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Durchfall (Diarrhö)

Diarrhö
Es gibt verschiedene Formen von Inkontinenz, die in den einzelnen Lebensaltern unterschiedlich häufig auftreten. (05-14-13 © Jacob VanHouten / iStockphoto)

Von Durchfall spricht man, wenn mehrfach täglich die Entleerung eines wässrigen oder breiigen Stuhls stattfindet.

Kurzfassung:

  • Durchfall wird häufig durch Bakterien und Viren ausgelöst.
  • Man unterscheidet zwischen akutem und chronischem Durchfall.
  • Neben dem Durchfall selbst treten häufig Begleitsymptome wie Bauchschmerz, Übelkeit und Erbrechen auf.
  • Ist der Durchfall besonders schwer oder dauert über 10 Tage an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
  • Bei der Behandlung steht der Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts im Vordergrund.

 


Was ist Durchfall?

Akuter Durchfall (akute Diarrhö) ist auf ein Ungleichgewicht zwischen Absorption (Aufnahme) und Sekretion (Abgabe) im Darm zurückzuführen und kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. Durchfall gehört zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch und tritt gehäuft in den Herbst- und Wintermonaten auf. Betroffen sind eher jüngere Menschen.

Akuter Durchfall verschwindet üblicherweise nach wenigen Tagen von alleine wieder, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Die maximale Dauer beträgt in der Regel zwei Wochen. Bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen kann der Verlust von Wasser und Elektrolyten aber durchaus gefährlich werden und zu einer Austrocknung (Dehydratation) führen. Der Ersatz der verloren gegangenen Flüssigkeit und Elektrolyte ist deshalb die wichtigste Therapiemaßnahme.

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Man unterscheidet prinzipiell:

  • milden Durchfall (keine körperliche Beeinträchtigung)
  • moderaten Durchfall (Beeinträchtigung bei Alltagsaktivitäten)
  • schweren Durchfall (schwere körperliche Beeinträchtigung)

+++ Mehr zum Thema: Durchfall bei Kindern +++

Das Gold-Fingerkraut mit seinen gelben Blüten gilt als alte Heilpflanze. Es wirkt entzündungshemmend und hilft gegen Durchfall.

Wie kommt es zu Durchfall?

In etwa 90% der Fälle wird Durchfall durch eine Infektion mit Bakterien (v.a. Campylobacter, Salmonellen, darmpathogene Escherichia coli) oder Viren (v.a. Rota- bzw. Noroviren) ausgelöst, seltener durch eine Infektion mit Einzellern (Protozoen). Das Norovirus verursacht die meisten viralen Durchfallerkrankungen. Auch Bakteriengifte (Toxine), die mit der Nahrung aufgenommen werden, können Auslöser von Erbrechen und Durchfall sein. In diesen Fällen spricht man von einer Lebensmittelvergiftung. Häufige bakterielle Erreger sind:

  • Campylobacter jejuni
  • Salmonellen
  • darmpathogene E. coli (häufigster Erreger des Reisedurchfalls, aber vielfach auch in Österreich vorhanden)

Darmschädigende Keime gelangen mit kontaminierter Nahrung zunächst in den Magen, wo sie durch den sauren Magensaft normalerweise schnell abgetötet werden. Bei sehr großer Keimzahl überleben allerdings einige Erreger die Magenpassage und infizieren den Darm. Im Darm vermehren sie sich anschließend und verursachen eine unkontrollierte Sekretion von Wasser und Mineralsalzen aus der Darmwand. Gleichzeitig wird die Fähigkeit der Schleimhaut zur Wasseraufnahme vermindert.

Das überschüssige Wasser verflüssigt nun den Stuhl und Durchfälle sind die Folge. Besonders aggressive Erreger schädigen zusätzlich die Darmwand, indem sie in diese eindringen und Blutungen hervorrufen können. In tropischen und subtropischen Ländern mit niedrigen Hygienestandards sind Durchfallerkrankungen besonders häufig (z.B. Amöbiasis, Giardiasis). In unseren Breiten sind Erreger von besonders schwer verlaufendem Durchfall vor allem Salmonellen und Campylobacter.

Grundsätzlich löst nicht jede Besiedelung des Darms mit Bakterien eine Erkrankung aus und durch Infektionen hervorgerufene Durchfälle verlaufen meistens harmlos. Die Beschwerden klingen nach kurzem Verlauf wieder ab. In solchen Fällen spricht man von akuten Diarrhöen. Akute Durchfälle können andererseits auch durch die Einnahme bestimmter Medikamente (wie etwa Antibiotika) hervorgerufen werden.

In sehr seltenen Fällen sind Vergiftungen (u.a. Schwermetalle, Pilze) Ursache einer akuten Diarrhö. Es kann aber auch psychisch bedingt durch Stress, Aufregung und Angst, etwa vor Prüfungen, zu kurzfristigem Durchfall kommen.

+++ Mehr zum Thema: Lebensmittelvergiftungen nach Erreger +++

Welche Symptome treten bei Durchfall auf?

Neben den Durchfällen treten häufig auf:

Die Intensität der Beschwerden hängt dabei vom jeweiligen Erreger ab, ebenso die Länge des Zeitintervalls zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit).

Sind die Durchfälle sehr stark und wird nicht ausreichend getrunken, kann es zu einem ernsten Flüssigkeitsmangel kommen (Exsikkose). Starke Austrocknung kann an einer trockenen Zunge erkannt werden sowie an der Haut, die nach leichtem Zwicken in Falten stehen bleibt. Auch die Urinausscheidung nimmt ab, der Harn ist auffällig dunkel gefärbt.

Betroffene fühlen sich mit zunehmender Austrocknung schläfrig und benommen, im schlimmsten Fall drohen ein Kreislaufzusammenbruch und Nierenschäden. Diese Situation ist sehr ernst und muss schnellstmöglich ärztlich beurteilt und behandelt werden. Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder können sehr rasch (innerhalb von 24 Stunden) austrocknen. Eine ärztliche Abklärung ist zudem immer empfohlen bei:

  • Fieber (> 38,5 °C)
  • krampfartigen Schmerzen
  • Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung
  • Antibiotikaeinnahme
  • Kindern jünger als 12 Monate oder leichter als 8 kg
  • bösartiger (maligner) Grunderkrankung
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • älteren, gebrechlichen Menschen
  • Dauer länger als 2 Wochen
  • Schleim- und/oder Blutbeimengungen im Stuhl

+++ Mehr zum Thema: Verdauungsstörungen +++

Wie diagnostiziert der Arzt Durchfall?

Für den Arzt ist die exakte Schilderung des Durchfalls das wichtigste diagnostische Hilfsmittel. Hierfür sollten die Konsistenz, Farbe und Häufigkeit des Stuhlgangs notiert werden. Zudem gilt es durchfallfördernde Substanzen wie Abführmittel, Zuckerersatzstoffe, Eisen- und Magnesiumpräparate auszuschließen.

Folgende Informationen sind für den Arzt zusätzlich wichtig:

  • Auflagerungen (Blut, Eiter, Schleim, Unverdautes)
  • Zusammenhang mit Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel (z.B. Milch, Nugat, Apfel-/Birnensaft)
  • Zusammenhang mit Medikamenteneinnahme
  • zurückliegende Reise, Restaurantbesuch, Konsumation von Fast Food (z.B. Hühner-Döner)
  • Erkrankungen von Familienmitgliedern
  • begleitend auftretende Beschwerden

Zur Bestimmung des Erregers sollte der Arzt eine Stuhlprobe nehmen, um eine Erregerkultur anlegen zu lassen. Diese wird dann in einem Labor mikrobiologisch untersucht. Stuhltests auf darmpathogene E. coli oder Parasiten müssen in Speziallabors angefordert werden. Blutproben werden abgenommen, wenn hohes Fieber die Durchfälle begleitet, ein starkes Krankheitsgefühl oder Zeichen der Austrocknung bestehen. Weitere Untersuchungen (u.a. Darmspiegelung, Ultraschall des Darms, spezielle Intoleranzdiagnose) werden in Erwägung gezogen bei:

  • persistierendem Durchfall
  • besonders schweren Verläufen
  • bösartiger (maligner) Grunderkrankung
  • vorausgegangenem Besuch in den Tropen
  • Immunsuppression

+++ Mehr zum Thema: Darmspiegelung +++

Wie wird Durchfall behandelt?

Bei Durchfall steht der Ausgleich des Verlusts von Flüssigkeit und Mineralsalzen im Vordergrund. Dafür eignen sich elektrolythaltige Getränke, Fertigpräparate bzw. die WHO-Trinklösung mit 2,6 g Natriumchlorid, 1,5 g Kaliumchlorid, 2,9 g Natriumcitrat und 13,5 g Glukose auf einen Liter Wasser.

Eine Antibiotikabehandlung bei bakteriellen Infektionen ist umstritten und sollte nur nach Abwägen von Vor- und Nachteilen durch einen Gastroenterologen oder Infektiologen durchgeführt werden. Grundsätzlich gilt, dass der menschliche Magen-Darm-Trakt seit Tausenden Jahren mit diesen Infektionen selbst zurechtkommt und Antibiotika die Symptomatik sogar verschlechtern können. In vielen Fällen kann jedoch kein direkter Auslöser gefunden werden und die Behandlung erfolgt symptomorientiert. Je nach Beschwerden kommen zum Einsatz:

  • Adsorbenzien (binden Giftstoffe)
  • Quellstoffe (quellen im Darm auf und binden dadurch Flüssigkeit)
  • Probiotika (lebende Keime, die gut für den Darm sind)
  • Antiemetika (unterdrücken Übelkeit und Erbrechen)

Folgende Substanzen sind nur mit Vorsicht einzusetzen, da sie die Elimination von Erregern hemmen können:

  • Motilitätshemmer (hemmen die Darmbewegung)
  • Sekretionshemmer (hemmen die Abgabe von Flüssigkeit in den Darm)

Ernährung und Lebensstil:

  • gut verträgliche, fettarme Nahrungsmittel (u.a. Bananen, Reis, Haferschleim)
  • geriebene Äpfel oder Karotten (z.B. Karottensuppe nach Moro)
  • Suppe und Tee
  • warme Auflagen, Wärmeflaschen oder Leibwickel
  • Vermeiden von Kaffee, Alkohol, kohlensäurehaltigen Getränken und Limonaden
  • angemessene Hygiene (regelmäßiges Händewaschen, eigenes Handtuch)

+++ Mehr zum Thema: Behandlung einer Gastroenteritis +++

Durchfallprophylaxe

Vor allem auf Reisen kann Durchfall schnell und unvermutet auftreten, sei es aufgrund von ungewohnten oder kontaminierten Nahrungsmitteln oder klimatischen Bedingungen. Zur Prophylaxe eignen sich:

  • nur gekochtes Obst oder Gemüse essen („cook it, peel it or forget it“)
  • Trinkwasser abkochen oder ausschließlich aus verschlossenen Flaschen verwenden
  • keine Eiswürfel, rohen Salate, Softeis oder Ähnliches konsumieren
  • auch beim Zähneputzen nur abgepacktes Trinkwasser verwenden
  • generelle Hygienemaßnahmen beachten
  • Probiotika

+++ Mehr zum Thema: Reisedurchfall +++

Sonderform chronische Diarrhö

Halten die Durchfälle länger als zwei Wochen an, spricht man von chronischer Diarrhö.

Zu den möglichen Ursachen zählen u.a.:

  • chronische Infektionen (Amöbose, Giardiasis)
  • Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)
  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Nahrungsmittelintoleranz (z.B. Laktoseintoleranz, Fruktoseintoleranz)
  • Divertikelentzündung
  • Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Abführmittelmissbrauch
  • Konsum großer Mengen an Alkohol, Kaffee oder Süßigkeiten
  • übermäßiger Genuss zuckerfreier Bonbons oder Kaugummis mit dem Zuckeraustauschstoff Sorbitol
  • Stoffwechselkrankheiten (z.B. Schilddrüsenüberfunktion)
  • Störung der Verdauung (Maldigestion) bei mangelnder Funktion der Bauchspeicheldrüse (Pankreasinsuffizienz)
  • Operationen im Bereich des Magen-Darm-Trakts
  • Krebserkrankungen im Bereich des Magen-Darm-Trakts

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Ao. Univ. Prof. Dr. med. Christoph Gasche
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: S1-Leitlinie „Akuter Durchfall“, 2013

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Lennecke K, Hagel K: Selbstmedikation – Leitlinien zur pharmazeutischen Beratung. Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart, 6. Aufl., 2016

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Kayser, Böttger, Zinkernagel: Medizinische Mikrobiologie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag 2005.
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Weltgesundheitsorganisation ( www.who.int/en )
Unicef ( www.unicef.org )
Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE): Leitlinie zur "Akute Gastroenteritis" ( www.gpge.de )

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