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Chlamydieninfektion (Chlamydien)

Chlamydien - eine häufige Geschlechtskrankheit
Chlamydieninfektionen gehören zu den weltweit häufigsten Geschlechtskrankheiten. (dima_sidelnikov / Fotolia)

Chlamydien sind Bakterien, die im menschlichen Körper unterschiedliche Infektionen hervorrufen können. Üblicherweise wird jedoch mit dem Ausdruck „Chlamydieninfektion“ eine Geschlechtskrankheit bezeichnet, die häufig ohne erkennbare Symptome verläuft, unter Umständen aber dennoch ernsthafte Spätfolgen haben kann.

Kurzfassung:

  • Chlamydien zählen zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten weltweit.
  • Am häufigsten betroffen sind junge Menschen zwischen 15 bis 24 Jahren.
  • Eine Chlamydieninfektion verläuft häufig symptomlos.
  • Bei Nichtbehandlung kann es zu Entzündungen bis hin zur Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit kommen.
  • Chlamydien während der Schwangerschaft können schwerwiegende Komplikationen verursachen.
  • Die Diagnose erfolgt nach einem Abstrich.
  • Zur Behandlung von Chlamydien werden Antibiotika verwendet.

Übertragung von Chlamydien 

Der Erreger wird über sexuellen Kontakt (vaginaler, analer, oraler Verkehr) übertragen und verursacht die genitale Chlamydieninfektion. Sie gehört zu den weltweit häufigsten Geschlechtskrankheiten. 

Als Hochrisikogruppe für urogenitale Chlamydieninfektionen gelten junge Menschen in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen (42%), gefolgt von den 15- bis 19-Jährigen (31%). Frauen sind aufgrund ihrer Anatomie häufiger betroffen als Männer (1:0,7). 

Typische Symptome bei Chlamydien?

In rund 70% der Fälle verläuft eine Chlamydieninfektion ohne erkennbare Symptome. Wenn doch Beschwerden auftreten, äußern sich diese etwa ein bis drei Wochen nach der Ansteckung in Form von:

Symptome von Chlamydien
Frauen Männer
Juckreiz Juckreiz
Schmerzen beim Wasserlassen Brennen beim Wasserlassen
zähflüssiger, übelriechender Ausfluss wässriger oder schleimiger 
 Ausfluss
Zwischenblutungen Harnröhrenentzündung
Unterleibsschmerzen  

Chlamydien bei Frauen

Bei Frauen manifestiert sich eine Chlamydien-Infektion zunächst an der Gebärmutterhalsschleimhaut. Meist verläuft sie jedoch ohne Beschwerden, nur selten kommt es zu einem eitrigen, manchmal stark riechenden Ausfluss. Vom Gebärmutterhals kann die Infektion unbemerkt ins Innere der Gebärmutter aufsteigen.

Mögliche Folgen von Chlamydien ohne Behandlung

Die Folgen können Entzündungen und Verwachsungen der inneren Geschlechtsorgane (Endometritis, Salpingitis, Oophoritis) bis hin zum Verlust der Fruchtbarkeit sein. Urogenitale Infektionen sind einer der wichtigsten Gründe für extrauterine Schwangerschaften und ungewollte Kinderlosigkeit.

Erreichen die bakteriellen Erreger die Bauchhöhle, können Bauchfellentzündungen, Bauchwassersucht (Aszites) und Perihepatitis (Verwachsungsstränge zwischen Leberkapsel und Bauchfell) die Folge sein.

Chlamydien bei Männern

Genitale C.-trachomatis-Infektionen bei Männern äußern sich zunächst als Entzündung der Harnleiter, die bei rund der Hälfte der Betroffenen durch Druckgefühl und Brennen beim Wasserlassen auffällt. Bleibt die Infektion unbehandelt, können sich die Keime weiter ausbreiten und die Prostata, die Hoden und die Nebenhoden befallen.

Chlamydien im Mund, Rachen und Enddarm

Den sexuellen Gewohnheiten entsprechend können sich Chlamydien-Infektionen bei Männern und Frauen auch im Enddarm (Proktitis) oder im Bereich des Rachens (Pharyngitis) manifestieren. In manchen Fällen siedeln sich Chlamydien sogar in verschiedenen Gelenken an.

+++ Mehr zum Thema: Juckreiz im After +++

Chlamydien während der Schwangerschaft

Eine genitale Chlamydieninfektion während der Schwangerschaft erhöht das Erkrankungsrisiko für Mutter und Kind. Es gibt Hinweise für ein erhöhtes Risiko von Frühgeburten, vorzeitigem Blasensprung, kindlichem Untergewicht und weitern Schwangerschaftskomplikationen.

+++ Mehr zum Thema: Infektionen in der Schwangerschaft +++

Chlamydieninfektion bei Neugeborenen

Bei zwei Drittel der Schwangeren kommt es während des Geburtsvorgangs zu einer Infektion des Neugeborenen. Die Erreger werden beim Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal auf das Neugeborene übertragen. Eine Infektion des Kindes manifestiert sich entweder als Bindehautentzündung in der zweiten Lebenswoche oder als Lungen­entzündung  zwischen dem ersten und dritten Lebensmonat. In manchen Fällen zeigt sich zusätzlich eine Mittelohrentzündung.

Wie werden Chlamydien diagnostiziert?

Ein Chlamydien-Test wird in der Regel von einem Facharzt für Gynäkologie oder Urologie vorgenommen. Ein direkter Nachweis der Erreger im Harn weist auf eine frische Infektion hin. Sicherer und daher die Methode der Wahl ist die Untersuchung eines Zellabstriches aus dem Gebärmutterhals. Abhängig vom klinischen Bild können Abstriche auch aus der Harnröhre, der Scheide, dem Analkanal oder auch aus dem Rachen entnommen werden.

Nach Entnahme der Zellen und dem Ausstreichen auf einen Objektträger wird der Abstrich unter einem Mikroskop untersucht. Anschließend wird das Material auf einen Nährboden oder eine Nährlösung aufgetragen. Wenn eine Infektion vorliegt, bildet sich auf dem Nährboden eine Bakterienkultur.

Wann sollte ein Abstrich gemacht werden?

  • Alter unter 25 Jahren
  • neuer oder mehrere Sexualpartner
  • vordiagnostizierte sexuell übertragbare Infektion einschließlich behandelter Chlamydien
  • mittzyklische oder postkoitale Blutungen in der Mitte des Zyklus oder nach dem Geschlechtsverkehr
  • unklare Unterbauchschmerzen
  • eitriger Ausfluss
  • Zeichen eines Harnwegsinfekts

Bei Nachweis einer Chlamydieninfektion sollte grundsätzlich nach begleitenden weiteren sexuell übertragbaren Infektionen gesucht werden, da gleichzeitige Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae  (Gonorrhö, Tripper) häufig sind.

Wie werden Chlamydien behandelt?

Die Behandlung von einer Infektion mit Chlamydia trachomatis erfolgt durch die Einnahme von Antibiotika

Wie lange dauert eine Chlamydieninfektion

Chlamydieninfektionen können mit speziellen Antibiotika (Doxycyclin oder Tetracyclin) gut behandelt werden, die Heilungsrate bei rechtzeitigem Therapiebeginn ist sehr hoch.

In der Regel erfolgt die Behandlung über einen Zeitraum von 10–14 Tagen. Unter Umständen kann eine Therapiekontrolle nach etwa acht Wochen nötig sein.

Mitbehandlung des Partners entscheidend

Bei einer genitalen Chlamydieninfektion sollte auch bei den Sexualpartnern der letzten sechs Monate sowohl eine Diagnostik als auch eine Therapie durchgeführt werden. Während der Behandlung muss auf sexuelle Kontakte verzichtet werden.

Prävention

Die Maßnahmen der Prävention entsprechen den allgemeinen Grundsätzen der Verhütung sexuell übertragbarer Infektionen. Da die Übertragung genitaler Chlamydien-Infektionen beim Geschlechtsverkehr erfolgt, schützt das Benutzen von Kondomen. Es gilt zu beachten, dass Chlamydien nicht nur beim vaginalen Verkehr übertragen werden, sondern auch beim Oral- bzw. Analsex.

+++ Mehr zum Thema: Infektionsrisiko bei Oralsex +++

 

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. med. Eva Lehner-Rothe
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

S2K-Leitlinie „Infektionen mit Chlamydia trachomatis“, Stand 08/16; http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/059-005l_S2k_Chlamydia-trachomatis_Infektionen_2016-12.pdf (letzter Zugriff am 30.06.2017)

Robert-Koch-Institut: Ratgeber für Ärzte – Erkrankungen durch Chlamydia trachomatis; http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil1.html (letzter Zugriff am 03.07.2017)

Robert-Koch-Institut: Ratgeber für Ärzte – Erkrankungen durch Chlamydia psittaci, Chlamydia pneumoniae und Simkania negevensis; http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil2.html (letzter Zugriff am 03.07.2017)

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