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Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (diffuse large B-cell lymphoma, DLCBL)

DLCBL in der Blutbahn
Beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom handelt es sich um eine Krebserkrankung, die eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen betrifft. (Christoph Burgstedt / iStockphoto)

Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom gehört zu den aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen. Es handelt sich um eine Krebserkrankung an den B-Lymphozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen.

Kurzfassung:

  • Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom ist eine bösartige Tumorerkrankung, die von Immunzellen ausgeht.
  • Es gilt als häufigstes Non-Hodgkin-Lymphom bei Erwachsenen.
  • Hauptsymptom ist eine Vergrößerung von Lymphknoten sowie der Milz.
  • Zudem kann es zu Beschwerden wie Fieber, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust kommen.
  • Zur Diagnose wird eine Probe aus dem vergrößerten Lymphknoten oder Tumor entnommen und im Labor untersucht.
  • DLBCL wird mittels Immuntherapie und fallweise mit Strahlentherapie behandelt.
  • Die Heilungsrate liegt bei 60-70%, unbehandelt führt DLBCL zum Tod.

Beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom handelt es sich um eine Krebserkrankung, die eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die B-Lymphozyten, betrifft. Es ist die häufigste Tumorerkrankung des lymphatischen Systems – damit sind die Gesamtheit aller Lymphbahnen sowie die lymphatischen Organe wie die Milz und Teile des Magen-Darm-Trakts gemeint – und zählt zu den aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen. Typisch sind schnell fortschreitende Vergrößerungen der Lymphknoten, der Befall von anderen Organen sowie sogenannte B-Symptome wie Allgemeinbeschwerden (Gewichtsverlust, Fieber etc.).

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Was ist DLBCL?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) grenzt das "diffuse großzellige B-Zell-Lymphom, nicht weiter spezifiziert (NOS)" von anderen reifzelligen/blastischen B-Zell-Lymphomen ab. Beim DLBCL selbst gibt es weitere Unterscheidungskriterien nach Art des Tumors, der Genexpression (wie genetische Information umgesetzt und für die Zelle nutzbar gemacht wird), nach immunhistochemischen Merkmalen sowie nach genetischen Anomalien. Die Krankheit betrifft in etwa 7 von 100.000 Personen pro Jahr. Männer erkranken häufiger als Frauen. Der Erkrankungsgipfel liegt etwa beim 70. Lebensjahr, aber auch junge Menschen sind betroffen.

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Formen des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms

  • Zentroblastisches Lymphom

Das zentroblastische Lymphom ist der häufigste Untertyp des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms. Unter dem Mikroskop sieht der Labordiagnostiker unter anderem Zellen mit hellen Kernen, die teils mehrmals "eingeschnürt" sind.

  • Immunoblastisches Lymphom

Bei dieser Form machen Immunoblasten den Großteil der Zellen aus, im Gegensatz zum zentroblastischen Lymphom, das vorwiegend aus Zentroblasten besteht. Patienten mit einem immunoblastischen Lymphom haben in der Regel schlechtere Heilungschancen.

  • Anaplastisches Lymphom

Diese Unterform gilt als schwer einzuordnen, da unter dem Mikroskop kaum Merkmale für typische B-Lymphozyten zu finden sind.

In Bezug auf die Genexpression wird zwischen keimzentrumsartigen und aktivierten B-Zell-ähnlichen Lymphomen unterschieden. Eine Zuordnung gelingt aber nicht immer. Mittels aufwendiger Verfahren kann der Tumor noch weiter genetisch klassifiziert werden. Die Bedeutung für die Behandlung des jeweiligen Patienten ist allerdings nicht vollständig geklärt.

Welche Symptome treten beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom auf?

  • Rasch fortschreitende Vergrößerung von Lymphknoten (geschwollene Lymphknoten)
  • Extranodale Manifestationen: Vergrößerung von Organen, z.B. der Milz
  • 10-25% der Patienten sind von einer Beteiligung des Knochenmarks betroffen: Das führt zu einem Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie), was wiederum Müdigkeit, abnehmende Leistungsfähigkeit, eine Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen), eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte sowie eine Thrombopenie (Mangel an Blutplättchen, der die Blutungsneigung erhöht) zur Folge haben kann.
  • Einige Betroffene entwickeln sogenannte B-Symptome wie Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß und andere Allgemeinbeschwerden.

Wie wird DLBCL diagnostiziert?

Gewebeprobe

Entscheidend für die Diagnosestellung des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms ist die Entnahme einer Gewebeprobe aus einem befallenen Lymphknoten. Die Biopsie erfolgt im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs. Nach der Entnahme wird die Probe histologisch (Beschaffenheit des Gewebes), immunhistochemisch (Proteine und andere Strukturen werden mittels markierter Antikörper sichtbar gemacht) und genetisch untersucht.

Bei der sogenannten Genexpressionsanalyse kann der Typ der Krebserkrankung ermittelt werden:

  • GCB-DLBCL: Der Tumor stammt von einer B-Zelle des Keimzentrums eines Lymphknotens ab, die Prognose ist günstiger.
  • ABC-DLBCL: Das Lymphom entwickelt sich aus einer aktivierten B-Zelle, die Heilungschancen sind schlechter.

Anhand der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) können überdies genetische Veränderungen der Gene MYC, BCL-2 und BCL-6 festgestellt werden. Liegen Mutationen von zwei oder gar drei der Gene vor, so ist die Prognose ungünstiger.

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Weitere Untersuchungen (Staging)

Um das Stadium des Lymphoms zu ermitteln, kommt die sogenannte Ann-Arbor-Klassifikation zum Einsatz. Sie verlangt die Durchführung folgender Untersuchungen:

  • Ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese), bei dem unter anderem die zuvor genannten B-Symptome erfragt werden
  • Körperliche Untersuchung: Abtasten von Tonsillen (lymphatische Organe in Mundhöhle und Rachen), der Lymphknoten, der Leber und der Milz; Prüfung auf Ergüsse sowie sicht- oder tastbare Raumforderungen (ein Tumor verdrängt das ihn umgebende Gewebe)
  • Computertomografie (CT) mit Kontrastmittel von Hals, Brustkorb und Bauchraum
  • Knochenmarkbiopsie: Entnahme von Gewebeproben aus dem Knochenmark
  • Positronen-Emissions-Tomografie (PET): ergänzendes bildgebendes Verfahren, das mittels radioaktiv markierter Substanzen die exakte Position, Größe, Aktivität und Ausbreitung von Krebs im gesamten Körper bestimmen kann

Stadieneinteilung nach der Ann-Arbor-Klassifikation

Stadium des DLBCL

Definition

I

Befall einer einzigen Lymphknotenregion

IE

Ein einziger Herd (Ort mit Tumorgewebe) außerhalb der lymphatischen Organe (extralymphatisch) liegt vor.

II

Mehrere Lymphknoten auf einer Seite des Zwerchfells sind befallen.

IIE

Ein einziger extralymphatischer Herd liegt vor und mehrere Lymphknoten auf einer Seite des Zwerchfells sind befallen.

III

Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells sind betroffen.

IIIE

Ein einziger extralymphatischer Herd liegt vor und eine oder mehrere Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells ist/sind befallen.

IV

Diffuser Befall eines oder mehrerer extralymphatischer Organe (mehrere Tumoren abseits der Lymphknoten, Beteiligung der Leber und des Knochenmarks)

Suffix S

Befall der Milz (gilt als Teil des lymphatischen Systems)

Zusatz A

Keines der unter "Zusatz B" angeführten Symptome trifft zu.

Zusatz B

Nicht anders erklärbares Fieber über 38 Grad Celsius, Nachtschweiß (mit Wäschewechsel), nicht absichtlich verursachter Gewichtsverlust von mehr als 10% des Körpergewichts innerhalb von 10 Monaten


Bei etwa einem Viertel der Betroffenen wird DLBCL in einem frühen Stadium (I–II) erkannt, die Mehrheit der Patienten befindet sich aber in einem fortgeschrittenen Stadium.

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Labordiagnostik

Zusätzlich zu den genannten Untersuchungen wird ein Blutbild erstellt, mit besonderem Augenmerk auf die Leber- und Nierenwerte. Über Zellteilung und -wachstum gibt Lactatdehydrogenase (LDH) im Serum Aufschluss, über den Zellverfall die gemessene Harnsäure.

Wie sieht die Prognose bei DLBCL aus?

Die Heilungschancen für Betroffene mit diffusem großflächigem B-Zell-Lymphom werden anhand des Internationalen Prognostischen Index (IPI) eingeschätzt, der sich aus den folgenden Faktoren zusammensetzt:

  • dem Alter des Patienten (ab dem 60. Lebensjahr verschlechtert sich die Prognose)
  • dem Allgemeinzustand
  • dem Stadium des Lymphoms nach der Ann-Arbor-Klassifikation
  • dem Befall von Organen außerhalb des lymphatischen Systems
  • der gemessenen Lactatdehydrogenase (LDH)

Die Prognose verschlechtert sich, wenn das Knochenmark von den bösartigen Veränderungen mitbetroffen ist. Dasselbe gilt für sehr große Tumoren mit einem Durchmesser von mehr als 7,5 cm. Ärzte sprechen hier von einem sogenannten "Bulk". Die häufigere zentroblastische Form spricht zudem besser auf die Therapie an als die seltenere immunoblastische Form. Ihr behandelnder Arzt wird Sie über Ihre individuelle Prognose informieren.

Für die Diagnose des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms ist es wichtig, die Krebserkrankung von anderen Lymphomen abzugrenzen. In der Differenzialdiagnose müssen unter anderem folgende Krankheiten ausgeschlossen werden:

  • Morbus Hodgkin
  • Burkitt-Lymphom
  • Mantelzell-Lymphom
  • Periphere T-Zell-Lymphome

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Wie wird das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom behandelt?

DLBCL ist heilbar. Wird es nicht behandelt, kann es jedoch rasch tödlich verlaufen. Steht die Diagnose fest, starten die therapeutischen Maßnahmen in der Regel schnell und richten sich nach der Ausdehnung der Tumorerkrankung.

Immuntherapie

Als Standardtherapie gilt eine Immuno-Polychemo-Therapie (R-CHOP) mit dem Wirkstoff Rituximab, gemeinsam mit Cyclophosphamid, (Hydroxy-)Doxorubicin, Vincristin (Oncovin) und Prednison. Wie viele Zyklen der Immuntherapie in welchen Abständen nötig sind und welche Wirkstoffe in welcher Kombination zum Einsatz kommen, wird individuell festgelegt.

  • Befall eines Lymphknotenareals: 3 Zyklen R-CHOP
  • DLBCL weiter fortgeschritten: 6-8 Zyklen R-CHOP

Bei jungen Patienten, die nicht gut auf die Chemotherapie ansprechen, kann die Durchführung einer Hochdosistherapie mit Stammzelltransplantation diskutiert werden.

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Strahlentherapie

Studien haben gezeigt, dass bei großen Tumoren (Bulk) in fortgeschrittenen Stadien auch eine Bestrahlung des Lymphoms sinnvoll sein kann. Ähnlich verhält es sich bei Ausbreitung des Tumors auf das Knochenmark. Wenn die Immuntherapie abgeschlossen und trotzdem noch Tumorgewebe nachweisbar ist, wird ebenfalls eine Strahlentherapie in Betracht gezogen.

Vitamin D

Betroffene mit einem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom und einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel zeigen Beobachtungen zufolge einen ungünstigeren Krankheitsverlauf als jene mit normaler Konzentration von Vitamin D im Blut. Ob sich die Heilungschancen verbessern, wenn die Patienten im Rahmen der Behandlung Vitamin D einnehmen, ist bis heute allerdings nicht bekannt.

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Wie wird ein Rückfall (Rezidiv) behandelt?

Etwa 75% der Betroffenen mit DLBCL in fortgeschrittenem Stadium können geheilt werden. Kommt es zu einem Rückfall, also einem erneuten Ausbruch der Krebserkrankung, werden die Patienten mit anderen Chemotherapeutika oder Antikörpern behandelt. Wenn möglich, sollte bei einem Rezidiv eine Hochdosistherapie angewendet werden. In seltenen Fällen ist eine Knochenmarktransplantation notwendig.

Bei diesen Patienten kann außerdem die sogenannte CAR-T-Zelltherapie zum Einsatz kommen. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass jeder Zweite mit rezidiviertem oder therapierefraktärem Tumor (spricht nicht auf die Behandlung an) komplett oder zum Teil auf diese innovative Behandlung anspricht. Dabei werden dem Betroffenen entnommene und anschließend veränderte Immunzellen (T-Lymphozyten) mittels Infusion verabreicht, die die Krebszellen gezielt attackieren.

+++ Mehr zum Thema: CAR-T-Zellen +++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Ulrich Jäger
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (Stand 2019): Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom; https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/diffuses-grosszelliges-b-zell-lymphom/@@guideline/html/index.html (zuletzt aufgerufen am 11.12.2019)

Myelom- und Lymphomhilfe Österreich: DLBCL – Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom; https://myelom-lymphom.at/krankheitsformen/lymphom/krankheitsbilder/dlbcl-diffus-groszelliges-b-zell-lymphom/ (zuletzt aufgerufen am 11.12.2019)

Schuster SJ et al., Tisagenlecleucel in Adult Relapsed or Refractory Diffuse Large B-Cell Lymphoma. N Engl J Med 2019; 380(1):45–56

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