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Lippenherpes (Herpes labialis, Fieberblasen, HSV-1)

Bläschen am Mund
Fieberblasen äußern sich durch kleine nässende Bläschen auf der Haut. (16065960 / iStockphoto)

Fieberblasen – auch unter Lippenherpes oder Herpes labialis bekannt – sind eine zumeist harmlose, aber sehr unangenehme Erkrankung. Etwa 20 bis 40% aller Menschen haben regelmäßig Symptome, die Durchseuchungsrate in der Bevölkerung liegt aber bei 85%.

Kurzfassung:

  • Fieberblasen werden von Herpes Viren verursacht.
  • Die Ansteckung erfolgt meist im Kindes- und Jugendalter.
  • Typisches Anzeichen sind Bläschen um den Mund.
  • Die nässenden Bläschen sind mit hochansteckender Flüssigkeit gefüllt.
  • Hat man sich ein Mal mit dem Herpes Virus infiziert, können Fieberblasen immer wieder auftreten.
  • Die Behandlung erfolgt symptomatisch mit Cremes, Gels oder Salben.

Ursache für die schmerzhaften, juckenden Bläschen ist eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV), das sehr häufig vorkommt: Etwa 85 Prozent der Bevölkerung tragen es in sich.

Ob und wie oft das Virus ausbricht, hängt stark vom Immunsystem sowie vom Alter der Betroffenen ab: Bei zehn bis 20 Prozent der Infizierten, vornehmlich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, treten Fieberblasen in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf, bevor sie im späteren Erwachsenenalter meist nur noch selten in Erscheinung treten.

Fieberblasen (Lippenherpes) auf einen Blick

Erreger meistens HSV-1 (manchmal HSV-2)
Übertragung Schmierinfektion
Inkubationszeit 3 bis 9 Tage
Symptome nässende Bläschen, Juckreiz, Spannungsgefühl
Behandlung antivirale Cremes, Gels & Salben
Heilungsdauer 7 bis 10 Tage

Wie infiziert man sich mit Herpes?

Das Herpes-simplex-Virus hat zwei Untergruppen –Typ 1 und 2.

  • Typ 1 (HSV-1)

Hauptauslöser für Fieberblasen ist HSV vom Typ 1 (HSV-1). HSV-1 wird über eine Schmierinfektion – also z.B. beim Küssen oder der gemeinsamen Benutzung von Geschirr – übertragen. Die Ansteckung erfolgt meist schon im Säuglings- oder Kleinkindalter: Rund 80 Prozent aller Zweijährigen sind bereits mit HSV-1 infiziert.

  • Typ 2 (HSV-2)

In 20 bis 30 Prozent der Fälle ist das Herpes-simplex-Virus vom Typ 2 (HSV-2) Auslöser für Fieberblasen. Die Ansteckung mit HSV-2, dem vorrangigen Auslöser von Genitalherpes, erfolgt über Geschlechtsverkehr und intimen Kontakt wie Petting.

Zu beachten ist, dass die meisten Herpes-Übertragungen stattfinden, wenn die Erkrankung gerade nicht akut ist. Ist man mit HSV infiziert, kommt es nämlich immer wieder zu Virusausscheidungen, ohne dass man eine Fieberblase entwickelt. Da bei einer akuten Fieberblase aber wesentlich mehr Viren übertragen werden können, kann dies bei der Ansteckung eines anderen aber zu einer schwereren Erstsymptomatik führen.

Während eines akuten Ausbruchs von Lippen- oder Genitalherpes sollte man daher Hygiene großschreiben: Nur zu einfach lässt sich Lippenherpes auf den Genitalbereich und umgekehrt übertragen. Eine gewissenhafte Händedesinfektion kann hier sehr hilfreich sein, eine Verbreitung zu stoppen.

Welche Symptome können bei einer Herpesinfektion auftreten?

Die Inkubationszeit beträgt bei der erstmaligen Infektion mit Herpes im Mittel drei bis neun Tage, kann jedoch in seltenen Fällen bis zu sechs Wochen dauern. Da die Erstinfektion meist unscheinbar verläuft, wissen viele Menschen gar nicht, ob sie das Virus in sich tragen, oder nicht.

Mögliche Symptome sind:

Entwickeln sich jedoch Fieberblasen, beginnt dies zumeist mit Juckreiz und einem Spannungsgefühl, manchmal auch mit Schmerzen. Etwa zwei Tage später entstehen kleine, nässende Bläschen, die mit einer hochinfektiösen Flüssigkeit gefüllt sind, bald aufplatzen und dann eine Kruste bilden. Meist dauert es sieben bis zehn Tage, bis Fieberblasen wieder abgeheilt sind.

An welchen Körperstellen können Fieberblasen auftreten?

  • Lippen 
  • Mund
  • Wangen
  • Naseneingang
  • Ohrläppchen 
  • Augen/Bindehäute

In diesen Fällen sollte unverzüglich ein Augenarzt aufgesucht werden, da es zu Sehbeeinträchtigung und im schlimmsten Falle auch zu Erblindung kommen kann.

  • Mundschleimhaut/Zahnfleisch

In manchen Fällen können auch die Mundschleimhaut und das Zahnfleisch von der Infektion betroffen sein, wodurch sich schmerzhafte Apthen und Ulzera bilden können (sogenannte Mundfäule). Ausgedehnte und wiederkehrende Infektionen können auch ein Hinweis auf eine Immunschwäche sein.

Bei einer Erstinfektion mit HSV-1 können die Bläschen zu größeren Geschwüren (Ulzera) auf der Haut zusammenfließen und sich mit weiteren Bakterien infizieren (Superinfektion).

Warum können Fieberblasen immer wiederkehren?

HSV-1 dringt in der Regel über die Mundschleimhaut in den Körper ein. Von dort wandert es entlang von Nervenfasern zum sogenannten Ganglion trigeminale, einem neben der Wirbelsäule liegenden Nervenknötchen – dort verweilen die HSV-Viren ein Leben lang und bei Schwächung unseres Immunsystems wie Sonne, Stress, Schlafmangel oder Krankheit wandern diese Viren dann entlang des Nerven bis zum entsprechenden Hautareal und die typischen Anzeichen wie Kribbelgefühl und Bläschenbildung beginnen.

Hat man sich einmal mit Herpes infiziert, gibt es bis heute keine Möglichkeit, es wieder loszuwerden: Das Virus bleibt zeitlebens in den Nervenwurzeln, mit der Bereitschaft, jederzeit wieder aktiv zu werden (Reaktivierung). Bisher konnten weder eine Impfung, die verlässlich vor HSV schützt, noch eine Therapie gefunden werden, die das Virus aus dem Körper eliminiert.

Auch beim Genitalherpes zieht sich das HSV in die Nervenwurzeln zurück, jedoch in die sakralen Ganglien. Von dort kann es wie beim Herpes labialis immer wieder reaktiviert werden und Genitalherpes hervorrufen.

Die häufigsten Ursachen dafür, dass das Virus von seinem "Schlafplatz" in den Nervenwurzeln wieder die Nervenbahnen zurückwandert und Fieberblasen auslöst, sind:

Wie kann man Lippenherpes behandeln?

Bis dato existiert keine Therapie, die das Virus vollständig aus dem Körper eliminiert. Fieberblasen können daher nur rein symptomatisch behandelt werden. Dazu gibt es lokale Cremes, Gels oder Salben, die auf die betroffene Stelle regelmäßig aufgetragen werden.

Bei häufigem Wiederauftreten von Lippenherpes und schweren Verläufen kann außerdem eine systemische bzw. virusstatische Behandlung mit Tabletten (sogenannte Virostatiker) helfen. Bei Ausbruch ist auf jeden Fall vermehrt auf Hygiene zu achten. Ein direkter Kontakt mit anderen Personen sollte wegen Ansteckungsgefahr vermieden werden.

++ Mehr zum Thema: Behandlung von Fieberblasen ++

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
ÖA Dr. med. Barbara Franz
Redaktionelle Bearbeitung:
, , ,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Phytomedicine; 2008 Sep;15(9):734-40. doi: 10.1016/j.phymed.2008.04.018
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18693101/ (letzter Zugriff am 09.06.2020)

Deutsche Apothekerzeitung, Finger weg vom Herpes, Stand 2016, https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/08/16/finger-weg-vom-herpes (letzter Zugriff am 09.06.2020)

Breier & Gruber: Fieberblasen, Herpes & Co. 1. Auflage, Verlagshaus der Ärzte, Wien 2012

Mims et al.: Medizinische Mikrobiologie / Infektiologie. Elsevier, München 2006

Suerbaum et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 7. Auflage, Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2012

E. Mayatepek: Pädiatrie. Elsevier-Verlag.
Clinical Evidence
http://clinicalevidence.bmj.com

De Carvalho RR: Effect of laser phototherapy on recurring herpes labialis prevention: an in vivo study. Lasers Med Sci. 2010 May;25(3):397-402. Epub 2009 Aug 11

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