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Farbenblindheit (Farbsinnstörung, Farbsehschwäche, Rot-Grün-Schwäche)

Ishihara-Test
Personen mit Farbsinnstörugen haben Probleme, hier Zahlen zu erkennen. (470424759 / iStockphoto)

Der Begriff „Farbenblindheit“ wird im normalen Sprachgebrauch vielfach falsch verwendet: Gemeint ist damit üblicherweise eine meist angeborene Farbsehschwäche – hauptsächlich die Rot-Grün-Schwäche –, von der überwiegend Männer betroffen sind.

Kurzfassung:

  • Menschen mit totaler Farbenblindheit nehmen überhaupt keine Farben wahr, sondern sehen nur Schwarz-, Weiß- und Grautöne.
  • Farbenblindheit kann auch nur einzelne Farben betreffen (rot/grün/blau/gelb).
  • Die Farbsehschwäche kommt am häufigsten vor, hier vor allem die Rot-Grün-Schwäche.
  • Farbenblindheit und Farbsehschwächen sind meist angeboren.
  • Da es sich in den meisten Fällen von Farbenblindheit oder Farbsehschwäche um einen angeborenen Defekt handelt, ist eine ursächliche Therapie nicht möglich. 

Farben werden nicht von allen Menschen gleich intensiv wahrgenommen. Jede Abweichung vom normalen Farbsehen wird als Farbsinnstörung bezeichnet. Sie kann in unterschiedlicher Ausprägung auftreten:

Farbenblindheit

Farbenblindheit kommt insgesamt nur sehr selten vor.

Bei einer totalen Farbenblindheit werden überhaupt keine Farben, sondern nur Schwarz-, Weiß- und Grautöne wahrgenommen. Hinzu kommen meist eine geringe Sehschärfe und eine starke Blendungsempfindlichkeit.

Die Farbenblindheit kann auch nur einzelne Farben betreffen. Ist eine Person rot-grün-blind, wird entweder Rot oder Grün nicht erkannt. Die beiden Farben können nicht voneinander unterschieden werden. Bei der Blaublindheit wird die Farbe Blau nicht erkannt und mit Gelb verwechselt.

Farbsehschwäche

Die Farbsehschwäche ist die häufigste Form der Farbsinnstörung. Die Farbwahrnehmung ist zwar noch in unterschiedlichem Ausmaß vorhanden, die jeweiligen Farben werden aber weniger intensiv wahrgenommen und können daher nur schlecht bis gar nicht voneinander unterschieden bzw. verwechselt werden.

Rot-Grün-Schwäche (Daltonismus nach ihrem Entdecker John Dalton)

Etwa 8% aller Männer sind von der Rot-Grün-Schwäche betroffen, bei den Frauen ist der Anteil mit 0,4% weitaus geringer. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Rot-Grün-Schwäche häufig fälschlicherweise als Farbenblindheit bezeichnet.

Rot- und Grünschwäche werden unter dem Begriff Rot-Grün-Schwäche zusammengefasst, da sie ähnliche Auswirkungen haben: Betroffene sehen statt Rot und Grün verschiedene Grau- und Braunschattierungen.

  • Grünschwäche: Betroffene können die Farbe Grün schlechter von Rot unterscheiden. Grünschwäche tritt häufiger auf als Rotschwäche.
  • Rotschwäche: Betroffene können die Farbe Rot schlechter von Grün unterscheiden.

​Blauschwäche

Betroffene können die Farbe Blau nicht wahrnehmen und verwechseln sie mit Gelb. Von einer Blauschwäche sind insgesamt nur sehr wenige Menschen betroffen. Sie kann als Folgeerkrankung einer Makuladegeneration auftreten.
 

Monochromasie: Betroffene nehmen nur eine Farbe wahr; sehr selten


Wie entsteht Farbsehen?

Auf der Netzhaut des Auges sitzen verschiedene Sinneszellen, die das Sehen erst möglich machen: Stäbchen ermöglichen die Hell-dunkel-Wahrnehmung, Zapfen die Farberkennung. Es gibt drei Zapfentypen, die auf unterschiedliche Wellenlängen des Lichts reagieren:

  • Langwelliges Licht: rot
  • Mittelwelliges Licht: grün
  • Kurzwelliges Licht: blau

Werden die Zapfen durch das Licht angeregt, wandeln sie diesen Reiz in elektrische Impulse um. Diese wiederum gelangen ins Gehirn, wo die eigentliche Farbempfindung stattfindet. Alle anderen Farbtöne im Sichtfeld ergeben sich durch Mischungen: Stellen nah aneinander liegende Zapfen beispielsweise fest, dass ein Gegenstand sowohl grün als auch blau ist, erkennt man diesen als türkis.

Funktionieren einer oder mehrere dieser Zapfentypen nicht korrekt oder nur eingeschränkt, werden die entsprechenden Farben sowie die sich daraus ergebenden Mischfarben nicht korrekt wahrgenommen (Farbsehschwäche).

Sind alle Zapfen funktionsuntüchtig (oder nicht vorhanden), fällt das Farbsehen komplett aus, Betroffene sehen nur Schwarz-, Weiß- und Grautöne (totale Farbenblindheit). Bei der Rot-, Grün- oder Blaublindheit sind nur die entsprechenden Zapfen funktionslos (oder nicht vorhanden).

Warum sind von Farbsinnstörungen hauptsächlich Männer betroffen?

Farbsinnstörungen sind in den meisten Fällen angeboren und betreffen Männer (8%) häufiger als Frauen (0,4%). Sie können aber auch als Folgeerscheinung anderer Krankheiten – wie etwa Erkrankungen des Sehnervs, der Netzhaut, des Gehirns – oder infolge von Vergiftungen auftreten. Hiervon sind Männer und Frauen zu gleichen Anteilen (5%) betroffen.

Vererbung am Beispiel der Rot-Grün-Schwäche

Die Rot-Grün-Schwäche wird geschlechtsgebunden vererbt, d.h. jene Gene, die für die Farbsinnstörung verantwortlich sind, befinden sich auf dem Geschlechtschromosom X.

Da Männer (XY) nur ein X-Chromosom haben, kommt der darauf befindliche Gendefekt unmittelbar zum Tragen: Betroffene Männer haben von Geburt an eine Rot-Grün-Schwäche.

Bei Frauen (XX) wird der Defekt auf dem einen X-Chromosom in den allermeisten Fällen vom anderen, „gesunden“ X-Chromosom ausgeglichen: Sie haben ein normales Farbsehen.

Ein defektes Gen wird vom Vater nicht auf den Sohn vererbt, da Söhne das X-Chromosom immer von der Mutter erhalten. Die Tochter hingegen trägt das defekte Gen in ihrem Erbgut, ohne jedoch selbst davon betroffen zu sein, da ihr zweites X-Chromosom den Defekt ausgleicht. Sie kann es aber mit 50%iger Wahrscheinlichkeit an ihre Söhne weitergeben. Erhält der Sohn von der Mutter das defekte X-Chromosom, kommt die Farbsinnstörung bei ihm zum Tragen.

Wie wird eine Farbsinnstörung diagnostiziert?

Farbsinnstörungen werden häufig erst relativ spät erkannt, da Betroffenen die Einschränkung der Farbwahrnehmung selbst nicht auffällt. In vielen Fällen sind es die Eltern, denen auffällt, dass ihr Kind Farben falsch benennt oder miteinander verwechselt.

Ob und welche Farbsehschwäche in welchem Ausmaß besteht, kann der Augenarzt mithilfe verschiedener Tests überprüfen. Die wichtigsten Tests:

  • Ishihara-Test: Dem Betroffenen werden bunte Tafeln gezeigt, auf denen Normalsichtige Zahlen, Formen und Buchstaben erkennen. Personen mit Farbsinnstörung haben Probleme, diese zu erkennen.
  • Farnsworth-Test: Steine in verschiedenen Farbnuancen müssen von kräftig nach blass geordnet werden.

Ist eine Therapie möglich?

Da es sich in den meisten Fällen von Farbenblindheit oder Farbsehschwäche um einen angeborenen Defekt handelt, ist eine ursächliche Therapie nicht möglich. Eine Verschlechterung der Farbwahrnehmung im Laufe des Lebens ist nicht zu erwarten, sie bleibt in der Regel konstant. Auch das Risiko, zu erblinden oder andere Augenerkrankungen zu entwickeln, ist im Vergleich zu Gesunden nicht erhöht.

Bei erworbenen Farbsinnstörungen kann sich die Farbwahrnehmung bessern, wenn die Grundkrankheit erfolgreich behandelt wird.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Gabriela Valerie Seher
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Augenärzte Bern: Farbsinnstörungen, Stand: 12/2019; https://www.augenaerzte-bern.ch/farbsehstoerungen/ (letzter Zugriff am 12.02.2020)

Spektrum.de: Farbsinnstörung; https://www.spektrum.de/lexikon/optik/farbsinnstoerung/917 (letzter Zugriff am 12.02.2020)

Apotheken Umschau: Farbsehstörungen/Farbenblindheit, Stand: 2015; apotheken-umschau.de/Augen/Farbsehstoerungen--Farbenblindheit-Ursachen-und-Risikofaktoren-11486_2.html (letzter Zugriff am 12.02.2020)
 

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