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Vergrößerte Rachenmandeln (Adenoide Vegetationen, Rachenmandelhyperplasie, Rachenmandelwucherung, Rachenpolypen)

Adenoide Hals Polypen Symptome
Vergrößerte Rachenmandeln können zu einer erschwerten Nasenatmung führen. (Kerkez / iStockphoto)

Die umgangssprachlichen "Polypen" bei Kindern werden medizinisch als Adenoide bezeichnet und sind vergrößerte bzw. "wuchernde" Rachenmandeln.

Kurzfassung:

  • Vergrößerte Rachenmandeln werden umgangssprachlich als Rachenpolypen bezeichnet.
  • Viele Kinder unter 5 Jahren haben vergrößerte Rachenmandeln. Nicht immer verursachen diese Probleme.
  • Vergrößerte Rachenmandeln können zu einer erschwerten Nasenatmung führen.
  • Betroffene Kinder atmen hauptsächlich durch den Mund, der deswegen permanent geöffnet ist.
  • Schnarchen, unruhiger Schlaf und häufig auftretender Schnupfen sind Folgen der ständigen Mundatmung.
  • Bei Verdacht auf vergrößerte Rachenmandeln ist der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde der richtige Ansprechpartner. Dieser kann, wenn nötig, zu einem Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO) überweisen.

 


Was sind Rachenmandeln?

Die Rachenmandeln befinden sich am Rachendach und sind Teil des Immunsystems, wie auch die Gaumenmandeln und die sogenannten "Seitenstränge". Ihre Aufgabe ist es, den oberen Respirationstrakt vor Krankheitserregern zu schützen. Im Normalfall erreichen sie in etwa die Größe einer Brombeere.

Die Rachenpolypen haben nichts mit den bei Erwachsenen häufigeren Nasenpolypen zu tun, diese befinden sich in der Nase oder den Nebenhöhlen.

Wie entstehen vergrößerte Rachenmandeln?

Ein Großteil der Kinder unter 5 Jahren hat vergrößerte Rachenmandeln. Da in diesem Alter häufig Infektionen der Atemwege auftreten, läuft die Abwehr im Rachen "auf Hochtouren". In der Folge wachsen auch die Rachenmandeln und können dabei die Größe einer 2-Euro-Münze erreichen. Diese sind aber erst als krankhaft anzusehen, wenn sie zu Problemen führen.

Wenn gleichzeitig auch stark vergrößerte Gaumenmandeln (Tonsillen) vorliegen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Folgeerscheinungen. In vielen Fällen bilden sich die Adenoide ab dem Schulalter langsam von selbst wieder zurück.

Welche Symptome treten bei vergrößerten Rachenmandeln auf?

Da der Platz im kindlichen Nasen-Rachen-Raum relativ beengt ist, können vergrößerte Rachenmandeln zu einer erschwerten Nasenatmung führen. Die Nase erscheint dauerhaft verstopft, betroffene Kinder atmen hauptsächlich durch den Mund, der dadurch permanent geöffnet sein muss. Sie entwickeln eine nasale Sprache und schnarchen häufig. Im Extremfall können sogar nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) auftreten.

+++ Mehr zum Thema: Was ist Schlafapnoe? +++

Langfristig kann durch die permanente Mundatmung auch eine Kieferfehlstellung entstehen. Außerdem trocknen die Schleimhäute der oberen Atemwege aus und die Filterfunktion der Nase entfällt, wodurch Kinder mit vergrößerten Rachenmandeln anfälliger für Schnupfen und andere wiederkehrende Infekte der Atemwege sowie Mittelohrentzündungen sind.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Bei Verdacht auf vergrößerte Rachenmandeln ist der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde der erste Ansprechpartner. Dieser kann nach einer ausführlichen Anamnese (= Erhebung der Krankengeschichte) und einer körperlichen Untersuchung eine Verdachtsdiagnose stellen. Für weitere Untersuchungen wird er zu einem Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde überweisen.

Die Rachenmandeln sind durch den Mund nicht sichtbar. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt kann die Adenoide mithilfe einer Nasenspiegelung (durch direktes Hineinsehen bzw. einen sehr dünnen Schlauch mit Kamera, der durch die Nase eingeführt wird) erkennen.

Das Trommelfell wird mittels Otoskopie (Untersuchung mit einem beleuchteten Ohrtrichter) beurteilt. Ein Hörtest kann ebenfalls notwendig sein.

Welche Komplikationen können bei Adenoiden auftreten?

Wenn durch große Rachenmandeln die Verbindung zwischen Mittelohr und Rachen (Ohrtrompete) verlegt wird, gelangt weniger Luft ins Mittelohr und Entzündungen werden gefördert. Wiederkehrende Infektionen wie Mittelohrentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen bzw. die Entstehung eines Paukenergusses mit Flüssigkeit im Mittelohr können vorkommen. Durch die Flüssigkeit kann eine Hörstörung auftreten, die, wenn sie über Monate unerkannt bleibt, auch das Erlernen der Sprache bremsen kann.

Wie werden vergrößerte Rachenmandeln behandelt?

Bei mildem Verlauf ist keine spezielle Therapie notwendig. Treten jedoch Beschwerden auf, sollte eine Entfernung der Rachenmandeln in Betracht gezogen werden. Die Operation in Vollnarkose ist ein Eingriff mit sehr niedrigem Risiko und kann daher auch bei Kleinkindern durchgeführt werden. Das Abtragen der Rachenpolypen durch den Mund dauert nur 10–20 Minuten. Die Gefahr einer Nachblutung ist wesentlich geringer als bei einer Gaumenmandeloperation.

+++ Mehr zum Thema: Operation einer Mandelentzündung +++

Wenn Flüssigkeit im Mittelohr vorhanden ist, wird diese gleichzeitig durch einen kleinen Schnitt im Trommelfell abgesaugt (Parazentese) oder es wird ein kleines Röhrchen eingesetzt (Paukenröhrchen). Durch die Entfernung der Adenoide entstehen keine Nachteile für das Immunsystem. Die Adenoide können in seltenen Fällen nachwachsen (im Gegensatz zu den Gaumenmandeln), dann kann eine erneute Operation notwendig werden.

Psychologische Überlegungen vor einer Operation

Sowohl bei der Gaumenmandel- als auch bei der Rachenmandeloperation (und weiteren Operationen) sollte neben den medizinischen Kriterien hinsichtlich des Zeitpunkts der Operation auch die Entwicklung des Kindes nach psychologischen Überlegungen berücksichtigt werden. Um das 4. Lebensjahr verarbeiten Kinder entwicklungsbedingt einen operativen Eingriff besonders angstbesetzt. Besteht medizinisch die Wahlmöglichkeit, sollte eine Operation erst knapp vor Schuleintritt durchgeführt werden. Jede Operation sollte in kindgerechter Sprache und eventuell mit Bilderbüchern mit dem Kind gut vorbereitet werden. Das Vor- und Nachspielen mit Puppen und Teddys, gegebenenfalls mit Ärztespielzeug, erleichtert dem Kind die Verarbeitung der Operation. Die Mitaufnahme eines Elternteils ins Krankenhaus reduziert Ängste ebenfalls.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. MedR. Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl, MBA
Redaktionelle Bearbeitung:

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Vergrößerte Rachenmandeln: Ursachen & Symptome; https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/hno/rachenerkrankungen/vergroesserte-rachenmandel-ursachen-symptome (letzter Zugriff: 11.02.2020)
 

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