HDL - Schutzfaktor im Blut

Österreichische Lipidexperten sind sich einig: Zur Beurteilung der Gesundheitsgefahr durch Blutfette gehört auch die Bestimmung des HDL-Cholesterins im Blut.

Das "gute" HDL schützt vor den schädlichen Auswirkungen des "bösen" LDL-Cholesterins auf die Blutgefäße und ist dadurch ein wichtiger Schutzfaktor vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Insbesondere bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) - einer Vorstufe des Herzinfarkts - haben Studien diesen Zusammenhang bewiesen. Die alleinige Messung des gesamten Cholesterins im Blut ist diesbezüglich also noch zu wenig aussagekräftig: Auf die richtige Mischung von "gut" und "böse" kommt es an.

Mit dem Bauch wächst die Gefahr

Als Gradmesser dafür, wie sehr Übergewicht am niedrigen HDL schuld ist, dient am besten der eigene Bauch. Die erst kürzlich fertiggestellte Gießener Senioren-Langzeitstudie (GISELA) konnte nachweisen, dass die Höhe des HDL-Cholsterins im Blut in direktem Zusammenhang mit dem Bauchfett steht: Je dicker der Bauch, desto niedriger das HDL. Die Grenze, ab der ein "umfangreicher" Bauch zur Gesundheitsgefahr wird, liegt bei Männern bei 100 cm. Bei Frauen sollte der Bauchumfang unterhalb von 90 cm bleiben.

HDL-Werte - so wichtig wie der Blutdruck

In den letzten Jahren wurde die Bedeutung des "High-Density-Lipoproteins" für den Gefäßschutz immer offensichtlicher. Vor allem die berühmte Framingham-Herz-Studie hat einen niedrigen HDL-Wert als unabhängigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erforscht und bekannt gemacht. Dabei wurden mehr als 10.000 Einwohner der US-amerikanischen Kleinstadt Framingham untersucht sowie deren Blutwerte und auftretende Krankheiten dokumentiert. Während des inzwischen 50-jährigen Beobachtungszeitraums wurden auf diese Weise die größten Gefahren für das Herz ermittelt, wie etwa Rauchen, Übergewicht und Bluthochdruck. Mittlerweile gilt ein Mangel an HDL als ebenso gefährlich für das Herz.

HDL putzt die Gefäße

Als Grenzwert für ein hohes Risiko wird ein HDL-Spiegel von unter 25 mg/dl angesehen, aber bereits bei Werten unter 45 mg/dl steigt das KHK-Risiko an. Umgekehrt hat sich gezeigt, dass HDL-Werte über 60 mg/dl mit einer deutlichen Abnahme der Gefährdung verbunden sind. HDL wirkt schützend auf die Blutgefäße, indem es in die Gefäßwand eingelagertes Cholesterin herauslöst und abtransportiert. Cholesterinablagerungen in der Gefäßwand gelten als Vorstufe von Atherosklerose, der Arterienverkalkung. Darüber hinaus hemmt HDL die Verklumpung von Blutplättchen und beugt so der Bildung von Blutgerinnseln vor, die Herzinfarkt und Schlaganfall verursachen können.

Metabolisches Syndrom auf dem Vormarsch

Ein niedriger HDL-Wert kommt oft im Zusammenhang mit dem so genannten metabolischen Syndrom vor, einer Erkrankung, die mehrere Stoffwechselvorgänge im Körper betrifft. Patienten leiden dabei zusätzlich unter einer Fettstoffwechselstörung mit erhöhtem Cholesterin (Hyperlipidämie / Hypercholesterinämie), einem erhöhten Blutzucker (Diabetes) und Bluthochdruck (Hypertonie). Nicht alle diese Symptome müssen gemeinsam auftreten, in Kombination mit erniedrigtem HDL steigern sie das Risiko für Herzkrankheiten jedoch rapide. Das metabolische Syndrom ist in den westlichen Industrienationen rasant auf dem Vormarsch.

Wann ist Cholesterin gefährlich?

Der HDL-Anteil am Gesamtcholesterin entscheidet darüber, ob eine Cholesterinerhöhung gefährlich ist, oder nicht. Deshalb sollten bei Blutuntersuchungen stets beide Werte bestimmt werden. Als Richtwert dient der Quotient aus Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin (Gesamt-C/HDL-C.). Idealerweise sollte dieser Quotient kleiner als drei sein, denn unterhalb dieses Wertes findet so gut wie keine Atherosklerose mehr statt. Bei ansonsten gesunden Erwachsenen gelten Werte unter fünf noch als akzeptabel. Patienten, die schon einmal einen Herzinfarkt erlebt haben oder an koronarer Herzkrankheit leiden, sollten einen Quotienten unter vier anstreben.

Sport, Gemüse & ein Glaserl Wein

Verantwortlich für die niedrigen HDL-Werte ist vor allem eine Fehlernährung mit zu viel Fett - und dem falschen Fett. Eine ebenso wichtige Ursache ist Bewegungsmangel. HDL lässt sich durch eine Umstellung der Ernährung und regelmäßige körperliche Betätigung deutlich steigern. Grundsätzlich sollte man den Anteil tierischer Fette möglichst reduzieren, dafür einfach und mehrfach ungesättigte Fette, wie sie in Maiskeim-, Sonnenblumen-, Distel-, Raps-, Weizenkeim- und Olivenöl reichlich vorhanden sind, erhöhen. Auch Fischöle sind vergleichsweise gesünder. Seefisch sollte daher mehrmals pro Woche statt dem Schnitzel auf den Tisch kommen. Mäßiger Alkoholkonsum mit einem Glas Wein oder Bier täglich hebt den HDL-Spiegel zusätzlich etwas an. Ausdauertraining ist für "gesunde" Blutfettwerte optimal: Wer regelmäßig mit 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz Sport ausübt, kann sein HDL in beliebige Höhen treiben.

Gefahr nimmt deutlich ab

Allein durch die Ernährungsumstellung lässt sich HDL um bis zu 15 Prozent steigern. Durch sportliche Aktivität kommen noch einige weitere Prozent dazu. Das hört sich zunächst nicht nach besonders viel an, ist aber doch ausgesprochen effektiv, denn: Eine Steigerung des HDL um ein Prozent verringert das Risiko einer koronaren Herzkrankheit bei Männern um zwei, bei Frauen gar um drei Prozent. Berücksichtigt man zudem, dass der Anteil des schädlichen LDL am Gesamtcholesterin abnimmt, während schützendes HDL ansteigt, ergibt dies in Summe eine sehr deutliche Reduktion der Gefahr für das Herz.

Wenn alles nichts hilft?

Dennoch reicht eine Änderung der Lebensweise alleine manchmal nicht aus. Dann müssen Medikamente für die weitere Steigerung des HDL sorgen. Falls eine isolierte HDL-Erniedrigung vorliegt, kommen dazu Fibrate als Medikamente in Frage. Meist besteht jedoch neben dem niedrigen HDL zusätzlich auch eine krankhafte Erhöhung des schädlichen LDL, das ebenfalls dringend behandelt werden muss. Bei einer solchen kombinierten Fettstoffwechselstörung sind Statine die Mittel der ersten Wahl. Sie senken wirksam den LDL-Spiegel bei gleichzeitiger Hebung des HDL um bis zu 10 Prozent. Leider ist es nicht möglich, Fehlernährung und Bewegungslosigkeit medikamentös gänzlich wettzumachen. Wenn Diätempfehlungen nicht eingehalten werden, wirken auch die Statine nicht.

Frauen haben besonderen Schutz

Frauen liegen mit ihren HDL-Werten meist etwas höher als Männer. Vermutlich ist das weibliche Sexualhormon Östrogen dafür verantwortlich. Nach der Menopause - wenn im Blut weniger Östrogen vorhanden ist - sinkt auch der HDL-Spiegel. Jüngere Frauen sind daher vor einem Herzinfarkt besonders geschützt. Trotzdem ist es nicht empfehlenswert, Östrogene nach dem Wechsel aus diesem Grund zu ersetzen. Eine Hormonersatz-Therapie steigert das Thrombose- und Brustkrebsrisiko und kann durch die erzielte Risikoreduktion bei der koronaren Herzkrankheit nicht gerechtfertigt werden.

Normalwerte für HDL (mg/dl)

Jugendliche unter 20

  • Gesamt-Cholesterin: 160 mg/dl
  • HDL-Cholesterin: > 50 mg/dl
  • Ges.-C./HDL-C: < 4

Erwachsene über 20

  • Gesamt-Cholesterin: 200 mg/dl
  • HDL-Cholesterin: > 50 mg/dl
  • Ges.-C./HDL-C: < 5

Bei Gefäßleiden oder nach einem Herzinfarkt

  • Gesamt-Cholesterin: 160 mg/dl
  • HDL-Cholesterin: > 50 mg/dl
  • Ges.-C./HDL-C: < 3

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