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Grüner Star (Glaukom)

Gaukom Grüner Star
Das Glaukom kann in verschiedenen Formen auftreten und muss in der Regel behandelt werden. (goodluz / Fotolia.com)

Das Glaukom, auch grüner Star genannt, ist in Europa die zweithäufigste Erblindungsursache. (Update April 2020)

Es gibt verschiedene Ursachen für ein Glaukom, daher können auch seine Formen sehr unterschiedlich sein. Ein zu hoher Augendruck stellt den grössten Risikofaktor dar, an einem Glaukom zu erkranken. Gemeinsam ist allen Formen, dass der Sehnerv und die Nervenfasern der Netzhaut auf Dauer geschädigt werden. In der Schweiz sind mehr als 50.000 Menschen von der Erkrankung betroffen.

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Wie entsteht ein Glaukom?

Im Auge gibt es eine sogenannte vordere Augenkammer (zwischen Hornhaut und Iris bzw. Regenbogenhaut) und eine hintere Augenkammer (von der Hinterseite der Iris bis zur Linse). Im sogenannten Kammerwinkel befindet sich das Trabekelwerk, ein siebartiges Geflecht, durch welches das Kammerwasser abfliesst. Das Kammerwasser dient dazu, die Linse und die Hornhaut mit genügend Nährstoffen zu versorgen, da diese keine Blutversorgung haben. In der Regel besteht ein Gleichgewicht zwischen der Produktion des Kammerwassers im Ziliarkörper und dem Abfluss im Kammerwinkel durch das siebartige Trabekelwerk. Dahinter liegt der Schlemm’sche Kanal, ein ringförmig verlaufendes, knapp ¼ mm breites «Sammelrohr», durch das der weitere Abfluss zur Blutbahn erfolgt.

Ist dieser Abfluss blockiert, kommt es zu einem Rückstau des Kammerwassers und damit zu einer Erhöhung des Drucks im Auge. Dieser Zustand führt über kurz oder lang zu einem Glaukom. Es gibt jedoch auch Menschen, die trotz eines normalen, nicht erhöhten Augendrucks ein Glaukom entwickeln, das heisst, ihr Sehnerv schwindet und verliert Nervenfasern, auch wenn die gemessenen Augendruckwerte im üblichen Normbereich liegen.

Welche Formen des Glaukoms gibt es?

Je nach Form und Struktur des Kammerwinkels lassen sich zwei Arten unterscheiden: das Offenwinkelglaukom und das Winkelblockglaukom. Im Gegensatz zu Winkelblockglaukomen sind Offenwinkelglaukome in unseren Breiten weitaus häufiger, verlaufen meist chronisch und bleiben in vielen Fällen lange Zeit unbemerkt. Winkelblockglaukome kommen hingegen weniger oft vor, sind aber beispielsweise in Südostasien die häufigere Glaukomform.

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Weiters unterscheiden lassen sich:

Okuläre Hypertension

Dabei ist der Augeninnendruck über 21 mmHg erhöht (normal zwischen 10 und 21 mmHg), es besteht aber kein Schaden an Sehnerv, Nervenfasern oder Gesichtsfeld. Ob hier eine Therapie notwendig ist, muss individuell, abhängig von diversen Risikofaktoren, entschieden werden. Die augenärztlichen Kontrollen müssen jedoch genauso häufig wie bei behandelten Glaukom-Patienten erfolgen.

Primäres Offenwinkelglaukom

Das primäre Offenwinkelglaukom tritt nicht als Folge einer anderen Augenerkrankung auf und gilt als häufigste Glaukomform. Der Abflusswiderstand ist erhöht. Da sich dadurch der Druck im Augeninneren über Jahre hinweg langsam erhöht, haben die Betroffenen meist keine Beschwerden.

Normaldruckglaukom

Eine andere Form des Glaukoms ist das Normaldruckglaukom, bei dem eine Sehnervschädigung trotz eines normalen Augeninnendrucks auftritt. Meist liegt dies an einer schlechten Durchblutung des Sehnervs. Nicht selten haben Betroffene auch Durchblutungsprobleme, wie z.B. einen niedrigen Blutdruck oder Migräne. Daher wird zur Abklärung oft auch ein Internist herangezogen.

Angeborenes Glaukom (bei Neugeborenen und Kleinkindern)

Beim angeborenen Glaukom besteht in der Regel eine Entwicklungsstörung in den abflussrelevanten Strukturen des Auges. Je ausgeprägter diese sind, desto früher tritt das Glaukom auf. Neugeborene, aber auch Kleinkinder und Schulkinder können daher von unterschiedlich ausgeprägten Glaukomformen betroffen sein.

Juveniles Glaukom (bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen)

Beim juvenilen Glaukom ist die Entwicklungsstörung im Kammerwinkel des Auges relativ schwach ausgeprägt und der Augendruck steigt nicht im Kindesalter, sondern erst in der zweiten oder dritten Lebensdekade. Das ist insofern ungünstig, als die jungen Betroffenen meist gesund und aktiv sind und nicht regelmässig zum Arzt bzw. zum Augenarzt gehen. Sollte es in der Familie Blutsverwandte mit Glaukom oder Augenproblemen geben, ist es ratsam, betroffene Kinder bzw. Jugendliche prophylaktisch untersuchen zu lassen.

Sekundäre Glaukome

Sekundäre Glaukome treten als Folge oder Komplikation anderer Augenerkrankungen auf (z.B. Entzündungen, Verletzungen, Diabetes und andere Gefässerkrankungen des Auges, lang dauernde Kortisontherapie), in deren Verlauf der Abfluss des Kammerwassers behindert wird.

Spezielle Formen des Offenwinkelglaukoms

Pseudoexfoliationsglaukom (im deutschsprachigen Raum auch Kaspelhäutchenglaukom genannt)

Das Pseudoexfoliationsglaukom ist eine sehr spezielle, aber dennoch nicht selten auftretende Form des Glaukoms. Dabei kommt es zu feinen fibrillären Ablagerungen (wie mikroskopische Schuppen) auf der Linse, am Pupillarsaum und im Kammerwinkel, wo diese Ablagerungen die Poren des Trabekelwerks belegen. Die genaue Zusammensetzung dieser Ablagerungen, die man auch in anderen Organen des Menschen (z.B. Herz, Leber, Niere etc.) findet, ist nicht restlos geklärt. Im Auge können sie aber zu sehr ausgeprägten und stark schwankenden Druckerhöhungen führen. Das Pseudoexfoliationsglaukom findet sich meist bei Erwachsenen ab 50 Jahren und kann unter Umständen sehr schnell und ungünstig verlaufen.

Pigmentglaukom (Pigmentdispersionsglaukom)

Das Pigmentglaukom ist eine andere spezielle Form des Offenwinkelglaukoms. Dabei kommt es zur Streuung von Pigmentpartikeln (wie eine Wolke von mikroskopisch dunkelbraunen Schneeflocken) sowohl in der hinteren als auch in der vorderen Augenkammer. Diese Pigmentflocken verstopfen die Poren des Trabekelwerks und stören den Kammerwasserabfluss. Auch hier kann es immer wieder zu sehr ausgeprägten und stark schwankenden Druckerhöhungen kommen. Diese führen relativ schnell zu einer Sehnervschädigung.

Das Besondere hierbei ist, dass vor allem junge Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren betroffen sind, Männer zudem viel häufiger als Frauen. Das ist insofern «tückisch», als die meisten der Betroffenen gesunde und aktive Menschen sind, denen nicht in den Sinn kommt, dass ein Augenproblem vorliegen könnte. Fast alle vom Pigmentglaukom betroffenen Patienten sind kurzsichtig und tragen eine Brille oder Kontaktlinsen. Aus diesem Grund – aber auch generell – ist Kurzsichtigkeit ein Risikofaktor für das Glaukom.

Winkelblockglaukome

Anatomisch gesehen ist beim Winkelblockglaukom der Kammerwinkel sehr eng gebaut (wie z.B. bei Weitsichtigen) und kann sich in gewissen Situationen (z.B. bei weiter Pupille) akut verschliessen. Der Augendruck steigt dann schnell und dramatisch an und kann den normalen Wert um das Drei- bis Vierfache übersteigen. Man spricht hier von einem sogenannten «Glaukomanfall». Symptome wie Druckgefühl am Auge, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen, Sehen von Farbringen um die Lichtquelle, Übelkeit oder Erbrechen können auftreten. In manchen Fällen kann ein Glaukomanfall in einer weniger dramatischen Form oder sogar symptomlos auftreten.

Unbehandelt kommt es bei einem Glaukomanfall in relativ kurzer Zeit zu einer erheblichen Schädigung des Sehnervs. Bei entsprechenden Symptomen soll deswegen unverzüglich ein Augenarzt aufgesucht werden. Da diese Glaukomform zeitversetzt meist beide Augen betrifft, werden in der Regel auch beide Augen behandelt, selbst wenn am zweiten Auge noch kein Anfall aufgetreten ist.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Winkelblockglaukom um eine Form des Glaukoms, bei der es zu einer Abflussstörung des Kammerwassers durch einen akuten Verschluss kommt. Dieser Blockmechanismus tritt anfangs fast immer unbemerkt auf. Die Verschlüsse erfolgen meist anfallsartig und nehmen im Laufe der Zeit an Dauer und Intensität zu. Durch die immer wiederkehrenden Anfälle verengt sich der Kammerwinkel immer mehr und kann Verwachsungen bilden. Es besteht dann ein sogenanntes «chronisches Winkelblockglaukom».

Winkelblockglaukome benötigen in der Regel eine chirurgische Versorgung, anfangs eher mit Laser, bei der chronischen Form immer mit einer Operation (fistulisierend). Die Neigung zum Winkelblock findet sich vor allem in kurz gebauten Augen (z.B. bei weitsichtigen Menschen).

Wer ist vom Glaukom besonders betroffen?

Das Glaukom ist weltweit eine der häufigsten Ursachen einer Erblindung. Etwa 4% aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einem Glaukom. Meist tritt der sogenannte grüne Star nach dem 40. Lebensjahr auf. Die Dunkelziffer an Betroffenen ist jedoch sehr hoch. Die Hälfte der Betroffenen weiss nicht, dass sie an einem Glaukom erkrankt ist.

Welche Symptome treten bei einem Glaukom auf?

Symptome des Offenwinkelglaukoms

Das Offenwinkelglaukom ist die häufigste Glaukomform. Es beginnt unbemerkt. Bleibt die Behandlung aus, kommt es zu einer zunehmenden Schädigung des Sehnervs, dadurch zu Ausfällen des Gesichtsfeldes und schliesslich zur Erblindung. Die Gesichtsfeldstörungen werden von den Betroffenen meist erst im Spätstadium bemerkt. Ein Selbsttest kann diese nicht erfassen, es braucht eine apparative Gesichtsfeldmessung (Perimetrie).

Bei einem sogenannten akuten Glaukomanfall kommt es zu starken Augen- und Kopfschmerzen, plötzlicher Sehverschlechterung, häufig Übelkeit, Erbrechen sowie einer Rötung des Auges und einer Verhärtung des Augapfels. Oft liegen über lange Zeit auch keine Beschwerden vor.

Symptome des angeborenen Glaukoms

Das angeborene Glaukom bei Neugeborenen macht sich vor allem durch ungewöhnlich grosse, «schöne Augen», Lichtscheue und Tränen bemerkbar.

Wie hängen grüner Star und Schlafstörungen zusammen?

Eine Anfang 2019 veröffentliche Studie zeigt, dass Glaukome sehr häufig mit Problemen beim Ein- und Durchschlafen verbunden sind. Laut Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft (DOG) wird die Augenerkrankung «Grüner Star» häufig von Schlafstörungen begleitet.

Innerhalb der Studie wurden die Schlafgewohnheiten von 6.700 Glaukom-Patienten untersucht. Die untersuchten Faktoren waren Schlafdauer, Ein- und Durchschlafstörungen sowie schlafbezogene Erkrankungen wie Schlafapnoe, die Einnahme von Schlafmitteln sowie Tagesmüdigkeit. Die Ergebnisse zeigen, dass unter Glaukom-Patienten dreimal so häufig Schlafstörungen mit weniger als drei oder mehr als zehn Stunden pro Nacht auftreten.

Warum es zu diesem Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Glaukomen kommt, ist unklar. Laut DOG könnten einerseits Schlafstörungen als Risikofaktor die Entstehung eines Glaukoms begünstigen. Andererseits könnte sich auch Stress, welcher durch die Augenerkrankung entsteht, negativ auf den Schlaf auswirken.

Wie kann ein Glaukom rechtzeitig erkannt werden, bevor Folgeschäden auftreten?

Um ein Glaukom möglichst früh zu erkennen und Folgeschäden zu vermeiden, sind regelmässige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt – vor allem ab dem 40. Lebensjahr – notwendig. Das Sehvermögen (z.B. lesen) bleibt sehr lange intakt. Daher ist auch ein unauffälliger Sehtest kein Beweis dafür, nicht an einem Glaukom erkrankt zu sein.

Was sind die Risikofaktoren für die Entstehung eines Glaukoms?

Als Risikofaktoren für die Entstehung eines Glaukoms gelten üblicherweise:

Welche Folgen kann ein Glaukom haben?

Das Sehvermögen Betroffener verschlechtert sich in den fortgeschrittenen Krankheitsstadien zusehends, da grüner Star direkt den Sehnerv schädigt. Das Besondere ist, dass die zentrale Sehschärfe und das Lesevermögen sehr lange erhalten bleiben – deswegen wird das Glaukom meist erst dann bemerkt, wenn es bereits zu spät ist. Zuerst kommt es zu Defekten im mittleren Gesichtsfeld, dann zu einer konzentrischen Einschränkung des Gesichtsfeldes, dem «Tunnelblick», und in weiterer Folge zur schlechten Orientierung in unbekannter Umgebung, bei Dämmerung und beim Finden von Dingen. Ohne Behandlung kann dies zur Erblindung führen. Sowohl der Verlauf als auch das Fortschreiten der Erkrankung ist von Person zu Person unterschiedlich und von mehreren Faktoren abhängig.

Wie wird ein Glaukom festgestellt?

Die Diagnose wird mithilfe verschiedener apparativer Untersuchungen gestellt. Mit der Tonometrie kann der Augeninnendruck gemessen werden. Statistisch gesehen liegt die Obergrenze für den Augendruck bei 21 mmHg. Ein Glaukom kann jedoch auch bei niedrigem Augendruck auftreten; umgekehrt muss ein hoher Augendruck nicht zwangsläufig zu einem Glaukom führen. Der (relativ) erhöhte Augendruck ist jedoch der grösste Risikofaktor und wichtigster Ansatzpunkt der Behandlung. Ein erhöhter Augendruck wird in der Regel von den Betroffenen nicht bemerkt, man spürt ihn also nicht. Nur bei einem plötzlich auftretenden Glaukomanfall, bei dem der Augendruck auf bis zu 50 oder 60 mmHg innerhalb kurzer Zeit ansteigen kann, bemerken Patienten unter Umständen eine Art Druckgefühl.

+++ Mehr zum Thema: Gesichtsfeldausfälle +++

Applanationstonometrie

Zur Durchführung der Augendruckmessung wird die Hornhaut örtlich betäubt und ein kleiner Druckmesskopf leicht auf die Hornhaut gedrückt. Diese Methode wird Applanationstonometrie genannt. Es gibt auch eine Messmethode mit Luftstoss, bei der das Auge nicht berührt wird. Sie ist jedoch nicht so genau wie die Applanationstonometrie und sollte daher bei der Betreuung von Glaukom-Patienten nicht angewendet werden.

Gonioskopie

Mit der sogenannten Gonioskopie wird der Kammerwinkel untersucht. Dazu verwendet man eine spezielle Linse, die direkt auf die Hornhaut aufgesetzt wird. Diese Untersuchung ist deshalb wichtig, da man damit den zugrunde liegenden Mechanismus des erhöhten Augeninnendrucks feststellen kann.

Perimetrie

Weiters wird eine Gesichtsfeldmessung (Perimetrie) durchgeführt, um bereits vorhandene Ausfälle festzustellen. Diese Untersuchung, die letztlich die Lebensqualität der Betroffenen kontrolliert, muss in bestimmten Abständen (zumindest jährlich, manchmal aber auch alle drei Monate) wiederholt werden.

Für die genaue Diagnose ist die Beurteilung des Sehnervs und der Nervenfasern der Netzhaut am wichtigsten. Dazu wird mithilfe eines Spiegels der Augenhintergrund untersucht. Wenn im Rahmen der Untersuchung der Glaukomverdacht entsteht, sollten der Sehnervkopf und die Nervenfaserschicht mit einem bildgebenden Verfahren (Scanning-Laser-Ophthalmoskopie, optische Kohärenztomografie) vermessen werden. Diese Untersuchungen sind berührungsfrei und völlig ungefährlich für Patienten. Alle diese Untersuchungen müssen regelmässig wiederholt werden, um den Verlauf und ein mögliches Fortschreiten der Erkrankung besser beurteilen zu können.

Wie wird ein Glaukom behandelt?

Zieldruck

Zu Beginn der Behandlung wird der sogenannte Zieldruck festgelegt. Dies ist jener Wert, bei dem der Arzt eine Stabilisierung des Glaukoms erwartet. Er hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. Stadium der Erkrankung, Höhe des unbehandelten Augendrucks, Lebenserwartung, Fortschreiten der Erkrankung etc. Der Zieldruck kann sich auch im Laufe des Lebens ändern.

Medikamentöse Behandlung bei einem Glaukom

Therapeutische Errungenschaften der letzten Jahre haben die Behandlung des Glaukoms deutlich verändert. Zudem hat sich das Spektrum der Therapiemöglichkeiten durch die Entwicklung zahlreicher neuer Medikamente stark erweitert.

Die Behandlung mit Augentropfen erweist sich oftmals als effizient und weniger riskant als eine Operation. Ziel ist es, die passende Substanz zu finden, die im konkreten Fall gut wirkt und durch die der Zieldruck erreicht wird. Denn nicht alle Medikamente wirken bei allen Menschen bzw. Glaukomformen gleich. Dabei sind Augentropfen ohne Konservierungsmittel den konservierten Darreichungen vorzuziehen.

Das Hauptproblem liegt hier aus Sicht der Mediziner in der oftmals fehlenden Compliance der Patienten, also der Bereitschaft zum aktiven Mitwirken an der Therapie, wenn sie keine Schmerzen oder Symptome spüren.

Behandlung des akuten Glaukomanfalls

Der akute Glaukomanfall ist ein Notfall, da er unbehandelt innerhalb kurzer Zeit zur Erblindung führen kann. Die Behandlung erfolgt nach medikamentöser Drucksenkung operativ (Eingriff an der Iris zur Behebung des Winkelblocks mit einem Laser = Iridotomie; chirurgisch = Iridektomie). Auch das zweite Auge muss in den meisten Fällen operiert werden.

Behandlung des angeborenen Glaukoms

Das angeborene Glaukom bei Neugeborenen muss in der Regel operiert werden. Dabei gilt: Je früher das Glaukom auftritt, desto eher ist die Operation erforderlich.

Behandlung des primär chronischen Offenwinkelglaukoms

Beim chronischen Offenwinkelglaukom, der häufigsten Form bei Erwachsenen, wird mit Medikamenten versucht, den Augendruck zu senken. Dazu stehen verschiedene Mittel in Form von Augentropfen zur Verfügung, die je nach Wirkstoff die Produktion des Kammerwassers hemmen oder den Abfluss verbessern. Die Wahl der Medikamente, deren Dosierung sowie mögliche Kombinationen werden auf den Patienten individuell abgestimmt. Oft ist eine medikamentöse Behandlung ausreichend.

Operative Behandlung bei einem Glaukom

Wenn mit Medikamenten keine ausreichende Senkung des Augeninnendrucks erreicht werden kann, kommt eine operative Behandlung infrage. Auch hier stehen verschiedene Methoden zur Wahl. Dazu gehören u.a.:

Lasertrabekuloplastik

Bei der Lasertrabekuloplastik wird das Trabekelwerk (die Stelle des Abflusses) mit Laserstrahlen «behandelt» und so der Abfluss verbessert. Diese Methode kann nur bei einem Offenwinkelglaukom angewendet werden. Die Behandlung ist nahezu schmerzfrei und kann bei Bedarf wiederholt werden, bringt jedoch nicht bei jedem Patienten den gewünschten Erfolg.

Trabekulektomie: Ableitung des Kammerwassers

Durch Schaffung eines künstlichen Abflusses (Trabekulektomie) wird beim Offenwinkelglaukom das Kammerwasser aus der Vorderkammer in ein Sickerkissen unter der Bindehaut abgeleitet und so der Augeninnendruck reduziert. Dies ist die am häufigsten durchgeführte Glaukomoperation. Sie ist auch die effektivste, hat aber eine relativ hohe Komplikationsrate.

Iridotomie, Iridektomie

Beim Winkelblock wird die Kommunikation zwischen der hinteren und der vorderen Augenkammer durch Entfernung eines kleinen Teils der Iris verbessert (Iridektomie oder Iridotomie mit Laser). Die periphere Iris zieht sich nach hinten zurück und legt den blockierten Kammerwinkel frei.

Drainageimplantate

Diese Methode wird angewendet, wenn andere Operationsverfahren nicht infrage kommen. Glaukom-Drainageimplantate bestehen heutzutage fast ausnahmslos aus einer kleinen Basisplatte aus Silikon in unterschiedlicher Stärke und Grösse sowie einem dünnen Silikonschlauch, der in die Augenkammer eingeführt wird und das Kammerwasser ableitet.

MIGS

Die Abkürzung steht für «Minimally Invasive Glaucoma Surgery». Dabei werden mikroskopisch kleine Abflusssysteme ins Auge eingesetzt. Es gibt mehrere verschiedene Implantate und Operationstechniken. Diese Art der Chirurgie hat den Vorteil, dass sie kurz, weniger belastend und mit kleineren Komplikationsrisiken verbunden ist. Da diese Implantate relativ neu sind, gibt es allerdings erst wenige Daten zum Langzeitverlauf.

Ausschalten von Teilen des Ziliarkörpers

Mittels Laser, Ultraschall oder Kältebehandlung können Teile des Ziliarkörpers zerstört werden, um die Produktion des Kammerwassers zu drosseln. Diese Verfahren werden in speziellen Fällen angewendet.

Die Glaukomchirurgie hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm weiterentwickelt und die minimalinvasive operative Vorgehensweise im Rahmen verschiedener glaukomchirurgischer Verfahren ist heute nicht mehr wegzudenken, da sie sowohl die Wirksamkeit als auch die Sicherheit für Betroffene eindeutig verbessert.

Wie sieht die Prognose bei einem Glaukom aus?

Unbehandelt kann ein Glaukom durch zunehmende Schädigung des Sehnervs zur Erblindung führen. Entscheidend ist das frühzeitige Erkennen und Behandeln eines Glaukoms, da bereits bestehende Schäden am Sehnerv nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Mit den geeigneten Methoden ist es jedoch in den meisten Fällen möglich, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und das Sehvermögen zu erhalten.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Prof. Dr. med. Milko Iliev
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Erb C. Derzeitige Entwicklungen in der minimalinvasiven Glaukomchirurgie. Der Ophthalmologe 2018; 115:360-362

Qiu M et al.: Association Between Sleep Parameters and Glaucoma in the United States Population: National Health and Nutrition Examination Survey. Journal of Glaucoma 2019; 28(2):97-104

Leitlinien des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V.: Primäres chronisches Offenwinkelglaukom, Normaldruckglaukom und okuläre Hypertension; http://www.augeninfo.de/leit/leit15a.pdf (zuletzt aufgerufen: 16.03.2017)

Webseite der European Glaucoma Society: http://www.eugs.org/eng/default.asp (zuletzt aufgerufen: 16.03.2017)

Grehn F: Augenheilkunde. Springer Verlag 2013, S. 334
Moore KL et al.: Embryologie – Entwicklungsstadien, Frühentwicklung, Organogenese, Klinik. Übersetzt und bearbeitet von Christoph Viebahn. Elsevier, Urban & Fischer, 5. Auflage, München 2007

European Glaucoma Society (Hrsg.): Terminology and Guidelines for Glaucoma. Editrice Dogma, 4. Auflage, Savona 2014

Malihi M et al.: Long-Term Trends in Glaucoma-Related Blindness in Olmsted County, Minnesota. In: Ophthalmology 2014; 121:134-41; http://www.aaojournal.org/article/S0161-6420(13)00808-7/abstract (zuletzt aufgerufen: 16.03.2017)

Coleman AL et al., Initial experience with the Ahmed glaucoma valve implant. Am J Ophthalmol 1995; 120:23-31 (Quelle zu Drainageimplantaten)

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