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Atopische Dermatitis (Neurodermitis)

Kind mit atopischer Dermatitis
Kinder erkranken besonders häufig an Neurodermitis. (leadenpork / iStockphoto)

Neurodermitis ist eine chronisch verlaufende Ekzemerkrankung der Haut, deren Auslöser nicht immer offensichtlich ist. Sie ist die häufigste Hauterkrankung im Kindesalter, aber auch Erwachsene können betroffen sein.

Kurzfassung:

  • 60% aller Betroffenen entwickeln Neurodermitis im ersten Lebensjahr.
  • Die Entstehung von Neurodermitis ist anlagebedingt.
  • Symptome der Hauterkrankung sind Ekzeme, Trockenheit und Juckreiz.
  • Komplikationen sind vermehrte Hautinfektionen durch Bakterien, Viren und Pilze.
  • Zur Behandlung von Neurodermitis werden Medikamente sowie nicht-medikamentöse und Hautpflegemaßnahmen eingesetzt.
  • Probiotika während der Schwangerschaft und der Stillzeit können der Entstehung von Neurodermitis vorbeugen.

Informationen auf dieser Seite:

Zusammen mit Asthma bronchiale gehört Neurodermitis zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Sie beruht auf einer anlagebedingten (familiär, vererbt) verstärkten Reaktion der Haut auf äußere und innere (z.B. auch psychische) Reize und zeigt sich als Entzündung der Haut, die meist mit starkem Juckreiz einhergeht. Oft bestehen gleichzeitig auch andere Erkrankungen aus dem allergischen (atopischen) Formenkreis, wie allergisches Asthma, Heuschnupfen oder – vor allem bei Kindern – Nahrungsmittelallergien. Die in Schüben verlaufende Erkrankung kommt in unterschiedlichsten Schweregraden vor und beginnt meist schon im frühen Kleinkindalter.

+++ Mehr zum Thema: Neurodermitis und Nahrungsmittelallergien +++

In der Fachliteratur wird auch der Begriff "atopische Dermatitis" verwendet; er setzt sich zusammen aus "Atopie" (= anlagebedingte Bereitschaft, gegen bestimmte äußere Substanzen ohne klar ersichtlichen Grund überempfindlich zu reagieren) und "Dermatitis" (= Ekzem).

Der umgangssprachlich häufiger verwendete Begriff "Neurodermitis" ist eigentlich veraltet und stammt aus einer Zeit, in der man vermutete, eine Nervenentzündung (Neuro = Nerven) sei die Ursache der Hautentzündung (Haut = Derma; -itis = Entzündung). Dennoch ist diese Bezeichnung auch heute noch die weitaus geläufigere.

Wer ist von Neurodermitis betroffen?

Neurodermitis ist eine häufige Erkrankung. Etwa 5–20% aller Kinder neigen zu bzw. leiden an dieser Hauterkrankung, bei den Erwachsenen sind es 1–3%. In den letzten Jahrzehnten ist eine deutliche Zunahme der Häufigkeit zu beobachten. 60% aller Patienten entwickeln die Krankheit im ersten Lebensjahr. Neben Allergenen und Infekten zählen auch psychische Probleme zu den vielfältigen Auslösern dieser Erkrankung.

In der Mehrzahl der Fälle heilt die Krankheit bis zur Pubertät ab, zurück bleibt häufig nur eine etwas trockenere Haut. Diese trockene Haut ist allerdings gepaart mit der Grundeigenschaft, auf äußere Reize verstärkt zu reagieren. Beschwerden können im Zusammenhang mit seelischer Belastung (Stress) oder Kontakt mit reizenden Substanzen (Kontaktallergene, Reizstoffe, aber auch Wasser etc.) entstehen, indem das Ekzem entweder kurzzeitig "aufflackert" oder über Wochen oder Monate "blüht". Das Ekzem kann aber auch über einen Zeitraum von Monaten oder Jahren verschwinden – und dann plötzlich oder auch langsam wieder aufflammen.

Wie entsteht Neurodermitis?

Die Erkrankung ist anlagebedingt; sind beide Elternteile erkrankt, ist die Wahrscheinlichkeit stark erhöht, dass auch das Kind die Neigung dazu besitzt. Durch unterschiedlichste Umwelteinflüsse kann es zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems kommen.

Atopiker bilden sehr leicht Immunglobuline der Klasse IgE aus, die für Heuschnupfen, allergisches Asthma und Nahrungsmittelallergien verantwortlich sind. Die Bedeutung von Nahrungsmitteln als Auslöser des Ekzems ist zwar umstritten, in manchen Fällen kann aber eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten sinnvoll sein. Auslöser – nicht jedoch Ursache – der Neurodermitis sind auch emotional belastende Situationen.

+++ Mehr zum Thema: Ernährung bei Neurodermitis +++

Die genauen Mechanismen, die zu den Beschwerdebildern der Haut führen, werden intensiv beforscht. In den letzten Jahren ist es gelungen, die verantwortlichen Zellen und Entzündungsvermittler zu charakterisieren und es konnte gezeigt werden, dass die gestörte Hautbarriere u.a. durch eine Mutation in den sogenannten Filaggrinen miterklärt werden kann.

Filaggrine sind Eiweißstoffe, die bei der Strukturbildung der Haut eine wichtige Rolle spielen. Dieser Barrieredefekt erleichtert das Eindringen von Allergenen und anderen irritierenden Substanzen in die Haut. Daraus lassen sich inzwischen auch schon erste Behandlungskonzepte ableiten.

+++ Mehr zum Thema: Ursachen und Auslöser für Neurodermitis +++

Welche Hautveränderungen treten auf?

Die Hauterscheinungen der Neurodermitis sind je nach Stadium (akut oder chronisch) und Lebensalter unterschiedlich. Die häufigsten Beschwerden sind:

  • Ekzeme der Haut: gekennzeichnet durch Rötung, Schwellung, Bläschenbildung, Schuppung, Nässen; unterschiedliche Hautareale können unterschiedlich stark betroffen sein.
  • Trockenheit der Haut: Dieser Zustand trägt wesentlich zur Empfindlichkeit von Atopikern gegenüber Umwelteinflüssen bei.
  • Juckreiz: Patienten mit Neurodermitis neigen zu Juckreizattacken, die als besonders quälend empfunden werden. Kratzen verschlimmert die Hautschäden und damit wiederum den Juckreiz. Daher nicht kratzen, auch wenn es schwerfällt!
  • Infektionen: Atopiker haben häufiger Hautinfektionen mit Bakterien, Viren (wie etwa Herpes-Viren) und Pilze. Ursache dafür sind einerseits die veränderte Abwehrlage, andererseits die gestörte Barrierefunktion der Haut und möglicherweise auch die Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln (etwa Kortisonpräparaten, die nicht nur das Ekzem unterdrücken, sondern auch die Immunantwort).
  • Allergien: Viele Neurodermitis-Patienten entwickeln nach Allergenexposition (durch Einatmen oder auch durch Hautkontakt) Schübe der Erkrankung, etwa auf Baum- oder Gräserpollen, Milben oder Tierhaare. Nahrungsmittel können sowohl als Allergen als auch als Reizstoff (wie etwa Zitrusfrüchte, größere Schokolademengen) die Entzündungsreaktion verstärken.

+++ Mehr zum Thema: Anzeichen der Neurodermitis +++

Welche Körperstellen sind häufig betroffen?

Im Kleinkindalter beginnt die Erkrankung meist an:

  • Wangen
  • Kinn
  • Ellenbeugen
  • Kniekehlen
  • seitlich am Nacken
  • Handgelenken

Bei Erwachsenen kann sich das Krankheitsbild recht unterschiedlich manifestieren. Insbesondere können dabei auch äußere Einflüsse eine Auslöserrolle spielen, wie etwa berufliche Belastungsfaktoren, die oft Handekzeme verstärken. Die Ekzeme können auch den gesamten Körper befallen.

Welche Begleiterkrankungen können auftreten?

Als häufige Komorbiditäten (gleichzeitig vorliegende Erkrankungen) der Neurodermitis gelten beispielsweise Asthma und die allergische Rhinokonjunktivitis (allergisch bedingte Entzündung der Nasenschleimhaut). Nahrungsmittelallergien können ebenfalls eine Neurodermitis begünstigen. Zudem gibt es einen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Neurodermitis im Erwachsenenalter.

Nicht immer tritt eine Neurodermitis allerdings gemeinsam mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder einer Allergie auf. Säuglinge und Kleinkinder sind hauptsächlich von klassischen Lebensmittelallergien wie jener gegen Kuhmilch, Hühnerei und Weizen betroffen. Diese verschwinden jedoch häufig (zu ca. 80%) bis zum Schuleintritt wieder. Danach tritt eine Neurodermitis oft in Zusammenhang mit pollenassoziierten Lebensmittelunverträglichkeiten (Kreuzreaktionen) auf.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Das Krankheitsbild ist meistens typisch und somit für den Hautarzt eine sogenannte "Blickdiagnose". Es gibt bestimmte diagnostische Kriterien – das heißt, eine gewisse Anzahl und entsprechende Konstellation von Symptomen muss vorhanden sein, um die Diagnose stellen zu können.

Eine ausführliche Anamnese gehört neben der Begutachtung der Haut zu den wichtigsten diagnostischen Schritten. Gefragt wird dabei beispielsweise nach dem Beginn und Verlauf der Beschwerden, nach familiären Krankheiten sowie nach Asthma oder anderen allergischen Erkrankungen etc. Der Arzt wird sich auch erkundigen, ob eventuelle Triggerfaktoren (Auslöser) bekannt sind, die das Beschwerdebild verstärken (z.B. Zusammenhänge mit der Ernährung, Kontakt mit Tierhaaren, der Pollensaison oder psychisch belastenden Ereignissen). Zudem wird eine genaue körperliche Untersuchung durchgeführt.

Bei untypischem Erscheinungsbild oder Verlauf können zusätzliche Untersuchungen dem Arzt helfen, ähnliche Krankheiten auszuschließen bzw. die Diagnose zu bestätigen. Dazu zählen z.B. Blutuntersuchungen (v.a. die Bestimmung des Gesamt-IgE, Eosinophilie etc.) und zusätzliche Allergietests (z.B. Prick-Test). Bei Kindern ist ein Allergietest jedoch meist nicht notwendig. Die wichtigsten Differenzialdiagnosen (der Neurodermitis ähnliche Erkrankungen) betreffen andere Ekzemerkrankungen. Insbesondere im Säuglingsalter muss das sogenannte seborrhoische Ekzem diagnostisch von der Neurodermitis abgegrenzt werden.

In seltenen Fällen, wenn die Hauterscheinungen nur schwer einem bestimmten Krankheitsbild zugeordnet werden können, kann eine Probenentnahme (Biopsie ) an einer betroffenen Hautstelle durchgeführt werden und Gewissheit für die Diagnose bringen.

Zu welchen Folgen und Komplikationen kann es kommen?

Durch die verminderte Immunabwehr ist die Haut von Neurodermitis-Patienten viel stärker mit Bakterien, wie z.B. Staphylococcus aureus, besiedelt, als gesunde Haut. Zudem ist die Hautoberfläche durch die Schuppung, Furchen- und Rillenbildung vergrößert, wodurch sich Bakterien besser ansiedeln und haften bleiben können. Gleichzeitig juckt Neurodermitis-Haut stark und verleitet zu häufigem Kratzen, was die Hautbarriere zusätzlich beeinträchtigt.

Häufigere Komplikationen der Neurodermitis stellen Infektionen oder Mykosen (Pilzerkrankungen) dar. Hierzu gehören Infektionen mit Bakterien, virale Infektionen sowie mykotische Infektionen, seltener auch Augenerkrankungen, Alopecia areata (entzündlich bedingter Haarausfall) sowie Wachstumsverzögerungen bzw. Kleinwuchs.

Komplikationen bei Neurodermitis nach Auslöser
Bakterien Viren Pilze
Haarfollikelentzündung Dellwarzen Hautpilzinfektion
eitrige Hautentzündung Ekzema herpeticatum (ausgelöst durch das Herpes-simplex-Virus) juckende Pusteln
Abszesse    
Erysipel (scharf begrenzte, starke Rötung)    

Die Folgen: Erreger können leicht in die Haut eindringen und Infektionen verursachen, welche die Beschwerden noch verschlimmern. Je nach Schweregrad kann es zu begrenzten (oder lokalen) Infektionen wie Entzündungen der Haarfollikel (Follikulitis) bis hin zu großflächigen, eitrigen Entzündungen der Haut (Pyodermie), Abszessen, Erysipel oder im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Virusinfekte

Nicht selten treten auch Virusinfekte auf. Zum Teil sind diese zwar sehr lästig, aber harmlos (etwa eine Infektion mit dem Mollusca-contagiosa-Virus, die zur Entstehung von Dellwarzen führt), teilweise sind sie aber auch lebensgefährlich: So zählt das sogenannte Ekzema herpeticatum, eine Infektion der vorgeschädigten Haut mit dem Herpes-Virus, zur gefürchtetsten Komplikation der Neurodermitis.

Beim Ekzema herpeticatum kommt es zu einer großflächigen Entzündung der Haut mit Bläschenbildung, die mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl einhergeht und im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung und einer Hirnhautentzündung (Enzephalitis) führen kann.

Pilzinfektionen & Augenerkrankungen

Auch Pilzinfektionen der Haut sind möglich, sie äußern sich durch juckende Pusteln. Bei manchen Patienten entsteht ein grauer Star (Katarakt); eine Abklärung beim Augenarzt kann notwendig sein. Viel diskutiert werden Begleiterscheinungen durch die Therapie, so etwa mögliche Nebenwirkungen von Kortisonpräparaten, die weiterhin das Rückgrat der Therapie bilden.

Verlauf der Neurodermitis

Der Verlauf der atopischen Dermatitis ist wechselhaft, mit Krankheitsschüben unterschiedlicher Schwere und Dauer. Die Erkrankung kann häufig wiederkehren und/oder sich verschlimmern. Auch gering ausgeprägte Ekzeme haben manchmal schwere Beeinträchtigungen und psychische Belastungen zur Folge. Eine Spontanheilung ist jederzeit möglich. Allerdings entwickeln mindestens 30% aller Kinder, die unter Neurodermitis leiden, zumindest zeitweilig auch im Erwachsenenalter Ekzeme.

Wie wird Neurodermitis behandelt?

Das Therapiekonzept zur Behandlung der Neurodermitis ist vielfältig. Bei den zahlreichen zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen gilt es, in Abstimmung mit dem Patienten einen individuellen Behandlungsplan aufzustellen, der im Verlauf gegebenenfalls erneut angepasst werden muss. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern sowie einen neuerlichen Schub zu verhindern.

Hautpflege als Basistherapie

Eine kontinuierliche und regelmäßige Hautpflege mit rückfettenden Präparaten ist wichtig, um die trockene Haut zu behandeln (Basistherapie). Häufiger Kontakt mit hautreizenden Stoffen (z.B. Reinigungs- und Lösungsmittel) sollte so gut wie möglich eingeschränkt werden.

+++ Mehr zum Thema: Hautpflege bei Neurodermitis +++

Medikamente zur Behandlung von Neurodermitis

Zusätzlich müssen Ekzemschübe schnell unter Kontrolle gebracht und das Auftreten neuer Schübe soweit wie möglich verhindert werden. Dafür werden vor allem Kortikosteroide (Kortison) in Form von Salben angewendet – sie wirken rasch und gut. In schweren Fällen können sie kurzfristig in Ausnahmesituationen (!) auch innerlich (als Tablette oder Injektion) eingesetzt werden.

Die richtigen Präparate verursachen keine relevanten Nebenwirkungen, wenn sie verordnungsgemäß eingenommen werden – für die weitverbreitete Kortison-Angst sind Fehlanwendungen verantwortlich. Treten zusätzlich zum Ekzem Hautinfektionen auf, müssen diese durch entsprechende Mittel (Antibiotika, Desinfektionsmittel, Virostatika oder Antimykotika zur Behandlung von Hautpilz) erregerspezifisch behandelt werden.

+++ Mehr zum Thema: Medikamente bei Neurodermitis +++

Sonstige Behandlungsmethoden

Auch UV-Bestrahlungen sind – zusätzlich angewandt – oft hilfreich, werden von manchen Personen aber nicht vertragen. Zudem können psychologische Maßnahmen zum Stressmanagement, d.h. zur Verringerung von Stress, bzw. das Erlernen von Methoden zur besseren Stressbewältigung erwogen werden.

+++ Mehr zum Thema: Therapie der Neurodermitis +++

Was kann man selbst tun?

Betroffene sollten bei ihrer Ernährung vor allem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und vorwiegend zu pflanzlichen Nahrungsmitteln greifen. Tierische Lebensmittel sollten nur mäßig, fette Lebensmittel nur eingeschränkt konsumiert werden. Betroffene Kinder können bereits aktiv am Lebensmitteleinkauf beteiligt werden, sodass sie schon früh Einblick in die richtige Auswahl allergenarmer Speisen bekommen.

Allgemeine Empfehlungen für Kinder:

  • Nur kurze, lauwarme Bäder (Reinigung im notwendigen Ausmaß, Zugabe von medizinischen Badeölen)
  • Sofortige Hautpflege nach dem Waschen und Schwimmen: nur abtupfen, nicht reiben!
  • Kurz geschnittene Fingernägel
  • Weiche Baumwollkleidung, keine tierische Wolle (Schafwollpullover)
  • Juckreizstillende Medikamente (Antihistaminika) nur abends verabreichen, da sie müde machen
  • Keine überheizten Räume, viel frische Luft
  • Bei Auftreten von neuen Hautveränderungen sofort den Arzt aufsuchen – eine frühzeitige Behandlung bringt bessere Behandlungschancen mit sich.

Probiotika

Die Einnahme von Probiotika in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensmonaten kann der Entstehung einer Neurodermitis vorbeugen. Die aktuelle Studienlage liefert teilweise vielversprechende Ergebnisse. Allerdings bleiben Fragen zu Wirksamkeit und Einnahme offen.

Die bisherigen Untersuchungen zeigen jedenfalls, dass Probiotika Kleinkinder möglicherweise vor einer Neurodermitis schützen können. Dabei dürfte es keinen Unterschied machen, ob Mütter die probiotischen Mittel in der Schwangerschaft oder Stillzeit selbst einnehmen oder sie den Kleinkindern verabreichen. In allen Fällen scheint sich die Erkrankungswahrscheinlichkeit der Kinder etwas zu verringern. Nahmen Mütter während der Schwangerschaft mehrere gemischte Probiotikastämme ein, war die vorbeugende Wirkung noch größer.

Unklar bleibt allerdings, welche probiotischen Bakterienstämme am wirksamsten sind. Am häufigsten werden Laktobazillen und Bifidobakterien eingesetzt. Auch über welchen Zeitraum und in welcher Dosis Mütter und ihre Kinder Probiotika einnehmen sollen, ist noch wenig erforscht.

Heilungschancen bei Neurodermitis

Es ist eine Frage der Definition, ob man die Neurodermitis als heilbar betrachtet oder nicht. Fest steht, dass die Veranlagung zur Ekzembildung in den Genen ebenso unveränderlich festgeschrieben ist wie die Augenfarbe. Doch die gute Nachricht ist: Die Schübe können durch manche Maßnahmen seltener werden, die Symptome können sich bessern oder sogar ganz verschwinden.

Bei der Hälfte aller Säuglinge verschwinden die Hauterscheinungen innerhalb der ersten beiden Lebensjahre. Bei weiteren 20% der Kinder finden die Schübe mit der Pubertät ein Ende. Insgesamt ebben die Symptome also bei knapp drei Viertel aller Kinder bis zum Ende des 10. Lebensjahres ab.

Darüber hinaus werden immer bessere Therapiemöglichkeiten gefunden, die das Leben mit der Krankheit erleichtern oder die Symptome sogar zum Verschwinden bringen. Die Chancen für ein Leben ohne Ekzeme und Juckreiz stehen also gut.

So erfreulich die Hoffnung auf ein gänzliches Verschwinden der Symptome auch ist: Neurodermitis ist eine Erkrankung, die viel Eigeninitiative verlangt. Dazu gehören eine konsequente Hautpflege und das Meiden von allem, was die Haut reizt. Da die Psyche großen Einfluss auf den Zustand der Haut hat, müssen Neurodermitiker Strategien entwickeln, um seelische Belastungen zu vermeiden oder besser zu verarbeiten.

Wer jeden neuen Schub als Schock oder persönliche Niederlage empfindet, wird weniger auf eine Spontanheilung hoffen dürfen. Maßnahmen zur besseren Stressbewältigung sind oft sehr hilfreich.

+++ Mehr zum Thema: Hilfreiche Tipps zum Leben mit Neurodermitis +++

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Univ.-Prof. Dr. Werner Aberer
Redaktionelle Bearbeitung:
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Stand der medizinischen Information:
Quellen

Leitlinie Neurodermitis (gültig bis 30.03.2020); https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-027.html (letzter Zugriff am 28.11.2019)

Neurodermitis – Kombination mit Unverträglichkeit und/oder Allergie; www.oege.at/index.php/component/content/article/55-bildung-information/diaetetik/allergien-unvertraeglichkeiten/1812-neurodermitis

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