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Eichelentzündung (Balanitis, Balanoposthitis)

Eichelentzündung
Schmerzen und Brennen sind typische Symptome einer Balanitis. (1173335878 / iStockphoto)

Bei der Balanitis handelt es sich um eine Entzündung im Bereich der Eichel (Glans penis). Ist die Vorhaut (Präputium) mitbetroffen, spricht man von einer Balanoposthitis. Die Behandlung erfolgt abhängig von der Ursache und der Ausprägung der Entzündung.

Kurzfassung:

  • Bei der Balanitis handelt es sich um eine Entzündung im Bereich der Eichel (Glans penis). 
  • Eine Balanitis kann unterschiedliche Ursachen haben.
  • Typische Symptome sind Schmerzen und Brennen, Rötung, Schwellung und Überwärmung. 
  • Die Behandlung einer Balanitis erfolgt abhängig von ihrer Ursache und der Ausprägung der Entzündung.

Die Balanitis bezeichnet eine Entzündung der Eichel (Glans penis). In den meisten Fällen ist auch die Vorhaut (Präputium) mitbetroffen, Mediziner sprechen dann von einer Balanoposthitis. Im normalen Sprachgebrauch werden beide Bezeichnungen oftmals gleichgesetzt.

Wie entsteht eine Balanitis?

Eine Balanitis kann unterschiedliche Ursachen haben:

1. Infektiöse Ursachen

Infektionen mit Hefepilzen (Candida), Bakterien (Streptokokken, Mykobakterien, Escherichia coli, Gardnerella vaginalis) oder Viren (Herpes genitalis, humane Papillomaviren)

  • Mangelnde Hygiene

Bei erwachsenen Männern ist eine Balanitis meist das Resultat mangelnder Intimhygiene. Durch eine ungenügende Reinigung der betroffenen Stellen kommt es zu einer vermehrten Ansammlung von Smegma, einer weißlich-gelblichen Substanz aus Talg und abgeschilferten Hautzellen. Diese bildet normalerweise einen Schutzfilm für die Eichel. Wird die Intimzone nicht täglich gereinigt, sammelt sich unter dem Präputium vermehrt Smegma an: Keime können sich in diesem Milieu besonders gut vermehren.

  • Im Rahmen einer Vorhautverengung (Phimose)

Eine Balanitis im Kindesalter entsteht oftmals infolge einer Vorhautverengung (Phimose). Ist die Vorhaut zu eng, lässt sie sich nicht ausreichend zurückstreifen. Die tägliche Reinigung ist damit erschwert, Infektionen der Eichel und der Vorhaut werden begünstigt. Auch erwachsene Männer mit Phimose können betroffen sein.

2. Nicht-infektiöse Ursachen

Eine Balanitis kann durch eine lokale Überempfindlichkeitsreaktion auf verschiedene Substanzen entstehen. Häufige Auslöser sind Seife, Ammoniak (in Windeln), Latex (in Kondomen), Waschmittel, Intimsprays oder spermienabtötende Gels (Spermizide).

  • Arzneimittelunverträglichkeit

Die Einnahme bestimmter Medikamente kann im Bereich des Penis zu allergischen Reaktionen (Arzneimittelexanthem) führen. Auslöser sind häufig Tetrazykline, Paracetamol, Phenolphthalein und Salicylate.

  • Mechanische Irritation (Sexualpraktiken, starkes Trockenreiben mit rauem Handtuch)
     
  • Übermäßige Intimhygiene (Reinlichkeitsbalanitis)

Übermäßige Reinlichkeit und/oder die Verwendung von alkalischen, stark entfettenden Seifen kann die Hautbarriere schädigen und damit Infektionen begünstigen.

  • Begleiterscheinung anderer Erkrankungen

In manchen Fällen entwickelt sich eine Balanitis im Rahmen anderer Grunderkrankungen, z.B. Psoriasis, Diabetes, Pemphigus vulgaris, Morbus Behçet oder Lichen planus. Auch bei älteren Männern mit Harninkontinenz tritt eine Balanitis häufiger auf.

Welche Symptome können auftreten?

Welche Beschwerden auftreten, hängt von der Ursache und der Ausprägung der Entzündung ab. Zu Beginn zeigen sich in der Regel die klassischen Symptome im Bereich der Eichel und der Vorhaut:

  • Schmerzen und Brennen
  • Rötung
  • Schwellung
  • Überwärmung

Formen der Balanitis

Balanitis simplex

Die Balanitis simplex ist die häufigste Form und entsteht meist plötzlich. Alle Altersgruppen können betroffen sein. Sie entsteht durch eine unspezifische Reizung (Bakterien, Pilze, Kontaktallergie, Atopische Dermatitis) und zeigt sich durch unscharf begrenzte Rötungen mit kleinen Knötchen und feinen, trockenen Schuppen an der Penishaut. Begleitet werden die lokalen Symptome von Juckreiz und Trockenheitsgefühl.

Balanitis plasmacellularis (Zoon-Krankheit)

Diese Form der Balanitis verläuft meist chronisch und tritt häufig zusammen mit Harninkontinenz auf. Aus diesem Grund sind meist ältere Männer (über 60 Jahre) betroffen, insbesondere Diabetespatienten mit geschwächter Immunabwehr.

Durch die Harninkontinenz entsteht ein permanent feuchtes Milieu im betroffenen Bereich: Die oberste Hautschicht quillt auf und verliert ihre schützende Funktion. Keime können sich stark vermehren und die gestörte Hautbarriere durchdringen.

Typisches Aussehen: scharf begrenzte, gerötete, feuchte und lackartig glänzende Hautveränderungen an der Penishaut

Balanitis xerotica obliterans (Lichen sclerosus)

Diese Form der Balanitis kommt hauptsächlich bei unbeschnittenen Männern über 60 Jahren vor. Typisch sind scharf begrenzte, porzellanweiße bis bläuliche Flecken auf der Eichel und der Vorhaut. Die Veränderungen führen häufig zu Narbenbildung und Schrumpfung der Haut und Vorhaut, welche bis zur Phimose führen kann. Zusätzlich bestehen oft Juckreiz und Schmerzen.

Ulzeröse Balanitis

Dabei handelt es sich um eine schwerwiegende, fieberhafte Erkrankung mit lokaler Lymphnotenschwellung. Sie ist charakterisiert durch stark schmerzende, offene, nässende oder trockene Geschwüre, die in der Regel durch gramnegative oder Gas bildende Bakterien hervorgerufen werden, insbesondere bei geschwächter Immunabwehr.

Wie wird eine Balanitis diagnostiziert?

In der Regel kann eine Balanitis im Rahmen der klinischen Untersuchung diagnostiziert werden. Bei fraglicher Ursache werden weitere Untersuchungen vorgenommen:

  • Mikrobiologische Untersuchung zum Nachweis von infektiösen Erregern
  • Abstrich und Untersuchung auf Bakterien, Pilze oder Viren
  • Urinuntersuchung: Test auf Vorhandensein von Glukose (Zucker) im Harn (insbesondere bei Verdacht auf Diabetes, Infektion mit Candida-Pilzen)
  • Biopsie bei Verdacht auf einen Tumor (Plattenepithelkarzinom des Penis)

Wie wird eine Balanitis behandelt?

Die Behandlung einer Balanitis erfolgt abhängig von ihrer Ursache und der Ausprägung der Entzündung.

Schmerzbehandlung

Orale Einnahme von Ibuprofen oder Paracetamol.

Sitzbäder

Sitzbäder oder Umschläge mit Gerbstoffen (Tannol) wirken entzündungshemmend, juckreizstillend und schmerzlindernd.

Lokale Behandlung mit Salben

Heilsalben und zinkhaltige Salben werden mehrmals täglich auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen.

Antibiotische Behandlung

Lokale antibiotische Therapie bei Nachweis einer bakteriellen Infektion; bei Fieber und Lymphknotenschwellung zusätzlich Antibiotika in Tablettenform.

Behandlung mit Kortisonsalben

Kurzzeitige lokale Behandlungen mit kortisonhaltigen Salben lindern den Juckreiz und die Entzündung.

Antimykotika

Pilzabtötende Salben nur nach Nachweis einer Pilzinfektion; gegebenenfalls Mitbehandlung des Partners.

Meiden des auslösenden Faktors

Ist der auslösende Faktor – bei Kontaktallergie, Allergie oder Medikamentenunverträglichkeit – bekannt, sollte dieser gemieden werden.

Behandlung der Grunderkrankung

Allgemeine Hygienemaßnahmen

Tägliche sorgfältige Reinigung der betroffenen Hautpartie (inkl. Zurückziehen der Vorhaut) mit lauwarmem Wasser und anschließender Trocknung. Verzicht auf alkalische Seifen. Gute Handhygiene, getrennte Handtücher und Hygieneartikel, regelmäßiges Wechseln der Unterwäsche, Vermeidung mechanischer Reize (zu enge Hosen, übermäßige Manipulation).

Operation

Bei therapieresistenter Balanitis kann eine operative Behandlung (Zirkumzision, Beschneidung) in Erwägung gezogen werden. Nach dem Eingriff heilt die Mehrzahl der Balanitiden vollständig und dauerhaft ab.

Allgemeiner Hinweis

Eine lokale Verwendung von Cremen und Salben kann die Reißfestigkeit und folglich die Sicherheit von Latex-Produkten (Kondome, Diaphragma) beeinflussen!

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. Christophe Eidler, FEBU
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Amboss – Fachwissen für Mediziner: Balanitis und Balanoposthitis, Stand 2019; https://www.amboss.com/de/wissen/Balanitis_und_Balanoposthitis (letzter Zugriff am 18.02.2020)

Apotheken Umschau: Balanitis, Stand 2013; https://www.apotheken-umschau.de/Balanitis (letzter Zugriff am 18.02.2020)

MSD Manual – Ausgabe für medizinische Fachkreise: Balanitis, Posthitis und Balanoposthitis, Stand 2017; https://www.msdmanuals.com/de/profi/urogenitaltrakt/penile-und-skrotale-krankheiten/balanitis,-posthitis-und-balanoposthitis (letzter Zugriff am 18.02.2020)

Urologielehrbuch.de: Balanitis; https://www.urologielehrbuch.de/balanitis.html (letzter Zugriff am 18.02.2020)

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