Hämorrhoiden vorbeugen

Hämorrhoiden verhindern & vorbeugen
(Ivanko_Brnjakovic / iStockphoto)

Das Hämorrhoidalleiden wird durchaus zu Recht als Volkskrankheit bezeichnet. Schätzungen gehen davon aus, dass in den westlichen Industrienationen mindestens 50 Prozent der über 50-jährigen Menschen aktuell an Hämorrhoiden leiden oder schon einmal betroffen waren. Das müsste nicht sein.

Zwar scheint eine erbliche Veranlagung als Krankheitsursache ebenso eine gewisse Rolle zu spielen wie die mit dem Alter abnehmende Elastizität der Blutgefäße und des Bindegewebes. Andere Faktoren, die zu den Erweiterungen des Gefäßgeflechts am Darmausgang beitragen, lassen sich hingegen beeinflussen - meist mit einfachen Maßnahmen.

An erster Stelle der begünstigenden Faktoren ist nach Ansicht vieler Fachleute ein erhöhter Druck im Bauchraum zu nennen, der zu einem Rückstau des Blutes im sogenannten Plexus haemorrhoidalis führt. Ein erhöhter Druck entsteht beispielsweise durch starkes Pressen bei der Darmentleerung, aber auch längerfristig durch Übergewicht oder Schwangerschaft. Überwiegend im Sitzen verbrachte Tätigkeiten und Bewegungsmangel werden ebenfalls zu den Risikofaktoren gezählt. Das Hämorrhoidalleiden ist also auch eine Wohlstandserkrankung.

Werden diese begünstigenden Faktoren durch "richtigen" Lebensstil positiv beeinflusst, sinkt die Wahrscheinlichkeit, Bekanntschaft mit den lästigen Beschwerden im Analbereich zu machen. Wie Sie dazu beitragen können, sich vor dem Hämorrhoidalleiden zu schützen, lesen Sie im Folgenden.

Essen & Trinken

Dass sich Menschen in den westlichen Industrienationen ballaststoffarm ernähren, gilt als einer der Gründe dafür, dass die Erkrankung in diesen Ländern so weit verbreitet ist. Ballaststoffe sind in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommende Nahrungsbestandteile, die weitgehend unverdaut in den Dickdarm gelangen. Dort binden sie Wasser - und zwar bis zu einem Vielfachen ihres Eigengewichts - und quellen auf. Auf diese Weise sorgen Ballaststoffe für eine Zunahme der Stuhlmenge, die in weiterer Folge Druck auf die Darmwand ausübt und die Darmtätigkeit (Peristaltik) anregt.

Neben der fördernden Wirkung auf die Peristaltik lassen Ballaststoffe den Stuhl auch weich und formbar werden. Über diese Mechanismen beugt eine ballaststoffreiche Ernährung einer Verstopfung (Obstipation) und damit auch der knotigen Erweiterung der Hämorrhoiden vor. Denn Menschen mit Verstopfung pressen beim Stuhlgang fest und lange und behindern dadurch den Blutfluss in den Hämorrhoiden.

Die meisten Fachgesellschaften für Ernährung empfehlen eine tägliche Ballaststoffaufnahme von 30 Gramm. Besonders ballaststoffreich sind z.B. Vollkornbrote, Müsli, Haferflocken, Weizenkleie, Leinsamen, Gemüse (vor allem Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen) sowie Nüsse und getrocknetes Obst. Fleisch, Weißbrot, geschälter Reis und Teigwaren sind hingegen Beispiele für Lebensmittel, die nur wenige Ballaststoffe enthalten.

Wichtig für eine gute Verdauung ist darüber hinaus die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit. Versuchen Sie täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit zu trinken, am besten in Form von Wasser, ungesüßten Tees oder verdünnten Fruchtsäften. Insbesondere bei ballaststoffreicher Ernährung sollte gleichzeitig viel getrunken werden, weil Weizenkleie, Leinsamen & Co. ansonsten dem Stuhl Wasser entziehen und ihn hart machen, was eine Verstopfung begünstigen kann.

Bewegung

Regelmäßige Bewegung ist Gesundheit und Wohlbefinden nicht nur ganz allgemein zuträglich, sondern wirkt sich auch positiv auf die Verdauung aus. Die Darmtätigkeit wird angeregt, was Stuhlunregelmäßigkeiten und Verstopfungen entgegenwirkt. Bewegungsformen, die zur Vorbeugung des Hämorrhoidalleidens besonders gut geeignet scheinen, sind etwa Wandern, Schwimmen oder Gymnastik. Sportarten wie Tennis oder Squash sowie Krafttraining sind hingegen weniger günstig. Denn Aufprallbewegungen belasten den Beckenboden ebenso wie das Heben und Tragen von schweren Gegenständen. Und Druck auf den Beckenboden kann Hämorrhoidalleiden fördern.

Umgekehrt soll ein gut trainierter Beckenboden helfen, der Erkrankung entgegenzuwirken. Spezielle Beckenbodengymnastik wird heutzutage in zahlreichen Kursen angeboten. Zur Stärkung und Straffung des Beckenbodens existiert eine Vielzahl von Übungen, die sich ganz unkompliziert zu Hause durchführen lassen. Aber auch bei vielen derzeit beliebten Trainings- und Bewegungsformen, wie etwa Yoga oder Pilates, spielt der Beckenboden eine entscheidende Rolle.

Wer den Alltag hingegen hauptsächlich auf seinem Hinterteil verbringt, hat ein erhöhtes Risiko, an einem Hämorrhoidalleiden zu erkranken. Denn durch zu langes Sitzen werden nicht nur Darmträgheit und Verstopfung begünstigt, sondern auch Blutstauungen im Beckenbereich. Klar ist: Langes Sitzen lässt sich nicht immer vermeiden, vor allem im Beruf. Wenn möglich sollten Sie aber während der Arbeit immer wieder einmal aufstehen und ein paar Schritte tun. Gut für einen Spaziergang nutzen lässt sich die Mittagspause. Auch Ihr Rücken wird Ihnen das Mehr an Bewegung danken.

Körpergewicht

Übergewicht gilt als ein Risikofaktor für das Hämorrhoidalleiden. Die zusätzlichen Kilos drücken auf den Beckenbereich und somit auf den Enddarm und sollen dort die Blutzirkulation behindern - mögliche Folge ist eine Erweiterung des Gefäßpolsters am Darmausgang. Einen ganz ähnlichen Effekt in Bezug auf Hämorrhoiden kann übrigens eine Schwangerschaft haben. In diesem Fall ist die Belastung freilich nicht zu vermeiden. Übergewicht hingegen lässt sich bekanntermaßen abbauen, auch wenn es oft alles andere als leicht fällt.

Stuhlgewohnheiten

Viele Menschen glauben, es sei notwendig, den Darm mindestens einmal am Tag zu entleeren. Das ist allerdings nicht richtig. Vielmehr gilt: Eine Darmentleerung ist dann fällig, wenn sich Stuhldrang bemerkbar macht. Ohne Stuhldrang auf die Toilette zu gehen und mit aller Kraft zu pressen, endet meist nicht nur ohne Erfolg, sondern trägt auch zur Entstehung von erweiterten Hämorrhoiden bei. Wenn sich der Stuhldrang allerdings einstellt, sollte man diesem auch folgen, denn zu langes Verhalten kann wiederum Verstopfung fördern. Der Stuhl verbleibt dann länger im Dickdarm, wo ihm Wasser entzogen und er infolge härter wird.

Ein Toilettengang sollte ohne Hast und Eile erfolgen. Viele Menschen widmen diesem natürlichen Bedürfnis allerdings oft nicht ausreichend Zeit. Sei es, dass sich der Stuhldrang ausgerechnet immer am Morgen bemerkbar macht, wenn sie es ohnehin schon sehr eilig haben. Sei es, dass sie auf wenig "einladenden" Toiletten in der Arbeits- oder Ausbildungsstätte ihr Geschäft möglichst schnell hinter sich zu bringen versuchen. Auf der anderen Seite sollte die Darmentleerung aber auch nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen, als Negativbeispiel gilt das ausführliche Zeitunglesen auf der Toilette.

Zur Erledigung des Stuhlgangs genügt meist leichtes Pressen und die Entspannung des Schließmuskels. Nach dem Stuhlgang sollte der empfindliche Anus mit weichem Toilettenpapier sanft abgewischt werden. Noch besser zur Reinigung geeignet sind Einmalwaschlappen und Wasser.

Alle genannten Maßnahmen zur Vorbeugung eines Hämorrhoidalleidens helfen auch Menschen, bei denen das Gefäßgeflecht am Darmausgang bereits krankhaft erweitert ist, sowie Patientinnen und Patienten, die sich einer Hämorrhoiden-Operation unterzogen haben. Deshalb gehört zur Therapie des Hämorrhoidalleidens neben medikamentösen bzw. operativen Maßnahmen immer auch eine entsprechende Umstellung des Lebensstils. Auch wenn ein Mehr an Bewegung und eine Änderung des Speiseplans nicht immer leicht fallen, es zahlt sich aus: Es verbessern sich dadurch nicht nur die Erfolgsaussichten der jeweiligen Behandlung. Auch die Gefahr, dass sich neue Hämorrhoidalknoten bilden, wird verringert.

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Quellen

Brühl, Wilhelm/ Wienert, Volker/ Herold, Alexander: Aktuelle Proktologie. 3. überarbeitete Auflage. September 2008.
Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie: Hämorrhoidalleiden. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (Stand 07/2008). AWMF online.
Reese, George E/ von Roon, Alexander C/ Tekkis, Paris P: Haemorrhoids. BMJ Clinical Evidence. Publiziert online am 29. Jänner 2009.
The Society for Surgery of the Alimentary Tract: Surgical Management of Hemorrhoids. (letzte Überarbeitung 2004)

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