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Typ-1-Diabetes (Diabetes mellitus Typ 1, Typ-1-Diabetes)

Zuckerkrankheit Typ 1
Von Diabetes-Typ-1 sind vorwiegend jüngere Menschen betroffen. (Ta Nu / iStockphoto)

Typ-1-Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, die aufgrund eines zumeist absoluten Insulinmangels zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Der Entwicklung des Typ-1-Diabetes liegt eine Autoimmunreaktion zugrunde, bei welcher die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse durch körpereigene Abwehrstoffe zerstört werden.

Kurzfassung:

  • Etwa 40.000 Menschen in Österreich sind von Typ-1-Diabetes betroffen, darunter 3.500 Kinder und Jugendliche.
  • Typ-1-Diabetes wird häufig im Kindes- und Jugendalter, sowie bei jungen Erwachsenen  diagnostiziert, kann aber auch im höheren Lebensalter auftreten (LADA-Diabetes)
  • Bei Typ-1-Diabetes zerstören körpereigene Abwehrstoffe die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse und verursachen somit einen Insulinmangel.
  • Die genauen Ursachen zur Entstehung der Erkrankung sind bis heute nicht bekannt.
  • Typische Symptome sind häufiges Wasserlassen, starker Durst, geringer Appetit und ungewollter Gewichtsverlust und körperliche Abgeschlagen. Typ-1 Diabetes kann aber manchmal auch schleichend und symptomarm manifestieren.
  • Die klinische Diagnose wird durch eine Glukosebestimmung im Blut und eine Harnanalyse (Nachweis von Glukose und Ketonkörper) gestellt.  Stark erniedrigtes Seruminsulin und C-Peptid sowie der Nachweis spezifischer Antikörper im Blut (Achtung: nicht immer nachweisbar) bestätigen die klinische Diagnose.
  • Bei guter Blutzuckereinstellung entspricht die Lebenserwartung eines Menschen mit Typ-1-Diabetes, der eines gesunden Menschen.
  • In Kooperation mit der Österreichischen Diabetes Gesellschaft


Was ist Typ-1-Diabetes?

Typ-1-Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhten Zuckerwerten im Blut führt. Der Entwicklung von Typ-1-Diabetes liegt eine Autoimmunreaktion zugrunde, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet. Dabei werden die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) durch körpereigene Antikörper (Abwehrstoffe) zerstört, wodurch ein Insulinmangel entsteht. Dies geschieht meist schon im frühen Kindes- und Jugendalter, in seltenen Fällen auch erst im späteren Erwachsenenalter.

Aufgrund des absoluten Insulinmangels sind Menschen mit Typ-1-Diabetes insulinpflichtig und müssen sich dieses Hormon künstlich von außen zuführen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Heilung dieser Autoimmunerkrankung noch nicht möglich. Allerdings kann mithilfe der modernen Diabetestherapie ein nahezu uneingeschränktes Leben geführt werden. Dies setzt eine sehr gute Schulung und Selbständigkeit der Betroffenen voraus.

+++ Mehr zum Thema: Autoimmunerkrankung +++

Wer ist von Typ-1-Diabetes betroffen?

Typ-1-Diabetes betrifft eher jüngere Personen (i.d.R. unter 30), wobei selten auch ältere Menschen daran erkranken können. Die Patienten sind im Gegensatz zum Typ-2-Diabetes meistens normal- oder sogar leicht untergewichtig. Der Grund dafür ist, dass durch den Insulinmangel die über die Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate zwar ins Blut gelangen, von dort jedoch ohne Insulin nicht in die Zellen aufgenommen werden können.

Im Gegensatz zum Typ-2-Diabetes ist eine familiäre Häufung nachweisbar, aber eher gering. Sind beide Eltern Menschen mit Typ-1-Diabetes, liegt das Risiko eines Kindes, ebenfalls zu erkranken, bei etwa 20 Prozent. Ist nur der Vater betroffen, beträgt das Risiko etwa fünf Prozent, im Falle der Mutter etwa 2,5 Prozent. Kinder von Menschen mit Typ-2-Diabetes erkranken hingegen zu 40 Prozent an Typ-2-Diabetes, sind beide Elternteile erkrankt, zu 60 bis 70 Prozent.

+++ Mehr zum Thema: Insulin und C-Peptid +++

Wie entsteht Typ-1-Diabetes?

Das Hormon Insulin wird in den Langerhans´schen Inseln (inselartig eingebettete Zellansammlungen hormonbildender Zellen) der Bauchspeicheldrüse gebildet. Die meisten Körperzellen benötigen Insulin, um Zucker aus der Blutbahn aufzunehmen. In der Zelle wird der Zucker zu Energie verbrannt. Kann der Zucker nicht von den Zellen aufgenommen werden, steigt die Zuckerkonzentration im Blut an. Ist eine bestimmte Konzentration im Blut überschritten, gelangt der Zucker in den Harn und wird über diesen ausgeschieden.

Bei rund 85 bis 95 Prozent aller Menschen mit Typ-1-Diabetes können Antikörper, die für die Zerstörung der körpereigenen Betazellen verantwortlich sind, im Blut nachgewiesen werden (die Antikörper GAD, ICA, IA-2, IAA, Zink-Transporter 8). Die Bauchspeicheldrüse kann in der Folge kein bzw. nicht ausreichend Insulin bilden. Zusätzlich zeigt sich fast immer ein stark erniedrigter oder negativer C-Peptid-Wert (ein Wert, der die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse wiederspiegelt). Ist das C-Peptid niedrig, ist folglich auch die Insulinproduktion niedrig.

+++ Mehr zum Thema: Diabetes-Typ-2 +++

Ursachen für Typ-1-Diabetes

Die genaue Ursache für diese Fehlsteuerung des Immunsystems ist heute noch weitgehend unbekannt. Man nimmt an, dass manche Bakterien oder Viren den Zellen der Bauchspeicheldrüse so ähnlich sehen, dass der Körper nicht nur diese eingedrungenen Krankheitserreger unschädlich macht, sondern auch die eigenen Zellen angreift.

Beispiele für Viren, denen eine gewisse Häufung für die Entstehung des Diabetes Typ 1 nachgesagt wird, sind:

  • Coxsackie-Virus
  • Rubeola-Virus (Röteln)
  • Echo-Viren
  • Cytomegalie-Virus
  • Herpes-Virus
  • Vertreter der Gattung der Enteroviren

Ein klarer Nachweis ist bis heute jedoch noch nicht gelungen.

Es gibt zudem zunehmend Hinweise darauf, dass ein Vitamin-D-Mangel im Säuglings- und frühen Kindesalter mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit zu Typ-1-Diabetes führt.

+++ Mehr zum Thema: Vitamin D +++

Welche Symptome treten bei Typ-1-Diabetes auf?

Folgende Symptome können bei erhöhtem Blutzucker auftreten:

  • häufiges Wasserlassen (Polyurie)
  • starker Durst (Polydipsie)
  • geringer Appetit
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Kraftlosigkeit
  • Mundtrockenheit und nächtliche Wadenkrämpfe
  • Sehstörungen
  • erhöhte Infektneigung

Diese Symptome können sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes vorhanden sein. Da es aufgrund des starken Insulinmangels beim Typ-1-Diabetes in der Regel zu vielfach höheren Blutzuckerwerten kommt, sind die Symptome dementsprechend stärker ausgeprägt und können sich innerhalb weniger Tage bis Wochen entwickeln.

+++ Mehr zum Thema: Diabetes bei Kindern +++

Wie wird Typ-1-Diabetes diagnostiziert?

Die Diagnose "Typ-1-Diabetes“ wird anhand einer Messung des Blutzuckers und des HbA1c-Wertes ("Langzeitblutzucker“), sowie dem Nachweis von Antikörpern gestellt.

Blutzuckermessung

Bei Gesunden bewegt sich der normale Nüchtern-Blutzucker (vor dem Essen) zwischen 70 und 100 mg/dl im Blut. Nach dem Essen können Werte von 180-200 mg/dl auch bei gesunden Menschen gemessen werden. Ein starker Hinweis auf einen manifesten (klinisch erkennbaren) Diabetes sind Nüchtern-Blutzuckerwerte von über 126mg/dl und/oder zufällig gemessene Blutzuckerwerte über 200 mg/dl, wobei im Falle eines Typ-1-Diabetes oft deutlich höhere Werte gemessen werden.

Hba1c-Wert

Dieser Wert gibt die durchschnittliche Zuckerkonzentration im Blut der letzten (bis zu 12) Wochen an, indem er anzeigt, wie viel Blutzucker sich dauerhaft an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin angelagert hat. Auch bei Gesunden können HbA1c-Werte gemessen werden, diese liegen unter 5,7 Prozent. HbA1c-Werte zwischen 6.0 und 6,5% entsprechen einer "prädiabetischen“ Stoffwechellage, bei einem HbA1c über 6.5% spricht man von einem manifesten Diabetes. Bei Erstdiagnose liegt der Wert des HbA1c in der überwiegenden Zahl der Fälle deutlich über diesem Grenzwert. Der HbA1c eignet sich ebenso gut zur Therapiekontrolle. Mithilfe dieses Wertes wird der mittlere Blutzuckerspiegel der letzten drei bis vier Monate ermittelt.

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Bei diesem Test wird eine zuckerhaltige Lösung mit insgesamt 75 Gramm Zucker getrunken und daraufhin mehrmals der Blutzucker bestimmt. Ein manifester Diabetes liegt vor, wenn der gemessene Wert nach zwei Stunden immer noch höher als 200mg/dl liegt, ein Prädiabetes bei einem 2-Stunden Wert über 140 mg/dl.

+++ Mehr zum Thema: Diabetes und Schwangerschaft +++

Behandlung des Typ-1-Diabetes

Die Ursache des Typ-1-Diabetes ist ein Mangel an Insulin. Dieser Mangel wird durch die Gabe dieses Hormons behandelt. Insulin wird dabei täglich unter die Haut (subkutan) gespritzt, die genaue Menge ist vom Kohlenhydratgehalt der Nahrung (Bolusbedarf) und dem Grundbedarf (Basalbedarf) abhängig und individuell verschieden. Zusätzlich wird circa fünfmal pro Tag vom Patienten selbst der Blutzucker gemessen und als Ausgangswert für die Blutzucker-Korrekturen verwendet. Eine neuere Möglichkeit zur Blutzuckermessung stellt die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) dar, bei welcher ein winziger Sensor unter der Haut platziert wird und dort alle paar Minuten die Zuckerkonzentration misst.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung von Diabetes Typ 1 +++

Ärztliche Kontrollen bei Typ-1-Diabetes

Die empfohlenen ärztlichen Kontrolluntersuchungen helfen bei der Einstellung des Blutzuckers. Sie geben dem Patienten und dem Arzt Feedback darüber, wie gut der Diabetes eingestellt ist und helfen Folge- und Begleiterkrankungen zu vermeiden. Die ärztlichen Kontrollen umfassen u.a.:

  • Körpergewicht
  • Blutdruck
  • Lipidstatus (Blutfette)
  • Hypoglykämie-Anamnese (Unterzuckerung)
  • HbA1c-Wert
  • Sensibilität und Durchblutung der Füße (Fußinspektion)
  • Nierenfunktion
  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Augenuntersuchung (beim Augenarzt)
  • Nervenuntersuchung (beim Neurologen)

+++ Mehr zum Thema: Was ist der Unterschied zwischen Diabetes Typ 1 und 2? +++

Prognose

Der hohe Blutzuckergehalt bei Typ-1-Diabetes in den Gefäßen ist auf Dauer ungünstig. Die Zuckermoleküle lagern sich an allerlei Proteinen im Blut und an den Gefäßwänden ab und stören diese in ihrer Funktion. Langfristig kann es dadurch zu den sogenannten diabetischen Spätkomplikationen in den großen und kleinen Gefäßen, sowie Spätschäden an den Augen, Nieren und Nerven kommen. Diese entwickeln sich erst im Laufe der Zeit und können mithilfe einer guten Blutzuckereinstellung hinten an gehalten werden.

Der wichtigste Bestandteil einer Behandlung ist damit eine gute Zuckereinstellung und -kontrolle. Der Blutzucker sollte möglichst "norm-nahe“ sein, zu niedrige Werte sind jedoch ebenfalls zu vermeiden. Wesentlich sind auch die Behandlung von möglichen Begleiterkrankungen sowie eine gute Einstellung von Blutdruck- und Blutfettwerten.

Umfangreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass eine gute Kontrolle der Zuckerkrankheit und begleitender Erkrankungen das Risiko für diabetische Spätschäden verringern oder sogar verhindern kann und eine normale Lebenserwartung ermöglicht.

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Autoren:
Univ.Prof. Dr. Martin Clodi,
Medizinisches Review:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Fasching
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG): Diabetes mellitus – Leitlinien für die Praxis, 2019

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) S3-Leitlinie: Therapie des Typ-1-Diabetes, 2. Aufl., 2018

Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B and Ruth P. Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Aufl., 2020

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