Wirksame Therapie bei Erdnussallergie?

Viele, ungeschälte Erdnüsse
Viele, ungeschälte Erdnüsse (isak55 / Shutterstock)

Hoffnung für schwere Erdnussallergiker: Mit einer speziellen Immuntherapie wurden in einer Studie 70 Prozent der Teilnehmer allergiefrei.

Das  Murdoch Childrens Research Institute in Melbourne wurde 2013 Schauplatz einer wegweisenden Entdeckung, die künftig vielen Kindern eine Menge Leid ersparen könnte. Ein Team aus Wissenschaftern behandelte dort im Rahmen einer Studie Kinder mit einer Erdnussallergie. Heute, vier Jahre später, kann ein Großteil der jungen Probanden problemlos Erdnüsse essen.

Die Erdnussallergie gilt als besonders gefürchtet: Im schlimmsten Fall tritt ein lebensgefährlicher anaphylaktischer Schock auf. Kinder sind am häufigsten von Lebensmittelallergien betroffen, etwa jedes 20. darf bestimmte Nahrungsmittel nicht essen.

+++ Mehr zum Thema: Allergische Reaktionen bei Kindern +++

Immunsystem toleriert die Nüsse

Die randomisierte, Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie, die vor kurzem im Fachjournal „The Lancet“ publiziert wurde, prüfte über vier Jahre nach Behandlungsstopp mit probiotischen Bakterien und niedrig dosiertem Erdnussprotein den langfristigen Erfolg dieser Immuntherapie. Insgesamt nahmen 56 Kinder an der Untersuchung teil, die Hälfte erhielt eine Placebo-Medikation.

Das Ergebnis lässt Allergiegeplagte hoffen: Obwohl die Immuntherapie schon lange beendet wurde, sind 70 Prozent der Kinder frei von der Erdnussallergie. Die allergischen Reaktionen bleiben aus, weil das Immunsystem langsam an die Bestandteile der Erdnuss gewöhnt wurde und nun keine Antikörper mehr dagegen bildet. Die Forscher sehen in dieser Erkenntnis eine Chance, auch andere Allergien zu behandeln. Um die Forschungsergebnisse zu festigen, möchten sie weitere Untersuchungen mit mehr Probanden anstellen.

Mit der oralen Immuntherapie bei Erdnussallergie setzten sich schon mehrere Studien auseinander. Die aktuelle Arbeit aus Australien konnte nun erstmals die Langzeitwirkung der Behandlung bestätigen. Welche Rolle das verabreichte Probiotikum einnimmt, geht aus der Studie nicht hervor. Bekannt ist jedenfalls, dass eine gesunde Darmflora das Immunsystem weniger anfällig für allergische Erkrankungen macht.

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Katrin Derler, BA

Aktualisiert am:

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