Cotard-Syndrom (Nihilistischer Wahn, Nihilistische Depression, CS)

Personen, die am Cotard-Syndrom erkrankt sind, leiden häufig auch an Depressionen. (Jonathan Stutz / Fotolia)

Das Cotard-Syndrom ist ein Krankheitsbild, bei dem Betroffene die eigene Existenz oder das Vorhandensein bestimmter Körperteile bestreiten.

Derzeit wird das Syndrom nicht als eigenständige Erkrankung, sondern als Begleitstörung anderer psychischer Erkrankungen definiert. Es handelt sich um ein psychopathologisches Syndrom aufgrund einer schwerwiegenden Erkrankung des Gehirns oder einer körperlichen Erkrankung. Betroffene erleben in ihrer Wahnvorstellung einen erheblichen Leidensdruck.

Das Syndrom wurde im Jahr 1882 erstmals vom Pariser Psychiater Jules Cotard als „nihilistischer Wahn“ (délire de négation) beschrieben.

Symptome

Die Spannbreite der Wahnvorstellungen ist groß: Betroffene sind davon überzeugt, ihre Kräfte, ihren Verstand, ihre Gefühle oder auch Organe wie Magen, Darm oder Gehirn verloren zu haben. Im Vordergrund der Erkrankung steht jedoch das „Nichtsein“. Bei ausgeprägtem Cotard-Syndrom verneinen die Patienten die eigene Existenz, oft auch die Existenz der gesamten Welt. Sie sind mit großem Nachdruck der Überzeugung, tot zu sein und bereits zu verwesen. Auf Nachfrage geben sie häufig an, nur zum Schein zu existieren.

Ursachen der Erkrankung

Das Cotard-Syndrom tritt insgesamt sehr selten auf. Experten schätzen, dass rund 0,6% aller älteren Psychiatrie-Patienten entsprechende Merkmale aufweisen. Meist steht das Auftreten in Zusammenhang mit schweren Depressionen, bipolaren Störungen, Hirntumoren oder Persönlichkeitsstörungen.

+++ Mehr zum Thema: Depressionen +++

Wie bei vielen anderen psychiatrischen Erkrankungen sind die Ursachen noch nicht restlos geklärt. In einigen Studien konnte bei Betroffenen ein auffällig verminderter Stoffwechsel im Gehirn gefunden werden. Tritt die Erkrankung im Rahmen einer Schizophrenie auf, ist sie in der Regel nur von kurzer Dauer. Als Begleiterkrankung von Depressionen sind die Symptome meist sehr resistent und werden im Laufe der Erkrankung chronisch.

Je nach Grunderkrankung leiden Patienten mit Selbstverlust-Erfahrung in vielen Fällen auch unter weiteren Beschwerden:

  • depressive Verstimmung
  • Angst
  • Verzweiflung
  • Erregtheit
  • krankhafte Unruhe
  • Halluzinationen
  • paranoide Ideen
  • herabgesetztes Schmerzempfinden
  • Einengung der geistigen Fähigkeiten auf die Inhalte der Wahnvorstellung

+++ Mehr zum Thema: Psychische Erkrankungen bei Kindern +++

Therapie

Die Therapie des Cotard-Syndroms richtet sich nach der Grunderkrankung. Die Suizidgefahr ist – trotz der eigenen Überzeugung, bereits gestorben zu sein – hoch. Tritt die Erkrankung im Rahmen einer Schizophrenie auf, kann die übliche antipsychotische Medikation die Symptome deutlich lindern. Sowohl Antidepressiva als auch Neuroleptika haben sich als hilfreich erwiesen. Positive Erfahrungen gibt es auch mit Elektrokrampftherapien.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von netdoktor.ch


Autoren:

Medizinisches Review:
O. Univ. Prof. Dr.h.c. mult. Dr.med Siegfried Kasper
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der medizinischen Information:

Weitere Artikel zum Thema

Wenn man nicht mehr weiter weiß, kann ein Netz von Notrufnummern Hilfe bieten.

zur Startseite