HIV und AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Human Immunodeficiency Virus, HI-Virus)

HIV und AIDS werden oft fälschlicherweise gleichgesetzt.
HIV und AIDS werden oft fälschlicherweise gleichgesetzt. (4421010037 / iStockphoto)

Die Abkürzung HIV steht für die englische Bezeichnung "Human Immunodeficiency Virus" - ein Begriff, der sich mit "menschliches Immunschwäche-Virus" übersetzen lässt. HIV ist also zunächst einmal der Name des Erregers einer Infektion, die zu einer Schwächung der menschlichen Immunabwehr führt. Das Vollbild dieser Erkrankung wird "Acquired Immune Deficiency Syndrome" (erworbenes Immunschwächesyndrom) genannt, kurz AIDS. Ganzen Text lesen



Kurzfassung:

  • HIV und AIDS werden fälschlicherweise häufig gleichgesetzt.
  • HIV steht für "Human Immunodeficiency Virus": Menschliches Immunschwäche-Virus
  • AIDS steht für"Acquired Immune Deficiency Syndrome: Erworbenes Immunschwächesyndrom.

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HIV und AIDS werden fälschlicherweise oftmals gleichgesetzt. Eine Infektion mit dem HI-Virus ist zwar stets die Ursache von AIDS, doch längst nicht jeder HIV-Infizierte leidet an der erworbenen Immunschwäche. Laut 34. Kohortenbericht der AHIVCOS leben in Österreich etwa 8.000 bis 9.000 Menschen mit HIV, rund 1.800 von ihnen sind an AIDS erkrankt. Dank medikamentöser Therapien haben Menschen mit HIV eine annähernd durchschnittliche Lebenserwartung mit zumeist guter Lebensqualität.  

Wie viele Menschen sind betroffen?

Dass die ersten Fälle von AIDS in den USA auftraten und das HI-Virus fast gleichzeitig von zwei Forschergruppen entdeckt wurde, liegt nur etwas mehr als 25 Jahre zurück. Seitdem hat sich die HIV-Infektion zu einer Länder und Kontinente überspannenden Krankheit entwickelt, die zu den größten medizinischen Problemen unserer Zeit zählt.

UNAIDS (gemeinsames Programm der Vereinten Nationen zur Reduzierung von HIV/AIDS) zufolge waren im Jahr 2016 mindestens 36,7 Millionen Menschen weltweit mit dem HI-Virus infiziert, davon 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren.  In Österreich wurden im Jahr 2016 447 HIV-positive Neudiagnosen registriert. Damit ist die Zahl ähnlich wie in den letzten Jahren. Das bedeutet, dass sich jeden Tag mindestens ein Mensch mit HIV ansteckt.

Wie erfolgt die Ansteckung mit HIV?

Die Infektion erfolgt ausschließlich über virushaltige Körperflüssigkeiten, wie Blut, Sperma und Vaginalsekret. Weitaus am häufigsten wird das HI-Virus beim ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner oder einer infizierten Partnerin übertragen. Homosexueller Geschlechtsverkehr zwischen Männern ist anteilsmäßig für den größten Teil der HIV-Infektionen verantwortlich, gefolgt von heterosexuellem Geschlechtsverkehr zwischen Männern und Frauen.

Einen nicht unerheblichen Prozentsatz der Betroffenen machen Drogenabhängige aus, die sich bei der intravenösen Verabreichung von Drogen durch kontaminierte Spritzen angesteckt haben. Darüber hinaus können HIV-positive Mütter das Virus während Schwangerschaft und Geburt auf das Kind übertragen. Auch eine Ansteckung über die Muttermilch ist möglich.

Welche Auswirkungen hat eine HIV-Infektion?

Das HI-Virus gehört zu den sogenannten Retroviren. Um sich zu vermehren, integriert dieser Virustyp sein Erbgut in jenes der Wirtszelle. Die Wirtszelle wird dadurch so umprogrammiert, dass sie selbst die Bestandteile für neue Viruspartikel herstellt. Das HI-Virus befällt T-Helferzellen und hier insbesondere die sogenannten CD4-Lymphozyten oder CD4-Zellen.

Die CD4-Lymphozyten zählen zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und haben eine entscheidende Rolle in der Koordinierung der Immunabwehr. Das HI-Virus zerstört einen gewissen Anteil der T-Helferzellen direkt, darüber hinaus beeinträchtigt es deren Funktionen. Je weniger funktionstüchtige CD4-Zellen sich im Blut finden, desto schwerer ist das Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen.

Mit Fortschreiten der Erkrankung nehmen die Zahl und die Funktionsfähigkeit der Helferzellen immer weiter ab, was dazu führt, dass das Immunsystem immer weniger in der Lage ist, den Organismus vor Krankheiten zu schützen. Als Folge kommt es zu einer dramatischen Verschlechterung des Gesundheitszustands und bei Ausbleiben einer Behandlung letztlich zum Tod des Betroffenen.

Wie können HIV-Infektionen verlaufen?

Eine HIV-Infektion kann in drei Phasen eingeteilt werden.

Phase 1: Akute HIV-Krankheit und Latenzphase

Gelangt das HI-Virus in den Körper, löst es eine Abwehrreaktion aus. Die dabei gebildeten Immunstoffe (Antikörper) sind aber nicht in der Lage, das Virus zu eliminieren, weil sie einerseits nicht in die Wirtszelle eindringen können und andererseits das Virus bei seiner Vermehrung ständig seine Oberflächenstruktur verändert, sodass es die Antikörper nicht mehr erkennen. So verbleibt das HI-Virus lebenslang im Körper.

Nach der Ansteckung vermehrt sich der Erreger zunächst explosionsartig. Oft verläuft diese frühe Krankheitsphase von den Betroffenen unbemerkt. In 40–90 Prozent der Fälle entwickelt sich einige Tage bis Wochen nach der Ansteckung die sogenannte akute HIV-Krankheit.

Die häufigste Symptome sind:

Nach etwa zwei Wochen verschwinden diese Beschwerden wieder. Am Ende dieser Phase hat sich die Zahl der T-Helferzellen wieder erholt und die Virusmenge im Blut stark abgenommen.

Daran schließt sich die Latenzphase an. Ohne therapeutische Intervention dauert sie im Durchschnitt rund zehn Jahre. In dieser Phase sind die Betroffenen frei von HIV-bedingten Krankheitserscheinungen, weil die körpereigene Abwehr das Virus weitgehend unter Kontrolle halten kann. Nichtsdestotrotz muss sich das Immunsystem tagtäglich mit den HI-Viren auseinandersetzen, und irgendwann verliert es diesen Kampf: Die Viruslast nimmt zu, die Zahl der T-Helferzellen ab.

Phase 2: Symptomatische Phase

Diese zunehmende Schwächung des Immunsystems läutet die symptomatische Phase ein. Zunächst zeigt sich die schwindende Funktionsfähigkeit der Abwehr in Form von Beschwerden wie Nachtschweiß, Fieberschüben und Durchfall. Vergleichsweise viele Betroffene leiden zudem an Pilzinfektionen der Schleimhäute (zum Beispiel Mundhöhle), anderen Hauterscheinungen (zum Beispiel Gürtelrose) sowie Lymphknotenschwellungen.

Phase 3: Aids

Wird das Immunsystem noch weiter geschwächt, ist es nicht mehr in der Lage, Krankheitserreger abzuwehren, die für gesunde Menschen an sich keine Gefahr darstellen. Dann entwickeln die Betroffenen sogenannte AIDS-definierende Erkrankungen. Als "Acquired Immune Deficiency Syndrome" wird somit eine definierte Gruppe von Krankheiten bezeichnet, die für ein fortgeschrittenes Stadium der HIV-Infektion charakteristisch sind.

Dazu gehören beispielsweise die Pneumozystis-Pneumonie (eine Form der Lungenentzündung), Pilzerkrankungen oder Infektionen mit Viren wie Herpes zoster oder Herpes simplex. Auch Krebserkrankungen werden durch die Immunschwäche begünstigt. Darüber hinaus schädigt HIV auch Gehirn und Nervensystem, was zu Hirnleistungsstörungen führt, die langsam und unauffällig beginnen. Ist das Vollbild AIDS erreicht, sterben die Betroffenen ohne Therapie früher oder später an einer bzw. einer Kombination dieser opportunistischen Erkrankungen.

Wie wird eine HIV-Infektion festgestellt?

Das wichtigste diagnostische Werkzeug zum Nachweis einer Infektion mit dem Virus ist der HIV-Test, häufig auch - nicht ganz korrekt - AIDS-Test genannt. Bei diesem Verfahren wird im Blut nach Antikörpern gegen das HI-Virus gesucht.

++ Mehr zum Thema: Wie wird eine HIV-Infektion festgestellt? ++

Therapie des HIV

HIV kann heute mit einer Reihe von Medikamenten erfolgreich behandelt werden. Die sogenannte antiretrovirale Therapie (ART) ist eine Kombination aus mehreren Wirkstoffen, die die Vermehrung des Erregers eindämmen.

Sie sind in der Lage, das Virus bei einem Großteil der Menschen mit HIV unter der Nachweisgrenze zu halten. So kann der Ausbruch von Krankheiten, die aufgrund der Schwächung des Immunsystems durch das Virus entstehen, weitgehend vermieden bzw. verzögert werden. Durch sukkzessive Verbesserung der HIV-Therapie ist es heute möglich, eine langfristige bis lebenslang wirksame Behandlung mit guter Verträglichkeit durchzuführen. 

++ Mehr zum Thema: Postexpositionsprophylaxe ++

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Dr. Horst Michael Schalk
Redaktionelle Bearbeitung:
Philip Pfleger (2014), Dr. med. Matthias Thalhammer (2009), Mag. Astrid Leitner (2018)

Stand der Information: April 2018
Quellen

Deutsch-Österreichische Leitlinie zur antiretroviralen Therapie der HIV-1-Infektion, AWMF-Register-Nr.: 055-001, Stand 2017

AWMF online: Postexpositionelle Prophylaxe der HIV-Infektion. Gemeinsame Empfehlung der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG e.V.) und der Österreichischen AIDS-Gesellschaft (ÖAG). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 055/004, Stand 2013

AWMF online: Antiretrovirale Therapie der HIV-Infektion. Leitlinien der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG e.V.) und der Österreichischen AIDS-Gesellschaft (ÖAG) in Abstimmung mit anderen Fachgesellschaften. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 055/001, Stand 2014

Christian Hoffmann & Jürgen K. Rockstroh (2014): „HIV 2014/15.“ Hamburg: Medizin Fokus Verlag. (https://hivbuch.files.wordpress.com/2011/12/hiv2014-15.pdf)

European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) & WHO Regional Office for Europe (2014): „HIV/AIDS surveillance in Europe 2013.” Stockholm. http://ecdc.europa.eu/en/publications/Publications/hiv-aids-surveillance-report-Europe-2013.pdf

Bundesministerium für Gesundheit: „HIV-Jahresstatitsik 1995-2014.“ http://www.bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Krankheiten/Aids_HIV/ (Zugriff: April 2015)

UN-Programm gegen HIV/Aids: „Data Tools – World Overview.” http://www.unaids.org/en/dataanalysis/datatools/aidsinfo (Zugriff: April 2015)

Medizinische Universität Wien: AHK-Konsilium AIDS.

Robert Koch Institut: HIV und AIDS. Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 31, Juni 2006

U.S. Department of Health and Human Services: AIDSinfo Guidelines.

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