Was bedeutet kontrolliertes Asthma?

Wenn das Asthma eines Patienten gut kontrolliert ist, können belastende Symptome am Tag und in der Nacht auf ein Minimum gesenkt werden.
Wenn das Asthma eines Patienten gut kontrolliert ist, können belastende Symptome am Tag und in der Nacht auf ein Minimum gesenkt werden. (Ridofranz / iStockphoto)

Die Diagnose Asthma bronchiale ist für viele Menschen zunächst eine Belastung. Doch es gibt heute gute Methoden, um den Krankheits- und Therapieverlauf zu kontrollieren und Betroffenen so ein ganz normales Leben zu ermöglichen.

Kurzfassung:

  •   Durch den Grad der Asthmakontrolle lassen sich bereits durchgeführte Asthmatherapien und auch der jeweilige Behandlungserfolg messen.
  • Verschlechterungen von Asthma können durch die Asthmakontrolle weitgehend verhindert werden.
  • Ein gut kontrolliertes Asthma zeichnet sich dadurch aus, dass tagsüber gar keine oder nur selten Beschwerden auftreten.
  • Die regelmäßige Beurteilung der Asthmakontrolle durch den Arzt ist wichtig, um die Behandlung entsprechend anzupassen.
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Bisher wurde Asthma anhand von Symptomen, der Beeinträchtigung der Lungenfunktion und des Ausmaßes der Atemwegsverengung eingeteilt. Diese Einteilung hat sich jedoch für die Verlaufskontrolle der Erkrankung nicht bewährt, da sie lediglich den Zustand eines Patienten, der bisher noch keine Asthmamedikamente eingenommen hat, festlegt. Durch den Grad der Asthmakontrolle lassen sich hingegen bereits durchgeführte Asthmatherapien und auch der jeweilige Therapieerfolg messen. Das ermöglicht es, den Krankheitsverlauf besser zu kontrollieren. Verschlechterungen der Erkrankung (sogenannte Exazerbationen) können dadurch weitgehend verhindert und die Lebensqualität von Asthmapatienten um ein Vielfaches verbessert werden.

+++ Mehr zum Thema: Schweregrade bei Asthma +++

Wie lässt sich der Grad der Asthmakontrolle bestimmen?

Der "Grad der Asthmakontrolle" ergibt sich aus unterschiedlichen Parametern und wird in drei Stufen eingeteilt:

  • kontrolliertes Asthma
  • teilweise kontrolliertes Asthma
  • unkontrolliertes Asthma

 

kontrolliertes Asthma

teilweise kontrolliertes Asthma

unkontrolliertes Asthma

Symptome tagsüber

Erwachsene: seltener als zweimal pro Woche

Erwachsene: Öfter als zweimal pro Woche

mehr als drei Kriterien innerhalb einer Woche werden erfüllt

Kinder: nein

Kinder: ja

Einschränkungen der körperlichen Aktivität

nein

ja

nächtliche Symptome bzw. Erwachen

nein

ja

benötigte Notfallmedikation

Erwachsene: seltener als zweimal pro Woche

Erwachsene: öfter als zweimal pro Woche

Kinder: nein

Kinder: ja

Lungenfunktion (FEV1 oder PEF) *

normal

< 80% des Sollwertes oder des persönlichen Bestwertes

Exazerbation

nein

eine oder mehrere pro Jahr

eine  innerhalb einer Woche

* FEV1 und Peak Flow = Parameter für die Lungenfunktion, die das Ausmaß der Verengung der Bronchien widerspiegeln:

·         FEV1 = Ein-Sekunden-Kapazität: d.h. die größtmögliche Menge an Luft, die man innerhalb einer Sekunde ausatmen kann

·         Peak Expiratory Flow (PEF): gibt die maximale Ausatmungsgeschwindigkeit einer Person an

Die Angaben beziehen sich jeweils auf eine Woche innerhalb der letzten vier Wochen und werden von den Betroffenen anhand eines Fragebogens beantwortet. Das regelmäßige Führen eines Beschwerdetagebuchs kann für Arzt und Patient bei der Beurteilung dieser Fragestellungen hilfreich sein.

Außerdem werden in der Praxis häufig  Fragebögen zur Beurteilung der Asthmakontrolle herangezogen. Dieses Instrument hilft dem Arzt, die Asthmakontrolle des Patienten besser einschätzen zu können.

Fragebogen zur Asthmakontrolle

Mehr als 2x pro Woche während des Tages kommt es zu Symptomen wie Atemnot, Husten, Kurzatmigkeit und/oder vermehrte Schleimproduktion

О

Einschränkungen durch die Erkrankung bei Aktivitäten im Alltag wie Stiegen steigen, Radfahren, Einkaufen

О

Auftreten von nächtlichen Symptomen und/oder Erwachen aufgrund der Symptome wie Atemnot, Husten etc.

О

Verwendung des Notfallsprays (Bedarfsmedikation) mehr als 2x pro Woche

О

Quelle: Modifizierteer Fragebogen aus den Gina Guidlines 2017

Die Asthmakontrolle wird anhand der ermittelten Punkte folgendermaßen beurteilt:

  • 0 (nichts davon trifft zu) = gut kontrolliert
  • 1-2 Punkte treffen zu = teilweise kontrolliert
  • 3-4 Punkte treffen zu = nicht kontrolliert

Was lässt sich mit dem Grad der Asthmakontrolle bestimmen?

Anhand der Parameter kann nicht nur beurteilt werden, wie gut die Symptome derzeit unter Kontrolle sind, sondern auch, wie hoch das Risiko dafür ist, dass in Zukunft (erneut) Verschlechterungen des Zustands auftreten. So wird das Risiko für Exazerbationen beispielsweise erhöht, wenn der Betroffene unter psychischen Problemen oder Begleiterkrankungen wie Übergewicht oder allergischem Schnupfen leidet oder wenn er raucht. Auch die Beurteilung dieses Risikos fließt in den Grad der Asthmakontrolle ein. Durch die Angaben bzw. den ermittelten Grad der Kontrolle kann der Therapieerfolg beurteilt werden und in den Behandlungsplan einfließen.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung von Asthma +++

Was versteht man unter einem gut kontrollierten Asthma?

Ein gut kontrolliertes Asthma zeichnet sich dadurch aus, dass tagsüber gar keine oder nur selten Beschwerden auftreten. In der Nacht sollte der Patient beschwerdefrei (z.B. ohne Atemnot) sein. Auch bronchienerweiternde Medikamente wie Asthmasprays kommen im Idealfall nicht zum Einsatz. Zudem sollten körperliche Aktivitäten wie Radfahren oder Laufen uneingeschränkt möglich und die Lungenfunktion nicht beeinträchtigt sein.

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Wie wird das Asthma kontrolliert und behandelt?

Die regelmäßige Beurteilung der Asthmakontrolle durch den behandelnden Arzt ist wichtig, um die Therapie entsprechend anpassen zu können.  Die medikamentöse Behandlung von Asthma erfolgt nach einem Stufenschema. Jede Therapiestufe entspricht einer bestimmten Kombination von Medikamenten, insgesamt gibt es fünf Stufen. Je nach Grad der Asthmakontrolle wird die Behandlung an die entsprechende Therapiestufe angepasst, wobei das Ziel ist, immer die geringst mögliche Dosis an Medikamenten zu wählen, mit der die Symptome gut kontrolliert werden können.

Um das Asthma zu kontrollieren, muss außerdem eine gezielte und regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente erfolgen. Diese lindern Entzündungsreaktionen an den Bronchien und erweitern die Bronchien (z.B. durch Asthmasprays) bei Bedarf. Die Dosierung und Wirkstoffe können während der Asthmakontrolle im Verlauf der Erkrankung variieren, da sie immer an den Erkrankungszustand des Patienten angepasst werden müssen. Die Patienten lernen zudem, Warnsignale des Körpers zu erkennen und bei Verschlechterungen richtig zu reagieren. Außerdem ist es Betroffenen möglich, ihren Peakflow – also die maximale Ausatmungsgeschwindigkeit – mit einem einfachen Lungenfunktionsgerät selbst regelmäßig (am besten täglich) zu kontrollieren. Dadurch lässt sich die richtige Medikamenteneinstellung zusätzlich optimieren.

+++ Mehr zum Thema: Leben mit Asthma +++

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der Information: April 2018
Quellen

Global Initiative for Asthma (2016): Global Strategy for Asthma Management and Prevention; http://ginasthma.org/wp-content/uploads/2016/09/WMS-German-Pocket-Guide-GINA-2016-1.pdf (Online, zuletzt: 05.04.2018)

Rothe T: Asthma-Phänotypen und die Phänotyp-spezifische Therapie. Praxis – Die Schweizer Fortbildungszeitschrift für Ärzte 2013; 102(4): 211-218

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma – Langfassung. 2. Auflage, Version 5/2009; zuletzt geändert: August 2013 http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/asthma/asthma-2aufl-vers5-lang.pdf (Online, zuletzt: 05.04.2018)

Herold G: Innere Medizin 2015 – eine vorlesungsorientierte Darstellung. Eigenverlag, Köln 2014

Pohl W, Petrovic M: Asthma bronchiale. Österreichische Ärztezeitung Nr. 22; 25. November 2011

Gina-Guidlines 2017 http://ginasthma.org/ (Online, zuletzt: 05.04.2018)

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