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Atypische Lungenentzündung (Atypische Pneumonie)

Lungenentzündung atypisch
Das Lungenröntgen ist bei einer atypischen Pneumonie häufig unauffällig. (utah788 / iStockphoto)

Eine atypische Pneumonie ist eine Lungenentzündung, die sich von einer herkömmlichen Pneumonie vor allem durch die sie auslösenden Erreger unterscheidet.

Kurzfassung:

  • Die Pneumonie ist unter den Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache in Industriestaaten.
  • Eine atypische Pneumonie wird durch atypische Erreger verursacht.
  • Zu den atypischen Erregern zählen unter anderem Mykoplasmen, Legionellen und Chlamydien.
  • Ist der auslösende Keim identifiziert, wird er durch die gezielte Auswahl eines Antibiotikums eliminiert.

Allgemeines zur Pneumonie

Trotz medizinischer Fortschritte stellen Pneumonien (Lungenentzündungen) unter den Infektionskrankheiten immer noch die häufigste Todesursache in den industrialisierten Ländern dar. Besonders ältere Menschen sind gefährdet, da eine Lungenentzündung bei ihnen meist schwerer verläuft.

Für fast die Hälfte aller Lungenentzündungen, mit denen sich Menschen außerhalb des Krankenhauses anstecken, ist das Bakterium Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) verantwortlich. Gegen diesen Erreger steht ein Impfstoff zur Verfügung, der vor allem Risikogruppen (über 50 Jahre, chronische Grunderkrankung, Diabetes, geschwächtes Immunsystem, medizinisches Personal) empfohlen wird.

Krankheitserreger, mit denen man sich im Krankenhaus ansteckt, werden als Krankenhauskeime bezeichnet. Dabei handelt es sich um Bakterien, die immer öfter resistent gegen Antibiotika sind als jene Erreger, die im Alltag zu einer Lungenentzündung führen. Bakterien aus dem Krankenhaus müssen deshalb oft mit speziellen Antibiotika behandelt werden.

+++ Mehr zum Thema: Krankenhauskeime +++

Jedoch können auch andere Bakterien, Viren und Pilze ebenfalls zu einer Lungenentzündung führen. In seltenen Fällen kann es auch eine nicht-infektiöse Ursache für Entzündungen des Lungengewebes (Parenchyms) geben, wie das Einatmen giftiger Stoffe, ein Fehlverhalten des eigenen Immunsystems oder eine Bestrahlung. Solche nicht-infektiösen entzündlichen Veränderungen werden dann nicht "Pneumonie“, sondern "Pneumonitis“ genannt.

+++ Mehr zum Thema: Pneumokokken-Impfung +++

Was ist eine atypische Pneumonie?

Eine atypische Pneumonie ist eine Lungen­entzündung , die durch sogenannte atypische Erreger (spezielle Bakterien wie etwa Mykoplasmen) hervorgerufen wird. Diese Erreger werden von körpereigenen Abwehrzellen des Immunsystems aufgenommen und gelangen so in das Zwischengewebe der Lunge.

Dies erklärt auch die meist untypische Ausprägung der Symptome:

  • Die Erkrankung beginnt schleichend.
  • Das Fieber bleibt meist unter 39 °C.
  • Andere Krankheitserscheinungen wie Husten, Schüttelfrost, schnelle Atmung und Herzrasen sind milder ausgeprägt als bei einer typischen Lungenentzündung.

+++ Mehr zum Thema: Lungenentzündung +++

Erreger der atypischen Pneumonie

Atypische Erreger einer Lungenentzündung sind häufiger als angenommen. Studien gehen davon aus, dass 20–30% aller ambulanten Lungenentzündungen (die Infektion erfolgt außerhalb des Krankenhauses) durch atypische Erreger ausgelöst werden. Die häufigsten atypischen Erreger sind:

  • Mykoplasmen (Mycoplasma pneumoniae)
  • Chlamydien
  • Legionellen
  • andere (u.a. Pneumocystis jirovecii, Coxiella burnetii, Francisella tularensis)

+++ Mehr zum Thema: Lungenentzündung bei Kindern +++

Wie wird eine atypische Pneumonie diagnostiziert?

Als diagnostische Methoden werden unter anderem Harn- und Blutuntersuchungen sowie die PCR (Polymerase-Kettenreaktion, ein Test zur Diagnostik u.a. von Krankheitserregern) aus respiratorischem Material (Auswurf, Schleim) durchgeführt. Das Lungenröntgen ist häufig unauffällig.

  • Mykoplasmen-Pneumonie

Mykoplasmen sind Bakterien und die häufigste Ursache einer atypischen Lungenentzündung. Erkrankungen durch Mykoplasmen kommen in den Herbst- und Wintermonaten häufiger vor als im Rest des Jahres. Typische Symptome sind Fieber und trockener Husten. In seltenen Fällen kann es auch zu einem akuten Atemnotsyndrom (ARDS) kommen.

  • Chlamydien-Pneumonie

Chlamydien können viele verschiedene Krankheiten hervorrufen. In unseren Breiten sehr häufig sind Entzündungen der Augen (Bindehautentzündung), des Genitalbereichs (Chlamydieninfektion) und der Harnröhre. Manche Chlamydienstämme sind hoch ansteckend und können sogar durch gemeinsames Baden übertragen werden. Typische Symptome bei einer Infektion der Lunge mit Chlamydien sind trockener Husten, Fieber und Muskelschmerzen.

  • Legionellen-Pneumonie

Legionellen sind im Wasser lebende Bakterien und unter anderem Erreger der bekannten und gefürchteten Legionärskrankheit, die in Österreich meldepflichtig ist. Legionellen werden über die Luft bzw. über Dämpfe (Klimaanlagen, Duschen, Bäder) übertragen. Etwa 10% der mit Legionellen Infizierten entwickeln eine Lungenentzündung. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Diabetiker und Patienten mit einer Abwehrschwäche.

+++ Mehr zum Thema: Legionellose +++

Behandlung von atypischen Pneumonien

Ist der Erreger erst einmal erkannt, wird eine spezifische antibiotische Therapie eingeleitet, um den Keim zu eliminieren. Antibiotika für atypische Erreger sind u.a.:

  • Tetrazykline
  • Makrolide
  • Fluorchinolone

+++ Mehr zum Thema: Richtige Einnahme von Antibiotika +++

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Prim. Dr. Josef Eckmayr, Univ.-Prof. Dr. Mehrdad Baghestanian
Redaktionelle Bearbeitung:
,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Dahlhoff K et al., S3-Leitlinie „Epidemiologie, Diagnostik und Therapie erwachsener Patienten mit nosokomialer Pneumonie“, 2017

Ewig S et al., S3-Leitlinie „Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie und Prävention“, 2016

Höffken G et al: Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobielle Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen unteren Atemwegsinfektionen sowie ambulant erworbener Pneumonie – Update 2009. Pneumologie 2009; 63: e-e68

Heiner Greten (Hrsg.): Innere Medizin: Verstehen, Lernen, Anwenden. 11. Auflage 2002, Georg Thieme Verlag, Stuttgart

AKH-Consilium; www.akh-consilium.at (Stand: 15.9.2010)

Leitlinie zu Epidemiologie, Diagnostik, antimikrobieller Therapie und Management von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbenen tiefen Atemwegsinfektionen (akute Bronchitis, akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis, Influenza und andere respiratorische Virusinfektionen) sowie ambulant erworbener Pneumonie (06/2005, überarbeitet 07/2009)

Kompetenznetz Ambulant Erworbene Pneumonie; www.capnetz.de (Stand: 15.9.2010)

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