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Atopische Dermatitis (Neurodermitis )

atopische Dermatitis
Das Leitsymptom bei Neurodermitis ist Juckreiz. (Cunaplus_M.Faba / iStockphoto)

Neurodermitis ist eine häufige chronische und in Schüben verlaufende entzündliche Hauterkrankung. Ganzen Text lesen



Kurzfassung:

  • Das Leitsymptom bei Neurodermitis ist Juckreiz.
  • Für die Entstehung sind sowohl eine Hautbarrierestörung als auch immunologische Faktoren von Bedeutung.
  • Die Neurodermitis gehört gemeinsam mit Heuschnupfen und allergischem Asthma bronchiale zu den atopischen Erkrankungen.
  • Die Behandlung besteht aus einer pflegenden Basistherapie und zusätzlichen antientzündlichen Massnahmen.

Informationen auf dieser Seite:

Die Neurodermitis, auch Atopische Dermatitis genannt, ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. Ihre Entstehung ist multifaktoriell. Im Vordergrund stehen eine gestörte Hautbarriere sowie immunologische Vorgänge, welche von genetischen und Umweltfaktoren beeinflusst werden. Oft bestehen gleichzeitig auch andere Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis wie allergisches Asthma und/oder Heuschnupfen beim Patienten selbst oder seinen Angehörigen.

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Wer bekommt Neurodermitis?

Etwa 5–20% aller Kinder neigen zu dieser Hauterkrankung. In der Schweiz dürfte die Zahl betroffener Kinder bei rund 13% liegen. Bei den Erwachsenen sind es 2–3%. In den letzten Jahrzehnten ist eine deutliche Zunahme der Häufigkeit zu beobachten. Veränderte Lebensgewohnheiten und der westliche Lebensstil mit mangelnder Bewegung und ungesunder Ernährung werden dafür verantwortlich gemacht.

Etwa die Hälfte aller Betroffenen entwickelt die Krankheit im ersten Lebensjahr. In der Mehrzahl der Fälle heilt die Neurodermitis bis zur Pubertät ab. Zurück bleiben häufig eine Neigung zu trockener Haut sowie eine Überempfindlichkeit gegenüber mechanischen und chemischen Reizen. Doch auch im Erwachsenenalter können zeitweise Ekzeme auftreten.

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Wie entsteht Neurodermitis?

Im Vordergrund stehen eine gestörte Hautbarriere und immunologische Vorgänge, welche sowohl durch genetische als auch durch Umweltfaktoren beeinflusst werden.

Die Hautbarriere besteht aus der Hornschicht sowie chemischen und immunologischen Komponenten. Die Hornschicht ist aus den sogenannten Keratinozyten oder Korneozyten (hornbildenden Zellen), die von einer Lipidlamelle umgeben sind, aufgebaut. Sie bildet einen mechanischen Schutz gegen das Eindringen von Irritanzien und Allergenen. Zugleich ist sie auch für die pH-Regulation entscheidend. Der normalerweise im sauren Bereich liegende pH-Wert stellt eine chemische Barrierefunktion dar, dadurch nimmt die bakterielle Besiedelung der Haut ab. Zudem besitzen die obersten Hautzellen Rezeptoren, mit denen sie Bakterien, Viren und Pilze erkennen können. Deren Aktivierung führt zur Produktion von sogenannten antimikrobiellen Peptiden, welche wiederum das Eindringen dieser Krankheitserreger verringern.

Triggerfaktoren (Auslöser)

Die gestörte Hautbarriere bei Neurodermitis zeigt sich an der ausgeprägten Trockenheit der Haut. Sie wird durch genetische Faktoren bestimmt und durch Triggerfaktoren begünstigt. Die Bedeutung der einzelnen Faktoren ist individuell verschieden. Je genauer Betroffene die jeweiligen Triggerfaktoren kennen, desto besser sind diese vermeidbar.

Zu den möglichen Triggerfaktoren gehören:

  • Irritanzien (z.B. Wasser, Hitze, Schweiss)
  • Aeroallergene
  • Kontaktallergene
  • Nahrungsmittel: Allergene und Histaminliberatoren (Substanzen, die Histamin freisetzen)
  • Mikroben
  • Stress, Belastungssituationen

Triggerfaktoren gilt es so gut wie möglich zu vermeiden. Durch die gestörte Barriere nach aussen dringen Pathogene, Irritanzien und Allergene in die Haut ein und lösen dort eine Entzündungsreaktion aus. Diese ist an der Rötung und Schwellung gut zu erkennen. Wichtig ist, dass auch in der von aussen gesund aussehenden Haut bei Patienten mit Neurodermitis eine zwar geringe, aber anhaltende Entzündungsreaktion besteht.

Seit Jahren gibt es zudem immer mehr Hinweise, dass übertriebene Hygiene und Sauberkeit im häuslichen Umfeld von kleinen und heranwachsenden Kindern Erkrankungen des atopischen Formenkreises begünstigen (Hygienetheorie). So konnte wiederholt gezeigt werden, dass Kinder, die am Land aufgewachsen sind, eine geringere Tendenz zu Neurodermitis aufweisen als Stadtkinder.

+++ Mehr zum Thema: Therapie bei Neurodermitis +++

Wie äussert sich Neurodermitis?

Das typische klinische Bild variiert je nach Alter des Betroffenen. Leitsymptom ist der starke Juckreiz. Das dadurch bedingte Kratzen führt zu einer weiteren Aggravation (Verschlimmerung) der Barrierefunktionsstörung und der Entzündungsreaktion. Der Juckreiz nimmt zu (sog. Juckreiz-Kratz-Zyklus). Der starke Juckreiz führt oft zu Schlafstörungen und dadurch bedingter Müdigkeit.

  • Hautveränderungen im Säuglingsalter

Typischerweise sind im Säuglingsalter die Wangen/das Gesicht und die Kopfhaut betroffen. Die nässenden Ekzeme verkrusten im Verlauf, dem sogenannten Milchschorf entsprechend. Am Körper sind insbesondere die Streckseiten der Extremitäten und der Stamm betroffen. Auch bei grossflächigerem atopischem Ekzem bleibt die Windelregion klassischerweise ausgespart.

  • Hautveränderungen im Kindesalter

Die Hautveränderungen sind ab dem 1. Lebensjahr weiterhin streckseiten-, aber zunehmend auch beugebetont verteilt. Im Gesicht zeigt sich typischerweise ein Befall der Wangen, um die Augen und den Mund. Ab dem Schulalter dominiert die beugebetonte Verteilung, auch ein Befall der Hände lässt sich oftmals beobachten. Zunehmend finden sich neben Rötung, Schwellung und Kratzspuren (Exkoriationen) auch sogenannte Lichenifikationen (vergröbertes Hautrelief).

  • Hautveränderungen im Erwachsenenalter

Bei Erwachsenen kann sich das Krankheitsbild sehr unterschiedlich präsentieren. Insbesondere sind die grossen Beugen, Gesicht und Hals sowie Hände und Füsse betroffen. Typischerweise zeigen sich gerötete, exkoriierte und lichenifizierte Hautveränderungen. In seltenen Fällen kann die atopische Dermatitis den gesamten Körper betreffen. Einige Berufe werden mit dem gehäuften Auftreten von Neurodermitis in Verbindung gebracht. Hierzu zählen:

  • Friseure
  • Bäcker
  • Metallarbeiter
  • Krankhausmitarbeiter
  • Gärtner
  • Köche

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die Diagnose der atopischen Dermatitis wird anhand des typischen klinischen Erscheinungsbildes und Verlaufs gestellt. Auch können Feinzeichen an der Haut dem Arzt Hinweise auf eine Neurodermitis-Neigung geben und damit helfen, ein Ekzem besser einzuordnen. Eine ausführliche Anamnese gehört neben der Untersuchung der Haut zu den wichtigsten weiteren diagnostischen Schritten. Gefragt wird dabei beispielsweise nach:

  • Beginn und Verlauf der Beschwerden
  • Begleiterkrankungen (v.a. aus dem atopischen Formenkreis)
  • familiärer Häufung atopischer Erkrankungen
  • möglichen Triggerfaktoren

Zusätzliche Untersuchungen erlauben, die Diagnose der atopischen Dermatitis zu untermauern sowie mögliche Triggerfaktoren zu identifizieren. Dazu zählen z.B. Blutuntersuchungen (v.a. Bestimmung des Gesamt-IgE-Spiegels und der Eosinophilenzahl) sowie allergologische Testungen (z.B. Standard-Prick-Testung, Epikutantestung inkl. Atopie-Patch-Testung).

Zur Abgrenzung gegen andere Hauterkrankungen können im Fall atypischer klinischer Präsentation die Entnahme einer Hautprobe, eine allergologische Abklärung (z.B. Kontaktekzem), weitergehende Laboranalysen oder mikrobielle Abstriche notwendig sein.

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Zu welchen Komplikationen kann es kommen?

Im Vordergrund stehen Infektionen der Haut, die bei Patienten mit atopischer Dermatitis besonders schwer verlaufen können.

  • Bakterielle Infektionen

Bei einem Grossteil der Neurodermitis-Patienten ist die Haut mit Staphylococcus aureus besiedelt. Ein bakteriell infizierter Ekzemherd (sog. Impetiginisierung) ist typischerweise nässend und mit honigfarbener Kruste belegt. Weitere mögliche bakterielle Infektionen sind:

  • bullöse Impetigo (Borkenflechte)
  • Haarbalgentzündungen
  • Abszesse
  • virale Infektionen

Dellwarzen (Molluscum contagiosum) finden sich typischerweise im Kindesalter gehäuft bei atopischer Dermatitis. In der Regel heilen sie spontan ab.

Weitaus schwerwiegender ist das sogenannte Eczema herpeticatum, eine sich rasch ausdehnende Herpes-simplex-Infektion grösserer Hautareale. Betroffen sind meist jüngere Patienten mit schwerer atopischer Dermatitis. Diese kann sowohl lokalisiert als auch generalisiert auftreten. Begleitend bestehen Allgemeinsymptome wie:

  • verminderter Allgemeinzustand
  • Fieber
  • Lymphknotenschwellungen

Eine augenärztliche Mitbeurteilung ist im Falle einer Augenbeteiligung indiziert. Handelt es sich um eine Erstinfektion, kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Sepsis kommen. Eine ärztliche Vorstellung muss unbedingt erfolgen.

  • Pilzinfektionen

Ein erhöhtes Risiko für Hautpilzinfektionen der Füsse (Tinea pedis) wurde beschrieben. Höchstwahrscheinlich bietet die trockene Haut den Pilzen bessere Eintrittspforten.

Wie wird Neurodermitis behandelt?

Die Behandlung wird grundsätzlich in eine Basistherapie und eine antientzündliche Therapie gegliedert und erfolgt nach einem Stufenschema. Die Basistherapie umfasst hautpflegende Öle, Salben, Cremen und Lotionen, welche die Haut mit Feuchtigkeit versorgen und die Barrierefunktion stärken sollen. Bei Bedarf können auch juckreizstillende Zusätze verwendet werden.

In der antientzündlichen Therapie kommen entzündungshemmende Wirkstoffe zum Einsatz. Die Konzentration und die Stärke dieser Arzneistoffe in den verwendeten Salben und Cremen werden anhand des Hautzustands gewählt. In der Regel erfolgt die Behandlung ausschliesslich lokal. Bei schweren Fällen kann jedoch eine systemische Therapie notwendig werden. Hierbei gibt es verschiedene Behandlungsansätze.

+++ Mehr zum Thema: Medikamente bei Neurodermitis +++

(Stand der medizinischen Information: Januar 2021)

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Medizinisches Review:

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Quellen

Werfel T, Werner A, Frank A et al. S2k guideline on diagnosis and treatment of atopic dermatitis, 2015.

Werfel T, Werner A, Frank A et al. Aktualisierung „Systemtherapie bei Neurodermitis“ zur Leitlinie Neurodermitis, 2020.

Geisslinger G, Menzel S, Gudermann T, Hinz B and Ruth P. Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Aufl., 2020

Wollenberg et al., European Academy of Dermatology and Venerolgy. JEADV 2018, 32:657-682

Simon D: Neurodermitis – ein Leitfaden für Ärzte und Patienten. UNI-MED 2018, 3. Auflage; ISBN 978-3-8374-1561-2

University of Zurich: Leitlinie Neurodermitis; www.zora.uzh.ch/id/eprint/130071/8/Anderungen_aus_Proofs.pdf (letzter Zugriff am 20.04.2020)

Neurodermitis – Kombination mit Unverträglichkeit und/oder Allergie; www.oege.at/index.php/component/content/article/55-bildung-information/diaetetik/allergien-unvertraeglichkeiten/1812-neurodermitis (letzter Zugriff am 20.04.2020)

Deutsche Haut- und Allergiehilfe; https://www.dha-neurodermitis-therapie.de/therapie/was-bedeutet-proaktive-therapie.html (letzter Zugriff am 20.04.2020)

Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V.; https://www.gpau.de/fileadmin/user_upload/GPA/dateien_indiziert/Leitlinien/gem_Leitlinie_Neurodermitis.pdf (letzter Zugriff am 20.04.2020)

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