Badedermatitis (Zerkariendermatitis)

Das Auftreten von Zerkarien steht in keinem Zusammenhang mit der hygienischen Wasserqualität der Badeseen.
Das Auftreten von Zerkarien steht in keinem Zusammenhang mit der hygienischen Wasserqualität der Badeseen. (TommL / iStockphoto)

Bei der Badedermatitis handelt es sich um einen juckenden Hautausschlag, der durch Zerkarien (Larven der Saugwürmer) ausgelöst wird. Diese dringen durch die Haut ein, wo sie schon nach kurzer Zeit absterben.

Kurzfassung:

  • Es kommt zu Juckreiz nach dem Baden in Naturgewässern.
  • Verursacht wird die Badedermatitis durch die Larven des Saugwurms, die über die Haut eindringen, wo sie schon nach kurzer Zeit absterben.
  • Die Beschwerden werden symptomatisch behandelt.
  • Vorbeugen: Trocknen Sie sich nach dem Baden gut ab und wechseln Sie die Badekleidung.

Wie entsteht die Badedermatitis?

Die Hauterscheinungen werden durch die Larven des Saugwurms (Trematoden) verursacht, die sich versehentlich den Menschen als Zwischenwirt ausgesucht haben. Über den Kot von wurmbefallenen Wasservögeln, vor allem Enten, gelangen Wurmeier ins Wasser. Aus ihnen schlüpfen kleine Larven, die normalerweise eine bestimmte Süßwasserschnecke befallen. In der Schnecke vermehren sie sich und werden nach wenigen Wochen wieder ins flache Wasser abgegeben. Die neue Generation Larven (Zerkarien) macht sich nun wieder auf die Suche nach Enten, deren Haut sie durchdringen und in deren Darm sie sich zu erwachsenen Würmern entwickeln.

Zerkarien kommen vor allem bei Temperaturen über 24 Grad Celsius vor. Sie können die Haut des Menschen durchdringen, wo sie aber nach kurzer Zeit absterben. Beim ersten Kontakt mit den Larven entsteht nur eine geringe Hautreaktion. Erst beim zweiten Mal – wenn das Immunsystem den Eindringling erkennt – kommt es zu einer stärkeren Abwehrreaktion mit den typischen Beschwerden. Das Auftreten von Zerkarien steht in keinem Zusammenhang mit der hygienischen Wasserqualität der Badeseen.

Welche Beschwerden verursacht eine Badedermatitis?

Nach dem Eindringen der Larven setzt ein Prickeln oder leichtes Jucken ein. An den betroffenen Stellen erscheinen gerötete Flecken. Diese Primärsymptome treten auch bei Erstbefall auf. Bei sensibilisierten Personen dagegen zeigt sich nach zehn bis 25 Stunden die eigentliche Dermatitis: Begleitet von sehr heftigem Juckreiz, viel intensiver als z.B. bei einem Mückenstich, bilden sich an den Eindringstellen gerötete, geschwollene Quaddeln.

Die Quaddeln gehen nach Abklingen des Juckreizes in kleine, derbe Erhebungen über und heilen dann nach weiteren zehn bis 20 Tagen ohne Folgen ab. Verlauf und Intensität der Hauterscheinungen sind individuell verschieden. Bei sehr empfindlichen, hypersensibilisierten Allergikern können Fieber und Schockzustände auftreten. Das Aufkratzen der juckenden Quaddeln kann zu Sekundärinfektionen mit Bakterien führen.

Wie wird die Badedermatitis diagnostiziert?

Eine Verdachtsdiagnose stellt der Arzt anhand der typischen Beschwerden und des Erscheinungsbildes der Haut. Absolute Diagnose-Sicherheit bringt allerdings nur eine mikrobiologische Untersuchung des Badegewässers und eine Blutuntersuchung, bei der Antikörper gegen Larvenbestandteile nachgewiesen werden. Solche Untersuchungen sind aber nicht notwendig, da es keine spezifische Therapie gibt.

Wie wird die Badedermatitis behandelt?

Die Beschwerden werden symptomatisch behandelt, vor allem mit juckreizstillenden Salben oder Lotionen. Wenn das Jucken sehr stark ist, können Antihistaminika in Tablettenform eingenommen werden. Es ist nicht nötig die Larven mit Antibiotika oder speziellen Medikamenten gegen Parasiten zu bekämpfen, da sie schon kurze Zeit nach dem Eindringen von selbst absterben. Wichtig ist, nicht zu stark zu kratzen: Dabei entstehen Verletzungen, die sich mit Bakterien infizieren können. Starke allergische Reaktionen mit Schwindel, Schweißausbruch, Fieber und Übelkeit sind ein Notfall und müssen sofort behandelt werden. Rufen Sie unverzüglich einen Notarzt!

Wie kann ich mich schützen?

  • Zerkarien sind vor allem im Flachwasser zu finden. Wer etwas weiter hinausschwimmt, ist im tieferen Gewässer sicher.
  • Nach dem Bad ist es wichtig, sich gut abzutrocknen, durch das Frottieren der Haut werden Larven, die noch nicht ganz eingedrungen sind, entfernt.
  • Nasse Badekleidung sollte sofort gewechselt werden.
  • Einen gewissen Schutz soll auch das Einreiben der Haut mit wasserfesten Sonnencremes bieten.
  • Zur Vorbeugung ist es auch ratsam, an Badeplätzen keine Enten zu füttern, um die Tiere nicht an diese Orte zu gewöhnen.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
OA Univ. Doz. Dr. Paul Sator, MSc
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Stand der Information: Juni 2018
Quellen

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Zerkariendermatitis unter https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/immunsystem/zerkarien (Letzter Zugriff: 21.06.2018)
 

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