Ursachen der Erektilen Dysfunktion Hormonmangel

Wenn Mann Probleme mit seiner Erektion hat, kann dies seinen Grund in einer Störung des Hormonhaushalts haben. Der Fachausdruck lautet "late onset hypogonadism" (LOH, Altershypogonadismus).

Darunter versteht man den teilweisen Mangel an männlichen Hormonen, deren Hauptvertreter das Testosteron ist. LOH ist charakterisiert durch typische Symptome wie Libidoverlust, Haarausfall oder Gewichtszunahme in Kombination mit einem Testosteron-Mangel. Dies kann sowohl die Lebensqualität als auch die Funktion verschiedener Organe beeinträchtigen.

Alternative Bezeichnungen wie "Andropause" oder "männliches Klimakterium" sind vom biologischen Gesichtspunkt her nicht korrekt, da beim Mann - anders als bei der Frau - die Produktion der Sexualhormone nicht abrupt endet.

Was ist Testosteron, und welche Aufgaben hat es?

Testosteron ist das wichtigste Sexualhormon im männlichen Körper, es ist aber auch im weiblichen Organismus von (geringerer) Bedeutung. Im männlichen Körper ist es dafür verantwortlich, dass sich der Bub im Laufe der Pubertät zum Mann entwickelt. Neben der tiefen, männlichen Stimme ist Testosteron auch für die männliche Behaarung (z.B. Bartwuchs) und den männlichen Körperbau verantwortlich. Testosteron ist weiters wichtig für:

  • die Bildung der roten Blutkörperchen (Sauerstofftransport)
  • psychische Ausgeglichenheit
  • Gedächtnisleistung, Orientierung, Koordination und Konzentration
  • Lust auf Sex (Libido)
  • eine Vielzahl unterschiedlicher Sexualfunktionen

Testosteron wird im Hoden produziert. Die Steuerung der Testosteron-Produktion erfolgt durch Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und Hypothalamus. Die Hypophyse gibt ein spezielles Steuerungshormon (luteinisierendes Hormon, LH) in den Blutkreislauf ab, das in den Hoden die Produktion von Testosteron bewirkt. Ab einer bestimmten Testosteron-Konzentration im Blut wird die Bildung von LH gestoppt, sodass normalerweise weder zu viel noch zu wenig Testosteron im Körper vorhanden ist. Der Testosteron-Wert im Blut ist in den Morgenstunden am höchsten, wird tagsüber verbraucht und nimmt daher zum Abend hin ab. Aus diesem Grund wird die Blutabnahme zur Bestimmung dieses Wertes zwischen 08.00 Uhr und 10.00 Uhr morgens durchgeführt.

Wann liegt ein Testosteron-Mangel vor?

Der Testosteron-Spiegel liegt bei einem unter 40-Jährigem zwischen 3,0 und 8,3 ng/ml Blut. Bei einem Wert unter 3,0 ng/ml spricht man von einem Testosteron-Mangel. Der Fachausdruck lautet Hypogonadismus.

++ Mehr zum Thema: Testosteron-Mangel ++

Ab dem 40. Lebensjahr kommt es zu einem unterschiedlich schnellen Rückgang der Testosteron-Produktion. Bei Männern zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr beträgt die Abnahme ungefähr 20 Prozent des Ausgangswertes. Nur mehr 15 Prozent der 80-Jährigen haben einen Testosteron-Spiegel, der über 3,0 ng/ml Blut liegt. Studien wie beispielsweise die Massachusetts Male Aging Study, die Veränderungen des Alterns über die Jahre hinweg beobachtet haben, konnten zeigen, dass der Testosteron-Spiegel im Blut ab dem 40. Lebensjahr um etwa ein Prozent pro Jahr sinkt.

Ein Testosteronmangel liegt per Definition dann vor, wenn 2 Mal ein Wert unter der Normgrenze vorliegt und gleichzeitig Beschwerden bestehen, die auf diesen Mangel zurückzuführen sind.

Welche Ursachen hat ein Testosteron-Mangel?

Störungen im Bereich des Hypothalamus-Hypophysen-Systems oder im Hodengewebe können für einen Mangel an Testosteron verantwortlich sein. Dabei werden angeborene oder erworbene Ursachen unterschieden.

Hypothalamus-Hypophysen-System

Die Hormone aus Hypothalamus und Hypophyse regeln die Testosteron-Produktion im Hoden. Ein Mangel an diesen Hormonen führt zu einer Unterfunktion des Hodens. Die Beeinträchtigung der Hypophysen-Funktion kann angeboren sein (Kallmann-Syndrom) oder durch Untergewicht (bedingt durch Krankheit, übermäßigen Sport, psychische Störung, z.B. Essstörung) verursacht sein. Ein hormonaktiver Tumor in der Hypophyse, der eine vermehrte Produktion des Hormons Prolaktin verursacht, führt auch zu einer Unterdrückung der Testosteron-Produktion.

Hoden

Unfälle, Operationen oder Lage-Anomalien (Hoden befindet sich nicht innerhalb des Hodensacks) können die Hodenfunktion beeinflussen.

Klinefelter-Syndrom (zusätzliches X-Chromosom, XXY-Syndrom)

Beim so genannten Klinefelter-Syndrom ist der Testosteron-Mangel angeboren

Geestörtes Regelsystem von Hoden und Hypothalamus

Das Regelsystem von Hoden und Hypothalamus/Hypophyse kann in seiner Funktion zudem gestört werden durch:

  • eine ungesunde Lebensweise: Bewegungsmangel, Übergewicht, übertriebene Diäten, Vitamin- und Mineralstoffmangel, Stress, Alkohol- und Drogenmissbrauch
  • eine Reihe von Allgemein-Erkrankungen: z.B. Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Schilddrüsen-Erkrankungen, Leberzirrhose, Krebs
  • Medikamente: z.B. Schlaf- und Beruhigungsmittel, Krebsbehandlung
  • Strahlenbelastung und Umweltgifte: z.B. Pestizide, Schwermetalle

Was sind die Symptome eines "late onset hypogonadism"?

Sexualorgane

Die Lust auf Geschlechtsverkehr (Libido) ist geringer. Die Festigkeit der Erektionen lässt nach und die nächtlichen Tumeszenzen nehmen ab, es kommt also seltener zum Anschwellen des Gliedes während des Schlafes. Diese Tumeszenzen, die bei Männern jeden Alters bis zu fünfmal in den Nachtstunden auftreten, helfen allerdings dabei, die Muskelzellen der Schwellkörper zu trainieren, die Durchblutung zu fördern und auf diese Weise die Erektionsfähigkeit zu erhalten.

Zentralnervensystem

Der Patient ist verstimmt, lustlos und antriebslos. Er tut sich schwer, morgens aufzustehen und hat kein Interesse an der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Er klagt über schlechten Schlaf, Müdigkeit und Abgeschlagenheit und kann sich schlecht konzentrieren. Das Kurzzeitgedächtnis wird schlechter. Betroffene berichten von Hitzewallungen (hier zeigen sich gewisse Ähnlichkeiten mit den Beschwerden in der Menopause der Frau).

Körperkomposition

Die Muskelkraft lässt nach, was am Faust-Schluss gemessen werden kann. Die Erscheinung des männlichen Körpers verändert sich durch die Zunahme der Fettmasse ("Schwimmreifen"), während durch die Verringerung der Knochenmasse das Risiko einer Osteoporose (Knochenschwund) und damit die Wahrscheinlichkeit für Knochenbrüche steigt.

Haut und Haar

Der typisch männliche Haarwuchs verändert sich, indem etwa Bart und Schambehaarung zurückgehen. Die Haut wird trocken und faltig.

Diagnose und Therapie des Testosteronmangels

Findet sich bei einem Mann ein Testosteronwert unter 3.0 ng/ml und hat der Patient Beschwerden (Abgeschlagenheit, Libidoprobleme, Leistungsverlust und Potenzstörungen), dann ist dies eine Indikation zur Durchführung einer Hormonersatztherapie (Hormone Replacement Therapy/HRT). Der pathologische Testosteronwert muss durch zweimalige Blutabnahme im Abstand von zwei bis vier Wochen bestätigt werden.

Ziel der Therapie ist ein Anheben des Testosteron-Spiegels in den physiologischen, also normalen Bereich, um Verbesserungen des Wohlbefindens, der Sexualität und der Muskel- und Knochengewebe zu erreichen. Derzeit stehen den Urologen/Andrologen verschiedene Präparate wie Kapseln, Gels, Implantate und ölige Lösungen zur intramuskulären Applikation als Hormoneratztherapie zur Verfügung. Die Anhebung des Testosteron-Blutspiegels allein verhilft noch nicht zu härteren oder länger anhaltenden Erektionen; dazu sind auch andere Maßnahmen, wie etwa Hilfe durch PDE 5-Hemmer notwendig.

Vor Beginn der Therapie ist allerdings das Vorliegen eines Prostata-Karzinoms auszuschließen. Die Testosterontherapie verursacht zwar keinen Prostatakrebs, sie kann diesen aber bei einem noch nicht entdeckten Krebsherd zum Ausbruch bringen. Während der Therapie ist eine engmaschige urologisch-andrologische Überwachung notwendig. Der/die betreuende Urologe/Urologin wird also in zeitlich kurzen Abstanden Untersuchungen vornehmen.

Die Hormonersatztherapie ist als Teil eines generellen Gesundheitsmanagements des älteren Mannes zu sehen. Aufgrund ihrer massiven Auswirkungen auf den Testosteron-Haushalt sollten negative Lebensstilfaktoren wie falsche Ernährung und Bewegungsmangel zum Positiven verändert sowie Begleiterkrankungen und medikamentöse Behandlungen im Rahmen des Therapiekonzeptes unbedingt berücksichtig werden.

Als Kontraindikationen für eine Hormonersatztherapie gelten

  • der Verdacht oder das Vorliegen von Prostatakrebs oder Brustkrebs (gibt es auch beim Mann)
  • das Bestehen von gutartigen Prostata-Vergrößerungen mit hochgradigen Beschwerden beim Wasserlassen
  • eine Polyglobulie (Zunahme der roten Blutkörperchen) oder
  • eine Schlafapnoe (Atemstillstand beim Schlafen).

Vorsicht geboten ist auch bei Leberschäden, starkem Bluthochdruck, peripheren Ödemen und klinisch erkennbaren Blut-Kreislauf-Erkrankungen.

++ Mehr zum Thema: Erektilen Dysfunktion ++

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Autoren:
Dr. Michael Eisenmenger
Medizinisches Review:
PD Dr. Anton Ponholzer

Aktualisiert am:

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