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Borreliose (Lyme-Disease, Lyme-Borreliose)

Borreliose Zeckenbiss Bild
In bis zu 95% der Fälle beobachtet man eine kreisförmige Hautrötung. (06-22-09 © Heike Kampe / iStockphoto)

Borreliose bezeichnet eine primär durch Zecken übertragene bakterielle Infektionskrankheit, die insbesondere Gelenke, Haut und Nervensystem befällt.

Kurzfassung:

  •  Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung.
  • Typische Symptome einer Borreliose sind die ringförmige Hauterscheinung und grippeähnliche Beschwerden.
  • Die Borreliose verläuft in drei Stadien.
  • Die Diagnose wird klinisch aus dem Krankheitsbild heraus gestellt.
  • Borreliose wird mit Antibiotika behandelt.

Was ist Borreliose?

Borreliose, auch Lyme-Krankheit genannt, ist eine bakterielle Erkrankung, welche durch das namensgebende Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst wird. Von Borrelia burgdorferi werden in Europa fünf verschiedene Arten (Genotypen) unterschieden. Es lebt im Verdauungstrakt diverser Zeckenarten und wird durch den Stich der Zecke auf den Menschen übertragen. Andere Insekten wie Mücken oder Bremsen spielen für die Übertragung kaum eine Rolle.

Generell wird davon ausgegangen, dass für eine erfolgreiche Übertragung der Bakterien die Zecke mindestens 24 Stunden am Wirt Blut saugen muss. Im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die ebenfalls durch Zecken übertragen wird, gibt es für die Borreliose noch keinen zugelassenen Impfstoff. Die Erkrankung zeigt eine saisonale Häufigkeit im Sommer und Herbst. Einerseits weil die Temperaturen zu dieser Zeit die Aktivität der Zecken fördern (Lebenszyklus), andererseits weil sich mehr Menschen in der Natur aufhalten, verglichen mit den Winter- und Frühlingsmonaten.

Untersuchungen haben ergeben, dass geschätzte 30 Prozent aller Zecken mit Borrelia burgdorferi infiziert sind. Rund 10 Prozent der Österreicher werden pro Jahr von einer Zecke gestochen, bei mindestens 2 Prozent davon entwickelt sich im Zuge dessen eine Borreliose. Doch nicht jede infizierte Zecke führt auch zu einem Ausbruch der Erkrankung.

+++ Mehr zum Thema: Zeckenkrankheiten +++

Borreliose auf einen Blick

Erreger Borrelia burgdorferi
Übertragung Zeckenstich
Inkubationszeit wenige Tage bis zu 3 Wochen
Symptome
  • kreis- bzw. ringförmige Hauterscheinung
  • Schwäche
  • Kopfschmerzen
  • Muskel- & Gelenkschmerzen
  • Fieber
Verlauf 3 Stadien
Behandlung Antibiotika

Welche Symptome verursacht Borreliose?

Die Beschwerden bei Borreliose sind äußerst vielfältig und oftmals schwer mit dem ursächlichen Zeckenstich in Verbindung zu bringen. Dies liegt daran, dass die Inkubationszeit zwischen drei und 30 Tagen liegt. Des Weiteren werden verschiedene Stadien der Erkrankung unterschieden. Jedes der einzelnen Stadien kann sich mit voneinander abweichenden Symptomen präsentieren.

In bis zu 95 Prozent der Fälle beobachtet man eine kreisförmige Hautrötung. Diese ist im inneren heller, teils bläulich, und wird von einem äußeren roten Ring umrahmt (Erythema migrans bzw. Wanderröte). Der Begriff "migrans“ leitet sich aus dem Lateinischen ab und bezeichnet eine typische Eigenschaft dieses Erythems: Der rote Ring verändert im Krankheitsverlauf seine Größe und scheint zu wandern (er breitet sich kreisförmig aus). Auslöser ist eine lokale Entzündungsreaktion der Haut. Der Richtwert für die Größe dieser Hauterscheinung liegt bei ca. 5cm.

Weitere häufig beobachtete Symptome sind:

Die Erkrankung kann Organe wie z.B. Haut, Gelenke, Herz, Augen oder Nervensystem betreffen. Eine Borrelien-Arthritis (Gelenkentzündung) kann erst Monate bis Jahre nach einem Zeckenstich auftreten. Die Diagnosestellung erfolgt dementsprechend ebenfalls zeitverzögert.

+++ Mehr zum Thema: Entzündung +++

Wie verläuft die Borreliose?

Borreliose wird je nach klinischem Erscheinungsbild in drei Stadien eingeteilt, wobei diese Einteilung nicht bei allen Patienten anwendbar ist, weil atypische Verläufe sehr häufig vorkommen. Es kann in jedem Stadium der Infektion zu einem Stillstand der Erkrankung kommen, sogar bei Patienten, die keine Therapie erhalten. Ebenso können Stadien übersprungen werden, wenn die Infektion sich unbemerkt ausbreiten konnte und nicht von selbst zum Stillstand gekommen ist.

Stadium 1: Frühmanifestation

Charakteristisch sind das Erythema migrans und das Borrelien-Lymphozytom (blaurote Hautknoten). Zusätzlich leiden manche Patienten in diesem Stadium auch an grippeähnlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, leichtem Fieber, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen. Oft bildet sich eine kleine Blase an der Einstichstelle.

War der Zeckenstich am Kopf sind manchmal nur ein bis zwei rote Linien sichtbar, die sich über Gesicht, Hals oder Nacken ausbreiten und zunehmend verblassen. Vor allem Kinder werden häufig am Kopf gebissen (75 Prozent der Zeckenbisse bei Kindern erfolgen an dieser Körperregion), weshalb vor allem bei dichtem Haarwuchs ein Erythema migrans übersehen werden kann.

In seltenen Fällen entwickelt sich einige Wochen nach einem Zeckenbiss auch ein sogenanntes Borrelien-Lymphozytom, bevorzugt am Ohrläppchen, im Gesicht oder an der Brustwarze der betroffenen Patienten. Mikroskopisch bestehen diese Lymphozytome aus einer dicht gepackten Anzahl an speziellen Immunzellen (Lymphozyten). Typischerweise kommt es zusätzlich zu dieser Hauterscheinung auch zur Schwellung der regionalen Lymphknoten.

Stadium 2: Hämatogene Streuung

Im Stadium 2 der Borreliose (frühes disseminiertes Stadium) kommt es zur Ausbreitung der Infektion im befallenen Körperteil, auch entlang von Blut- und Lymphgefäßen in verschiedene Organe wie Nervensystem, Bewegungsapparat und Herz. Dieses Stadium tritt einige Wochen bis Monate nach der Infektion auf. Es ist oftmals von folgenden Symptomen begleitet:

Manchmal entwickeln sich, verstreut über den Körper, erneut Rötungen in Form mehrerer Erythema migrans Herde. Ein Befall des zentralen Nervensystems (ZNS) ist denkbar und geht mit Hirnhautentzündungen und/oder Paresen (Teilausfall) der Nerven einher (Meningoradikulitis Bannwarth). Eine Karditis mit/ohne AV-Block (Blockade des Atrioventrikularknotens) wird eher selten beobachtet.

Stadium 3: Spätmanifestation

Wird nur bei einer geringen Anzahl von Patienten mit Borreliose beobachtet. Das chronische Stadium einer Borreliose tritt Monate bis Jahre nach der Erstinfektion auf. Dabei können anfallsweise oder dauerhafte Gelenksentzündungen, sowie Hirn- und Nervenentzündungen auftreten. Der Befall, vorzugsweise der unteren Extremitäten, durch die Bakterien führt zu rötlich-bläulichen Verfärbungen der Haut mit nachfolgendem Gewebeverlust. Die Haut wird dünn und glänzend (Acrodermatitis chronica atrophicans).

Sehr selten treten im Spätstadium der Borreliose auch Schädigungen am Nervensystem auf. Die betroffenen Patienten können an unterschiedlichster Symptomatik wie Konzentrationsstörungen, Depressionen, motorischen bzw. sensiblen Nervenausfällen oder Lähmungen leiden. Ebenfalls möglich sind:

Die Ursache dieses Post-Lyme Syndroms ist nicht geklärt.

Sonderform Neuroborreliose

Beim Befall des Nervensystems durch Borrelia burgdorferi spricht man von der sogenannten Neuroborreliose. Sie tritt wenige Wochen nach der Infektion als milde Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Entzündung verschiedener Kopfnerven auf. Hierbei kann es dann zu ein- oder beidseitigen Gesichtslähmungen (Fazialisparesen) kommen, wobei Kinder davon etwas häufiger betroffen sind.

Bei Erwachsenen kommen zusätzlich auch sehr schmerzhafte Entzündungen der Nervenwurzeln an der Wirbelsäule (Radikulitis) vor. Dabei treten zuerst Schmerzen mit wechselnder Lokalisation auf, die nachts stärker werden. Die Schmerzen werden als brennend, bohrend oder reißend empfunden und sprechen nur wenig auf Schmerzmittel an.

Wie wird Borreliose diagnostiziert?

Der Arzt stellt die Diagnose "Borreliose“ vor allem klinisch, also aufgrund des Krankheitsbildes. Laboruntersuchungen werden nur bei Verdacht auf ein Spätstadium durchgeführt und nicht generell durchgeführt. Die antimikrobielle Therapie kann nicht mittels einer Borrelienserologie (Untersuchung des Serums auf Borrelien) kontrolliert werden.

Wie wird Borreliose behandelt?

Generell kann eine möglichst rasche Entfernung der Zecke empfohlen werden, um die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Infektion zu vermindern. Optimalerweise kommen hierfür Zeckenpinzetten zum Einsatz, mit deren Hilfe die Zecke behutsam aus der Haut gezogen wird. Drehen, sowie das Verwenden von Öl oder Klebstoff ist nicht empfehlenswert. Bei Kindern sollte zusätzlich immer der Kopf nach weiteren Zecken abgesucht werden.

Anschließend empfiehlt sich eine sechswöchige Begutachtung der Bissstelle. Die anfängliche Rötung bildet sich normalerweise nach einigen Tagen zurück. Sollte dies nicht passieren, die Rötung gar größer werden oder nach dem Verblassen erneut auftreten, besteht der dringende Verdacht auf ein Erythema migrans und damit eine Borrelien-Infektion.

Da es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit handelt, kommen in der Behandlung Antibiotika zur Anwendung. Je rascher diese eingenommen werden, desto besser wird eine weitere Verbreitung der Bakterien über den Blutkreislauf unterbunden. In Abhängigkeit der Symptome und Lokalisation entscheidet sich der Arzt für eine per orale (Tabletten) oder intravenöse Antibiose. Wirkstoff der ersten Wahl für die per orale Einnahme ist, ab einem Alter von neun Jahren, Doxycyklin. Doxyzyklin ist jedoch vor dem Erreichen des 9. Lebensjahres und in der Schwangerschaft kontraindiziert! Hier wird Amoxicillin der Vorzug gegeben. Intravenös wird vor allem auf Cephalosporine zurückgegriffen. Die Dauer der Therapie hängt dabei vom Stadium der Erkrankung ab. Es ist wichtig, dass die Dosierung ausreichend hoch und lange erfolgt, damit alle Bakterien abgetötet werden. Die Dauer kann insgesamt zwischen 14 und 21 Tagen betragen.

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. med. Florian Thalhammer
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

Deutsche dermatologische Gesellschaft (DDG). S2k-Leitlinie kutane Lyme-Borreliose, Stand 2016 (letzter Zugriff am 09.02.2021).

Rauer S, Kastenbauer S et al. S3-Leitlinie Neuroborreliose, Stand 2018 (letzter Zugriff am 09.02.2021).

Karow T and Lang-Roth R. Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, Auflage 29, 2021

Stanek G: Update Borreliose 2007. Antibiotika-Monitor 1/07, Klinisches Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, Abteilung Infektionsimmunologie, Medizinische Universität Wien

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Rabady S, Sönnichsen A: EBM-Guidelines Allgemeinmedizin – Evidenzbasierte Medizin für Klinik und Praxis, 5. Auflage 2011/12

Feder HM et al: A critical appraisal of chronic Lyme disease. N Engl J Med 2007; 357: 1422-1430October 4, 2007

Homepage der Oberösterreichische Gebietskrankenkasse (OÖGKK): „Zeckenschutz“. (Zugriff: Mai 2015)

Robert Koch Institut (2013): „Lyme-Borreliose - RKI-Ratgeber für Ärzte“. Berlin. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/merkblaetter_node.html (Zugriff: Mai 2015).

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