Vaginose (Aminkolpitis, bakterielle Vaginose, Gardnerellen-Infektion, BV)

Die Diagnose Vaginose wird in der gynäkologischen Praxis gestellt.
Die Diagnose Vaginose wird in der gynäkologischen Praxis gestellt. (YakobchukOlena / iStock)

Unter „bakterieller Vaginose“ versteht man eine Infektion der Scheide infolge eines Ungleichgewichts der Scheidenflora. Sie zählt zu den am häufigsten vorkommenden Scheideninfektionen: In Europa beträgt die Krankheitshäufigkeit zwischen 5% bei Frauen, die zur Vorsorgeuntersuchung kommen, und über 30% bei Frauen, die in einer Klinik für sexuell übertragbare Erkrankungen betreut werden. In der Schwangerschaft liegt die Häufigkeit zwischen 7% und 22%.

Kurzfassung:

  •  Eine Vaginose ist eine Infektion der Scheide infolge eines Ungleichgewichts der Scheidenflora.
  • Gardnerella vaginalis ist der am häufigsten gefundene Keim.
  • Die Hälfte der betroffenen Frauen bleibt gänzlich beschwerdefrei.
  • Treten doch Symptome auf, so kommt es zu einem grau-weißlichen Vaginalausfluss mit typisch fischartigem Geruch. 
  • Juckreiz und Hautrötungen sind nur selten.

Die gesunde Scheidenflora

Bei gesunden Frauen besteht die Scheidenflora hauptsächlich aus verschiedenen Arten von Milchsäurebakterien (Laktobazillen). Sie produzieren Milchsäure und sorgen so für ein saures Milieu in der Scheide (pH-Wert zwischen 3,8 und 4,4), in dem andere, krank machende Keime in der Regel nicht überleben können.

Darüber hinaus bilden manche Milchsäurebakterien noch weitere Stoffe, wie Wasserstoffperoxid oder Bacteriocine – diese hemmen zusätzlich das Wachstum konkurrierender Keime. Bei Frauen im gebärfähigen Alter bewirkt ein hoher Östrogenspiegel eine Verdickung der Schleimhaut, wodurch Keimen das Eindringen zusätzlich erschwert wird.

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Ursachen einer bakterielle Vaginose

Bei einer bakteriellen Vaginose gerät die gesunde Scheidenflora aus dem Gleichgewicht. Am Beginn der Erkrankung steht ein Rückgang der schützenden Laktobazillen. Warum es dazu kommt, ist nach wie vor ungeklärt. Einige Risikofaktoren stehen jedoch in Verdacht, den Rückgang der Laktobazillen zu begünstigen:

  • Sinkender Östrogenspiegel durch hormonelle Schwankungen
  • Geschlechtsverkehr
  • Monatsblutung
  • Medikamente wie Antibiotika oder Zytostatika
  • Übertriebene Intimhygiene
  • Psychosozialer Stress

In einem geschwächten Scheidenmilieu können sich krank machende Keime nahezu ungestört vermehren und ausbreiten. Im Falle einer bakteriellen Vaginose handelt es sich vorwiegend um anaerobe Bakterien, also Bakterien, die ohne Sauerstoff auskommen.

Der Erreger Gardnerella vaginalis

In 40% der Fälle wird eine bakterielle Vaginose vom Bakterium Gardnerella vaginalis verursacht, möglich ist jedoch auch eine Infektion mit anderen Bakterien, wie Haemophilus oder Mykoplasmen. Relativ häufig kommt es auch zu Mischinfektionen, bei denen zwei oder mehr Erreger, wie beispielsweise Bakterien und Pilze, an der Infektion beteiligt sind.

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Symptome einer bakteriellen Vaginose

Zu den typischen Symptomen einer bakteriellen Vaginose zählen:

  • Grau-weißer, dünner bis schaumiger Ausfluss, vor allem nach dem Geschlechtsverkehr
  • Fischartiger Geruch des Ausflusses
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Da es sich um keine Entzündung im eigentlichen Sinne handelt, sind Juckreiz und Hautrötungen im äußeren Scheidenbereich nur sehr selten.

Diese Symptome treten jedoch nicht bei allen erkrankten Frauen auf – rund die Hälfte der Patientinnen bleibt gänzlich beschwerdefrei.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Unter „bakterieller Vaginose“ versteht man eine Infektion der Scheide infolge eines Ungleichgewichts der Scheidenflora. 

Die Diagnose "bakterielle Vaginose" wird in der Regel vom Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe gestellt. Sie gilt als gesichert, wenn im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung drei der folgenden vier Befunde (sog. Amsel-Kriterien) erhoben werden:

  • Dünnflüssiger, homogener Vaginalausfluss
  • Fischgeruch des Ausflusses
  • pH-Wert der Scheide über 4,5
  • Mehr als 20% Schlüsselzellen („Clue Cells“) im Vaginalsekret: Dabei handelt es sich um typische, dicht mit Bakterien besetzte Zellen der Vaginalschleimhaut.

Komplikationen und Folgeerkrankungen

Eine bakterielle Vaginose erhöht das Risiko für andere gynäkologische Erkrankungen: Steigt die Infektion auf, können Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke, aber auch die Harnwege in Mitleidenschaft gezogen werden. Zudem ist die Empfänglichkeit für sexuell übertragbare Krankheiten, HIV oder Pelvic Inflammatory Disease (PID) erhöht.

Bei Schwangeren kann eine bakterielle Vaginose zu vorzeitigem Blasensprung, frühzeitigen Wehen oder einer Frühgeburt führen.

Behandlung der bakteriellen Vaginose

Die bakterielle Vaginose wird in der Regel medikamentös behandelt. Als Standardmittel wird das Antibiotikum Metronidazol eingesetzt, alternativ kann auch der Wirkstoff Clindamycin verabreicht werden.

+++ Mehr zum Thema: Antibiotika richtig einnehmen +++

Zum Wiederaufbau der Vaginalflora empfehlen Experten die intravaginale Verabreichung von Präparaten mit Laktobazillen, Milchsäure oder Ascorbinsäure.

Mitbehandlung des Partners

Eine routinemäßige Mitbehandlung des Sexualpartners wird nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nicht empfohlen.

Die Behandlung der bakterieller Vaginose in der Schwangerschaft

Eine bakterielle Vaginose in der Schwangerschaft sollte in jedem Fall – auch wenn keine Beschwerden auftreten – behandelt werden. Im ersten Schwangerschaftsdrittel darf das Antibiotikum nur lokal verabreicht werden; geeignet ist Clindamycin als Vaginalgel oder -creme. 

Ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel kann eine bakterielle Vaginose auch mit einem oralen Antibiotikum (Tabletten zum Einnehmen) behandelt werden. In Österreich gibt es Fluomizin-Vaginaltabletten zur Behandlung der bakteriellen Vaginose auch bei Schwangeren. Inhaltsstoff ist Dequaliniumchlorid.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Dr. med. Eva Lehner-Rothe
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der medizinischen Information:
Quellen

 S1-Leitlinie: Bakterielle Vaginose, 2013, https://cdn.website-start.de/proxy/apps/aesai6/uploads/gleichzwei/instances/8DCB63D1-43ED-4BB8-AE1C-9947FFFB2E20/wcinstances/epaper/20fd8f57-5372-4219-a122-e3689d379b0e/pdf/015-028l_S1_Bakterielle_Vaginose_2013-09.pdf (letzter Zugriff: 24.01.2018)

Journal für Gynäkologische Endokrinologie, Bakterielle Vaginose und Fluomizin, 2013, http://www.kup.at/kup/pdf/11938.pdf (letzter Zugriff: 24.01.2018)

Webseite Prof. Dr. Werner Mendling, Bakterielle Vaginose, http://werner-mendling.de/portfolio-items/bakterielle-vaginose/ (letzter Zugriff: 24.01.2018)

Pharmazeutische Zeitung, Vaginalinfektionen, Störungen der Scheidenflora, 2013 https://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=3850 (letzter Zugriff: 24.01.2018)
 

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