Bronchitis, chronisch (Chronische Bronchitis, Bronchialkatarrh)

Chronische Bronchitis Behandlung
Es wird davon ausgegangen, dass zumindest zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den Industrienationen eine chronische Bronchitis haben. (Kamira / Shutterstock)

Eine Bronchitis ist eine Entzündung der Schleimhäute in den Bronchien, in jenem verzweigten Röhrensystem also, das die Atemluft in die Lungen leitet.

Kurzfassung:

  • Akute Bronchitis wird meist durch Viren verursacht und heilt in aller Regel auch ohne Behandlung binnen Tagen folgenlos ab, bei der chronischen Form hingegen sind die Bronchialschleimhäute dauerhaft entzündet.
  • Hauptursache für die chronische Form der Bronchitis ist das Rauchen.
  • Anzeichen für eine chronische Bronchitis sind Husten und Auswurf, die an den meisten Tagen während mindestens je drei Monaten in zwei aufeinander folgenden Jahren bestehen.
  • Die wichtigste Maßnahme nach der Diagnose "chronsiche Bronchitis" bei Rauchern ist der Rauchstopp.
  • Eine medikamentöse Therapie gibt es derzeit nicht.

Informationen auf dieser Seite:

Wer ist von einer chronischen Bronchitis betroffen?

Es wird davon ausgegangen, dass zumindest zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den Industrienationen eine chronische Bronchitis haben. Damit ist das Leiden die häufigste Erkrankung der Atmungsorgane überhaupt. 90 Prozent aller Menschen mit chronischer Bronchitis rauchen oder haben geraucht. Und von den rauchenden über 40-Jährigen hat die Hälfte eine chronische Bronchitis. 

Welche Ursachen hat eine chronische Bronchitis?

Häufigste Krankheitsursache ist das Rauchen. Je länger und je stärker eine Person raucht, desto wahrscheinlicher erkrankt sie an einer chronische Bronchitis. Dass auch Passivrauchen die Atemwegserkrankung auslösen kann, lässt sich bis dato noch nicht eindeutig belegen, doch die Hinweise darauf häufen sich. Insbesondere wenn Kinder Passivrauch ausgesetzt sind, kann dies ihre Bronchien nachhaltig schädigen.

Auch andere Schadstoffe in der Luft können zur Entstehung einer chronischen Bronchitis beitragen:

  • Dazu gehören Luftverunreinigungen, denen die meisten Menschen mehr oder minder ausgesetzt sind, etwa Industrieabgase, aber auch Schadstoffe, die vor allem an bestimmten Arbeitsplätzen vorkommen, beispielsweise Mineralstäube.
  • Auch große Hitze am Arbeitsplatz sowie ein kalt-feuchtes Klima sollen die Entstehung einer chronischen Bronchitis begünstigen.
  • Studien legen zudem nahe, dass es eine gewisse genetisch bedingte Anfälligkeit für die Atemwegserkrankung gibt. In sehr seltenen Fällen ist eine chronische Bronchitis Folge einer angeborenen Krankheit, beispielweise einer Mukoviszidose.

Akute Bronchitis ist nicht Ursache einer chronischen Bronchitis

Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht sind häufige akute Bronchitiden nicht Ursache für die chronische Form. Es ist wohl eher so, dass Menschen, bei denen Tabakrauch bzw. andere Schadstoffe den Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege beeinträchtigen, häufiger eine akute Bronchitis bekommen. Und zwar weil eingeatmete Krankheitserreger nur mehr unzureichend aus den geschädigten Atemwegen entfernt werden und daher eher eine Infektion auslösen können.

Welche Symptome treten bei einer chronischen Bronchitis auf?

Hauptsymptome einer chronischen Bronchitis sind:

  • Husten
  • Auswurf

Das Ausmaß der Beschwerden können jedoch sehr unterschiedlich sein. Üblicherweise husten die Betroffenen ein zähes bis schleimiges, weißliches Sekret ab ("Raucherhusten"). Danach sind sie oft für mehrere Stunden beschwerdefrei. Typisch ist das morgendliche Abhusten des über Nacht produzierten Schleims.

In der kalten Jahreszeit können sich die Beschwerden durch zusätzliche akute Atemwegsinfekte deutlich verstärken. In diesem Fall sprechen Medizinerinnen und Mediziner von einer "akuten Exazerbation" der Erkrankung.

Beschwerden ernst nehmen

Die Beschwerden bei einer chronischen Bronchitis entwickeln sich nicht von einem Tag auf den anderen, sondern über Monate oder Jahre. Gerade Raucher sollten regelmäßigen Husten unbedingt ernst nehmen - und fortan auf Zigaretten verzichten. Dadurch kann eine chronische Bronchitis zwar nicht unbedingt rückgängig gemacht, ihr weiteres Fortschreiten aber verhindert werden. Atemnot bei körperlicher Belastung ist schon ein Hinweis darauf, dass die chronische Bronchitis in eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) übergegangen ist.

Wie wird eine chronische Bronchitis diagnostiziert?

Patienten werden beim Arztbesuch gefragt, wann und wie oft der Husten auftritt und ob dabei ein Sekret ausgeschieden wird, vor allem aber nach Zigarettenkonsum und möglichen Schadstoffbelastungen am Arbeitsplatz.

Nach dem Gespräch erfolgt meist eine körperliche Untersuchung. Unter anderem wird dabei die Lunge abgeklopft und mit dem Stethoskop abgehört. Sind die Atemwege verengt oder durch Schleim verlegt, kann sich dies durch Pfeif- oder Rasselgeräusche bemerkbar machen. Liegt bereits eine COPD mit Emphysem vor, werden Klopfschall und Atemgeräusche durch die Lungenüberblähung in charakteristischer Weise verändert.

Lungenfunktionsprüfung

Eine Lungenfunktionsprüfung gibt Auskunft über die Beschaffenheit und Leistungsfähigkeit von Atemwegen und Lunge.  Durch die Lungenfunktionsprüfung lässt sich unter anderem beurteilen, ob und wie sehr die Atemwege verengt sind. Allerdings fällt die Untersuchung bei einer einfachen chronischen Bronchitis meist relativ unauffällig aus. Beim Vorliegen einer COPD hingegen zeigen sich - je nach Schweregrad - oft deutlich veränderte Werte.

Blutuntersuchung

Eine Laboruntersuchung des Blutes kann Aufschluss darüber geben, wie stark die allgemeine Entzündungsaktivität im Körper ist und ob das Blut über die Lunge noch ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Lungenröntgen

Mittels Lungenröntgen lassen sich andere Erkrankungen, deren Beschwerden manchmal denen einer chronischen Bronchitis ähneln, ausschließen - etwa Tuberkulose oder Lungenkrebs.

Antibiogramm

Bei hartnäckigen oder schwer verlaufenden Infekten kann der Auswurf (Sputum) im Labor auf Keime untersucht werden. So lässt sich herausfinden, welcher Krankheitserreger den Infekt auslöst und welche Antibiotika gegen ihn wirken (Antibiogramm). Mit dieser Information lassen sich Bakterien gezielt medikamentös bekämpfen.

Bronchoskopie

In Einzelfällen kann auch eine Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) veranlasst werden. Dabei wird mit Hilfe eines beweglichen, schlauchartigen Instruments (Bronchoskop), das über Nase oder Mund in Luftröhre und Bronchien eingeführt wird, der Zustand der Atemwege beurteilt. Während dieser Untersuchung können auch kleine Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden.

Wie wird eine chronische Bronchitis behandelt?

Besonders wichtig bei einer chronischen Bronchitis ist es, dass die Bronchien vor schädlichen Einflüssen geschützt werden. Dazu gehört ein konsequenter und lebenslanger Verzicht auf Zigaretten. Auch Passivrauchen sollte möglichst gemieden werden. Durch das Vermeiden von schädlich Reizen ist eine einfache, also nicht-obstruktive Bronchitis in manchen Fällen noch rückgängig zu machen, in jedem Fall wird aber ein Fortschreiten der Bronchialschäden verhindert.

Derzeit gibt es keine Medikamente, durch die eine Verschlechterung der Lungenfunktion gebremst werden kann.

Rauchstopp

Unterstützung bei der Nikotinentwöhnung bieten sowohl Ärzte als auch Krankenkassen. Wie sehr sich der Rauchstopp lohnt, ist bald zu merken. Bereits vier Wochen nach der letzten Zigarette bessern sich die Symptome Husten und Auswurf merklich.

++ Mehr zum Thema: So erholt sich der Körper nach dem Rauchstopp ++

Vermeidung von Schadstoffen am Arbeitsplatz

Bei hoher Schadstoffbelastung oder extremen Temperaturen am Arbeitsplatz empfiehlt sich ärztliche Unterstützung (Betriebsärztin, Arbeitsmediziner). Einerseits kann versucht werden, die Luftqualität am Arbeitsplatz zu verbessern, andererseits können sich Arbeitnehmer oft durch relativ einfache Maßnahmen selbst vor schädlichen Stoffen schützen. Lässt sich die Schadstoffbelastung nicht wesentlich verringern, empfiehlt sich aus gesundheitlicher Sicht ein Arbeitsplatzwechsel.

Medikamente bei chronischer Bronchitis

Nach derzeitigem Wissensstand gibt es keine Medikamente, die eine Verschlechterung der Lungenfunktion wesentlich bremsen können, wenn die an einer chronischen Bronchitis erkrankte Person nicht mit dem Rauchen aufhört. Medikamentöse Maßnahmen eignen sich allerdings zur Linderung von Beschwerden und zur Behandlung akuter Exazerbationen.

Vor allem in den kühleren Monaten führen zusätzliche akute Atemwegsinfekte zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes. Wenn Bakterien an der akuten Entzündung der Schleimhäute beteiligt sind - was bei Menschen mit chronischer Bronchitis vergleichsweise häufig der Fall ist - kann die Einnahme von Antibiotika erforderlich werden. Zur Vorbeugung von akuten Exazerbationen sollte jährlich eine Impfung gegen Influenza erfolgen. Ebenso empfiehlt sich eine Pneumokokken-Schutzimpfung.

Hausmittel bei chronischer Bronchitis

Der häufig gegebene Ratschlag, bei chronischer Bronchitis viel zu trinken und regelmäßig mit Salzwasser zu inhalieren, schadet sicher nicht und kann das Abhusten des Schleims erleichtern. Wer zusätzlich mit ätherischen Ölen inhaliert, sollte vorsichtig dosieren, da diese in hohen Konzentrationen die Schleimhaut auch reizen können. Schleimlösende Mittel (Mukolytika, Expektorantien) sollten bei chronischer Bronchitis nur vorübergehend eingesetzt werden.

Bei fortgeschrittener Erkrankung können Klopfmassagen die Schleimlösung begünstigen. Eine spezielle Atemgymnastik kann die Atemnot insgesamt verringern helfen. Wird die Schleimproduktion als störend empfunden, kann beispielsweise regelmäßig durch einen Strohhalm in eine mit Wasser gefüllte Flasche ausgeatmet werden. Dadurch löst sich der Schleim und kann anschließend abgehustet werden.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Dr. Ralf Harun Zwick
Redaktionelle Bearbeitung:
Thomas Auinger

Stand der medizinischen Information:
Quellen

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Herold, Gerd: Innere Medizin. Eigenverlag 2010
Junqueira, Carneiro: Histologie. Springer-Verlag 2002
Klinke, Pape, Silbernagl: Physiologie. Georg Thieme Verlag 2005
Riede, Schäfer, Werner: Allgemeine und spezielle Pathologie. Georg Thieme Verlag 2004
Leitlinien der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und vom Kompetenzwerk CAPNETZ: Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen (akute Bronchitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Influenza und andere respiratorische Virusinfektionen) sowie ambulant erworbener Pneumonie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 082/001 (28. 06. 2005)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie: Diagnostik und Therapie von Patienten mit akutem und chronischem Husten. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 020/003 (September 2004)
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