Schlangenöl

Kolumne von Dr. Ludwig Kaspar über die Glaubwürdigkeit (pseudo-)medizinischer Informationen.

Im 18. Jahrhundert wurde auf Jahrmärkten Schlangenöl verkauft. Das Wundermittel, hieß es, helfe bei Rheuma und Hautkrankheiten ebenso wie bei Haarausfall oder Impotenz. Schlangenöl galt als Erfolgsprodukt; Reklamationen gab es nie. Wollten sich Käufer über mangelnde Wirkung beschweren, war der vermeintliche Doktor längst aus der Stadt.

Ähnlich verhält es sich auf dem Marktplatz des 21. Jahrhunderts: Marktschreier gibt es im Internet zuhauf. Dabei wird oft gar kein Produkt verkauft, sondern eine Idee. Die Unterscheidung zwischen Qualität und Quacksalberei fällt mitunter schwer, viele  Fallbeispiele klingen überzeugend. Doch genau das macht stutzig: Wer alles verspricht, wird nichts davon halten. Und: Einzelbeobachtungen führen meist von der Wahrheit weg. Statt subjektiver Berichte („Habe 34kg abgenommen!“) braucht es belegbare Zahlen. Hilfreich ist auch ein Blick auf die Quellen und den Absender der Information. Gibt es z.B. eine Offenlegung der Autoren?

Solange es die nicht gibt, muss man solche Angebote als das bezeichnen, was sie sind: Schlangenöl.

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der Information: Mai 2018

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