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Diabetische Retinopathie

diabetische Retinopathie
Die diabetische Retinopathie zählt zu den häufigsten Ursachen für Erblindung im Erwachsenenalter. (no_limit_pictures / iStockphoto)

Die diabetische Retinopathie zählt zu den häufigsten Ursachen für Erblindung im Erwachsenenalter. Mit einer guten Einstellung des Blutzuckerspiegels kann die Erkrankung verhindert oder hinausgezögert werden.

Kurzfassung:

  • Die diabetische Retinopathie betrifft die Gefäße der Netzhaut und kann zu einer starken Beeinträchtigung des Sehvermögens führen.
  • Der Hauptrisikofaktor ist ein schlecht eingestellter Blutzucker bei Diabetes.
  • Die diabetische Retinopathie kann sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetikern auftreten.
  • Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt können vielen Diabetikern das Augenlicht retten.

Die diabetische Retinopathie ist eine Komplikation der Zuckerkrankheit (Diabetes). Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte führen bei Diabetikern zu einer Schädigung der kleinsten Blutgefäße in der Netzhaut (Retina).

Die Veränderungen werden anfänglich nicht bemerkt, nehmen aber im Verlauf zu und können bis zur Erblindung führen. Die Augenerkrankung kann sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetikern auftreten. Ein frühzeitiger und regelmäßiger Besuch beim Augenarzt kann vielen Diabetikern das Augenlicht erhalten.

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Wie kommt es zu einer diabetischen Retinopathie?

Ein schlecht eingestellter Diabetes mit erhöhten Blutzuckerwerten ist der Hauptrisikofaktor einer Retinopathie. Es gibt aber noch andere Risikofaktoren, welche die Entwicklung und den Verlauf der diabetischen Retinopathie zusätzlich fördern. Dazu gehören:

Welche Formen der diabetischen Retinopathie gibt es?

  • Nicht-proliferative Retinopathie
  • Proliferative Retinopathie
  • Diabetische Makulopathie

Nicht-proliferative diabetische Retinopathie

Durch verschiedene diabetische Veränderungen der Gefäßwände, etwa die "Verzuckerung“ von Eiweißen an den Gefäßwänden, wird die Netzhaut zunächst schlechter durchblutet. Es entstehen Ausbuchtungen der Gefäße (Mikroaneurysmen). Mikroaneurysmen weisen auf den Beginn einer diabetischen Retinopathie hin. Kommt eine gesteigerte Gefäßdurchlässigkeit hinzu, kann ein sogenanntes Makulaödem auftreten.

Später gelangen Flüssigkeit, Fette und Eiweiße aus den brüchigen Gefäßwänden in die Netzhaut und verursachen dort Wassereinlagerungen (Ödeme) sowie Ablagerungen von Fettsubstanzen. Diese Erscheinungen beschränken sich auf die Netzhaut und verursachen meist keine Beschwerden, solange sie nicht den Bereich des schärfsten Sehens, die Makula, betreffen; deshalb wird die Krankheit von den Betroffenen nicht sofort bemerkt.

Proliferative diabetische Retinopathie

Schreitet die Krankheit fort, wachsen krankhafte neue Gefäße (Proliferationen), welche die schlechte Blutversorgung auszugleichen versuchen. Da sie jedoch ebenfalls geschädigt sind, platzen sie leicht. Wachsen die Gefäßneubildungen in den Glaskörper, kann es zur Einblutung in den Glaskörper kommen und eine plötzliche Sehverschlechterung eintreten.

Die proliferative diabetische Retinopathie (PDR) kann zu schwerem Sehverlust aufgrund von Glaskörperblutungen und/oder Netzhautablösungen führen. Schreiten die Wucherungen bis zur Regenbogenhaut (Iris) fort, können sie in seltenen Fällen auch einen grünen Star (Neovaskularisationsglaukom) mit erhöhtem Augeninnendruck nach sich ziehen. Die proliferative diabetische Retinopathie hat meist eine dauerhafte Einschränkung des Sehvermögens zur Folge.

Diabetische Makulopathie

Diese Art der Retinopathie führt zu einer Schädigung der Makula, dem Ort des schärfsten Sehens. Durch schlechte Blutversorgung und Wassereinlagerungen (Ödeme) sterben die Sehzellen an der für das Sehvermögen wichtigsten Stelle ab. Hier ist das Augenlicht ohne sofortige Behandlung akut gefährdet.

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Welche Symptome treten bei einer diabetischen Retinopathie auf?

Anfangs verläuft die diabetische Retinopathie unbemerkt. Diabetiker haben zunächst keine Sehstörungen. Sie bemerken die Retinopathie erst, wenn diese schon fortgeschritten ist und infolgedessen Sehstörungen auftreten. Die Betroffenen sehen Gegenstände dann oft nur noch verschwommen.

Ist es zu Einblutungen in den Glaskörper gekommen, sehen die Patienten schwarze Punkte, die sie als "Rußregen“ beschreiben. Der Sehverlust entwickelt sich meist schleichend, kann aber bei größeren Blutungen oder einer Netzhautablösung auch ganz plötzlich auftreten. Unbehandelt kann die Retinopathie schließlich zur Erblindung führen.

+++ Mehr zum Thema: Diabetisches Makulaödem +++

Wie wird eine diabetische Retinopathie diagnostiziert?

Der erste Ansprechpartner ist der Facharzt für Augenheilkunde. Dieser wird nach einer ausführlichen Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) Sehschärfe und Augeninnendruck überprüfen. Anschließend wird er eine Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) durchführen; mit dieser können Veränderungen der Netzhaut festgestellt werden. In manchen Fällen sind weitere Untersuchungen notwendig.

+++ Mehr zum Thema: Glaukom +++

Wie oft sollte ein Augenarzt aufgesucht werden?

Um die Krankheit rechtzeitig zu erkennen, sollten Diabetiker regelmäßig zur Kontrolluntersuchung zum Augenarzt gehen. Empfohlen wird:

Wer?

Wann zum Augenarzt?

Typ-1- und Typ-2-Diabetiker

Augenuntersuchung sofort nach der Diabetes-Diagnosestellung, anschließend einmal jährlich ohne bisher bekannte Retinopathie. Bei bestehender Retinopathie wird eine engmaschigere Kontrolle empfohlen.

Schwangere Diabetikerinnen

Augenuntersuchung bei Schwangerschaftsplanung, sofort nach der festgestellten Schwangerschaft, anschließend alle drei Monate bis zur Geburt


Wenn Warnsignale, wie z.B. eine plötzliche Sehverschlechterung, auftreten, sollten Sie rasch einen Arzt aufsuchen. Diabetes ist auch ein Risikofaktor für den grauen Star (Katarakt). Daher wird der Arzt auch die Linse untersuchen. Bei Personen mit grauem Star nimmt die Sehfähigkeit nach und nach ab. Das Umfeld wird nur noch wie im Nebel wahrgenommen. Diabetes kann auch die Entstehung eines sekundären Glaukoms (grüner Star) begünstigen. Um diese Erkrankung zu erkennen, messen Ärzte den Augeninnendruck.

Für alle Diabetiker gilt: Wurde eine Retinopathie diagnostiziert, sind häufigere Untersuchungen nötig. Die zeitlichen Abstände wird Ihnen Ihr Augenarzt mitteilen.

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Wie wird die diabetische Retinopathie behandelt?

Am wichtigsten ist es, den Blutzucker dauerhaft optimal einzustellen. So lässt sich vermeiden, dass eine Retinopathie überhaupt entsteht bzw. weiter fortschreitet. In der Diabetestherapie wird im Allgemeinen ein HbA1c-Wert ("Langzeitzucker“) zwischen 6,5% und 7,5% angestrebt. Der behandelnde Arzt kann individuell auch ein anderes Therapieziel vorgeben.

Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die zur Entwicklung einer Retinopathie beitragen und die behandelt werden müssen:

  • Erhöhte Blutdruckwerte lassen sich mit Medikamenten in den Normbereich bringen.
  • Eine diabetische Nierenerkrankung (Nephropathie) sollte behandelt werden, um unter anderem nachfolgend erhöhte Blutdruckwerte zu vermeiden.
  • Erhöhte Blutfettwerte lassen sich durch eine Diät und/oder mit Medikamenten senken.
  • Falls Sie Raucher sind: Versuchen Sie, mit dem Rauchen aufzuhören!

Ist die Retinopathie fortgeschritten, muss ein Augenarzt die Krankheit behandeln. Dafür stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:

Medikamentöse Therapie

In einigen Fällen lässt sich die Sehfähigkeit durch Medikamente verbessern oder erhalten. Unter örtlicher Betäubung spritzt der Augenarzt sogenannte Vascular Endothelial Growth Factor(VEGF)-Inhibitoren direkt in den Augapfel. Wenn diese nicht wirken, können entzündungshemmende Steroide injiziert werden. Je nach Wirkstoff werden monatliche bis dreimonatliche Wiederholungen empfohlen. An Wirkstoffen mit längerer Depotwirkung zur intraokularen Gabe wird gearbeitet.

​Lasertherapie

Diese wird in lokaler Betäubung durchgeführt und ist weitgehend schmerzfrei. Mit dem Laser werden veränderte Stellen der Netzhaut "verbrannt“ (koaguliert). Mehrere Sitzungen über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen können dafür notwendig sein. Eine Lasertherapie kann das Fortschreiten der Retinopathie verlangsamen. Die panretinale Photokoagulation reduziert das Risiko eines schweren Sehverlusts um mehr als 50%. Nebenwirkungen der Behandlung sind ein eingeschränktes Gesichtsfeld sowie Sehstörungen in der Dämmerung und im Dunkeln. Trotz der Nebenwirkungen: Die Lasertherapie kann eine drohende Erblindung verhindern.

Vitrektomie

Bei dieser Methode entfernen Augenärzte den Glaskörper und ersetzen ihn durch eine klare Flüssigkeit. Dies ist nötig, wenn beispielsweise eine lang anhaltende Glaskörperblutung oder eine durch Zug bedingte (traktive) Netzhautablösung vorliegt, also in einem fortgeschrittenen Stadium.

Das können Sie selbst tun

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Blutzucker dauerhaft optimal eingestellt ist! Nur so können Sie Spätkomplikationen wie eine Retinopathie vermeiden oder das Fortschreiten der Augenerkrankung verzögern.
  • Gehen Sie regelmäßig zum Augenarzt! Nutzen Sie auch andere für Diabetiker wichtige Untersuchungen. Dadurch können Sie die Entwicklung der Krankheit kontrollieren, Ihre Behandlung überprüfen und – falls nötig – auch Änderungen in der Therapie vornehmen.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit einer Diabetes-Schulung! Hier erfahren Sie alles rund um das Thema Diabetes und erhalten Informationen, die für Ihr Krankheitsmanagement wichtig sind. Je mehr Sie wissen, desto einfacher wird auch der Umgang mit Diabetes.
  • Bei einer bestehenden Retinopathie können krankhaft veränderte Netzhautgefäße platzen und Blutungen entstehen. Vermeiden Sie daher starke körperliche Anstrengungen: Verzichten Sie auf Sportarten, die mit Schlägen auf den Kopf einhergehen.
  • Die Früherkennung der Diabeteserkrankung ist besonders wichtig – vor allem bei Typ-2-Diabetikern. Oft wird der Diabetes nämlich erst entdeckt, wenn schon Folgeschäden entstanden sind.

Prognose

Die diabetische Retinopathie ist eine chronische Erkrankung, die ohne Behandlung im Laufe von wenigen Jahren zur Erblindung führen kann. Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft lässt sich die Erkrankung nicht heilen. Je früher die diabetische Retinopathie behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Für eine Früherkennung sind regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt essenziell.

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Univ.Doz.Dr. Veronika Huber-Spitzy
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Diabetische Retinopathie; https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/augen/netzhaut/diabetische-retinopathie (letzter Zugriff: 02.03.2020)

MINI MED Studium: Diabetische Netzhautablösung; https://www.minimed.at/medizinische-themen/augen/diabetische-retinopathie/ (letzter Zugriff: 02.03.2020)

aerztezeitung.at: Diabetische Retinopathie; https://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2013/oeaez-18-25092013/diabetische-retinopathie-netzhaut-diabetes.html (letzter Zugriff: 02.03.2020)

Patientenleitlinie „Diabetes – Schäden an der Netzhaut: Vorbeugen und behandeln“. 2. Auflage, 2016; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-001bp_S3_Netzhautkomplikationen_Typ-2-Diabetes_2016-08.pdf (letzter Zugriff: 02.03.2020)

S3-Leitlinie „Prävention und Therapie von Netzhautkomplikationen bei Diabetes“. 2. Auflage, 2015; AWMF-Reg.-Nr.: nvl-001b; https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-001bl_S3_Netzhautkomplikationen_Typ-2-Diabetes_2016-12.pdf gültig bis September 2020 (letzter Zugriff: 02.03.2020)

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