Den Allergieauslöser meiden

Der Frühling ist für viele Menschen Schnupfenzeit - finden sich doch zu keiner anderen Jahreszeit so viele Pollen in der Luft. Die Überempfindlichkeit gegen Baum-, Gräser- oder Kräuterpollen ist die häufigste Allergie in Österreich. Doch gegen tränende Augen, blockierte Atemwege und ständigen Niesreiz ist ein Kraut gewachsen. Der Wiener Allergologe Univ. Prof. Dr. Christof Ebner erklärt im Interview, woran man eine Allergie erkennt, was dagegen hilft und warum der Klimawandel die Pollen aggressiver macht.

Frage: Die häufigste Allergie der Österreicher ist die Pollenallergie. Welche Pollen sind am häufigsten für Beschwerden verantwortlich?

Ebner: Die meisten Allergiker reagieren auf Gräserpollen, sie haben den klassischen Heuschnupfen. Die Blütezeit der Gräser ist zwischen Mai und Juli. Generell gibt es drei große Blütezeiten in Österreich: Zuerst blühen Birke, Erle, Hasel. Das beginnt bereits im Jänner oder Februar. Dann kommen eben die Gräserpollen und schließlich die Spätblüher - das sind hauptsächlich Kräuter. Ihre Blütezeit beginnt im August und geht bis in den Oktober. Der klassische Allergiepatient hat Heuschnupfen und verzeichnet im Frühsommer den Höhepunkt seiner Beschwerden. Es gibt natürlich auch Patienten, die gegen mehrere Pollenquellen allergisch sind.

Frage: Woran erkennt man eine Allergie?

Ebner: Viele Menschen haben zunächst unklare Beschwerden an den Schleimhäuten, z.B. tränende Augen oder eine blockierte Nase, die sie zunächst für einen Infekt oder für eine untypisch verlaufende Grippe ohne Fieber halten. Fieberfreiheit ist typisch für Allergien.

Frage: Müssen allergische Symptome immer behandelt werden?

Ebner: Es gibt ganz leichte Allergien, die kaum Probleme machen und fast nicht behandelt werden müssen. Und es gibt solche mit schwersten Symptomen, etwa Asthma- und Erstickungsanfällen, die zu Spitalsaufenthalten führen können. Man sollte grundsätzlich wissen, worauf man allergisch ist. Denn die wichtigste Maßnahme der Therapie ist die Allergenkarenz, also das Meiden des Allergieauslösers. Das ist aber unmöglich, wenn man den Auslöser nicht kennt.

Frage: Sie raten bei allergischen Symptomen also immer zum Allergietest?

Ebner: Bei Symptomen wie Juckreiz, Hautausschlägen, Schnupfen, Atemnot oder Nahrungsmittelunverträglichkeit sollte man diesen Test machen. Um die Frage zu klären, ob ein allergisches Geschehen vorliegt oder nicht. Wenn Allergien unzureichend oder nicht behandelt werden, verschlechtern sie sich eher. Man muss damit rechnen, dass sich irgendwann Symptome an den Bronchien dazugesellen. Husten bei körperlicher Anstrengung wäre ein mögliches Folgesymptom. Daraus kann sich durchaus Asthma entwickeln.

Frage: Wie oft passiert das?

Ebner: Fast jeder dritte Patient, der zunächst "nur" einen allergischen Schnupfen hat und nicht behandelt wird, entwickelt später Asthma. Das zeigen Studien.

Frage: Wie funktioniert ein Allergietest?

Ebner: Zunächst gibt es ein Gespräch mit dem Arzt. Der hört sich an, wie sich die Allergie äußert, welche Symptome der Patient hat, wann sie auftreten usw. Wichtig ist auch zu klären, ob es in der Familie Allergien gibt. Denn die Neigung zur Allergie ist vererbbar. Aus diesem Gespräch wird dann ein Diagnosekonzept erstellt. Dann folgt ein Hauttest, der beinahe schmerzlos ist. Dabei wird die oberste Hautschicht angeritzt, Extrakte unterschiedlicher Allergene werden auf diese Stellen aufgebracht. Wenn eine Allergie besteht, entsteht dort innerhalb von Minuten eine juckende Quaddel wie bei einem Insektenstich. Das vergeht nach einer Stunde wieder. Als nächstes wird normalerweise eine Blutabnahme gemacht. Im Labor wird dann gesichert, was sich im Hauttest und im Gespräch als verdächtig herauskristallisiert hat.

Frage: Wie wird die Allergie dann therapeutisch behandelt?

Ebner: Die Behandlung besteht aus drei Pfeilern: Die Meidung des Allergens, die medikamentöse Therapie und die grundlegende Immuntherapie. Die Allergenmeidung ist nicht immer möglich - etwa bei Pollen. Antiallergische Medikamente haben den großen Vorteil, dass sie ungefährlich und beinahe frei von Nebenwirkungen sind. Wenn man mit diesen beiden Maßnahmen gut zurechtkommt, ist eigentlich nicht mehr notwendig. Die nächste Stufe wäre die grundlegende Immuntherapie - also die Impf- oder Spritzenkur.

Frage: Wie funktioniert die Spritzenkur?

Ebner: Es ist ein immunologisches Prinzip, dass das Immunsystem gegen Stoffe eine gewisse Toleranz entwickelt, mit denen es die ganze Zeit konfrontiert wird. Der Patient bekommt also das verabreicht, worauf er allergisch ist. Mit dem Ziel, ihn dagegen tolerant zu machen. Man beginnt mit minimalen Dosierungen und steigert diese in langsamen Schritten bis zu einer Höchstdosis, die gut vertragen werden sollte. Diese Dosis wird dann monatlich gegeben. So wird das Immunsystem mit dem Allergieauslöser bekanntgemacht. Wenn dann zum Beispiel die Pollenbelastung auf den Patienten trifft, reagiert er weniger oder im besten Fall gar nicht mehr darauf.

Frage: Zu welcher Jahreszeit sollte man mit der Spritzenkur beginnen?

Ebner: Idealerweise im Herbst. Die intensivste Phase der Kur ist am Anfang, in dieser Zeit muss man wöchentlich zu Untersuchungen und zum Spritzen kommen. Die Höchstdosis wird zwei bis drei Jahre lang alle vier bis sechs Wochen gegeben.

Frage: Was kann man tun, um eine akute allergische Reaktion einzudämmen?

Ebner: Man sollte den Allergieauslöser meiden. Der Baumpollenallergiker wird den Wald und der Gräserpollenallergiker die Wiese meiden. Pollenallergiker sollten sich oft die Haare waschen und die Pollen regelmäßig von der Haut entfernen. In den frühen Morgenstunden sollte man die Fenster geschlossen halten, weil durch die thermischen Zusammenhänge zu dieser Zeit in Bodennähe die höchste Pollenkonzentration herrscht. Die Kleider sollte man nicht ins Schlafzimmer legen und regelmäßig waschen. Je nach Allergieform gibt es da diverse Tipps.

Frage: Sollten Pollenallergiker Sport im Freien meiden?

Ebner: Grundsätzlich ist Sport schon ein auslösender Faktor. Erstens tritt durch die körperliche Anstrengung eine gewisse vorübergehende Schwächung des Organismus ein. Zweitens vergrößert sich beim Sport der Atemumsatz, man atmet doppelt bis zehnmal so viele Pollen ein. Ein Gräserpollenallergiker kann sehr wohl im Wald laufen gehen. Denn das Laub hat einen gewissen Filtereffekt. Für Baumpollenallergiker ist das wiederum keine gute Idee...

Frage: Wo kann ich mich informieren, was gerade "fliegt"?

Ebner: Es gibt ausgezeichnete Informationsquellen im Internet - etwa die Webseite www.pollenwarndienst.at. Dort steht tagesaktuell, welche Pollen in der Luft sind.

Frage: Wie beeinflusst der Klimawandel die Ausbreitung bzw. den Verlauf von Allergien?

Ebner: Durch die Klimaerwärmung werden die Blütezeiten länger. Pollenallergiker, die gegen mehrere Pollen allergisch sind, haben fast schon eine Ganzjahresallergie. Das war früher nur bei Hausstaubmilben-, Nahrungsmittel- oder Tierhaarallergien so. Auch die Umweltverschmutzung dürfte eine Rolle bei Allergien spielen: Weil Pflanzen unter einem Selektionsdruck stehen, müssen sie mehr und aggressivere Pollen produzieren, um ihre Arterhaltung zu sichern.

Frage: Welche Urlaubsorte empfehlen Sie Allergikern?

Ebner: Große Höhe ist günstig, weil es ab 1.500 Metern keine Hausstaubmilben und praktisch keine Pollenbelastung mehr gibt. Auch das Meer ist gut, weil es durch die dortige Vegetation praktisch keinen Pollenflug gibt.

 

Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Lisa Mayr.

Dieses Interview wurde im Frühling 2009 geführt, die von Univ. Prof. Dr. Christof Ebner getätigten Aussagen sind nach wie vor gültig.

Zur Person: Univ. Prof. Dr. Christof Ebner leitet das Ambulatorium für Allergie und klinische Immunologie in Wien.

zur Website des Ambulatoriums

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.ch


Autoren:

Aktualisiert am:

Weitere Artikel zum Thema

Damit es für Allergiker im Urlaub zu keinen bösen Überraschungen kommt, müssen Medikamente und Allergiepass mit ins Gepäck.

zur Übersicht