Feuchte Schwämme sind ein No-No

Mitte des 19. Jahrhunderts definierte der Wiener Mediziner Ignaz Semmelweis die Krankenhaushygiene neu: Er hatte den Zusammenhang zwischen der Sterblichkeit junger Mütter im Wochenbett und mangelnder Hygiene im Spital entdeckt. Heute ist regelmäßiges Händewaschen und -desinfizieren für Ärztinnen, Ärzte und Gesundheitspersonal selbstverständlich. Wie viel Sauberkeit in den eigenen vier Wänden gesund ist, erklärt die Hygiene-Expertin Dr. Magda Diab-Elschahawi im Gespräch.

Frage: Eine der einfachsten und effektivsten Hygienemaßnahmen ist das Händewaschen. Wie schaut die optimale Handhygiene aus?

Diab-Elschahawi: Regelmäßiges Händewaschen schützt davor, dass Krankheitserreger von Mensch zu Mensch übertragen werden. Unter "regelmäßig" versteht man: Immer dann, wenn die Hände verschmutzt sind, vor jedem Essen und nach jedem Toilettenbesuch. Letzteres ist besonders wichtig, denn über den Stuhl werden Krankheitserreger ausgeschieden.

Wer sich nach dem Toilettengang nicht die Hände wäscht, hat diese Erreger auf den Händen - und auf allem, was er danach berührt. Im Normalfall reicht regelmäßiges Händewaschen mit ausreichend Wasser, Seife und anschließendem Abtrocknen. Man muss kein Desinfektionsmittel zuhause stehen haben, es sei denn, man lebt in einem Haushalt mit besonders gefährdeten chronisch kranken Personen.

Frage: Abgesehen davon, dass vor allem bei Kindern absoluter Schutz vor Krankheitserregern unmöglich ist, gilt zeitweiliger Kontakt mit diesen Erregern als durchaus gesund.

Diab-Elschahawi: Unser Körper ist vom Kindesalter an mit unterschiedlichsten Krankheitserregern konfrontiert. Das braucht er, um sein Immunsystem aufbauen zu können. Wenn wir später im Leben mit diesen Erregern erneut Kontakt haben, erinnert sich unsere Körperabwehr und kann darauf antworten.

Für gesunde Menschen, auch für gesunde Kinder, ist die Auseinandersetzung mit Krankheitserregern also durchaus wichtig, um eine entsprechende Immunabwehr aufbauen zu können. Insofern ist die Rede vom "gesunden Dreck" nicht ganz falsch. Kinder im Kindergarten- und Schulalter sind häufig krank, weil ihr Immunsystem viele neue Erreger kennenlernt und darauf reagiert. Später pendelt sich das ein, denn der Körper hat dazugelernt.

Frage: Zu viel Hygiene kann auf lange Sicht also kontraproduktiv sein?

Diab-Elschahawi: In Bezug auf vergleichsweise harmlose Erreger sollte man es mit der Hygiene jedenfalls nicht übertreiben. Denn diese Erreger sind clever, und wenn man sie mit Antibiotika oder Desinfektion ständig bekämpft, werden sie resistent und finden Wege, diese Barrieren zu umgehen.

Frage: Wie sieht aus Sicht der Hygienikerin der richtige Umgang mit Milchprodukten und rohem Fleisch aus?

Diab-Elschahawi: Gerade im Sommer ist es wichtig, die Wege vom Lieferanten nach Hause kurz zu halten, um die Kühlkette möglichst nicht zu unterbrechen. Das gilt eben vor allem für Milch- und Fleischprodukte, die nicht gleich verzehrt werden und länger im Kühlschrank bleiben.

Wenn man rohes Fleisch schneidet oder bearbeitet, sollte man auf keinen Fall auf demselben Schneidbrett und mit demselben Werkzeug Nahrungsmittel verarbeiten, die anschließend nicht erhitzt werden - etwa Gemüse oder Salat. Sonst kann es zu Kreuzübertragungen von Infektionserregern wie Salmonellen kommen.

Frage: Wie wichtig ist allgemein die Sauberkeit in der Küche?

Diab-Elschahawi: Man sollte zum Abwischen oder Reinigen in der Küche immer saubere, trockene Tücher oder Schwämme verwenden. Die feuchten Schwämme, die in vielen Küchen herumliegen, sind ein echtes "No-No". Denn es gibt Krankheitserreger und Schimmelpilze, die es besonders gern feucht haben.

Wenn man einen Schwamm oder ein Tuch zwischendurch nicht heiß auswäscht und trocknen lässt, sammeln sich dort schnell Nasskeime und Pilze. Und wenn man etwas mit diesen feuchten und schmutzigen Wischtüchern oder Schwämmen reinigt, verteilt man die Erreger, anstatt sie zu entfernen.

Frage: Stichwort Schimmel im Haushalt. Wie sollte man damit umgehen?

Diab-Elschahawi: Aus vorsorgemedizinischer Sicht hat Schimmel im Wohnraum nichts zu suchen. Besonders schädlich ist er für vorbelastete Menschen wie Lungenkranke, Asthmatiker oder Allergiker.

Bei Nahrungsmitteln gibt es ebenfalls eine klare Ansage: Abgesehen von essbarem Schimmel - in vielen Käsesorten zum Beispiel - sollte man jedes verschimmelte Nahrungsmittel zur Gänze wegwerfen. Es reicht nicht, den schimmeligen Teil wegzuschneiden oder wegzulöffeln. Denn die unsichtbaren Schimmelfäden ziehen sich durch das gesamte Nahrungsmittel - und das innerhalb relativ kurzer Zeit.

Frage: Auch wenn es im Moment nicht danach aussieht, die nächste Schnupfenzeit kommt bestimmt. Das gute alte Stofftaschentuch, das man im Hosensack mit sich führt und immer wieder verwendet, ist aus hygienischer Sicht wohl kaum zu empfehlen...

Diab-Elschahawi: Nein, man sollte zwar beim Husten oder Niesen andere schützen, indem man sich abwendet und ein Taschentuch vorhält, damit die Erreger nicht auf den Händen landen oder gar auf dem Gegenüber. Diese Taschentücher müssen danach aber entsorgt werden. Wenn man sie in die Hosentasche steckt und immer wieder damit hantiert, beschmutzt man seine Hände erst recht.

Frage: Eine letzte Frage zum Umgang mit Textilien: Braucht es für saubere Wäsche wirklich spezielle Waschzusätze, die Keimfreiheit versprechen?

Diab-Elschahawi: Es gibt Krankheiten, die über gemeinsam benutzte Textilien übertragen werden können - zum Beispiel die Krätze oder Kopfläuse. In solchen Fällen ist es wichtig, dass die Temperaturen beim Waschen hoch genug sind.

In der Waschmaschine führt die Wassertemperatur in Kombination mit dem Waschmittel zu einer sogenannten chemothermischen Desinfektion: Wenn ich Textilien bei 60 Grad mit Waschmittel wasche, kann ich davon ausgehen, dass die meisten Krankheitserreger abgetötet und weggespült werden.

Die sogenannten Spar- oder Economy-Programme vieler Waschmaschinen laufen übrigens oft mit wesentlich weniger Wasser. Das ist ein gewisser Nachteil, denn viel Wasser ist wichtig, weil es Erreger wegspült.

++ Mehr zum Thema: Hygiene in der Küche ++

 

Danke für das Interview.

Zur Person: Dr. Magda Diab-Elschahawi, MSc ist Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie sowie stellvertretende Abteilungsleiterin am Klinischen Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie am Wiener AKH.

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