Histaminintoleranz (Histaminose, Histaminunversträglichkeit)

Unverträglichkeit Histamin, Intoleranz
Auch bei Histamin gilt: Die Dosis macht das Gift. (BrankoPhoto / iStockphoto)

Die Histaminintoleranz ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, von der rund 1–2% der Bevölkerung – größtenteils Frauen im mittleren Alter – betroffen sind. Sie beruht auf einem Missverhältnis zwischen der Menge Histamin, die über die Nahrung aufgenommen wird, und jener, die vom Körper abgebaut wird. Ganzen Text lesen



Kurzfassung:

  • Bei einem gestörten Abbau von Histamin im Darm kommt es zu einer Histaminintoleranz.
  • Eine Histaminunverträglichkeit kann neben Verdauungsbeschwerden auch Hautausschläge verursachen.
  • Die Diagnose wird mittels Blutuntersuchung gestellt.
  • Die Behandlung erfolgt durch Vermeidung der betroffenen Lebensmittel sowie medikamentös.

Was ist Histamin?

Histamin ist eine biologisch aktive Substanz (jedem durch die Brennnessel bekannt), die im Organismus eine Vielzahl an Aufgaben erfüllt: Es stimuliert die Magensaftproduktion, reguliert den Blutdruck, sorgt für einen harmonischen Schlaf-Wach-Rhythmus und steigert die Darmbewegung. Zudem spielt es eine wichtige Rolle bei allergischen Reaktionen und den damit einhergehenden Entzündungsprozessen.

Histamin wird einerseits vom Körper selbst produziert, andererseits über pflanzliche sowie tierische Lebensmittel aufgenommen. In der Regel wird überschüssiges Histamin von Enzymen wieder abgebaut. Fällt mehr Histamin an, als abgebaut werden kann, reagiert der Körper. Kommt es zu Beschwerden, weil zu viel Histamin über die Nahrung zugeführt wurde, spricht man von einer Histaminunverträglichkeit.

Da Histamin vom Körper selbst produziert wird, verstehen viele nicht, warum es Beschwerden verursachen kann. Das ist wie beim Kochsalz: Eine kleine Prise auf das Essen gegeben verbessert den Geschmack, ein Esslöffel Kochsalz verdirbt die Speise – die Dosis macht das Gift!

Symptome bei Erstkontakt

Bei einer Histaminunverträglichkeit handelt es sich um keine Allergie, sondern um das Unvermögen des Körpers, Histamin in ausreichender Menge abzubauen. Aus diesem Grund treten die Symptome typischerweise bereits bei der erstmaligen Aufnahme von Histamin auf, und nicht, wie bei Allergien üblich, erst nach dem Zweitkontakt.

Wie entsteht ein Histaminüberschuss?

  • Mangel oder verminderte Aktivität der Histamin abbauenden Enzyme

Histamin wird von Enzymen im Darm abgebaut, hauptverantwortlich dafür ist die Diaminoxidase (DAO). Bei Personen mit Histaminunverträglichkeit ist dieses Enzym nur in unzureichender Menge vorhanden oder aber in seiner Aktivität gehemmt. Gründe dafür können genetische Veränderungen sein, in vielen Fällen jedoch wird die Enzymaktivität auch durch andere Faktoren beeinflusst. So ist bekannt, dass entzündliche Erkrankungen, bestimmte Hormone, übermäßiger Alkoholkonsum, aber auch eine Unterversorgung mit Vitamin C den Histaminabbau hemmen. Auch einzelne Medikamente können die Enzymfunktion beeinträchtigen.

  • Erhöhte Aufnahme über Nahrungsmittel

Sehr hohe Histaminmengen, wie etwa beim Verzehr von verdorbenem Fisch, führen auch bei gesunden Menschen zu Vergiftungserscheinungen.

  • Zufuhr von histaminreichen Nahrungsmitteln

Geringe Histaminmengen werden üblicherweise gut vertragen, ohne dass Beschwerden auftreten. Zu den typischen Symptomen kommt es erst, wenn die individuelle Toleranzschwelle überschritten wird. Frische Lebensmittel haben – mit Ausnahme von Tomaten, Spinat, Melanzani und Avocados – generell einen niedrigeren Histamingehalt als länger gelagerte. Auch bestimmte Reifungs-, Lagerungs- und Zubereitungsverfahren erhöhen den Gehalt an Histamin.

Lebensmittel mit erfahrungsgemäß hohen Histaminwerten

  • Käse mit langer Reifungszeit (Parmesan, Emmentaler, Camembert, Bergkäse)
  • Wurstprodukte (v.a. Rohwürste wie Rohschinken oder Salami)
  • verarbeitete Fleisch- und Fischprodukte
  • Alkohol (v.a. Rotwein)
  • durch Gärung entstandene Lebensmittel (z.B. Sauerkraut)
  • Fertiggerichte
  • Tomaten, Erdbeeren und Zitrusfrüchte
  • Schokolade
  • Spinat

Welche Beschwerden treten bei einer Histaminintoleranz auf?

Eine Histaminintoleranz kann unterschiedliche Beschwerden verursachen, wobei am häufigsten der Magen-Darm-Trakt betroffen ist. Die Symptome können sowohl unmittelbar nach dem Verzehr histaminhaltiger Speisen als auch erst Stunden danach auftreten:

Wie wird eine Histaminintoleranz diagnostiziert?

Am Beginn der Diagnostik steht die genaue Dokumentation der Symptome und deren zeitlicher Zusammenhang mit der Aufnahme histaminreicher Nahrungsmittel. Eine gute Möglichkeit, einer Histaminunverträglichkeit auf die Spur zu kommen, bietet ein Ernährungstagebuch. Darin wird genau notiert, was und wie viel gegessen wurde und wann welche Reaktion aufgetreten ist. Verdächtig sind das Auftreten von Rotweinunverträglichkeit, Kopfschmerzen (1x/Woche), Migräne, niedrigem Blutdruck (Histamin erweitert die Gefäße), Herzrhythmusstörungen und bei Frauen Schmerzen am ersten Tag der Regel.

Bei Verdacht auf eine Histaminintoleranz hat sich folgendes Vorgehen bewährt: Blutabnahme mit Bestimmung von Histamin und DAO, 14 Tage histaminfreie Diät, anschließend wieder Blutabnahme. Bei Vorliegen einer Histaminintoleranz sind die Blutwerte verändert, also DAO zu niedrig, Histamin zu hoch oder beides.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung der Histaminintoleranz +++

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Reinhart Jarisch
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Jarisch R (Hrsg.): Histamin-Intoleranz. Histamin und Seekrankheit. 2004, Thieme Verlag, 2. Auflage

Maintz L et al: Die verschiedenen Gesichter der Histamin-Intoleranz. Dtsch Arztebl 2006; 103(51-52): A 3477-83

Jarisch R: Histamin-Intoleranz. Akt Dermatol 2011; 37: 1-8

Schleip T: Histamin-Intoleranz. Wenn Essen krank macht. 2004, Trias Verlag

Gadowska-Cicha A, Sieron A: The influence of habitual cigarette smoking on level of endogenic histamine determined simultaneously in plasma, gastric juice and gastric mucosa in healthy individual. Pol Arch Med Wewn 2003 Aug; 110(2): 819-26

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