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Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom, Bauchspeicheldrüsen-Tumor, Pankreaskrebs)

Pankreaskrebs verursacht erst spät Symptome
Zu den häufigsten Symptomen eines Tumors der Bauchspeicheldrüse zählen Bauchschmerzen und Übelkeit. Diese unspezifischen Beschwerden lenken den Verdacht jedoch oft nicht sofort auf eine Krebserkrankung. (Chinnapong / iStockphoto)

Bauchspeicheldrüsenkrebs bezeichnet bösartige Tumoren der Bauchspeicheldrüse. Die Beschwerden sind oft sehr lange uncharakteristisch und treten zumeist erst bei fortgeschrittener Erkrankung auf.

Kurzfassung:

  • Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) zählt zu den aggressivsten Tumorformen.
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs wird meist erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, da die Beschwerden lange Zeit unspezifisch sind.
  • Wird der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt und kann operativ komplett entfernt werden, ist eine vollständige Heilung möglich.
  • Häufige Symptome sind Schmerzen im Oberbauch, Verdauungsstörungen, Gewichtsverlust und Gelbsucht (= Warnsignale).

 


(netdoktor.at/Katharina Summer/IStockphoto / iStockphoto)

Die Bauchspeicheldrüse ist bei Erwachsenen etwa 15–20 cm lang. Sie liegt direkt hinter dem Magen und erfüllt zwei wichtige Aufgaben: Der endokrine Teil produziert Hormone (z.B. Insulin), die den Blutzuckerspiegel regeln. Der exokrine Teil ist für die Produktion von enzymhaltigen Verdauungssäften zuständig. In beiden Bereichen können Tumoren entstehen:

  • Exokrine Pankreastumoren: Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs handelt es sich in den meisten Fällen um exokrine Pankreastumoren. 95% aller Bauchspeicheldrüsenkarzinome entstehen aus Zellen des exokrinen Teils, größtenteils aus dem Gangsystem.
  • Endokrine Pankreastumoren sind relativ selten. Bei vielen Betroffenen sind diese Tumoren gutartig, verursachen jedoch häufig belastende Beschwerden.

Wie entsteht Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Trotz intensiver Forschung ist die Ursache von Bauchspeicheldrüsenkrebs bisher nicht bekannt. Es konnten allerdings verschiedene Risikofaktoren definiert werden:

  • Rauchen
  • hoher Alkoholkonsum
  • häufiger Kontakt mit bestimmten Schadstoffen (z.B. Pflanzenschutzmittel, Lösungsmittel)
  • Übergewicht
  • genetische Faktoren
  • chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
  • schleimbildende Zysten der Bauchspeicheldrüse

+++ Mehr zum Thema: Bauchspeicheldrüsenentzündung +++

Wer ist besonders von Bauchspeicheldrüsenkrebs betroffen?

Bauchspeicheldrüsenkrebs tritt bei Männern und Frauen etwa gleich häufig auf. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter: Etwa 80 % der Patienten sind zwischen 50 und 80 Jahre alt.

Welche Symptome treten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs auf?

Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden. Unter anderem kommt es zu folgenden Symptomen:

  • Gewichtsverlust
  • Schmerzen im Oberbauch oder Rücken, oft gürtelförmig ausstrahlend
  • Gelbsucht
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall

Für die frühe Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs ist es wichtig, diese Symptome als Warnsignale ernst zu nehmen und bei anhaltendem Auftreten von mehreren Symptomen über mehrere Wochen eine diesbezügliche Abklärung durchzuführen. Bei Gelbsucht alleine ist eine sofortige Abklärung notwendig.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Weil die Symptome oft sehr lange Zeit unspezifisch sind, wird die Diagnose meist erst sehr spät gestellt. Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs kann mit mehreren Untersuchungen erfolgen. Folgende Verfahren kommen zum Einsatz:

Bei unklarem Befund in den bisherigen Untersuchungen oder zystischen Veränderungen in der Bauchspeicheldrüse notwendig sind:

  • Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Endosonografie (Gastroskopie mit Ultraschall der Bauchspeicheldrüse durch die Magenwand)

Mithilfe der Endosonografie können Gewebeproben (Biopsie) aus dem Tumor entnommen werden. Dies ist besonders bei einem unklaren Befund wichtig oder wenn eine Chemotherapie oder Bestrahlung verabreicht werden soll.

+++ Mehr zum Thema: Ultraschall +++


Welche Stadien gibt es bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Stadium I

Der Tumor beschränkt sich auf die Bauchspeicheldrüse; andere Organe sind nicht betroffen.

Stadium II

Der Tumor betrifft die Bauchspeicheldrüse und angrenzendes Gewebe.

Stadium III

Bauchspeicheldrüse, angrenzendes Gewebe und benachbarte Lymphknoten sind befallen.

Stadium IV

Der Tumor hat gestreut, Metastasen in anderen Organen sind vorhanden.


Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt?

Die Behandlung hängt von der Tumorart, dem Erkrankungsstadium und dem Gesundheitszustand des Patienten ab. Eine Heilung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist nur dann möglich, wenn der Tumor komplett operativ entfernt werden kann. Andere Therapiemöglichkeiten wie Bestrahlung und Chemotherapie dienen vor allem dazu, den Tumor vor einer geplanten Operation zu verkleinern, das Tumorwachstum zu stoppen oder Beschwerden zu lindern.


Operation

Bei kleinen Tumoren, die auf die Bauchspeicheldrüse beschränkt sind, ist die Operation mit kompletter Entfernung des erkrankten Gewebes die einzige Behandlungsmethode mit Chance auf Heilung. Je nachdem, wo der Tumor lokalisiert ist, werden unterschiedliche Operationen durchgeführt:

  • Bauchspeicheldrüsenkopf: "Whipple-Operation" (partielle Duodenopankreatektomie); dies bedeutet die Entfernung von Bauchspeicheldrüsenkopf, einem Teil des Gallenganges, Gallenblase und Zwölffingerdarm. Ursprünglich wurde bei dieser Operation auch ein Teil des Magens (inkl. Magenpförtner = "Pylorus") entfernt. Heute wird der Pylorus meistens erhalten. Nach der Resektion erfolgt eine Rekonstruktion des Sekretabflusses durch Verbindungen ("Anastomosen") zwischen Dünndarm und Bauchspeicheldrüse, Dünndarm und Gallengang sowie Dünndarm und Magen. Der Körper gewöhnt sich überraschend gut an die veränderten Verhältnisse der Sekretabflüsse, sodass Essen und Verdauung bald wieder wie gewohnt funktionieren.
     
  • Bauchspeicheldrüsenkörper/-schwanz: "Pankreaslinksresektion" oder "distale Pankreasresektion" bedeutet Entfernung der Bauchspeicheldrüsenabschnitte links der Blutgefäßachse. Dabei richtet sich das Ausmaß der Entfernung nach dem Tumorbefall. Entweder wird nur der Bauchspeicheldrüsenschwanz entfernt oder auch der Körper der Bauchspeicheldrüse. Jedenfalls wird immer auch die Milz mitentfernt ("Splenektomie"), weil die Tumorausbreitung entlang der Blutgefäße der Milz erfolgt und diese daher mitentfernt werden müssen. Nach einer Pankreaslinksresektion ist keine Rekonstruktion notwendig, jedoch Impfungen zur Vorbeugung bakterieller Infektionen nach Splenektomie (Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Meningokokken) und saisonale Impfung gegen Influenza.
     
  • Manchmal ist eine komplette Entfernung der Bauchspeicheldrüse (totale Duodenopankreatektomie) notwendig. Dabei werden die gesamte Bauchspeicheldrüse, ein Teil des Gallenganges, Gallenblase und Zwölffingerdarm sowie die Milz entfernt. Nach der Resektion erfolgt eine Rekonstruktion des Sekretabflusses durch Anastomosen zwischen Dünndarm und Gallengang sowie Dünndarm und Magen.

Im Zuge einer Bauchspeicheldrüsenoperation wegen Krebs oder dessen Vorstufen werden auch Lymphknoten und Bindegewebe aus der Umgebung der Bauchspeicheldrüse entfernt, um damit die regionale Ausbreitung der Krebszellen entlang der Lymphstationen, Blutgefäße und Nerven mitzubehandeln. Weiters werden in einer "Gefrierschnitt"-Untersuchung die Resektionsränder am Operationspräparat noch während der Operation in der Pathologie auf Krebszellen untersucht, um bei Vorhandensein an dieser Stelle eine Nachresektion durchzuführen.

Aufgrund von Tumorbefall sowie nach Entfernung von Teilen der Bauchspeicheldrüse können oft nicht mehr ausreichend Verdauungsenzyme und Hormone gebildet werden. Das kann zu Verdauungsstörungen und/oder erhöhtem Blutzucker (Diabetes mellitus) führen. In diesem Fall müssen Enzyme und Hormone (Insulin) dauerhaft in Form von Medikamenten zugeführt werden.


Chemotherapie

Die Chemotherapie kommt bei Bauchspeicheldrüsenkrebs in allen Stadien der Erkrankung zum Einsatz. Bei einem resektablen Tumor (d.h. die Erkrankung kann durch Operation wahrscheinlich geheilt werden) erfolgt sie im Anschluss an die Operation (adjuvant), um einen nachhaltigen Behandlungserfolg zu gewährleisten. Bei fortgeschrittenen Tumoren, die durch Operation nicht entfernt werden können, wird die Chemotherapie davor (neoadjuvant) verabreicht, um den Tumor zu verkleinern oder zumindest zu stabilisieren und anschließend eine komplette Entfernung durchzuführen. Besteht ein lokal weit fortgeschrittenes Erkrankungsstadium oder hat der Tumor in andere Organe wie Leber, Lunge oder Bauchfell gestreut und ist nicht mehr heilbar, erfolgt eine palliative Chemotherapie mit dem Ziel, das Leben zu verlängern und Beschwerden zu lindern.


Strahlentherapie

Mit der Strahlentherapie sollen vor allem Schmerzen, die durch einen Tumor oder Metastasen hervorgerufen werden, gelindert und die Lebensqualität gesteigert werden. Das Ziel der Strahlentherapie ist, Krebszellen zu zerstören und den Tumor im Wachstum zu hindern. Im letzten Jahrzehnt wurden die Bestrahlungstechniken soweit verfeinert, dass das Tumorgewebe gezielt mit relativ hoher Strahlendosis behandelt werden kann, ohne die umgebenden Organe Magen, Zwölffingerdarm und Dickdarm zu schädigen. Dadurch kann die Strahlentherapie nun auch zusammen mit Chemotherapie bei lokal fortgeschrittenen, potenziell resektablen Tumoren zur Verkleinerung vor einer Operation eingesetzt werden.


Targeted Therapies (zielgerichtete Therapien)

Zielgerichtete Therapien wirken gezielt gegen bösartiges Gewebe und verschonen gesundes Gewebe weitgehend. Die Substanzen, die dabei zum Einsatz kommen, wirken auf die Schlüsselprozesse in Zellen, die bei einer Krebserkrankung gestört sind – so können sie beispielsweise die Blutversorgung des Tumors unterbinden oder die Signalübertragung zwischen Tumorzellen hemmen. Der große Vorteil der Targeted Therapies gegenüber der Chemo- oder Strahlentherapie ist, dass sie fast nur Krebszellen angreifen. Bis zur Anwendung in der klinischen Routine bedarf es aber noch zahlreicher Studien zur Abschätzung der Wirksamkeit.


Palliativtherapie

Wenn der Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits so weit fortgeschritten ist, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist, kommt die Palliativtherapie zum Einsatz. Sie hat das Ziel, Schmerzen und Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.


Unterstützung bei und nach der Krebstherapie

Psychotherapie und Selbsthilfegruppen können unterstützend dazu beitragen, die Krankheit seelisch zu verarbeiten. Nach der abgeschlossenen Krebsbehandlung kann die onkologische Rehabilitation dem Patienten helfen, wieder in den Alltag zurückzufinden.


Wie ist die Prognose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Die Prognose hängt vom Krankheitsstadium und der Art der Krebszellen ab. Aufgrund später und unspezifischer Symptome wird die Erkrankung meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Die Operation, sofern möglich, stellt bei Bauchspeicheldrüsenkrebs die einzige Methode mit potenzieller Heilungschance dar. Heute werden verschiedene Behandlungen gleichzeitig (Chemotherapie und Bestrahlung) oder im Verlauf (Chemotherapie/Bestrahlung und anschließend Operation) angewandt, um Erkrankungen in einem fortgeschrittenen Stadium erfolgreich behandeln zu können.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Martin Schindl
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

 Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Bauchspeicheldrüsenkrebs; https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/krebs/bauchspeicheldruesenkrebs (letzter Zugriff: 14.12.2019)

Patientenleitlinie: Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse; https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Patientenleitlinien/Patientenleitlinie_Bauchspeicheldruese.pdf (letzter Zugriff: 14.12.2019)

Onkopedia: Pankreaskarzinom; https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/pankreaskarzinom/@@guideline/html/index.html (letzter Zugriff: 14.12.2019)

Deutsches Ärzteblatt, 14/2008: Bauchspeicheldrüsenkrebs – Heilungschancen minimal; https://www.aerzteblatt.de/archiv/59589/Bauchspeicheldruesenkrebs-Heilungschancen-minimal (letzter Zugriff: 14.12.2019)

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