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Akute Leukämie (Blutkrebs, ALL, AML)

Leukämie akut
Leukämie (FatCamera / iStockphoto)

Der Begriff Leukämie bezeichnet eine Gruppe von Erkrankungen des blutbildenden Systems, bei denen es zu einer unkontrollierten Vermehrung unreifer weißer Blutkörperchen kommt. Im Gegensatz zur chronischen Leukämie – die einen langsamen und schleichenden Verlauf aufweist – tritt die akute Leukämie plötzlich auf und führt unbehandelt innerhalb weniger Wochen zum Tod.

Blutzellen

Das Blut besteht aus Flüssigkeit (Blutplasma) und festen Bestandteilen (Blutzellen). Dazu zählen weiße (Leukozyten) und rote Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie Blutplättchen (Thrombozyten).

Die weißen Blutkörperchen lassen sich weiter in Lymphozyten, Granulozyten und Monozyten unterteilen. Ihre Aufgabe ist es, Krankheitserreger und körperfremde Strukturen abzuwehren und Abwehrzellen (Antikörper) zu bilden.

Kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung der weißen Blutkörperchen, sprechen Mediziner von Leukämie.

Wie entsteht Leukämie?

Alle Blutzellen werden im Knochenmark hergestellt: Sie entstehen durch schrittweise Teilung und Reifung aus einer gemeinsamen Stammzelle. Der Bauplan dafür liegt in der DNA (Erbinformation) jeder einzelnen Zelle. Kommt es in einem frühen Stadium der Bildung von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) zu einer Mutation (Genveränderung), wird der normale Reifungsprozess unterbrochen: Die Zelle beginnt, sich unkontrolliert zu teilen und zu vermehren, Tumorzellen (leukämische Blasten) entstehen. Die Blasten reichern sich im Knochenmark an und verdrängen immer mehr gesunde Blutzellen. Über das Blut und die Lymphbahnen werden die Tumorzellen schließlich auch in andere Organe geschwemmt und führen dort zu schweren Funktionsstörungen.

Wie und warum es zu den Mutationen in den unreifen Blutzellen kommt, ist nicht vollständig geklärt. Fest steht jedenfalls, dass die akute Leukämie selten angeboren und nicht ansteckend ist, sondern meist „zufällig“ entsteht. Es wird davon ausgegangen, dass erst das Zusammenspiel mehrerer Faktoren die Erkrankung auslöst. Zu den derzeit bekannten Risikofaktoren zählen chemische Substanzen, ionisierende Strahlung (Röntgenuntersuchung, Strahlentherapie) oder bestimmte Medikamente (vorangegangene Chemotherapien). In den meisten Fällen allerdings bleibt der Auslöser unklar. Die Erkrankung tritt im höheren Alter häufiger auf.

Im Gegensatz zur chronischen Leukämie, die einen langsamen und eher schleichenden Verlauf aufweist, entwickelt sich die akute Leukämie schnell und äußert sich durch plötzlich einsetzende Beschwerden.

Formen von akuter Leukämie

Weiße Blutkörperchen lassen sich in drei Gruppen unterteilen: Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihrem Aussehen, sondern erfüllen auch unterschiedliche Aufgaben.

Abhängig davon, in welchem Zelltyp die Leukämie ihren Ausgang nimmt, wird die akute Leukämie in zwei Formen unterteilt:

1. Akute lymphatische Leukämie (ALL):

Die ALL entwickelt sich aus unreifen Vorstufen der Lymphozyten. Sie ist die häufigste Form der Leukämie im Kindesalter, meist sind Kinder unter 5 Jahren betroffen. Bei Erwachsenen tritt sie eher selten auf, typischerweise nach dem 50. Lebensjahr. Das männliche Geschlecht ist insgesamt etwas häufiger betroffen als Mädchen und Frauen.

Abhängig davon, welche Lymphozyten betroffen sind, lässt sich die akute lymphatische Leukämie weiter unterteilen in:

  • B-Zell ALL (ausgehend von B-Lymphozyten)
  • T-Zell ALL (ausgehend von T-Lymphozyten

2. Akute myeloische Leukämie (AML):

Die AML entwickelt sich aus unreifen Vorstufen der Granulozyten, Monozyten, aber auch aus unreifen Vorstufen roter Blutkörperchen sowie Blutplättchen. Sie ist die häufigste Form akuter Leukämien bei Erwachsenen und tritt charakteristischerweise erst im höheren Lebensalter (ab dem 70. Lebensjahr) auf.

  • Primäre AML: entwickelt sich unabhängig und ohne vorhergehende Knochenmark- oder Krebserkrankung
  • Sekundäre AML: entwickelt sich aus einer anderen Knochenmarkerkrankung (z.B. aus einem myelodysplastischen Syndrom) oder nach einer früheren Chemo- oder Strahlentherapie

Welche Symptome treten bei akuter Leukämie auf?

Die Symptome der akuten Leukämie entwickeln sich innerhalb weniger Wochen. Sie sind auf die Verdrängung normaler Blutzellen und den Befall von Organen mit Tumorzellen zurückzuführen.

  • Blässe, Müdigkeit, Abgeschlagenheit

Ursache: Blutarmut (Anämie, Verminderung der roten Blutkörperchen)

  • Kleine, punktförmige Blutungen in der Haut (Petechien), blaue Flecke, Nasenbluten, verlängerte Blutungen (nach Zahnarztbesuch, Verletzungen), verlängerte Regelblutung bei Frauen

Ursache: Verminderung der Blutkörperchen (Thrombopenie)

  • Erhöhte Infektanfälligkeit

Ursache: Verminderung der (gesunden) weißen Blutkörperchen (Leukopenie)

  • Gelenk- und Knochenschmerzen

Ursache: Ausbreitung der Tumorzellen in die Knochen (bei etwa einem Drittel der Patienten, hauptsächlich bei Kindern)

  • Lymphknotenschwellung, Vergrößerung der Milz mit Druckgefühl im linken Oberbauch, Vergrößerung der Leber mit Druckgefühl im rechten Oberbauch, Vergrößerung der Thymusdrüse oder der Lymphknoten im Brustraum, Schwellung der Venen im Halsbereich

Ursache: Befall der inneren Organe

  • Appetitlosigkeit, starker Gewichtsverlust
  • Fieber (bei etwa 50% der Patienten)
  • Selten: neurologische Veränderungen

Ursache: Befall des Gehirns, des Rückenmarks oder der Hirnhaut

  • Selten bei Ersterkrankung, eher bei Rückfall: Befall anderer Organe wie Haut, Schleimhaut, Hoden oder Brust

Es gibt verschiedene Unterarten von Leukämien; hier erhalten Sie einen Überblick über den Diagnoseweg und die einzelnen Therapiemöglichkeiten.

Wie wird eine akute Leukämie diagnostiziert?

Bei Verdacht auf eine akute Leukämie ist eine rasche Abklärung notwendig. Neben einer ausführlichen Anamnese (= Erhebung der Krankengeschichte) und einer klinischen Untersuchung sind umfangreiche weiterführende Untersuchungen – meist im Rahmen eines stationären Klinikaufenthalts – erforderlich:

  • Blutuntersuchung

Das Augenmerk liegt auf unreifen Zellen im Blut, Anämie oder Thrombopenie.

  • Knochenmarkuntersuchung

Hierfür wird unter örtlicher Betäubung mit einer Spritze Knochenmark aus dem Hüftknochen oder dem Brustbein entnommen. Die Leukämiezellen werden unter dem Mikroskop und mittels spezieller Untersuchungsverfahren (Immunphänotypisierung) genau typisiert. Durch diese Analyse kann die Erkrankung der jeweiligen Unterform zugeordnet werden. Dies ist entscheidend, um einen geeigneten Plan für die Behandlung zu entwickeln.

  • Weiterführende Untersuchungen

Bestätigt sich der Verdacht auf eine ALL, können zusätzliche Untersuchungen folgen, um den Befall anderer Organe auszuschließen: Röntgenuntersuchung des Brustkorbs, CT sowie Ultraschalluntersuchung des Herzens und anderer innerer Organe. Durch eine Analyse der Rückenmarkflüssigkeit kann festgestellt werden, ob ein Befall des Gehirns vorliegt.

++ Mehr zum Thema: Behandlung bei akuter Leukämie ++

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Ulrich Jäger
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Kompetenznetz Leukämie: Das Krankheitsbild Leukämie; https://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/patienten/leukaemien (letzter Zugriff am 20.01.2020)

Leitlinie „Akute lymphatische Leukämie (ALL)“, Stand Februar 2018; https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/akute-lymphatische-leukaemie-all/@@guideline/html/index.html (letzter Zugriff am 20.01.2020)

Leitlinie „Akute myeloische Leukämie (AML)“, Stand Oktober 2019;
https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/akute-myeloische-leukaemie-aml/@@guideline/html/index.html (letzter Zugriff am 20.01.2020)

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