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Hernien (Leistenbruch, Schenkelbruch, Nabelbruch, Narbenbruch, epigastrischer Bruch, parastomaler Bruch)

Bruch
Die Operation ist die einzige Möglichkeit, Hernien ursächlich zu behandeln und dauerhaft zu beheben. (506840457 / iStockphoto)

Unter Hernien (lateinisch: hernia = Bruch) versteht man Bauchwandbrüche, die sich als Lücken in verschiedenen Bereichen der bindegewebig-muskulären Leibeswand manifestieren. Durch diese Defekte können sich Fettgewebe, Darmstrukturen oder Organe aus dem Leibesinneren mit dem Bauchfell gemeinsam ausstülpen. Bezüglich der Terminologie sind Weichteilbrüche (Hernien) nicht mit Knochenbrüchen (Frakturen) zu verwechseln.

Kurzfassung:

  • Hernien sind Öffnungen oder Lücken in der Bauchwand, durch die sich Gewebe oder Organe ausstülpen.
  • Hernien entstehen aufgrund einer Bindegewebsschwäche und können häufig nach Druckerhöhungen im Bauchraum symptomatisch werden (chronischer Husten, schweres Heben, Schwangerschaft, chronische Verstopfung, Darmkrebs, Bauchwasser infolge einer Lebererkrankung etc.).
  • Hernien erkennt man meist an einer sicht- bzw. tastbaren Vorwölbung im betroffenen Bereich der Bauchdecke. Sie verursachen ein unangenehmes Druckgefühl oder ziehende, brennende Schmerzen bei Belastung.
  • Starke Schmerzen, verbunden mit einer nicht zurückdrängbaren Schwellung und eventuell Erbrechen, deuten auf eine Einklemmung hin, die eine sofortige ärztliche Konsultation erfordert.
  • Die Operation ist die einzige Möglichkeit, Hernien ursächlich zu behandeln und dauerhaft zu beheben. Unbehandelt zeigen Hernien keine Heilungstendenz. Im Gegenteil, sie werden im Laufe der Zeit immer größer und damit auch immer schwieriger zu behandeln.

 


Formen von Hernien

Häufige Hernien sind:

Wie entstehen Weichteilbrüche?

Der Hernienbildung liegt ein simpler biomechanischer Entstehungsmechanismus zugrunde. Erhöht sich der Druck im Bauchraum und/oder werden die Bauchmuskeln angespannt, werden die Baucheingeweide gegen Lücken der Bauchwand gepresst. Hernien entstehen aufgrund einer angeborenen (Kollagenreifungsstörung) oder erworbenen Bindegewebsschwäche (Kollagenabnahme bzw. -abbau) im Alter und manifestieren sich häufig nach einem sogenannten Hebetrauma, aber auch durch chronischen Husten oder chronische Verstopfung. Eine Gewichtszunahme, eine Schwangerschaft sowie eine Lebererkrankung mit Bauchwasserbildung können durch Erhöhung des Bauchinnendrucks ebenfalls das Entstehen einer Hernie begünstigen.

Welche Symptome treten auf?

Klassische Symptome bei einer Hernie sind eine sicht- bzw. tastbare Vorwölbung im Bereich der Bauchdecke und ein meist brennender, ziehender Schmerz – vor allem, wenn die Hernie entsteht. Bei länger bestehenden Hernien mit entsprechend großer Bruchlücke, die ein Vor- und Zurückgleiten des Bruchinhalts ermöglicht, werden oftmals keine Schmerzen angegeben. Das Einklemmungsrisiko ist bei kleinen Bruchpforten höher als bei großen. In diesem Fall gleitet Gewebe durch die druckbedingt erweiterte Bruchpforte nach außen. Lässt der Druck nach, wird der Kanal eingeengt und die hernierten Eingeweide können nicht oder nur durch Druck von außen in ihre ursprüngliche Lage zurückkehren.

So kann Gewebe eingeklemmt werden (Inkarzeration). Dabei kann ein Darmabschnitt minderdurchblutet und eingeschlossen werden, was heftige Schmerzen sowie Erbrechen verursacht. In diesem Fall ist eine sofortige ärztliche Behandlung nötig, weil es binnen weniger Stunden zum Absterben des betroffenen Darmabschnitts mit lebensbedrohenden Folgen kommen kann. In Frühstadien kann vom geschulten Arzt eine geschlossene Reposition versucht werden, in vielen Fällen ist jedoch eine unverzügliche Operation notwendig.

Wie kann man Hernien behandeln?

Die Operation ist die Therapie der Wahl, außer es sprechen schwerwiegende gesundheitliche Gründe dagegen. Es gibt aktuelle wissenschaftliche Studienergebnisse, dass die reine Beobachtung von Patienten mit Leisten- oder Bauchwandbrüchen mit geringen Beschwerden nicht zielführend ist. Etwa 60–70% dieser Patienten müssen in den folgenden Jahren aufgrund von Beschwerdeentwicklungen oder Komplikationen doch operiert werden.

Die Prognose einer Hernienoperation ist sehr gut: Operationen sind meist in jedem Lebensalter möglich, bisweilen in rückenmarksnaher Anästhesie (Spinal-, Epiduralanästhesie) oder sogar Lokalanästhesie. Die Rezidivrate, also das Wiederauftreten des Weichteilbruches, beträgt unter Zuhilfenahme einer Kunststoffverstärkung meist nur 2–3%.

Die moderne Hernienchirurgie erfordert aufgrund zunehmender Komplexität der Fälle und Verbreitung mannigfaltiger Techniken, Netzmaterialien und Fixationselementen ein hohes Maß an Spezialisierung. Nur wenige Chirurgen bzw. Kliniken beherrschen alle Techniken. Heutzutage ist nur ein ausgewiesener Spezialist in der Lage, aus der Vielzahl von Behandlungsmethoden die individuell richtige für den jeweiligen Patienten auszuwählen und korrekt durchzuführen. Patienten können an der Zertifizierung von Hernienzentren erkennen, dass ein hohes Maß an Spezialisierung, Kompetenz und Erfahrung im Bereich der jeweiligen Fachabteilung nachweislich vorliegt.

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Autoren:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Albert Tuchmann
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

OA Priv.-Doz. Dr. Gernot Köhler, MSc. MBA (2020)
Ao. Univ.-Prof. Dr. Albert Tuchmann (2012)
 

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