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Kommentar: Sollen Schulen wieder schrittweise geöffnet werden?

Schulen Schweiz Corona
In der Schweiz sind die Schulen zu, in Österreich ebenso. Manche fordern eine rasche Öffnung der Bildungseinrichtungen. (Syda Productions / Fotolia.com)

Ob Schulen aufgrund der Corona-Krise noch länger geschlossen bleiben sollen oder nicht, ist grosses Thema in der Schweiz, aber auch bei unseren Nachbarn in Österreich. Dr. Günther Loewit, Arzt für Allgemeinmedizin in Niederösterreich, nimmt zur Debatte Stellung.

Wenn wir in Österreich derzeit eine COVID-19-Durchseuchung im hohen Promille- bzw. niedrigen einstelligen Prozentbereich haben, stehen wir aus epidemiologischer Sicht so gut wie am Anfang der Coronakrisenbewältigung. Zumindest in dem Punkt sind sich alle Experten einig, nämlich, dass es ohne Impfung oder entsprechende medikamentöse Therapie einer Durchseuchung von ca. 60% bedarf, um eine Herdenimmunität gegen die neue Krankheit zu erlangen. So gesehen, hätten wir bisher lediglich eine erste Fallzahlspitze erfolgreich abgewehrt und dabei hoffentlich das Abstandhalten gelernt.

Psychische Folgen

Aus psychohygienischen Gründen darf und muss daher über eine schrittweise Öffnung von Kindergärten und Schulen nachgedacht werden. Denn es muss auch erlaubt sein, über die psychischen Folgen der von der Regierung gesetzten Massnahmen zur Eindämmung der Krankheit zu reflektieren.

+++ Mehr zum Thema: Was macht Corona mit unserer Psyche? +++

Glücklicherweise zählen Kinder nicht zu den bevorzugten Opfern des SARS-CoV-2-Virus. Was spricht also dagegen, schrittweise und kontrolliert in einem Stufenplan die Familien wieder zu entlasten und den Kindern wieder einen geregelten Alltag zu ermöglichen? Selbstverständlich sollten Grosseltern weiterhin nicht besucht, oder in die Kinderbetreuung miteinbezogen werden.

Ängste, Jobverlust und räumliche Enge stellen leider eine explosive Mischung von psychosozialen Risikofaktoren für Depression, Gewalt und Burnout dar. Das Sterben von Zuversicht, Hoffnung und Perspektive breiter Bevölkerungsschichten kann nicht ignoriert und als unvermeidlicher Kollateralschaden der Krankheitsbekämpfung in Kauf genommen werden.

Da derzeit weder ein Impfstoff noch eine adäquate Therapie gegen COVID-19 zur Verfügung stehen, müssen wir unter den gegebenen Umständen weiterleben. Auch für die Massnahmen der Regierung gilt, dass Wirkung und Nebenwirkung gut abgewogen werden müssen. Zumal die Isolation der jungen Menschen nur wenig zur Erlangung einer Herdenimmunität beitragen kann.

 +++ Mehr zum Thema: Unser Immunsystem behandelt COVID-19 +++

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Medizinisches Review:
Dr. Günther Loewit

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