Anzeichen für Parkinson

Parkinson, Anzeichen
Zittern und Verlangsamung der Bewegungen sind oftmals erste Anzeichen von Parkinson. (noipornpan / iStockphoto)

Zittern und Verlangsamung der Bewegungen sind oftmals erste Symptome, die auf das Vorliegen von Parkinson hindeuten. Im Verlauf der Erkrankung verschlimmern sich die Beschwerden bzw. weiten sich aus. Eine rechtzeitige Behandlung ist essenziell, um die Lebensqualität zu verbessern. Leider lässt sich das Leiden noch immer nicht stoppen oder wenigstens der Verlauf verlangsamen.

Die ersten Anzeichen von Morbus Parkinson sind individuell sehr unterschiedlich. Dennoch gibt es eine Reihe von Beschwerden, die von Betroffenen oder Angehörigen früh bemerkt werden können und zu einer fachärztlichen Abklärung führen sollten.

Neben dem Vorliegen einer Bradykinese/Akinese (fängt mit Verlangsamung der Bewegungen an und wird im Verlauf zur Bewegungslosigkeit) gelten beim Parkinson-Syndrom Rigor (Muskelstarre/-steifheit) und Ruhetremor (Zittern bei körperlicher Ruhe) als die vorrangigen Symptome (Kardinalsymptome). Zusätzlich treten nichtmotorische Symptome auf. Die posturale Instabilität (Störung der aufrechten Körperhaltung) gehört heute nicht mehr zu den Kardinalsymptomen, sie ist wenn früh auftretend eher ein Zeichen für ein atypisches Parkinson-Syndrom

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Motorische Anzeichen von Parkinson

In der Regel beginnt Parkinson auf einer Körperseite, weshalb ein Vergleich der beiden Seiten wichtige Hinweise bei der ärztlichen Untersuchung gibt.

Zittern (Tremor) als erstes Anzeichen?

  • In vielen Fällen wird als erstes Anzeichen ein Zittern bemerkt.
  • Gewöhnlich ist es einseitig oder auf einer Körperseite deutlicher ausgeprägt.
  • Typisch ist ein Auftreten in Ruhe mit langsamer Frequenz von 4-6 Hz (4-6 Schläge pro Sekunde). Höhere Frequenzen sind möglich.
  • In frühen Stadien merken manche Betroffene ein "inneres Zittern", das nicht oder nur selten nach außen sichtbar wird (z.B. bei Aufregung oder körperlicher Anstrengung).
  • Allerdings stellt sich bei bis zu einem Drittel der Patienten kein Zittern ein, auch kann dieses im Verlauf abnehmen.

Prinzipiell wird zwischen drei Tremor-Formen unterschieden:

  • Klassischer Parkinsontremor (Ruhetremor): Tritt bei unterstützten Armen in Ruhe auf; oft in Form eines "Pillendreher-Phänomens" (rhythmische Tremorbewegung der Finger, ähnlich denen beim Pillendrehen oder Münzenzählen)
  • Aktionstremor: tritt bei willkürlichen Bewegungen ein, z.B. wenn der Löffel zum Mund geführt wird. Er ist typisch für andere Formen des Zitterns, den verstärkten physiologischen, den essentiellen oder familiären Tremor.
  • Haltetremor (Unterform des Aktionstremors): seltener; erscheint bei Schwerkraftbelastung, z.B. wenn die Hände vor den Körper gestreckt und gehalten werden und ist erst recht typisch für die anderen Formen des Zitterns

+++ Mehr zum Thema: Diagnose von Parkinson +++

Verlangsamung der Bewegungsabläufe (Bradykinese)

Die Bradykinese ist das zentrale Kardinalsymptom des idiopathischen Parkinson-Syndroms (IPS). Charakteristisch sind eine Verlangsamung der Bewegungsgeschwindigkeit und Muskelsteifigkeit. Dazu gehören Schwierigkeiten beim Gehen, ein fehlendes Anheben der Beine (Schleifen), das Setzen kleiner, kurzer Schritte ("Zeppeln") oder das Hängenbleiben an Hindernissen mit einem Fuß. Ebenso kommt es zu einem verminderten Mitschwingen eines Armes beim Gehen, das oft zunächst von Angehörigen bemerkt wird.

Betroffene reden zudem eintöniger, zeigen weniger Mimik im Gesicht und Schlucken weniger häufig.

Muskelstarre/wächserne Muskelsteifheit (Rigor)

Der Rigor beschreibt eine Tonuserhöhung, also eine erhöhte Anspannung der Muskeln. Der Betroffene fühlt sich vor allem "steif" und spürt eventuell ziehende Missempfindungen. Der Zustand tritt während des ganzen Bewegungsumfangs auf und ist unabhängig davon, wie schnell ein Gelenk bewegt wird.

Störung der aufrechten Körperhaltung (posturale Instabilität)

Zu diesem Symptom kommt es meist erst, wenn der Betroffene das mittlere Krankheitsstadium erreicht hat. Die Halte- und Stellreflexe funktionieren nicht mehr so wie sie sollen, auch bei anderen neurologischen Erkrankungen kann posturale Instabilität auftreten. Man kann sich zum Beispiel nicht mehr selbst "auffangen", wenn man aus dem Gleichgewicht gerät. Charakteristisch dafür ist, wenn Angehörige den Patienten immer wieder auffordern, doch aufrecht zu gehen.

Ein Kleinerwerden der Handschrift oder zunehmende Ungeschicklichkeit einer Hand können frühe Parkinson-Zeichen sein. Gleiches gilt für einen "Drall" nach einer Seite, z.B. beim Schwimmen oder Schifahren. Das Gefühl, beim Weggehen oder Umdrehen "einzufrieren" oder am Boden kleben zu bleiben, tritt eher im Spätstadium auf, seltener zu einem früheren Zeitpunkt im Verlauf.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung von Parkinson +++

Mögliche nichtmotorische Symptome

Parkinson betrifft nicht nur das motorische System, also den Bewegungsapparat, sondern den ganzen Körper. Die sogenannten nichtmotorischen Symptome beginnen oft schon Jahre vor den ersten motorischen Anzeichen. Sie sind je nach Patienten individuell ausgeprägt, einige Beschwerden gelten jedoch als "Vorreiter" unter den nichtmotorischen Störungen. Dazu gehören Riechstörungen, die REM-Schlafstörung oder Verstopfung.

Es gibt Betroffene, bei denen als erste mögliche Zeichen der Erkrankung psychische Veränderungen auftreten. Dazu zählen etwa Lustlosigkeit, eine Verminderung des Interesses oder depressive Verstimmungen.

Jahre vor Beginn der Bewegungsstörungen treten aber bei fast allen Betroffenen Geruchssinnstörungen auf. Nicht immer werden diese selbst registriert, sondern eher vom Umfeld wahrgenommen. Dabei kommt es nicht zu einer Verminderung des Riechvermögens, sondern zu charakteristischen Geruchsverwechslungen. Eine Geruchssinnstörung sollte stets ein Anlass zu weiterer Abklärung sein. Dies noch mehr, wenn die zweite, häufig viele Jahre vorher bestehende Symptomatik feststellbar ist: Gemeint ist die Parkinson-spezifische Schlafstörung. Im Traum-Schlaf (dem REM-Schlaf, wobei REM für rapid eye movements = schnelle Augenbewegungen steht) bleibt der Körper in der Regel schlaff und bewegt sich nicht, abgesehen von den schnellen Augenbewegungen hinter geschlossenen Lidern. Lebt nun jemand die Trauminhalte aus, schlägt um sich, kämpft, schreit, so besteht die Notwendigkeit, das im Schlaflabor abzuklären.

Häufiger als allgemein angenommen treten überdies Schmerzen auf, zum Beispiel in einer Schulter oder im Nackenbereich. Sie werden fälschlicherweise oft der Halswirbelsäule zugeordnet, kommen aber eher von der Muskulatur.

Zu guter Letzt ist Stuhlverstopfung ein häufiges frühes Symptom, zumal, wenn es nicht "schon immer" bestanden hat, sondern neu hinzugekommen ist.

Wie zeigt sich fortgeschrittener Morbus Parkinson?

Trotz medizinischer Fortschritte ist eine den Verlauf verlangsamende Therapie noch immer nicht möglich, ist Parkinson ist nicht heilbar und schreitet kontinuierlich fort. Die Bewegungsstörungen nehmen zu. Haben sie zuerst meist nur eine Körperhälfte betroffen, gehen sie im fortgeschrittenen Stadium auf die zweite Seite über. Die Schritte verkleinern sich zusehends, Gang- und Gleichgewichtsstörungen werden immer deutlicher. Ein weiteres Anzeichen für ein Fortschreiten des Verlaufs ist, dass sich der Betroffene schwertut, vermeintliche Engstellen wie Türen zu passieren. Später kommt es überdies zur Zunahme der nichtmotorischen Symptome wie kognitiven Beeinträchtigungen/Demenz, Halluzinationen/Psychosen, Inkontinenz sowie exzessivem Speichelfluss.

Erste Hinweise für Wirkungsfluktuationen der Medikamente sind sogenannte Wearing-Offs: Das äußert sich in frühem Wirkverlust der Arzneimittel und damit dem Wiederauftauchen der Symptome, da immer mehr dopaminerge Neuronen verloren gehen und der Körper die Fähigkeit verliert, Dopamin zu speichern.

Störungen des Verdauungstrakts wie Magenentleerungsstörung und Schluckstörung fördern die schwankenden Medikamentenspiegel. Entweder hat der Patient zu viel oder zu wenig des Wirkstoffs im Blut, dies ist nicht kontrollierbar.

Für eine gute Symptomkontrolle und den Erhalt der Lebensqualität ist es von großer Bedeutung, die medikamentöse Behandlung regelmäßig neu anzupassen und einzustellen. Im späten Parkinson-Stadium, wenn die medikamentöse Einstellung nicht mehr den gewünschten Erfolg bringt oder die Pillenlast über fünf Einnahmen von L-Dopa plus all den restlichen täglich nötigen Medikamenten steigt, und Patienten damit nicht zurechtkommen, kommt die Pumpentherapie zum Einsatz. Bei jüngeren Betroffenen (unter 70 bis 75 Jahre) steht überdies die tiefe Hirnstimulation zur Wahl.

Durch die Pumpentherapie sollen vor allem die Wirkungsschwankungen der Medikamente verringert werden. Der Arzt entscheidet im ausführlichen Gespräch mit dem Patienten und/oder pflegenden Angehörigen, ob sich die L-Dopa-Infusionstherapie oder die subkutane Apomorphin-Infusion besser eignet. Diese Entscheidung ist ganz nach dem individuellen Zustand des Patienten unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren zu treffen.

 +++ Mehr zum Thema: Pumpentherapie bei Parkinson +++

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Autoren:
Doz. Dr. Regina Katzenschlager,
Medizinisches Review:
Prim. Dr. Dieter Volc
Redaktionelle Bearbeitung:
Philip Pfleger

Aktualisiert am:
Quellen

AWMF online: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Idiopathisches Parkinson-Syndrom. Entwicklungsstufe: S3, Aktualisierung: 2016, AWMF-Reg.-Nr.: 030-010

Leben mit der Parkinson-Krankheit: Nichtmotorische Symptome. European Parkinson’s Disease Association (EPDA), 2011
 

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