Herzinfarkt als "systemische Erkrankung" nachgewiesen

Röntgenaufnahme von Blutgefäßen auf einem Bildschrim<br />
(sfam_photo )

Ein akuter Herzinfarkt darf und sollte nicht isoliert betrachtet werden. Eine Studie zeigt nun, wie andere Organe betroffen sind.

Ein Herzinfarkt ist eine "systemische" Erkrankung, die für den gesamten Organismus Folgen hat und auch andere Organe wie Leber und Milz reagieren lässt.  Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die an den Universitätskliniken für Chirurgie und Dermatologie durchgeführt wurde.

Tunnelblick überdenken

"Damit haben wir dargelegt, dass der allein aufs Herz gerichtete Tunnelblick bei einem Herzinfarkt überdacht werden muss", freut sich Matthias Zimmermann, der die Studie für die MedUni Wien umsetzte. "Ein Myokardinfarkt ist nichts Isoliertes, der gesamte Organismus reagiert mit.“

Die beschreibende Wissenschaft konnte so erstmals zeigen, wie ein Myokardinfarkt in seiner Ganzheit aussieht. Das – so sind die Beteiligten überzeugt – trage enorm zum Systembiologischen Verständnis bei.

Bisher wurde in der Normenwissenschaft zumeist mit monokausalen Ansätzen, ohne ganzheitliche Betrachtung versucht, molekulare und zelluläre Prozesse nach einem Herzinfarkt (ausgelöst durch eine Durchblutungsstörung) zu verstehen. Sehr wenig war auch über die Auswirkungen auf das das Infarkt-Zentrum umgebende Gewebe und andere Organe bekannt.

Mehr als 10.000 Gene

Die nun publizierte Studie wurde in einem für den Menschen relevanten Großtiermodell abgewickelt. Dabei konnten die Forscher zeigen, dass tausende Gene bei einem Herzinfarkt beteiligt sind: Der Herzinfarkt änderte die Expression von fast 9.000 Genen im Herzen, aber auch von 900 im Leber- und rund 350 im Milzgewebe innerhalb von 24 Stunden nach Infarktsetzung.

Gleichzeitig konnte dem Transkriptionsfaktor Klf4, einem Protein, das für die Aktivierung vieler anderer Gene wichtig ist, eine bedeutende Rolle zugeschrieben werden – diese "Großtier-Einsicht" konnte auch durch histologische Untersuchungen an humanem Autopsie-Material bestätigt werden.

Die zentrale Botschaft der Studie: "Ein Herzinfarkt endet nicht am verletzten Herzmuskel. Das Spektrum der betroffenen Organe ist viel größer und vieles deutet darauf hin, dass eine Vielzahl von Organsystemen an der Koordination einer Reaktion des Organismus auf den Infarkt beteiligt ist.“

Die neuen Erkenntnisse stellen die gängige Akuttherapie bei einem Herzinfarkt nicht in Frage – eröffnen aber die Diskussion, ob eine künftige Therapie nicht systemisch betrachtet werden und an mehreren Stellen im Organismus ansetzen sollte.

 

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Die Arbeit entstand in enger Kooperation von Klinischer Abteilung für Thoraxchirurgie an der Universitätsklinik für Chirurgie, Christian-Doppler-Labor für Diagnose und Regeneration von Herz- und Thoraxerkrankungen sowie Universitätsklinik für Dermatologie (Prof. Michael Mildner) und Universitätsklinik für Innere Medizin II, Abteilung für Kardiologie (Mariann Gyöngyösi) der MedUni Wien.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am:
Quellen

„Analysis of region specific gene expression patterns in the heart and systemic responses after experimental myocardial ischemia.“ M. Zimmermann, L. Beer, R. Ullrich, D. Lukovic, E. Simader, D. Traxler, T. Wagner, L. Nemec, L. Altenburger, A. Zuckermann, M. Gyöngyösi, H. Ankersmit and M. Mildner. Oncotarget, May 2017.

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