Bluthochdruck (Hoher Blutdruck, arterielle Hypertonie, Hypertension)

Blutdruck messen
Von einem erhöhten Blutdruck spricht man, wenn die gemessenen Werte wiederholt über 140/90 mmHg liegen. (bluecinema / iStockphoto)

Bluthochdruck ist eine ernst zu nehmende, aber in vielen Fällen vermeidbare Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt die Gefäße und begünstigt die Entstehung lebensbedrohlicher Folgeerkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Kurzfassung:

  • Ab Werten von über 140/90 mmHg spricht man von Bluthochdruck.
  • Bluthochdruck ist häufig vermeidbar.
  • Bluthochdruck verursacht über viele Jahre keinerlei Symptome.
  • Dauerhafter Bluthochdruck kann Schlaganfall und Herzinfarkt auslösen.

Inhalt:

Was ist Bluthochdruck?
Wann ist der Blutdruck zu hoch?
Einteilung der Blutdruckwerte
Ursachen
Symptome
Behandlung
Folgeerkrankungen

Von einem erhöhten Blutdruck spricht man, wenn die gemessenen Werte wiederholt über 140/90 mmHg liegen.

Was ist der Blutdruck?

Der Blutdruck ist jener Druck, der im Inneren der Blutgefäße herrscht. Um das Blut durch das gesamte Gefäßsystem zu pumpen – und auch die kleinsten Kapillaren zu erreichen –, benötigt das Blut einen gewissen Druck. Angetrieben vom Herzschlag, fließt das Blut jedoch nicht gleichmäßig, sondern in Wellen durch die Gefäße.

Der durchschnittliche Blutdruck eines gesunden Menschen liegt bei etwa 120/80 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Die erste Zahl bezeichnet dabei den systolischen, die zweite den diastolischen Blutdruck:

Systole - erster Wert
Als Systole wird jene Phase bezeichnet, in der sich die linke Herzkammer zusammenzieht und das Blut in die Hauptschlagader (Aorta) pumpt. Zugleich gelangt das Blut aus der rechten Herzkammer in den Lungenkreislauf. Zu diesem Zeitpunkt ist der Blutdruck am höchsten, in der Regel liegt er zwischen 110 und 130 mmHg.

Diastole - zweiter Wert
In der darauffolgenden Entspannungsphase (Diastole) erweitern sich die Herzkammern wieder, um neues Blut hineinströmen zu lassen. Währenddessen ist der Blutdruck am niedrigsten und liegt durchschnittlich bei 80 mmHg.

Der Blutdruck ist aber keine stabile Größe: Er schwankt im Tagesverlauf sowie in Abhängigkeit von der Leistung, die das Herz-Kreislauf-System gerade erbringen muss. So ist der Blutdruck in der Regel im Schlaf niedriger als tagsüber und in Ruhe niedriger als bei körperlicher Anstrengung. Kurzzeitig ansteigender Blutdruck, wie beispielsweise in Stresssituationen, ist völlig normal und gesundheitlich unbedenklich.

Wann ist der Blutdruck zu hoch?

Bluthochdruck bedeutet, dass das Blut mit zu hohem Druck gegen die Gefäßwände gepresst wird. Diese können dem Druck nicht dauerhaft standhalten, es kommt zu mikroskopisch kleinen Verletzungen und Entzündungen. An diesen Stellen lagern sich in der Folge vermehrt Kalk, Bindegewebe und Fette ab: Die Arterien werden immer enger und unelastischer (Arteriosklerose).

Mit der Zeit werden die betroffenen Organe zunehmend schlechter mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt; schlimmstenfalls kommt es zu einem vollständigen Verschluss der Gefäße. Ist dies im Gehirn der Fall, spricht man von einem Schlaganfall, den Verschluss der Herzkranzgefäße bezeichnet man als Herzinfarkt.

Einteilung der Blutdruckwerte

  Systolischer Wert Diastolischer Wert
Optimal < 120 < 80
Normal 120-129 80-84
Hoher Normalwert 130-139 85-89
Grad 1 140-159 90-99
Grad 2 160-179 100-109
Grad 3 > 180 > 110

Werte, die über dem hohen Normalwert liegen, werden als krankhaft eingestuft und sollen medikamentös behandelt werden, insbesondere dann, wenn eine Lebensstiländerung keine Erfolge gezeigt hat. 

Als Grad-1-Hypertonie wird leicht erhöhter Blutdruck bezeichnet. Grad-2-Hypertonie ist ein mittelgradig erhöhter Blutdruck und unter Grad-3-Hypertonie versteht man einen schwer erhöhten Blutdruck.

Wer ist von Bluthochdruck betroffen?

Jeder vierte Österreicher leidet unter Bluthochdruck, wobei die Erkrankung mit zunehmendem Alter häufiger auftritt. Bis zum 60. Lebensjahr sind Männer häufiger betroffen, nach den Wechseljahren steigt auch der Anteil betroffener Frauen. Das liegt vor allem daran, dass die weiblichen Geschlechtshormone einen gewissen Gefäßschutz bieten. Nach den Wechseljahren fällt dieser weg, das Risiko für Bluthochdruck und seine Folgeerkrankungen steigt.

Ursachen von Hypertonie

Prinzipiell werden zwei Formen von Bluthochdruck unterschieden:

  • Primäre oder essenzielle Hypertonie
  • Sekundäre Hypertonie

Primäre oder essenzielle Hypertonie

Dieser Form des Bluthochdrucks liegt keine organische Erkrankung zugrunde. Sie ist vielmehr die Folge eines ungesunden Lebensstils, wobei in manchen Fällen auch die genetische Veranlagung eine Rolle spielt.

Begünstigende Faktoren sind:

  • Übergewicht
  • Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Cholesterinwerte)
  • Übermäßiger Salzkonsum
  • Diabetes Typ 2
  • Erhöhte Harnsäurewerte
  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • Bewegungsmangel
  • Dauerhafter Stress

Rund 30% aller Bluthochdruck-Patienten leiden an Übergewicht. Die Entstehung von Bluthochdruck hängt stark mit dem individuellen Körperfettanteil und der Verteilung des Körperfetts zusammen: Personen vom „Apfeltyp“, bei denen sich das Fett hauptsächlich am Bauch sammelt (viszerales Bauchfett), haben ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als der „Birnentyp“, bei dem das Fett hauptsächlich an den Hüften sitzt.

Eine Störung des Fettstoffwechsels stellt für den Kreislauf eine enorme Belastung dar. Cholesterinablagerungen an den Gefäßwänden begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose, die wiederum der Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist.

Die WHO empfiehlt einen Salzkonsum von weniger als 5 Gramm pro Tag, der durchschnittliche tägliche Verbrauch liegt jedoch bei 10–12 Gramm. Eine überhöhte Salzzufuhr führt insbesondere bei empfindlichen Menschen (über 50% der Hypertonie-Patienten) zu einer Erhöhung des Blutdrucks. Auch hier spielt die genetische Veranlagung eine Rolle: Bei manchen Menschen ändert sich der Blutdruck auch bei deutlich erhöhter Salzzufuhr nicht.

Diabetes und Bluthochdruck sind eine gefährliche Kombination, da das gemeinsame Auftreten dieser beiden Erkrankungen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um ein Vielfaches erhöht.

Erhöhte Harnsäurewerte bewirken eine verstärkte Ausschüttung von Hormonen der Nebennierenrinde, die wiederum gefäßverengend wirken und auf diese Weise den Blutdruck steigern.

Nikotin führt zu einer leichten Erhöhung des Blutdrucks. Zudem zählt Rauchen zu den Hauptrisikofaktoren für Arteriosklerose.

Sekundäre Hypertonie

Bei bis zu 15% aller Bluthochdruck-Patienten liegt eine sogenannte sekundäre Hypertonie vor – sie tritt infolge einer anderen Grunderkrankung auf. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Nierenerkrankungen wie Nephritis, Nierenarterienstenose
  • Hormonelle Störungen wie Erkrankungen der Nebenniere
  • Angeborene Verengung der Hauptschlagader
  • Schlafapnoe-Syndrom

Zusätzlich kann sich eine sekundäre Hypertonie auch nach der Einnahme bestimmter Medikamente (Verhütungsmittel, Kortikosteroide) sowie im Rahmen einer Schwangerschaft (Präeklampsie) entwickeln.

Symptome von einem zu hohen Blutdruck

Bluthochdruck ist in den meisten Fällen nicht zu spüren und bleibt daher oft über viele Jahre unbemerkt. In den ersten Jahren zeigen Betroffene üblicherweise keinerlei Symptome.

Nur sehr selten – bei besonders schwerwiegenden und plötzlichen Blutdruckanstiegen (Blutdruckkrise) – treten folgende Warnsignale auf:

Dabei handelt es sich um einen medizinischen Notfall, der ein sofortiges ärztliches Eingreifen notwendig macht.

+++ Mehr zum Thema: Wie wird Bluthochdruck diagnostiziert? +++

Behandlung: Was tun bei Bluthochdruck?

Nach der Diagnose Bluthochdruck sollte eine Änderung des Lebensstils vorgenommen werden. Dazu zählen eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten sowie mehr Bewegung. Der Arzt kann zusätzlich Medikamente zur Senkung des Blutdrucks verschreiben.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung von Bluthochdruck +++

Folgeerkrankungen von Bluthochdruck

Die Gefahr eines dauerhaften erhöhten Blutdrucks liegt in seinen zum Teil lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen.

Auswirkungen von Hypertonie auf das Herz

Das Herz reagiert auf dauerhaften Bluthochdruck mit Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, Herzversagen oder Herzinfarkt.

Studien zufolge sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar für die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich: Etwa zwei Drittel aller Schlaganfälle und die Hälfte aller Herzinfarkte lassen sich auf Bluthochdruck zurückführen.

Bluthochdruck erhöht das Schlaganfallrisiko

Ein vollständiger Verschluss eines oder mehrerer Blutgefäße im Gehirn mündet in einem Schlaganfall. Die Gefahr, einen solchen zu erleiden, ist bei Bluthochdruck-Patienten im Vergleich zu Menschen mit normalem Blutdruck um das Drei- bis Vierfache erhöht.

Nieren reagieren auf Hypertonie

Die Gesundheit der Nieren und die Höhe des Blutdrucks stehen in wechselseitiger Beziehung. Die Niere filtert nicht nur schädliche oder nicht verwertbare Substanzen aus dem Blut, sondern regelt unter anderem auch die Höhe des Blutdrucks. Gerade weil die Nieren von vielen kleinen Gefäßen durchzogen werden, wirkt sich eine Verkalkung (Arteriosklerose) der Nierengefäße besonders schlecht auf die Funktion der Niere aus.

Durchblutungsstörungen in den Beinen

Arteriosklerotische Veränderungen an den Extremitäten können zu starken Einengungen oder sogar zum kompletten Verschluss der Bein- und seltener der Armarterien führen. Sie äußern sich durch Schmerzen bis hin zu Taubheitsgefühlen sowie durch fehlenden Puls.

Hypertonie verursacht eine Verengung der Hals- und Kopfschlagader

Gleiches gilt für die Gefäße an den Hals- und Kopfarterien: Typisch für Bluthochdruck-bedingte Gefäßverengungen sind Bewegungs-, Sprach-, Empfindungs- und Wahrnehmungsstörungen sowie das Nachlassen der Leistungsfähigkeit des Gehirns.

Der Zusammenhang zwischen Sehstörungen und Bluthochdruck

Bluthochdruck greift die Gefäße an der Netzhaut an: Er führt zu Störungen der Versorgung mit Nährstoffen, zu Ablagerungen und zu Blutungen an der Netzhaut. Die Folge sind Sehstörungen bis hin zur Erblindung.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Ludwig Kaspar
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der Information: August 2018
Quellen

ESC Pocket Guidelines: Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie, 2013;
https://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/2014_Pocket-Leitlinien_Arterielle_Hypertonie.pdf (letzter Zugriff: 29.01.2018)

https://www.swissheart.ch/herzkrankheiten-hirnschlag/risikofaktoren/blutdruck/was-ist-bluthochdruck.html (letzter Zugriff: 29.01.2018)

Österreichische Apothekerkammer: Blutdruck – Neue Richtlinien, 2003; http://www.apotheker.or.at/Internet/OEAK/NewsPresse.nsf/1bd86a866fd269b5c1256d21002d53da/b4eddc64e4dcbdbec1256f2c005b8d8e (letzter Zugriff: 29.01.2018)

Webseite der WHO: Bluthochdruck, 2013; http://www.euro.who.int/de/about-us/whd/past-themes-of-world-health-day/world-health-day-2013-focus-on-high-blood-pressure/about-hypertension (letzter Zugriff: 29.01.2018)

Internisten im Netz: Bluthochdruck, 2017; https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/bluthochdruck/was-ist-bluthochdruck/ (letzter Zugriff: 29.01.2018)

Ärzteblatt.de, Europäische Hypertonie-Leitlinie 2018: Ein Spiegel der schwierigen Datenlage, 2018, https://www.aerzteblatt.de/archiv/198861/Europaeische-Hypertonie-Leitlinie-2018-Ein-Spiegel-der-schwierigen-Datenlage (letzter Zugriff am 28.08.2018)

 

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