Betroffenen meist jüngere Männer sind, ist ein bestehender Kinderwunsch zu berücksichtigen und eventuell durch eine Konservierung von Sperma zu entsprechen.

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Prognose bei Hodenkrebs

Die Behandlungsergebnisse bei Hodentumoren sind sehr gut. Eine schnelle und frühzeitige Diagnose erhöht die Heilungschancen sehr. Die 5-Jahres-Heilungsraten liegen bei 95%. Bei einem kleinen Teil der geheilten Betroffenen (unter fünf Prozent) kann innerhalb von 20 Jahren auch der verbliebene gesunde Hoden von einem Hodenkrebs betroffen werden.

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Autoren:
Prof. Dr. Thomas Colombo

Stand der medizinischen Information:
Aktuelles aus dem netdoktor Forum

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