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Geschlechtskrankheiten (Sexuell übertragbare Erkrankungen, STDs, STIs)

Sexuell übertragbare Erkrankungen
Kondome bieten den sichersten Schutz vor Geschlechtskrankheiten, wenn auch keinen 100%igen. (Nixx Photography / Shutterstock)

Als Geschlechtskrankheit wird eine Infektionserkrankung bezeichnet, die (vorwiegend) durch Sexualkontakte übertragen wird. Abhängig vom Erreger können die Symptome ganz unterschiedlich sein.

Kurzfassung:

  • Geschlechtskrankheiten werden vorwiegend, aber nicht ausschließlich über Sexualkontakte übertragen.
  • Insgesamt nehmen sexuell übertragbare Erkrankungen in Europa wieder zu.
  • Geschlechtskrankheiten verlaufen oftmals symptomlos, können aber zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen.
  • Kondome bieten den sichersten (aber keinen 100%igen) Schutz.
  • Gegen einige Geschlechtserkrankungen gibt es wirksame Impfungen.

Unter dem Begriff „Geschlechtskrankheiten“ werden alle Erkrankungen zusammengefasst, die vorwiegend (aber nicht ausschließlich) über Sexualkontakte übertragen werden. Die Zahl der sexuell übertragbaren Erkrankungen ist in den letzten Jahren weltweit und auch in Österreich wieder angestiegen, insbesondere Fälle von Syphilis und Gonorrhö.

Symptome, die auf eine Geschlechtskrankheit hindeuten können

Je nach Erreger und Infektionsort verläuft ein Großteil der Erkrankungsfälle ohne Symptome. Um weitere Folgeerkrankungen abzuwenden bzw. die Ansteckung von Sexualpartnern zu verhindern, ist es ratsam, bereits bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit, spätestens aber bei Feststellung eines der genannten Symptome einen Arzt aufzusuchen:

  • Hautveränderungen in der Anogenitalregion
  • Juckreiz, Brennen in der Anogenitalregion
  • vermehrter Vaginalausfluss
  • Geruchsveränderungen der Vaginalflüssigkeit
  • Harnabsatzschwierigkeiten
  • Schmerzen beim Wasserlassen/Stuhlgang
  • Blutungen, Schleim- oder Sekretbildung im Bereich des Rektums
  • Entzündungen oder Empyem der Bartholin-Zyste
  • Schwellungen im Bereich der Hoden
  • Verengung der Vorhaut
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • azyklische Monatsblutungen
  • Unterbauchschmerzen
  • Lymphknotenschwellungen am Hals und/oder in der Leistenregion
  • Schluckbeschwerden
  • Angina

Welche Komplikationen können auftreten?

Die meisten Geschlechtskrankheiten verursachen zunächst nur milde, eher unspezifische oder gar keine Symptome. Dennoch ist es sehr wichtig, eine solche Erkrankung frühzeitig zu diagnostizieren sowie eine sofortige Therapie einzuleiten. Abhängig vom jeweiligen Erreger können unterschiedliche Folgeerkrankungen auftreten:

  • Sterilität
  • Eileiterschwangerschaft
  • Befall des Kindes mit Gefahr von Missbildungen bis zum Abort (Schwangerschaftsabgang)
  • Pelvic Inflammatory Disease (PID)
  • durch Infektionen verursachte maligne Erkrankungen wie Tumoren oder AIDS

Wie wird eine Geschlechtskrankheit diagnostiziert?

Besteht der Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit, sollte umgehend der Hausarzt aufgesucht werden. Dieser wird den Patienten für weiterführende Untersuchungen zu einem Spezialisten aus dem jeweiligen Fachbereich (Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Urologie und Andrologie oder Gynäkologie und Geburtshilfe) überweisen. Die Diagnose erfolgt anhand einer klinischen und einer labordiagnostischen Untersuchung.

Mögliche klinische Untersuchungen:

  • Begutachtung von Vulva, Perineum und Perianalregion/Penis, Präputium, Skrotum
  • Kontrolle der Leistenlymphknoten
  • Kolposkopie (Inspektion der Vagina, ggf. Abstrich für die mikrobiologische Diagnostik)

Abhängig von den Symptomen können noch weitere klinische Untersuchungen notwendig sein:

  • Vaginalultraschall
  • ggf. rektale Untersuchung
  • Untersuchung weiterer Regionen (Mund, Rachen) sowie der Haut

Labordiagnostische Untersuchung:

  • Die erregerspezifische Diagnostik erfolgt abhängig von den jeweiligen Symptomen, dem Risikoverhalten und dem klinischen Befund.

Welche Geschlechtskrankheiten gibt es?

Klassische Geschlechtskrankheiten:

Zu den „klassischen“ Geschlechtskrankheiten zählen jene, die über Sexualkontakte übertragen werden.

1. Syphilis

Syphilis (Lues, harter Schanker) ist eine Erkrankung, die durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, aber auch durch Oral- und Analverkehr.

Die Diagnose einer Syphilisinfektion erfolgt über den Nachweis von Antikörpern im Blut (z.B. TPPA-Test).

2. Gonorrhö

Gonorrhö (Tripper) ist eine Erkrankung, die durch Bakterien (Gonokokken, Neisseriae gonorrhoeae) verursacht wird. Die Übertragung erfolgt fast ausschließlich durch ungeschützten Sexualkontakt.

Der Nachweis einer Infektion bei Personen ohne Krankheitszeichen erfolgt aus dem Abstrich aus Rachen, Harnröhre bzw. Scheide und After (PCR-Test). Bei Vorliegen von Krankheitszeichen ist unter Umständen auch der direkte Bakteriennachweis aus dem Abstrich möglich. Da die Bakterien aber nur schlecht anzüchtbar sind, gelingt der Nachweis nicht immer. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika.

3. Weicher Schanker

Der „weiche Schanker“ oder auch Ulcus molle ist eine Erkrankung, die von Bakterien der Gattung Haemophilus ducreyi verursacht wird und mit Geschwüren in der Genitalregion und schmerzhafter Schwellung der Leistenlymphknoten einhergeht. Der Erreger kann anhand eines Abstrichs und einer mikroskopischen Untersuchung festgestellt werden. Die Therapie erfolgt mit Antibiotika. Die Erkrankung spielt in Europa eine untergeordnete Rolle.

4. Lymphogranuloma venereum

Das sogenannte Lymphogranuloma venereum (LGV) ist eine sehr seltene Sonderform einer Chlamydieninfektion und wird manchmal übersehen, vor allem bei analem Befall. Eine Infektion mit dem bakteriellen Erreger hat eine eitrige Entzündung der Lymphknoten und -bahnen in der Leisten- und Oberschenkelgegend zur Folge. Die Chlamydien werden zunächst mittels Abstrich nachgewiesen. Um zwischen Lymphogranuloma venereum und einer „normalen“ Chlamydieninfektion unterscheiden zu können, muss anschließend die Bestimmung des Serovars mithilfe weiterer Laboruntersuchungen durchgeführt werden. Dies ist wichtig, da eine LGV-Infektion im Gegensatz zur „normalen“ Chlamydieninfektion nicht nur eine Woche, sondern drei Wochen lang antibiotisch behandelt wird.

Andere Geschlechtskrankheiten:

Diese Erkrankungen können durch Geschlechtsverkehr, aber auch über andere Ansteckungswege übertragen werden.

1. Chlamydieninfektion

Eine Chlamydieninfektion der Geschlechtsorgane wird durch Bakterien der Gattung Chlamydiae trachomatis verursacht und tritt häufig zusammen mit Gonorrhö auf. Sie verursacht Juckreiz, Schmerzen und Ausfluss, verläuft aber in vielen Fällen auch symptomlos. Der Nachweis einer genitalen Chlamydieninfektion erfolgt aus dem Abstrich aus Harnröhre bzw. Scheide. Zur Behandlung von Chlamydieninfektionen werden Antibiotika eingesetzt.

2. Hepatitis B und C

Hepatitis B ist eine Entzündung der Leber, die durch eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) entsteht. Der Nachweis einer Infektion mit HBV erfolgt über das Blut. Schutz vor einer Infektion bietet die Impfung.

Eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus verursacht ebenfalls eine Leberentzündung. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Blut oder Sexualpraktiken mit Schleimhauteinrissen und Blut. Gegen Hepatitis C gibt es keine Impfung, jedoch seit einigen Jahren vielversprechende Medikamente.

3. HIV

HIV ist eine Infektionskrankheit, die über virushaltige Körperflüssigkeiten – am häufigsten über ungeschützten Geschlechtsverkehr – übertragen wird. Die Diagnose erfolgt über einen Bluttest.

4. Trichomoniasis

Trichomonaden sind Einzeller, die meist beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Sehr häufig fehlen trotz Infektion jegliche Symptome. Die Diagnose erfolgt anhand eines Abstrichs aus der Scheide, therapiert wird mit Antibiotika.

5. Herpes genitalis

Juckende Bläschen in der Genitalregion können ein Hinweis auf eine Herpesvirus-Infektion sein. Die Diagnose erfolgt klinisch oder über den Nachweis der Viren über einen Genitalabstrich. Da es sich um eine virale Erkrankung handelt, bei der die Viren in den Nerven verweilen und immer wieder reaktiviert werden können, ist Genitalherpes nicht heilbar.

6. Genitalwarzen

Die Infektion mit dem humanen Papillomavirus erfolgt durch Viruskontakt der Haut und der Schleimhäute beim Geschlechtsverkehr und wird durch kleine Wunden begünstigt. Es entstehen kleine, spitze Warzen im Genitalbereich. Die Beschwerden reichen von Fremdkörpergefühl bis zu Juckreiz, manchmal ruft die Infektion auch keine Symptome hervor. Schutz vor einer Infektion bietet die HPV-Impfung.

7. Candida albicans

Candida albicans ist weit verbreitet, der Pilz lässt sich bei bis zu 50% der Bevölkerung in Mund und Darm nachweisen. Im Genitalbereich verursacht er heftigen Juckreiz, Brennen und Schmerzen sowie weiß-bröckeligen Ausfluss. Die Haut zeigt rote Knötchen und Bläschen. Der Pilz kann durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, wobei es durch den „Pingpong-Effekt“ wieder zu einem erneuten Aufflammen der Infektion kommen kann. Der Nachweis erfolgt unter dem Mikroskop. Durch eine Überpflege und dadurch Störung der Normalflora kann eine Besiedelung mit Candida begünstigt werden. Deswegen wird von der Verwendung aggressiver Seifen an den Schleimhäuten abgeraten.

8. Filzläuse

Filzläuse (Phthiriasis pubis) werden durch Geschlechtsverkehr übertragen, aber auch indirekt über Matratzen und Bettdecken. Die Überlebenszeit der Filzläuse beträgt dabei allerdings nur 24 Stunden. Sie befallen vor allem den Schambereich, aber auch Achsel- und Körperhaare. Im Intimbereich verursachen sie starken Juckreiz, die Bisse können zu ekzemähnlichen Hautveränderungen führen. Therapiert wird mit speziellen Shampoos.

9. Krätze (Skabies)

Die Krätze wird durch Milben verursacht. Die Übertragung erfolgt durch Geschlechtsverkehr, aber auch indirekt durch Wäsche oder über gemeinsam benutzte Betten. Nach vier bis sechs Wochen kommt es vor allem in den Fingerzwischenräumen, an den Beugeseiten der Handgelenke, Ellenbogen und Achseln sowie an der Brust und in der Genitalregion zu starkem Juckreiz. Auffällig sind kleine Knötchen mit millimetergroßen Milbengängen. Durch Kratzen an der Haut können sich die betroffenen Hautstellen in weiterer Folge entzünden. Der Nachweis der Milben erfolgt unter dem Mikroskop. Therapiert wird mit speziellen Anti-Skabies-Präparaten. Bei der Krätze müssen Familienmitglieder und enge Kontaktpersonen unbedingt mitbehandelt werden. Außerdem ist auf penible Hygiene zu achten.

Vorbeugung

Kondome bieten den sichersten Schutz vor Geschlechtskrankheiten, wenn auch keinen 100%igen.

Gegen einzelne Erkrankungen wie HPV-, Hepatitis-A- und Hepatitis-B-Infektionen gibt es wirksame Impfungen.

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Autoren:

Medizinisches Review:

Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Leitlinien zur Therapie der klassischen Geschlechtskrankheiten, November 2018; http://www.oegstd.at/res/Buch_Therapieleitlinien_2018.pdf (letzter Zugriff am 13.12.2019)

S2k-Leitlinie „Sexuell übertragbare Infektionen (STI) – Beratung, Diagnostik und Therapie“, Stand 03.08.2018; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/059-006l_S2k_Sexuell-uebertragbare-Infektionen-Beratung-Diagnostik-Therapie-STI_2019-09.pdf (letzter Zugriff am 13.12.2019)

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