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Hepatitis B (Leberentzündung durch Hepatitis-B-Virus)

Hepatitis B, Impfung
Mit einer Impfung kann man sich vor Hepatitis B schützen. (VP Photo Studio / Shutterstock)

Hepatitis B ist eine Entzündung der Leber, die durch eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) entsteht. Sie zählt zu den häufigsten Virusinfektionen weltweit.

Kurzfassung:

  • Bei Hepatitis B handelt es sich um eine Leberentzündung, die durch das Hepatitis-B-Virus verursacht wird.
  • Nach der akuten Infektion heilt die Erkrankung zumeist aus (85–90%), kann aber auch chronisch verlaufen.
  • Hepatitis B wird von Mensch zu Mensch über Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Urin, Stuhl, Sperma oder Muttermilch übertragen.
  • Mögliche Symptome der akuten Infektion sind: Abgeschlagenheit, Gelbsucht, Verfärbung von Urin und Stuhl. In manchen Fällen sind Infizierte aber auch beschwerdefrei.
  • Zur Behandlung der akuten Hepatitis B genügt oft eine Therapie der Symptome. Bei schweren Verläufen oder chronischer Hepatitis B werden Medikamente eingesetzt.
  • Einen effektiven Schutz vor Hepatitis B bietet eine Impfung gegen das Virus.

Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit der Leber, die durch das Hepatitis-B-Virus (HBV) hervorgerufen wird. In den meisten Fällen heilt die akute Infektion von selbst aus, kann aber auch chronisch werden und bei fehlender Behandlung zu Folgeschäden wie Leberkrebs oder Leberzirrhose führen. Hepatitis B zählt, global gesehen, zu den größten Gesundheitsproblemen der Menschheit. Je nach geografischer Lage, ethnischer Zugehörigkeit und Risikogruppe ist die Häufigkeit sehr unterschiedlich.

+++ Mehr zum Thema: Leberezirrhose +++

Wie verbreitet ist Hepatitis B?

Schätzungen zufolge sind etwa 350 Millionen Menschen weltweit chronisch infiziert. Über 880.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen der Erkrankung. Bei mehr als einem Drittel (rund 40%) der Weltbevölkerung lässt sich eine überstandene Infektion nachweisen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt daher eine generelle Hepatitis-B-Impfung für alle Kinder weltweit in der Hoffnung, die Krankheit eines Tages ausrotten zu können.

In Österreich leben laut Österreichischer Hepatitishilfe rund 20.000 chronische HBV-Träger, jährlich kommt es zu etwa 500 Neuerkrankungen, da seit 1997 alle in Österreich geborenen Kinder im Rahmen des Mutter-Kind-Passes geimpft werden. In bestimmten Risikogruppen ist die Infektionsrate allerdings um ein Vielfaches höher (z.B. Immigranten aus Süd- und Osteuropa bzw. Asien und Afrika, medizinisches Personal, Drogenabhängige). Das HBV verursacht 60–80% der Leberkarzinome weltweit. In Österreich ist allerdings aufgrund der niedrigen Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) der chronischen Hepatitis B auch der HBV-assoziierte Leberkrebs vergleichsweise selten.

Hepatitis B ist meldepflichtig. Der behandelnde Arzt muss somit bei Verdacht oder Nachweis die Daten des Patienten an das zuständige Gesundheitsamt melden.

Wie wird die Erkrankung übertragen?

Hepatitis B ist sehr ansteckend – es genügen bereits mikroskopisch kleine Hautverletzungen, durch die das Virus in die Blutbahn gelangt. Dieses wird ausschließlich von Mensch zu Mensch via Körperflüssigkeiten übertragen wie:

  • Blut
  • Blutplasma
  • Speichel
  • Urin
  • Stuhl
  • Sperma
  • Vaginalsekret
  • selten: Muttermilch

Der häufigste Übertragungsweg in Mitteleuropa und bei Erwachsenen sind Sexualkontakte mit Infizierten. Aber auch der Kontakt mit Wunden von Infizierten ist ein möglicher Übertragungsweg. HBV wird auch durch infizierte Spritzen oder Infusionen mit infiziertem Blut oder Blutprodukten übertragen (z.B. in Krankenhäusern). Vor allem Menschen, die häufiger in Kontakt mit Blut, Nadeln oder anderen scharfen Gegenständen kommen, sind gefährdet für eine Infektion mit Hepatitis B. Dazu gehören:

  • medizinisches Personal
  • drogenabhängige Menschen
  • Dialysepatienten

Frühere Übertragungsquellen, wie beispielsweise bei Nierenpatienten im Rahmen der Hämodialyse, konnten zwischenzeitlich durch Verbesserungen im Bereich der Hygiene weitgehend beseitigt werden.

+++ Mehr zum Thema: Dialyse +++

Konnatale Übertragung

Schwangere, die zum Zeitpunkt der Geburt von Hepatitis betroffen sind, übertragen die Krankheit in rund 90% der Fälle während der Geburt auf ihr Kind – dies wird als konnatale Übertragung bezeichnet. Hier kommt es in einem sehr hohen Prozentsatz der Geburten zu einer Ansteckung, die zwar meist ohne wesentliche Krankheitssymptome verläuft, aber fast immer zu einer chronischen Hepatitis-B-Infektion führt. Das bedeutet, dass die Betroffenen das Virus in sich tragen und weitergeben können, obwohl sie selbst beschwerdefrei sind. In Afrika und Asien ist dies sogar der häufigste Übertragungsweg von Hepatitis B.

+++ Mehr zum Thema: Hepatitis B in der Schwangerschaft +++

Welche Symptome können auftreten?

Eine akute Hepatitis B verläuft im Erwachsenenalter zumindest bei einem Drittel der neu Infizierten als symptomatische akute Hepatitis mit Ikterus (Gelbsucht) und allgemeinen Krankheitssymptomen. Die Erkrankung kann aber auch ohne Beschwerden verlaufen (atypische Infektion). Fast alle erkrankten Kleinkinder bemerken nichts von der Infektion.

Bei symptomatischer Infektion sind die ersten Beschwerden:

Diese Phase geht in eine zweite Krankheitsphase über. In dieser können sich Haut, Schleimhäute und Augen gelb verfärben (Gelbsucht/Ikterus), der Stuhl kann sich entfärben und der Urin dunkel werden. Danach tritt in den meisten Fällen eine Besserung ein. Die akute Erkrankung dauert meist vier bis sechs Wochen.

Wie verläuft die Erkrankung?

Die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten der Krankheit beträgt ein bis sechs Monate (Inkubationszeit). Die Erkrankung beginnt zumeist mit einer akuten Hepatitis, welche bei sonst gesunden Erwachsenen in rund 95% der Fälle vollständig und ohne Folgen ausheilt. Bei einem geringen Prozentsatz der Infizierten geht die akute Hepatitis B jedoch in eine chronische Form über. Diese kann über viele Jahre zu einer fortschreitenden Leberschädigung führen. Bei etwa 1% der Betroffenen entwickelt sich aus der chronischen Entzündung Leberkrebs oder eine Schrumpfleber (Leberzirrhose).

+++ Mehr zum Thema: Leberkrebs +++

In weniger als 1% der Fälle kann die akute Hepatitis B auch fulminant (schnell und heftig) verlaufen und zu schweren Funktionsausfällen der Leber führen. Dieser Zustand kann sich zwar spontan bessern, oft ist allerdings in solchen Fällen eine akute Lebertransplantation notwendig.

+++ Mehr zum Thema: Lebertransplantation +++

Anders ist die Situation bei der konnatalen Übertragung der Hepatitis B von der infizierten Mutter auf das Neugeborene. Die Ansteckung von Neugeborenen führt zwar selten zu einer ausgeprägten Hepatitis und oft auch nicht zu einer Zirrhose, allerdings sind sich die Infizierten ("Carrier") ihres HBV-Status oft nicht bewusst. Daher können sie einerseits Quelle für weitere Ansteckung sein, andererseits haben sie auch ein deutlich erhöhtes Risiko, an Leberkrebs zu erkranken.

Zusatzinfektion mit Hepatitis D

Bei Hepatitis-B-Patienten kann es in seltenen Fällen zu einer zusätzlichen Infektion (Superinfektion) mit Hepatitis D kommen. Bei der Hepatitis D handelt es sich ebenfalls um eine Infektionskrankheit, die allerdings ausschließlich bei Menschen mit bereits vorliegender Hepatitis-B-Infektion auftritt. Sind Hepatitis-B-Patienten zusätzlich mit Hepatitis D infiziert, verläuft die Lebererkrankung schwerer und es besteht ein höheres Risiko für Leberzirrhose sowie Leberkrebs als bei alleiniger Hepatitis-B-Infektion.

+++ Mehr zum Thema: Verlauf & Risikogruppen bei Hepatitis-B-Infektion +++

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der Verdacht auf Hepatitis B ergibt sich häufig bereits aus den typischen Beschwerden (Müdigkeit, Gelbfärbung der Haut oder des Augenweißes, Oberbauchschmerzen) in Zusammenhang mit einer entsprechenden Risikokonstellation (ungeschützter Geschlechtsverkehr, Drogenmissbrauch über die Venen, Kontakt mit infiziertem Blut etc.).

Gezielte Blutuntersuchungen führen schlussendlich zur sicheren Diagnose. So zeigt etwa eine Erhöhung der Leberwerte eine Erkrankung der Leber an. Hepatitis B wird weiters durch den Nachweis von Antikörpern gegen das Hepatitis-B-Virus (HBs-Antigen) oder den direkten Nachweis des Hepatitis-B-Virus (HBV-DNA) diagnostiziert. Im Anschluss an die Erstdiagnose sind regelmäßige Nachkontrollen (Blutuntersuchungen) erforderlich. Eine Ultraschalluntersuchung der Leber kann Hinweise auf Veränderungen im Lebergewebe liefern.

Wenn sechs Monate nach Krankheitsbeginn noch keine Besserung eingetreten ist und das Virus weiterhin im Blut nachweisbar bleibt, spricht man von einer chronischen Hepatitis B. Zur besseren Beurteilung der Krankheitsaktivität, des Leberschadens und der Prognose kann dann eine Gewebeprobe (Biopsie ) der Leber notwendig werden. Wenn eine Leberzirrhose vorliegt, sollte alle sechs Monate eine Ultraschalluntersuchung erfolgen.

+++ Mehr zum Thema: Diagnose der Hepatitis +++

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Zur Behandlung der akuten Hepatitis B genügt oft eine Therapie der Symptome. Meist heilt die Hepatitis B nach dem Abklingen der akuten Leberentzündung von selbst ab.

Bei schweren Verläufen oder chronischer Hepatitis B werden Medikamente eingesetzt, die die Virusproduktion stoppen und so die Krankheitsaktivität und das Fortschreiten der Erkrankung reduzieren. Auch eine chronisch verlaufende Hepatitis kann auf diese Weise kontrolliert werden.

+++ Mehr zum Thema: Therapie der Hepatitis B +++

Wichtig für den Heilungserfolg ist eine frühe Diagnose mit rechtzeitigem Therapiebeginn, bevor es zu einer schweren Schädigung der Leber mit fortgeschrittener Leberzirrhose kommt. Wesentlich besser wäre allerdings die Schutzimpfung, mit der man sich vor Infektion und Erkrankung schützen kann.

+++ Mehr zum Thema: Hepatitis-B-Impfung +++

Welche Prognose ist zu erwarten?

Eine akute Hepatitis-B-Infektion heilt in den meisten Fällen von selbst aus. Auch die chronische Verlaufsform kann sowohl spontan als auch mithilfe einer geeigneten Therapie ausgeheilt werden. Meist wird die Erkrankung durch die Medikamente allerdings nur kontrolliert, sodass eine langfristige Medikamenteneinnahme notwendig ist.

Die Heilungschancen sind im Allgemeinen vom Verlauf der Erkrankung abhängig. Dieser ist wiederum komplex und kann stark variieren, da das Alter zum Zeitpunkt der Infektion, das Ausmaß der Vermehrung der Viren und der Zustand des Immunsystems dabei eine wichtige Rolle spielen.

Alkoholkonsum und Drogenkonsum verschlechtern die Prognose der Erkrankung.

Wie schütze ich mich?

Es gibt eine sehr wirksame Hepatitis-B-Impfung, die aus drei Teilimpfungen besteht. Alle fünf Jahre sollte diese Schutzimpfung aufgefrischt werden. Die Impfung ist insofern besonders wichtig, da die zurzeit vorhandenen Therapien einer bereits bestehenden Hepatitis B aufwendig, langwierig und nicht immer erfolgreich sind. Zudem ist HBV äußerst ansteckend, die Infektiosität ist um ein Vielfaches höher als jene von HIV.

+++ Mehr zum Thema: Wie schütze ich mich vor Hepatitis B? +++

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Univ.Prof. Dr.Prm. Markus Peck-Radosavljevic
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

WHO: Global Hepatitis Report 2017; https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/255016/9789241565455-eng.pdf;jsessionid=79450BACA0E0DA9FBFCE87EBCE38B65B?sequence=1

Österreichischer Impfplan 2020: Evidenzbasierte Empfehlungen des nationalen Impfgremiums Österreich; https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Impfen/Impfplan-%C3%96sterreich.html

Cornberg M et al.: Aktualisierung der S3-Leitlinie. Z Gastroenterol 2011; 49:871-930
WHO: Hepatitis B Position Paper 2017 – Immunization, Vaccines, Biologicals; https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/255841/WER9227.pdf?sequence=1

Herold G: Innere Medizin. Auflage 2017, Herold Verlag
World Health Organization (WHO): Hepatitis-B-Immunization Service Delivery, October 2011; http://www.who.int/immunization_delivery/new_vaccines/hepb/en/index.html (Stand: 05.02.2020)

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