Matomo pixel

Herzrhythmusstörung (Arrhythmien)

Herzrhythmusstörungen Arrhythmien Bradykardie Tachykardie
Das Herz dafür zuständig, Blut durch die Blutgefäße zu pumpen. (© elvira gerecht - Fotolia.com/Dutter)

Unter Ruhebedingungen schlägt das Herz eines erwachsenen Menschen im Wachzustand regelmäßig in einer Frequenz von etwa 60 bis 80 Schlägen pro Minute. Abweichungen vom normalen Takt werden in der Medizin als Herzrhythmusstörung bezeichnet. Das Herz schlägt in diesem Fall also zu langsam, zu schnell und/oder unregelmäßig.

Kurzfassung:

  • Für Herzrhythmusstörungen gibt es eine Vielzahl an möglichen Gründen, vor allem Herz-Kreislauferkrankungen.
  • Herzrhytmusstörungen können verschieden ausgeprägt sein – der Herzschlag kann zu schnell, zu langsam oder unrhythmisch sein.
  • Typische Symptome sind neben dem Empfinden eines außergewöhnlichen Herzschlags Schwindel, Sehstörungen und Erschöpfung. 
  • Die Behandlung ist von Fall zu Fall verschieden.

Fasst man den Begriff allgemein, dann ist eigentlich jeder Mensch irgendwann im Laufe seines Lebens mit einer Herzrhythmusstörung konfrontiert. Gelegentlich auftretende Extraschläge (Extrasystolen) treten bei vielen Herzgesunden auf, und auch psychische Faktoren wie Stress, Angst oder Aufregung haben einen höheren Puls zur Folge, der als unangenehm verspürt werden kann.

Treten Herzrhythmusstörungen allerdings häufiger oder über einen längeren Zeitraum hinweg auf, sollte deren Ursache unbedingt ärztlich geklärt werden: Zwar kann es sich auch in diesem Fall um ein harmloses Phänomen ohne Krankheitswert handeln. Herzrhythmusstörungen werden aber häufig durch schwerwiegende Erkrankungen hervorgerufen und können selbst gravierende Folgen haben.

Warum ist der richtige Rhythmus von Bedeutung?

Das Herz kann seine Funktion als Blutpumpe unseres Körpers nur dann optimal erfüllen, wenn sich der Herzmuskel regelmäßig und koordiniert zusammenzieht (kontrahiert). Während einer Herzaktion ziehen sich zuerst die Muskelzellen der beiden Vorhöfe des Herzens zusammen und pumpen auf diese Weise Blut in die beiden Herzkammern. Diese wiederum kontrahieren unmittelbar im Anschluss und befördern dadurch das Blut in die Hauptschlagader (Aorta) und den Lungenkreislauf.

Die elektrischen Signale, die das Zusammenziehen (Kontraktion) der Muskelzellen auslösen, werden im Herzen selbst erzeugt: Taktgeber ist dabei der Sinusknoten, der in der Wand des rechten Vorhofs liegt und gern als körpereigener Herzschrittmacher bezeichnet wird. Dieser Sinusknoten gibt elektrische Impulse ab, die zunächst den Vorhof erfassen und dann am AV-Knoten in die Herzkammer übergehen.

Vom AV-Knoten breitet sich das Signal über spezielle Leitungsbahnen auf sämtliche Muskelzellen der beiden Herzkammern aus, die dadurch beinahe gleichzeitig kontrahieren und so die maximale Kraft zum Pumpen des Blutes erzeugen.

Zu einer Herzrhythmusstörung kommt es nun, wenn die Erregungsbildung und die Erregungsleitung nicht regelgerecht ablaufen, wenn zusätzliche Leitungsbahnen ("Kurzschluss-Verbindungen") vorliegen, oder wenn Stör-Impulse den geordneten Ablauf durcheinanderbringen.

Infolgedessen kann die Pumpleistung des Herzens vermindert sein - bis hin zu einer sogenannten Herzinsuffizienz oder gar zum funktionellen Herzstillstand. Auch Schlaganfälle werden durch bestimmte Rhythmusstörungen begünstigt, so etwa durch das Vorhofflimmern. Der überwiegende Teil der Herzrhythmusstörungen ist hingegen weniger dramatisch und lässt sich - sofern notwendig - vielfach gut behandeln.

Welche Formen von Herzrhythmusstörungen gibt es?

Unterteilt werden Herzrhythmusstörungen zunächst danach, ob das Herz zu schnell oder zu langsam schlägt (Herzfrequenz):

  • Eine Bradykardie oder bradykarde Herzrhythmusstörung liegt vor, wenn die Herzfrequenz in Ruhe über einen längeren Zeitraum hinweg unter 50 Herzschläge in der Minute beträgt. Das Herz schlägt in diesem Fall also zu langsam.
  • Von einer Tachykardie oder tachykarden Herzrhythmusstörung sprechen Medizinerinnen und Mediziner hingegen, wenn das Organ dauerhaft zu schnell arbeitet und der Puls in Ruhe bei über 100 Schlägen pro Minute liegt.

Neben der Frequenz des Herzschlags kann auch seine Regelmäßigkeit gestört sein:

  • Die Kombination aus zu schnellem und unrhythmischem Herzschlag wird als tachykarde Arrhythmie oder Tachyarrhythmie bezeichnet.
  • Das gleichzeitige Vorliegen von zu niedriger Herzfrequenz und unregelmäßiger Schlagfolge nennen Mediziner bradykarde Arrhythmie oder Bradyarrhythmie.

Herzschläge, die außerhalb des regelmäßigen Grundrhythmus, also zusätzlich zu den normalen Schlägen auftreten, heißen Extrasystolen.

Rhythmusstörungen können weiters nach ihrem Entstehungsort unterschieden können:

  • Supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen haben ihren Ursprung im Herzvorhof.
  • Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen nehmen ihren Anfang in der Herzkammer.

Darüber hinaus lassen sich noch Störungen der Reizbildung und Störungen der Erregungsleitung voneinander abgrenzen. Bei Ersteren ist bereits die Bildung jener elektrischen Impulse, die für die Herzerregung verantwortlich sind, beeinträchtigt. Bei Letzteren ist die Weiterleitung der Impulse durch das Pumporgan gestört.

Welche Ursachen haben Herzrhythmusstörungen?

Von Nervosität, Aufregung und Angst, über fieberhafte Infektionen bis hin zur Einnahme bestimmter Medikamente und dem Konsum bestimmter Drogen - Herzrhythmusstörungen können eine Vielzahl von Ursachen haben. Medizinisch besonders relevant sind allerdings jene Störungen, die durch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgelöst werden. Dazu gehören:

Neben Herzerkrankungen können auch Störungen des Säure-Basen-Haushalts und des Elektrolyt-Haushalts zu Herzrhythmusstörungen führen. Ein weiterer, gar nicht seltener Grund ist das Vorliegen einer Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) oder einer Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion). Den jeweiligen Auslöser zu kennen, ist für eine eventuell notwendige Therapie von entscheidender Bedeutung.

Welche Symptome weisen Herzrhythmusstörungen auf?

Herzrhythmusstörungen werden - vor allem wenn sie nur gelegentlich oder in geringer Intensität auftreten - von vielen Betroffenen gar nicht bemerkt. Dies gilt insbesondere für harmlose Formen, wie die gerade bei jüngeren Menschen relativ weit verbreitete Extrasystolie.

Je nach Art und Ausprägung kann es aber auch zu starken Beschwerden und sogar zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Letzteres ist vor allem dann der Fall, wenn die Pumpleistung des Herzens durch die Rhythmusstörung so massiv herabgesetzt wird, dass der Körper und die verschiedenen Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden.

Zu den möglichen Symptomen bei Herzrhythmusstörungen gehören:

Wie werden Herzrhythmusstörungen diagnostiziert?

Nach einem ausführlichen Gespräch ist die Elektrokardiographie (EKG) die wichtigste Untersuchungsmethode zur Diagnose einer Herzrhythmusstörung. Da ein normales EKG nur wenige Minuten dauert, wird meist ein Langzeit EKG gemacht.

Bei einem EKG werden die elektrischen Ströme, die sich bei jeder Herzaktion über das Herz ausbreiten, mithilfe von Elektroden, die auf der Körperoberfläche angebracht werden, abgeleitet und aufgezeichnet.

Alle Herzrhythmusstörungen verändern das Elektrokardiogramm in einer bestimmten, mehr oder minder charakteristischen Weise. Allerdings nimmt eine normale EKG-Untersuchung nur wenige Minuten in Anspruch. Herzrhythmusstörungen, die nicht permanent gegeben sind, können im Rahmen dieser Untersuchung also übersehen werden.

Langzeit-EKG

Aus diesem Grund gehört das Langzeit-EKG zur Routinediagnostik. Während der Patient seinem normalen Tagesablauf nachgeht, werden über aufgeklebte Elektroden laufend seine Herzströme abgeleitet und in einem kleinen Gerät gespeichert. Die Aufzeichnung läuft in der Regel über 24 Stunden, die gesammelten Daten werden im Anschluss von Arzt oder Ärztin ausgewertet.

Für seltener auftretende Beschwerden kann dem Patienten für mehrere Wochen ein Aufzeichnungsgerät mitgegeben werden ("Event-Recorder"), der in Spezialfällen auch unter die Haut eingesetzt werden kann (implantierbarer "Loop-Recorder").

Belastungs-EKG

Durch ein Belastungs-EKG können Arrhythmien nachgewiesen werden, die nur bei körperlicher Anstrengung zu Tage treten. Zum Nachweis bestimmter Herzrhythmusstörungen sind spezielle EKG-Ableitungen notwendig.

Anhand des Elektrokardiogramms kann der Arzt nicht nur erkennen, ob eine Herzrhythmusstörung vorliegt, sondern meist auch um welche Form es sich handelt. Weitere Untersuchungen wie die Ermittlung bestimmter Laborwerte, eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs, ein Herzultraschall oder gegebenenfalls eine Herzkatheter-Untersuchung, dienen vor allem der Abklärung bzw. dem Ausschluss von Erkrankungen, die Herzrhythmusstörungen hervorrufen können.

Wie werden Herzrhythmusstörungen behandelt?

Ob eine Herzrhythmusstörung überhaupt behandelt werden musst, ist von Fall zu Fall verschieden. Die Therapie hängt vor allem von Art und Ausprägung der Beschwerden ab. Bei einer direkten Therapie stehen Medikamente oder auch das Einsetzen eines Herzschrittmachers zur Verfügung.

Medikamentöse Behandlung

Im Bereich der medikamentösen Behandlungsansätze steht eine Vielzahl von Substanzen und Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Diese sogenannten Antiarrhythmika wirken an verschiedenen Stellen und über unterschiedliche Mechanismen auf das Erregungsbildungs- und das Erregungsleitungssystem ein und beeinflussen so den Rhythmus des Herzens.

Herzschrittmacher

Herzschrittmacher werden in erster Linie dann eingesetzt, wenn das Herz zu langsam schlägt oder gefährlich lange Pausen einlegt. Moderne Schrittmacher registrieren ständig die Herztätigkeit und geben nur im Bedarfsfall elektrische Impulse ab, die dann eine Kontraktion des Herzens herbeiführen.

Sie bestehen je nach Bauart aus einer oder zwei dünnen Sonden, die im Herzen liegen, und einem weniger als streichholzschachtelgroßen Gerät, das in der Schlüsselbeinregion unter die Haut eingepflanzt wird. Bei schwer herzkranken Patienten kann ein Defibrillator eine lebensgefährliche Rhythmusstörung erkennen und mittels Abgabe eines Elektroschocks beenden.

Katheterablation

Bestimmte Herzrhythmusstörungen lassen sich auch mit einer sogenannten Katheterablation behandeln. Bei dieser Methode werden über einen Herzkatheter Gewebestellen im Herzmuskel, die für die Rhythmusstörung verantwortlich sind, verödet.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.ch


Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Doz. Prim. Dr. Franz Xaver Roithinger
Redaktionelle Bearbeitung:
, ,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Mewis, Riessen, Spyridopoulos: Kardiologie compact. Thieme-Verlag 2. Auflage Februar 2006.

Herold, Gerold: Innere Medizin. Selbstverlag Köln 2009.
Braun, Dormann: Klinikleitfaden Innere Medizin. Elsevier 10. Auflage August 2006.

Weitere Artikel zum Thema

mehr...
Newsletter-Anmeldung
×
Newsletter Anmeldung Hintergrund