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Asthmaanfall

Asthma wird nach Schweregraden eingeteilt.
Asthmabeschwerden können sich innerhalb einiger Tage oder auch sehr plötzlich verschlechtern. Im schlimmsten Fall können die Auswirkungen lebensbedrohlich sein. (Image Point Fr / Shutterstock)

Unter einem schweren Asthmaanfall (Status asthmaticus) versteht man anhaltende Beschwerden über einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden, welche trotz angemessener Therapie schwer zu durchbrechen sind.

Kurzfassung:

  • Die Beschwerden können sich innerhalb weniger Minuten oder Stunden entwickeln.
  • Typische Symptome sind Atemnot, Engegefühl in der Brust und Kurzatmigkeit.
  • Leichte bis mittelstarke Beschwerden können durch Selbstmedikation behandelt werden.
  • Schwere Beschwerden müssen umgehend ärztlich begutachtet und behandelt werden.
  • Unterstützend kommen spezielle Körperhaltungen zum Einsatz.

 


Nur eine geringe Zahl der Asthmapatienten gerät in akute, lebensbedrohliche Notfallsituationen. Die Ausprägung der Symptome einer Asthmaerkrankung ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Wie stark sich die Erkrankung bemerkbar macht, kann daher immer wieder variieren. Ganz allgemein wird eine Verschlechterung des bisherigen Beschwerdebildes als Exazerbation bezeichnet. Diese äußert sich in:

  • zunehmender Atemnot
  • Husten
  • pfeifenden Atemgeräuschen
  • Engegefühl in der Brust

Auch die Lungenfunktion nimmt dabei stetig ab. Im Alltag spricht man oft von einer Asthmaepisode oder umgangssprachlich von einem Asthmaanfall.

Eine Verschlechterung der Beschwerden kann sich bei Asthma innerhalb weniger Minuten bis Stunden oder auch innerhalb einiger Tage entwickeln. In der Regel bemerken die Betroffenen, dass sich eine Verschlechterung anbahnt, und haben ausreichend Zeit, medikamentös gegenzusteuern bzw. einen Arzt aufzusuchen. Allerdings gibt es auch akute Asthmaanfälle, die relativ plötzlich auftreten und zur Notfallsituation werden können.

+++ Mehr zum Thema: Asthma +++

Wodurch können sich Asthmasymptome verschlechtern?

Die Ursachen für eine Exazerbation können individuell unterschiedlich sein. Wichtig ist, dass Betroffene bzw. Eltern von betroffenen Kindern lernen, zu erkennen, was die Beschwerden auslöst. Das Führen eines Beschwerdetagebuches kann dabei hilfreich sein. Zu den häufigsten Ursachen einer Exazerbation zählen:

  • Kontakt mit Allergenen (z.B. bestimmte Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare)
  • virale und bakterielle Atemwegsinfekte
  • asthmaauslösende Medikamente (z.B. Acetylsalicylsäure, Betablocker)
  • kalte Luft
  • körperliche Anstrengung
  • psychische Belastung und Stress

+++ Mehr zum Thema: Allergisches Asthma +++

Symptome eines Asthmaanfalls

Die möglichen Ausprägungen eines Asthmaanfalls sind vielfältig und reichen von einer leichten Verschlechterung des Beschwerdebildes bis hin zum lebensbedrohlichen Zustand. Die typischen Asthmasymptome

können sich dabei mehr oder weniger stark bemerkbar machen.

Für Patienten besteht die Möglichkeit, ihre Lungenfunktion mittels eines einfachen Verfahrens, der sogenannten Peakflowmetrie, selbst zu bestimmen. Hierbei wird mit einem kleinen Instrument aus Kunststoff der Spitzenfluss der Ausatmung gemessen. Dieser Wert wird dann mit den Vorwerten verglichen, wodurch die Schwere der Enge der Atemwege abgeschätzt werden kann.

Jeder Asthmapatient erhält außerdem einen persönlichen Notfallplan, in dem die Dosierung bzw. das Einnahmeschema der Asthmamedikamente im Akutfall schriftlich festgehalten ist.

Klassische Anzeichen eines Asthmaanfalls sind:

  • Veränderung der Atemfrequenz
  • Atemprobleme beim Sprechen
  • pfeifende Atemgeräusche in der Ausatemphase
  • Veränderung der Herzfrequenz
  • verminderte Lungenfunktion
  • Erschöpfung
  • Verwirrtheit
  • Bewusstlosigkeit

Aufgrund der Sauerstoffunterversorgung können auch Haut und Schleimhäute blass werden bzw. sich violett bis bläulich verfärben.

+++ Mehr zum Thema: Asthma bei Kindern +++

Zeitlicher Verlauf eines Asthmaanfalls

Entscheidend ist, wie akut die Symptome auftreten. Bei einer langsam fortschreitenden Verschlechterung ist es meist möglich, mithilfe der entsprechenden Medikamente rechtzeitig gegenzusteuern. Milde Episoden können daher häufig von den Betroffenen selbst bzw. den Eltern des betroffenen Kindes gemanagt werden.

Je akuter die Verschlechterung jedoch auftritt und je schneller sich die Beschwerden verschlimmern, umso größer ist die Gefahr einer lebensbedrohlichen Situation.

+++ Mehr zum Thema: Asthmamedikamente +++

Was ist bei einem akuten Asthmaanfall zu tun?

Leichte bis mittelschwere Symptome

Leichte bis mittelschwere Asthmasymptome können zunächst vom Patienten selbst bzw. den Eltern des betroffenen Kindes behandelt werden. Durch Inhalation eines rasch wirksamen Beta-2-Sympathomimetikums (Bedarfsmedikament) entspannen sich die verkrampften Bronchien schnell, wodurch die Symptome meist rasch gelindert werden können.

Sowohl Kinder als auch Erwachsene inhalieren das Betamimetikum entweder über ein Dosieraerosol ("Asthmaspray“) mit Inhalierhilfe (auch Spacer genannt) oder einen Trockenpulverinhalator. Das Dosieraerosol mit Spacer ist vor allem bei Patienten mit schlechter Koordination (kleineren Kindern, älteren Menschen) oder sehr schlechter Lungenfunktion überlegen. Bei Kleinkindern gibt es zusätzlich spezielle Gesichtsmasken, die mit dem Dosieraerosol verbunden werden und die Anwendung erleichtern.

Auch wenn die Beschwerden selbst beherrscht werden können, sollte längstens binnen 48 Stunden ein Arzt aufgesucht werden, um den Erfolg der Therapie zu beurteilen und die Dauertherapie anzupassen. Kommt es nach einer Stunde zu keiner Besserung oder werden die Beschwerden schlimmer, sodass schließlich ein schwerer Asthmaanfall vorliegt, sollte der Betroffene in ein Krankenhaus eingewiesen werden.

+++ Mehr zum Thema: Therapie von Asthma bei Kindern +++

Schwere Asthmasymptome

Bei schweren Asthmasymptomen (z.B. sehr schnelle Atem- und Herzfrequenz, Lungenfunktion stark eingeschränkt, nur einzelne Wörter können gesprochen werden) muss umgehend ein Arzt oder Krankenhaus aufgesucht werden. Der Transport sollte zur Entlastung der Atemmuskulatur möglichst sitzend erfolgen beziehungsweise, falls dies vom Patienten nicht toleriert wird, wie es der Patient selbst bevorzugt. Bei schweren Asthmasymptomen ist die Gabe von Sauerstoff (über eine Maske oder Nasensonde) erforderlich, um das Risiko einer Sauerstoffunterversorgung zu vermeiden.

Als erste Therapiemaßnahme wird auch bei schweren Symptomen ein rasch wirksames Beta-2-Sympathomimetikum inhaliert, zusätzlich müssen Kortisontabletten eingenommen oder Kortison über die Vene verabreicht werden. Kortison kann Kindern auch in Form eines rektalen Zäpfchens verabreicht werden. Falls vorhanden, kann bei Erwachsenen zusätzlich auch Ipratropiumbromid (ein Wirkstoff aus der Gruppe der Anticholinergika, der ebenfalls eine Erweiterung der Bronchien bewirkt) mittels Vernebler inhaliert werden. Es wird gemeinsam mit dem Betamimetikum verabreicht oder gleich in Form einer Kombinationsinhalationslösung (Ipratropium/Salbutamol).

Lebensbedrohliche Episode

Patienten mit lebensbedrohlichen Symptomen müssen umgehend mit Notarztbegleitung in ein Krankenhaus transportiert werden. Schon vor bzw. während des Transports besteht die erste therapeutische Maßnahme in der Gabe von Sauerstoff über eine Maske oder Nasensonde sowie der Gabe rasch wirksamer Beta-2-Sympathomimetika per Inhalation. Wie oft die Inhalation wiederholt wird, hängt davon ab, ob eine Besserung eintritt. Auch Kortison als Tablette oder Infusion (oder bei Kindern als Zäpfchen) sowie bei Erwachsenen Kombinationen aus Ipratropium/Salbutamol über einen Vernebler gehören zur Standardtherapie.

Je nachdem, ob sich die Beschwerden durch diese therapeutischen Maßnahmen bessern lassen, gibt es in der Notfallaufnahme bzw. im Krankenhaus weitere Möglichkeiten zur medikamentösen Behandlung (z.B. Magnesiumsulfat, Theophyllin oder Beta-2-Mimetika als intravenöse Infusion sowie Beta-2-Mimetika als subkutane Injektion).

Selbsthilfetechniken bei akuter Atemnot

Eine hilfreiche Selbsthilfetechnik ist die sogenannte Lippenbremse. Dabei liegen die Lippen beim Ausatmen locker aufeinander oder der Mund wird wie beim Pfeifen gespitzt. Beim Ausatmen wird gegen die nur einen Spalt weit geöffneten Lippen geatmet, sodass die Luft langsam und gleichmäßig entweichen kann. Dadurch erhöht sich der Luftdruck in den Atemwegen, wodurch die Bronchien erweitert werden und es besser gelingt, auszuatmen und der entstandenen Überblähung der Lunge entgegenzuwirken.

Auch spezielle Körperhaltungen können das Atmen erleichtern. Wichtig ist, dass die Schultern abgestützt werden und die Arme nicht herabhängen, dadurch wird der Brustkorb erweitert und die Atemmuskulatur unterstützt,

  • Kutschersitz: Dabei setzt man sich auf einen Stuhl, beugt den Oberkörper etwas nach vorne und stützt sich mit den Unterarmen auf den Oberschenkeln ab.
  • Torwarthaltung: Dabei geht man im Stehen leicht in die Knie, beugt den Oberkörper nach vorne, stützt sich mit den Händen auf den Oberschenkeln ab und drückt die Schultern hoch.
  • Man kann sich auch im Stehen leicht nach vorne beugen und die Arme auf einer Tischplatte, Stuhllehne oder Ähnlichem abstützen, sodass die Schultern hochgedrückt werden.
  • Alternativ kann man sich im Stehen mit einer Hand an einer Wand abstützen. Die andere Hand wird an der Taille abgestützt, wodurch die Schultern hochgedrückt werden.

+++ Mehr zum Thema: Asthma und Kortison +++

Wie geht es nach einem Asthmaanfall weiter?

Ob der Betroffene nach einem Asthmaanfall entlassen werden kann oder ob eine stationäre Aufnahme zur weiteren Behandlung bzw. Beobachtung notwendig ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Entscheidend sind die Schwere der Symptome, die Lungenfunktion sowie die allgemeine körperliche Verfassung. Zudem ist eine stationäre Aufnahme und Behandlung angemessen, wenn der Betroffene ...

  • alleine oder in einem schwachen sozialen Umfeld lebt;
  • Schwierigkeiten im Umgang mit den Medikamenten hat;
  • innerhalb des letzten Jahres mehrere Exazerbationen erlitten hat;
  • wegen seines Asthmas bereits einmal intensivmedizinisch behandelt werden musste.

Kinder mit schweren Asthmasymptomen werden immer stationär aufgenommen.

Nach dem Asthmaanfall wird die Dauertherapie in erhöhter Dosis fortgeführt. In jedem Fall muss nach der Episode überprüft werden, ob der Betroffene bzw. die Eltern asthmakranker Kinder im Umgang mit dem persönlichen Notfallplan bzw. den Medikamenten und der Inhalationstechnik ausreichend geschult sind und über die anfallsauslösenden Ursachen Bescheid wissen.

+++ Mehr zum Thema: Asthmamedikamente +++

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
OA Dr. Wolfgang Auer, Dr. Gernot Rainer
Redaktionelle Bearbeitung:

Aktualisiert am:
Quellen

Nationale Versorgungsleitlinie: S3-Leitlinie „Asthma“. 4. Auflage, 2020

Karow T, Lang-Roth R: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 25, Auflage, 2017

Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B, Ruth P:
Mutschler Arzneimittelwirkungen – Pharmakologie, klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020

Global Initiative for Asthma: Global Strategy for Asthma Management and Prevention; revised 2014

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma – Langfassung. 2. Auflage, Version 5/2009; zuletzt geändert: August 2013. AWMF-Registernr.: nvl/002

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Asthma. 2. Auflage, Version 1.3, Juli 2011; AWMF-Registernr.: nvl/002

Herold G: Innere Medizin 2015 – eine vorlesungsorientierte Darstellung. Eigenverlag, Köln 2014

Pohl W, Petrovic M: Asthma bronchiale. Österreichische Ärztezeitung Nr. 22; 25. November 2011

Patienteninformationsmaterial der Deutschen Atemwegsliga e.V. in der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie; www.atemwegsliga.de/informationsmaterial.html

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