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Asthma (Asthma bronchiale)

Asthma Symptome Ursachen
Ein Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit und Husten sind typische Beschwerden bei Asthma bronchiale. (Image Point Fr / Shutterstock)

Asthma (Asthma bronchiale oder Bronchialasthma) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die durch eine Überempfindlichkeit der Bronchien und/oder eine veränderliche (variable) Atemwegsverengung gekennzeichnet ist. Ganzen Text lesen


  • 5% aller Asthmatiker leiden an schwerem Asthma. Bei ihnen lässt sich die Erkrankung trotz adäquater Behandlung nur schwer kontrollieren.

  • Bei allergischem Asthma wird die Erkrankung durch Allergene wie Pollen oder Tierhaare ausgelöst. Lesen Sie hier mehr.

  • Arzt setzt Patientin Sauerstoffmaske auf

    Zur Behandlung stehen heute eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen sich das Ziel jeder Asthmatherapie - maximale …


Kurzfassung:

  • In Österreich sind etwa 5% der Erwachsenen und 10% der Kinder und Jugendlichen von Asthma betroffen.
  • Die genauen Ursachen, die zur Entstehung von Asthma führen, sind noch nicht bekannt.
  • Typische Symptome sind anfallsweise Atemnot, Brustenge und Husten.
  • Man unterscheidet zwischen allergischem und nicht-allergischem Asthma.
  • In der Behandlung werden medikamentöse mit nicht-medikamentösen Maßnahmen kombiniert.
  • Asthmatiker haben die gleiche Lebenserwartung wie Nicht-Asthmatiker.

 


Was ist Asthma?

Bei Asthma handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, bei der die Bronchien überempfindlich auf unterschiedliche Reize reagieren. Durch die Entzündung kann es zu einer anfallsweisen Atemnot sowie zu einer akuten Verengung der Atemwege (Bronchialobstruktion) kommen. In Österreich haben rund 10% der Kinder und Jugendlichen sowie 5% der Erwachsenen Asthma. Damit gehört Asthma zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Österreich.

+++ Mehr zum Thema: Atemwegserkrankung +++

Wie entsteht Asthma?

Die genauen Gründe, warum ein Mensch Asthma entwickelt, sind noch nicht vollständig geklärt. Man weiß aber, dass bei der Entstehung von Asthma neben Vererbungsfaktoren auch bestimmte Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Die zugrunde liegenden Prozesse, die zu dieser krankhaft veränderten Funktion des Körpers führen, sind sehr komplex und können von Patient zu Patient unterschiedlich sein.

Asthma wird daher nicht als einheitliche Krankheit, sondern eher als Syndrom verstanden, dem unterschiedliche Krankheitsprozesse zugrunde liegen können. So können Allergene zu einer Sensibilisierung führen und bei erneutem Kontakt eine Verengung der Bronchien, vermehrte Schleimproduktion und eine lokale Entzündung auslösen. Andererseits reagieren viele Asthmatiker auch auf Tabakrauch oder kalte Luft mit Asthmaanfällen. Die typischen Asthmabeschwerden können von unterschiedlichen Faktoren bzw. bestimmten Situationen ausgelöst oder verstärkt werden. Hierzu zählen:

Einerseits wird angenommen, dass durch diese Faktoren Mastzellen (Zellen des Immunsystems) aktiviert werden und diese entzündungsfördernde Botenstoffe wie Histamin, Prostaglandine und Leukotriene abgeben. Das wiederum bewirkt in tieferen Gewebeschichten die Freisetzung von Zytokinen (Interleukin-5, Interleukin-13) – das sind Stoffe, die eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Immunabwehr spielen –, wodurch sich die Bronchien verengen und das Atmen erschwert wird. Andererseits können auch spezielle Nervenfasern gereizt werden, die daraufhin – wie die Mastzellen – ebenfalls mit der Freisetzung von Entzündungsfaktoren reagieren und Atemnot auslösen.

Asthma verengt Bronchien Infografik
(Katharina Summer/netdoktor.at)

In den Atemwegen eines Asthmatikers besteht meist eine chronische Entzündung, die durch verschiedene Einflüsse verstärkt werden kann. Diese erhöhte Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Reizen wird als bronchiale Hyperreagibilität bezeichnet.

Die möglichen Ausprägungen einer Asthmaerkrankung sind vielfältig. Typisch ist, dass die jeweiligen Beschwerden nicht gleichmäßig auftreten, sondern sich, ebenso wie die Lungenfunktion, anfallsartig verschlechtern. Eine Verschlechterung tritt mehr oder weniger akut auf und wird als Exazerbation bezeichnet. Sie zeigt sich mit verstärkten Symptomen und einer Abnahme der Lungenfunktion. Im Gegensatz zu anderen chronischen Lungenkrankheiten ist die Verschlechterung der Lungenfunktion in der Regel umkehrbar (reversibel) und stellt sich nach der Exazerbation wieder auf ihr Ursprungsniveau ein.

Typische Asthmasymptome sind:

  • Luftnot
  • Brustenge
  • Giemen (hörbares Pfeifen beim Ausatmen)
  • Husten

Je nachdem, wie gut das Asthma und die Symptome kontrolliert werden können und wie intensiv die dafür notwendige Therapie ist, lässt sich Asthma in verschiedene Schweregrade von leicht bis schwer einteilen. Für den Patienten wichtiger ist jedoch der Grad seiner Asthmakontrolle, an der sich auch die Therapie orientiert.

+++ Mehr zum Thema: Was bedeutet kontrolliertes Asthma? +++

Definition von kontrolliertem, teilweise kontrolliertem und nicht kontrolliertem Asthma

 

Kontrolliertes Asthma bei Kindern

Kontrolliertes Asthma bei Erwachsenen

Symptome Tag

keine

≤ 2x/Woche

Symptome Nacht

keine

keine

Bedarfsmedikation

keine

≤ 2x/Woche

Einschränkung im Alltag

keine

keine

Teilweise kontrolliertes Asthma: 1–2 der Kriterien erfüllt

Nicht kontrolliertes Asthma: ≥ 3 der Kriterien erfüllt

Je nach Grad der Kontrolle wird die Therapie intensiviert oder die Dosis versuchsweise reduziert. Ausprägung und Schweregrad können jedoch nicht nur ganz allgemein, sondern auch beim jeweiligen Asthmatiker stark schwanken. So macht sich zum Beispiel ein durch Pollen ausgelöstes (induziertes) allergisches Asthma naturgemäß vor allem im Frühjahr bemerkbar, während Betroffene im Winter kaum Symptome zeigen. Die chronische Entzündung der Atemwege ist bei Asthmapatienten hingegen ständig vorhanden, auch in beschwerdefreien Intervallen.

+++ Mehr zum Thema: Schweregrade bei Asthma +++

Welche Asthmaformen gibt es?

Asthma wurde ursprünglich vor allem in zwei Hauptgruppen eingeteilt:

Allergisches (extrinsisches) Asthma

Das allergische Asthma wird durch Allergene ausgelöst. Dabei handelt es sich um in der Regel für den menschlichen Körper harmlose Substanzen, die im Falle einer Allergie eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems in Gang setzen.

Bei den Betroffenen sind spezifische Antikörper (IgE-Antikörper) im Blut gegen das jeweilige Allergen nachweisbar. Diese Antikörper lösen innerhalb der Atemwege eine Entzündungsreaktion aus, an der zahlreiche Entzündungsfaktoren und Immunzellen beteiligt sind (z.B. Mastzellen, eosinophile Granulozyten). Durch Kontakt mit dem Allergen kommt es zu den typischen Asthmabeschwerden. Wohl bekanntestes Beispiel für Allergene sind Pflanzenpollen, die Verursacher des Heuschnupfens. Aber auch zahlreiche andere Stoffe können als Allergene fungieren, vom Kot der Haustaubmilbe über Tierhaare, Schimmelpilzsporen und Mehl bis hin zu Chemikalien und bestimmten Medikamenten.

Dass beim allergischen Asthma eine erbliche Veranlagung von Bedeutung ist, zeigt sich daran, dass es familiär gehäuft auftritt. Allergisches Asthma beginnt meist bereits im Kindes- und Jugendalter. Häufig ist es mit anderen Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis assoziiert, z.B. Heuschnupfen, Atopische Dermatitis oder Medikamentenallergien. Insgesamt ist das allergische Asthma mit etwa 50–70% die häufigste Form von Asthma.

+++ Mehr zum Thema: Allergisches Asthma +++

Nicht-allergisches (intrinsisches) Asthma

Auch beim nicht-allergischen Asthma kommt es zu einer Aktivierung des Immunsystems und damit zu Abwehr- und Entzündungsreaktionen in den Bronchien. Diese werden aber erwiesenermaßen nicht durch Allergene, sondern durch unspezifische Reize hervorgerufen. Vor allem wiederholte Infektionen der Atemwege scheinen hierbei eine Rolle zu spielen, aber auch Reize wie körperliche Anstrengung, kalte Luft oder Zigarettenrauch sind mögliche Auslöser.

Nicht-allergisches Asthma tritt meist erst im Erwachsenenalter auf. Ein typisches Merkmal ist, dass die Betroffenen häufig zusätzlich eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) aufweisen, eventuell auch mit Polypenbildung. Der IgE-Wert ist bei diesen Patienten normal oder nur gering erhöht, bestimmte Entzündungsparameter sind aber auch bei dieser Asthmaform im Blut nachweisbar (z.B. eosinophile oder neutrophile Granulozyten).

Sonderformen

Derzeit wird das klassische Konzept des allergischen und nicht-allergischen Asthmas erweitert. Dies ist besonders bei schwereren Verlaufsformen des Asthmas relevant. Bei diesen Patienten ist es nützlich, durch verschiedene Untersuchungen die unterschiedlichen Ausprägungen der Erkrankung und die verschiedenen zugrunde liegenden Mechanismen näher zu charakterisieren. Die genauere Differenzierung erfolgt in:

  • Typ-2-high- und Typ-2-low-Asthma
  • eosinophiles und nicht-eosinophiles Asthma

Typ-2-high- und Typ-2-low-Asthma

Die Unterteilung in Typ-2-high- und Typ-2-low-Asthma erfolgt nach der Erkenntnis, dass bestimmte Immunzellen in der Lage sind, Interleukine (Botenstoffe) zu bilden und den Verlauf des Asthmas maßgeblich zu beeinflussen. Typ-2-high-Asthmatiker zeigen ein besonders gutes Ansprechen auf inhalative Glukokortikoide und IL-5-Hemmstoffe.

Eosinophiles und nicht-eosinophiles Asthma

Eosinophile sind Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und an der zellulären Immunabwehr beteiligt. Bei stark erhöhten Werten über 300 Eosinophile/Mikroliter Serum spricht man von eosinophilem Asthma, das – ähnlich dem Typ-2-high-Asthma – sehr gut auf die Behandlung mit Glukokortikoiden und IL-5-Hemmstoffen anspricht.

Asthma ist also nicht gleich Asthma und nicht alle Formen von Asthma sprechen auf die einzelnen therapeutischen Möglichkeiten gleich gut an. Je genauer man den individuellen Krankheitsverlauf und die Immunantwort bei jedem Patienten untersucht, umso gezielter lässt sich die Behandlung daran anpassen.

Status asthmaticus

Der sogenannte Status asthmaticus ist definiert als ein Asthmaanfall, der trotz angemessener Therapie schwer zu durchbrechen ist und mindestens 24 Stunden anhält. Er ist potenziell lebensbedrohlich und gehört daher unbedingt ärztlich abgeklärt und behandelt.

+++ Mehr zum Thema: Schweres Asthma +++

Wie wird Asthma diagnostiziert?

Durch eine ausführliche Anamnese und auf Basis der geschilderten Symptome kann der Arzt herausfinden, ob es sich wirklich um Asthma handelt. Wegweisend sind dabei die typischen Asthmasymptome. Weiters sollte zusätzlich eine Lungenfunktionsüberprüfung (Spirometrie) durchgeführt werden. Die Diagnose stützt sich dabei auf folgende Punkte:

  • Anamnese
  • Symptome
  • Lungenfunktionsüberprüfung
  • variable und reversible Atemwegsverengung
  • chronische Entzündung der Atemwege
  • bronchiale Überempfindlichkeit

+++ Mehr zum Thema: Spirometrie +++

Zur Diagnostik und Verlaufskontrolle kann außerdem der Stickstoffmonoxid-Anteil in der Ausatemluft gemessen werden (FeNO).

Wichtig ist auch die Unterscheidung von anderen chronischen Lungenerkrankungen, allen voran der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Unterschiede zwischen Asthma und COPD

 

Asthma

COPD

Tabakrauch und Entstehung

kein Zusammenhang

direkter Zusammenhang

Verlauf

variabel

progredient

Verengung der Bronchien

reversibel

immer nachweisbar

FeNO

oft erhöht

normal bis niedrig

Bronchiale Überempfindlichkeit

meist

selten

Ansprechen auf Glukokortikoide

regelhaft

selten

+++ Mehr zum Thema: Asthma bei Kindern +++

Wie wird Asthma therapiert?

Medikamentöse Therapie 

Die Behandlung fokussiert sich auf die chronische Entzündung der Bronchien und die damit einhergehende Überempfindlichkeit gegenüber unspezifischen und spezifischen Reizen. Die Basis der Therapie bildet demnach die Unterdrückung der überschießenden Entzündungsreaktion. Für den akuten Anfall stehen rasch wirksame bronchienerweiternde Wirkstoffe (Bronchodilatatoren) zur Verfügung, für schwerere Verlaufsformen Anticholinergika und Biologika. Folgende Medikamente kommen in der Asthmatherapie zum Einsatz:

  • kurzwirksame Bronchodilatatoren
  • langwirksame Bronchodilatatoren
  • Glukokortikoide
  • Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten
  • Anticholinergika
  • Anti-IgE- und Anti-IL-5-Antikörper (Biologika)

Mit Ausnahme der Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (Tablette) und den Biologika (Spritze) werden alle Arzneistoffe mittels Inhalatoren verabreicht. Hier stehen unterschiedliche Systeme mit und ohne Vorschaltkammer (Spacer) zur Verfügung, weshalb eine intensive sowie regelmäßige Schulung und Kontrolle der Handhabung ein wichtiger Teil der Therapie darstellen.

Für das allergische Asthma gibt es außerdem die Möglichkeit einer selektiven Immuntherapie (Desensibilisierung) gegen das auslösende Allergen, die unterstützend zur Basistherapie eingesetzt werden kann. Bei der selektiven Immuntherapie wird der Körper gezielt mit bekannten Allergenen in Kontakt gebracht, um die körpereigene Immunabwehr gegen diese zu reduzieren (Gewöhnungseffekt). Diese Allergene werden entweder unter die Haut gespritzt oder über eine Lutschtablette zugeführt.

+++ Mehr zum Thema: Medikamente bei Asthma +++

Nicht-medikamentöse Therapie von Asthma

Nicht-medikamentöse Therapiemaßnahmen sind wesentlicher Bestandteil der Asthmatherapie und helfen dabei, die Krankheit besser zu kontrollieren. Sie umfassen:

  • strukturelle Schulung
  • körperliches Training
  • Normalisierung des Körpergewichts
  • Rauchstopp
  • Atemphysiotherapie
  • Relaxationstechniken

+++ Mehr zum Thema: Nicht-medikamentöse Therapie bei Asthma +++

Kann man Asthma vorbeugen?

Grundsätzlich lässt sich das Risiko, an Asthma zu erkranken, durch folgende Maßnahmen reduzieren:

  • Säuglinge mindestens 6 Monate lang stillen
  • Allergenkarenz bei bekannter Empfindlichkeit
  • Vermeidung von Rauch
  • Vermeidung von hoher Luftfeuchtigkeit
  • Vermeidung von Kfz-Abgasen
  • Impfungen laut Impfplan
  • Gewichtskontrolle
  • Vermeidung des übermäßigen Gebrauchs von Breitbandantibiotika

+++ Mehr zum Thema: Asthma und Ernährung +++

Prognose bei Asthma

Bei konsequenter und richtiger Therapie können die meisten Patienten ein Leben ohne größere Einschränkungen führen. Selbst bei schwereren Verlaufsformen lassen sich die Beschwerden durch die Möglichkeiten der modernen Medizin deutlich mildern. Behandelt werden muss Asthma bronchiale aber auf jeden Fall, um Komplikationen und Schäden an den Atemwegen möglichst vorzubeugen. Wird die Behandlung konsequent durchgeführt, haben Asthmatiker die gleiche Lebenserwartung wie Nicht-Asthmatiker.

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Autoren:
, ,
Medizinisches Review:
Dr. Gernot Rainer
Redaktionelle Bearbeitung:
, , ,

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Buhl R et al., S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma, 2017
S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie „Asthma“; 4. Aufl., 2020 (letzter Zugriff am 11.09.2020)


 

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