Diabetes und Herzgesundheit

Die Hände eines Arztes in Gummihandschuhen formen ein Herz.
Die Hände eines Arztes in Gummihandschuhen formen ein Herz. (Shuravaya / Shutterstock)

Die Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus steigert das Risiko für das Auftreten von koronarer Herzkrankheit (Herzinfarkt, Angina pectoris) und Schlaganfall deutlich.

Die gute Nachricht: Patientinnen und Patienten können selbst Schritte setzen, um das Risiko für einen ersten Herzinfarkt bzw. für nachfolgende Herzinfarkte zu reduzieren. Zu solchen Maßnahmen zählen einerseits die Änderung des Lebensstils, andererseits die Einnahme der von Arzt oder Ärztin verordneten Medikamente.

Was bedeutet koronare Herzkrankheit?

Im Falle der koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die sogenannten Koronararterien - das sind jene Gefäße, die den Herzmuskel mit Sauerstoff und anderen benötigten Energiesubstraten versorgen - verengt. Kommt es zu einem vollständigen Verschluss dieser Herzkranzgefäße, liegt ein Herzinfarkt vor.

Die genannten Verengungen der Koronararterien werden durch Fetteinlagerungen in der Gefäßwand verursacht. Angina pectoris bedeutet eine relative Blutarmut im Herzmuskel, die sich normalerweise durch eine Schmerzsymptomatik äußert: Meist betreffen die Schmerzen den Bereich des Brustraums, sie können allerdings auch in den linken Arm ausstrahlen, im Hals-, Rücken- oder Oberbauchbereich sowie weiteren Stellen auftreten.

Bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus kann durch das Vorhandensein einer diabetischen Polyneuropathie (Nervenschädigung) das Auftreten dieser Schmerzsymptomatik verringert sein bzw. gänzlich fehlen. Durch das Fehlen dieser Symptome bei Diabetes mellitus kann auch die Diagnosestellung erschwert sein. Atemnot bei leichter Belastung oder auch in Ruhe kann eventuell einen Hinweis auf das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit geben.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Zur Abklärung der KHK bei Diabetes mellitus stehen mehrere Methoden zur Wahl.:

Was können Sie selbst tun?

Sie können Ihr kardiovaskuläres Risiko reduzieren, in dem Sie die von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin vorgegebenen Therapierichtlinien einhalten, sich gesund ernähren, körperlich aktiv sind, und die Medikation konsequent einnehmen. Eine Lebensstilmodifikation - insbesondere in Form von Gewichtsreduktion und vermehrter körperlicher Aktivität - ist diesbezüglich von großer Bedeutung.

Welche Werte sind für die Risiko-Optimierung von Bedeutung?

Blutglukose

Der HbA1c-Wert stellt das primäre Ziel der Therapie dar. HbA1c wird auch als "Blutglukose-Gedächtnis" bezeichnet, weil dieser Wert Auskunft über die durchschnittliche Blutglukose der letzten ein bis drei Monate gibt. Die Österreichische Diabetesgesellschaft empfiehlt einen HbA1c-Wert von maximal 6,5%. Die Blutglukose nüchtern sollte unter 110 mg/dl liegen.

Blutdruck

Die Messung des Blutdrucks gibt Auskunft über die Kräfteverhältnisse in Ihren Arterien. Die Österreichische Diabetesgesellschaft empfiehlt maximale Blutdruckwerte von 130/80 mmHg. Liegen die Blutdruckwerte über dieser Grenze, ist zumeist eine medikamentöse Therapie erforderlich.

Blutfettwerte

Die Werte für Cholesterin und Triglyzeride geben Auskunft über die Fettzusammensetzung im Blut. Einige Werte, wie das HDL-Cholesterin schützen Ihr Herz. Andere, wie das LDL-Cholesterin und die Triglyzeride, führen bei anhaltend erhöhten Werten letztlich zu einer Verengung und Verstopfung der Blutgefäße (Herzinfarkt, Schlaganfall). Sie sollten Ihre Blutfettwerte regelmäßig bestimmen lassen und bei Überschreiten der empfohlenen Richtwerte diätetische Maßnahmen einleiten. Oft reichen diese Veränderungen in der Ernährung nicht aus, sodass eine medikamentöse Therapie begonnen werden muss.

Die Zielwerte der Österreichischen Diabetesgesellschaft sind:

  • LDL-Cholesterin: < 70 mg/dl optimal, 70 bis 100 mg/dl ausreichend
  • HDL-Cholesterin: 60 mg/dl optimal, > 40 (Männer) / 50 (Frauen) mg/dl ausreichend
  • Triglyzeride: < 150 mg/dl optimal, 150 bis 200 mg/dl ausreichend

Primäres Therapieziel ist die Verbesserung der LDL-Cholesterin-Werte, weitere Therapieziele sind das HDL-Cholesterin und die Triglyzeride.

Wie können diese Ziele am besten erreicht werden?

Stellen Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten um, beginnen Sie körperlich aktiv zu sein und nehmen Sie die vorgeschriebene Medikation ein.

Ernährungsrichtlinien

Eine Ernährungsumstellung kann die Werte für Blutglukose, Blutdruck und Cholesterin deutlich beeinflussen. In der Folge sind einige Maßnahmen aufgelistet, die Sie ergreifen können:

  • Essen Sie weniger Fett, reduzieren Sie speziell mehrfach gesättigte Fettsäuren (z.B. fettes Fleisch, Butter, Vollmilch, Eis, Käse etc.).
  • Essen Sie mageres Fleisch.
  • Versuchen Sie, fünf Mal pro Tag Obst und Gemüse zu sich zu nehmen.
  • Reduzieren Sie cholesterinhaltige Nahrungsmittel (z.B. Eigelb, fettes Fleisch, fette Milchprodukte)
  • Erhöhen Sie Ihre Ballaststoffzufuhr.
  • Vermindern Sie den Salzkonsum.

Hilfe zur Gewichtsreduktion

  • Reduzieren Sie die tägliche Kalorienmenge und das aufgenommene Fett.
  • Seien Sie körperlich aktiv.

Körperliche Aktivität (Bewegung)

Bewegung verringert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der gesamte Gesundheitszustand des Körpers wird gestärkt, man fühlt sich besser. Bevor mit körperlicher Aktivität begonnen wird, sollte allerdings ein Arzt oder eine Ärztin des Vertrauens konsultiert werden. Grundsätzlich ist aerobe körperliche Aktivität (z.B. Gehen, Laufen, Radfahren, Schwimmen und Rudern) zu empfehlen. Dabei sollte langsam begonnen werden und die Intensität in kleinen Schritten gesteigert werden. Wichtig ist auch, dass Sie sich vor dem Training genügend aufwärmen und Dehnungsübungen durchführen.

Medikamente

Die von Arzt oder Ärztin vorgeschriebene Medikation ist ein wesentlicher Bestandteil, um das kardiovaskuläre Risiko (Herzinfarkt) zu reduzieren. Als Patient/Patientin mit Diabetes mellitus benötigen Sie verschiedene Substanzgruppen, um die oben beschriebenen Ziele zu erreichen. Die Einnahme von Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin) ist für die meisten Diabetiker ebenso von Vorteil.

Nikotinstopp

Einer der wesentlichsten Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen ist das Zigarettenrauchen. Dies gilt nicht nur für Diabetiker. Versuchen Sie jedenfalls, mit dem Rauchen aufzuhören. Mögliche Hilfestellungen können Sie unter anderem von Arzt oder Ärztin, in der Apotheke, durch Selbsthilfegruppen oder entsprechende Literatur erhalten.

Bewegungs-Checkliste für Patienten mit Diabetes

  1. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, bevor Sie mit körperlicher Aktivität beginnen.
  2. Wenn nötig, messen Sie Ihren Blutzuckerspiegel vor und nach dem Training.
  3. Untersuchen Sie Ihre Füße vor und nach dem Training auf Verletzungen und Reibestellen.
  4. Tragen Sie angemessene Schuhe und Socken.
  5. Trinken Sie genug: vor, während und nach dem Training.
  6. Wärmen Sie auf, bevor Sie mit dem Training beginnen.
  7. Führen Sie einen Snack oder ein Stück Traubenzucker mit sich, um eventuellen Hypoglykämien (Unterzuckerungen) begegnen zu können.

Trainingsintensität

  • 30 bis 45 Minuten aerobes Training in mittlerer Intensität (schnelles Gehen) an drei bis fünf Tagen in der Woche.
  • Für langfristige Gewichtskontrolle scheinen entweder längere Dauer (= 60 Minuten/Tag) oder höhere Intensität (= 30 Minuten Joggen/Tag) erforderlich zu sein.

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Autoren:
Univ.Prof. Dr. Martin Clodi

Aktualisiert am:

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