Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis, Schwerhörigkeit im Alter)

schwer hören im Alter
(Aletia / Shutterstock)

Die Altersschwerhörigkeit, auch Presbyakusis genannt, ist eine Hörminderung, die bei Menschen ab einem Alter von ungefähr 50 Jahren auftritt und meist beide Ohren betrifft. Es ist ein natürlicher Prozess, bei dem es scheinbar ohne erkennbare Ursache zu einer Schwerhörigkeit kommt.

Kurzfassung:

  •  Presbyakusis wird hauptsächlich durch allgemeine Alterungsvorgänge verursacht.
  • Symptome einer Hörschwäche sind anfangs Probleme, hohe Töne wahrzunehmen.
  • Die Diagnose der Altersschwerhörigkeit wird nach einem Hörtest gestellt.
  • Behandelt wird der Hörverlust im Alter mit einem Hörgerät.
  • Wird die Altersschwerhörigkeit nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu psychischen Folgen und/oder einem sozialen Rückzug kommen.

Von diesem Krankheitsbild sind relativ viele Menschen betroffen: Etwa die Hälfte der über 65-jährigen Männer sowie 25% der Frauen dieser Altersgruppe leiden an Altersschwerhörigkeit.

Ursachen für Presbyakusis

Der Hörverminderung zugrunde liegen können verschiedene Ursachen  haben:

  • allgemeine Alterungsvorgänge
  • familiäre Veranlagung
  • schädigende Faktoren wie Lärm, Nikotin
  • Diabetes
  • hohe Cholesterinwerte
  • durchgemachte Mittelohrerkrankungen

Die natürlichen Alterungsprozesse beeinträchtigen das Innenohr mit seinen Sinneszellen und den Haarzellen, den Hörnerv sowie Bereiche im Gehirn, die für die Weiterverarbeitung der fortgeleiteten Schallwellen notwendig sind. Die Altersschwerhörigkeit gehört somit zu den Schallempfindungsstörungen.

Symptome der Altersschwerhörigkeit

Zu den Symptomen der Altersschwerhörigkeit zählt neben der generellen Hörminderung, dass Patienten anfangs Schwierigkeiten haben, hohe Töne wahrzunehmen. Später kommt dann auch der Mittel- und Tieftonbereich dazu.

Viele Betroffene klagen zudem über Schwierigkeiten beim Verstehen des Gesprächspartners, vor allem bei zeitgleichen Hintergrundgeräuschen. Zusätzlich können störende Ohrgeräusche (Tinnitus) auftreten.

Diagnose von Presbyakusis

Diagnostisch wird bei älteren Menschen nach Erhebung der Krankengeschichte zunächst eine krankhafte Ursache des Hörverlustes ausgeschlossen. Infrage kommende Ursachen sind z.B. eine kürzlich stattgefundene Mittelohrentzündung oder eine aktuelle Lärmbelastung.

Hörtest

Zu einer entsprechenden Hals-Nasen-Ohren-ärztlichen Diagnostik gehören die äußere Untersuchung der Ohren, eine beidseitige Ohrspiegelung sowie ein Hörtest, um die Schwerhörigkeit zu objektivieren. Außerdem kann man mithilfe des Hörtests feststellen, wie ausgeprägt der Hörverlust ist und welche Frequenzen besonders stark betroffen sind.

Sprachverständnisprüfung

Ein spezieller Befund, der die Diagnose Altersschwerhörigkeit untermauert, ist die Sprachverständnisprüfung. Dabei werden dem Patienten über Kopfhörer einzelne Silben, Wörter sowie ganze Sätze in verschiedener Lautstärke vorgespielt. Der Patient muss im Anschluss das Gehörte wiederholen.

Eine einfachere Variante zur orientierenden Sprachverständnisprüfung kommt ohne technische Ausrüstung aus. Dabei sitzt der Patient auf einem Stuhl und der Untersucher steht etwa einen halben Meter hinter dem Stuhl. Der Untersucher flüstert nun viersilbige Wörter, meist Zahlen wie „fünfundzwanzig“ oder „vierundsechzig“, die der Patient wiederholen soll.

Was kann man tun, wenn eine Altersschwerhörigkeit vorliegt?

Die einfachste Möglichkeit des Umgangs mit Altersschwerhörigkeit ist zunächst das Bekenntnis zum problematischen Hören. Betroffene sollten ihrer Umgebung signalisieren, dass sie auf ihre Hör- und Kommunikationsbedürfnisse mehr Rücksicht nehmen müssen.

Hörgerät

Eine möglichst frühzeitige Versorgung mit Hörgeräten ist ebenso sinnvoll. Diese technischen Hilfsmittel werden in den meisten Fällen im oder hinter dem Ohr getragen und können individuell an die Bedürfnisse des Betroffenen angepasst werden.

++ Mehr zum Thema: Hörgeräte ++

Hörtrainings und Lippenlesen lernen

Es werden auch Schulungen zum Lippenlesen angeboten, da es hilfreich ist, diese Fähigkeit in Ergänzung zum Hören einzusetzen. Ebenso gibt es verschiedene Hörtrainings zum Erlernen von gezieltem Hören, das besonders hilfreich sein kann beim Verstehen eines Gesprächspartners in lauter Umgebung.

Technische Hilfsmittel

Auch technische Hilfsmittel stehen zur Verfügung. Neben Weckhilfen und Türklingeln, die durch Lichtsignale auf sich aufmerksam machen, gibt es auch Verstärker für das Telefon, durch die das Gesagte lauter wird, ohne dass der Gesprächspartner schreien muss.

Psychische Betreuung

Bei beginnendem Rückzug und anderen psychischen Folgen aufgrund der Schwerhörigkeit kann auch eine Unterstützung in Form einer Psychotherapie sehr hilfreich sein.

Wichtigkeit der Behandlung bei Altersschwerhörigkeit

Der Hörverlust sollte so früh wie möglich behandelt werden, da bei schwerhörigen Menschen die Gefahr des sozialen Rückzugs besteht, der auch psychische Folgen haben kann.

Das Hören zählt neben dem Sehen zu den wichtigsten menschlichen Sinnesleistungen. Bei einem Hörverlust sind partnerschaftliche und mitmenschliche Probleme vorprogrammiert und das Problem der Einsamkeit mitten unter anderen Menschen begleitet den Schwerhörigen. Das erklärt, warum bei einer unbehandelten Hörminderung auch soziale und emotionale Folgen zu erwarten sind.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ.Prof.Dr. Sasan Hamzavi
Redaktionelle Bearbeitung:
Philip Pfleger

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Gürkov R.: Basics Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Elsevier, Urban & Fischer Verlag; 3. Auflage 2013
Kippenhahn K.: Ich glaub’, ich hör’ nicht recht: Schwerhörigkeit, Tinnitus & Co. Schattauer Verlag 2011
 

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