Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig erkennen

Schwangere Frau schneidet einen roten Apfel mit dem Messer<br />
(Ermolaev Alexander )

Etwa 4 Prozent aller Schwangeren entwickeln im letzten Trimester eine Zuckerkrankheit, die nach der Geburt meist wieder verschwindet.

 

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) gilt als eine der häufigsten schwangerschaftsbegleitenden Erkrankungen. Dabei handelt es sich um eine Glukosetoleranzstörung, die vor der Schwangerschaft nicht bestanden hat. Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) hat im Wilhelminenspital eine eigene Gestationsdiabetesambulanz eingerichtet, die betroffenen Frauen umfassend Beratung und Betreuung anbietet.

Hormone außer Balance

Zum Gestationsdiabetes kommt es entweder aufgrund eines erhöhten Insulinbedarfs oder einer zunehmenden Insulinresistenz. Vor allem im letzten Trimester benötigt der Körper der Schwangeren sehr viel Energie, mehr Glukose gelangt ins Blut, zu deren Verstoffwechselung Insulin benötigt wird.

Ein Insulinmangel tritt auf, wenn die Bauchspeicheldrüse dem nötigen Bedarf der Produktion des blutzuckerregulierenden Hormons nicht mehr gerecht werden kann. Außerdem kommt es vor, dass die Zellen gegen Ende der Schwangerschaft aufgrund der veränderten Hormonlage eine Insulinresistenz entwickeln, was wiederum zu einem hohen Blutzuckerspiegel führt.

Übergewicht und Alter als Risikofaktoren

Bestimmte Voraussetzungen können die Wahrscheinlichkeit für einen Schwangerschaftsdiabetes erhöhen, unter anderem ein Alter der Frau über 35 Jahre, Adipositas, Diabetiker in der Familie oder schlechte Ernährungsgewohnheiten. Außerdem steigt das Risiko, wenn ein oder mehrere Fehlgeburten erlitten wurden, ein früheres Baby bei der Geburt über 4500 Gramm gewogen hat, mehr Fruchtwasser vorhanden ist oder wenn während der Schwangerschaft Kortison eingenommen wurde.

Symptome bleiben aus

Während Patienten und Patientinnen mit Diabetes Typ 1oder 2 die Krankheit Beschwerden wie häufigen Harndrang, verstärktes Durstgefühl oder eine Gewichtsabnahme bemerken, beginnt Schwangerschaftsdiabetes in den meisten Fällen unbemerkt. Daher wird laut Mutter-Kind-Pass zwischen der 24. und 27. Schwangerschaftswoche ein Suchtest empfohlen. Bei diesem oralen Glukosetoleranztest wird der Blutzuckerspiegel vor, eine beziehungsweise zwei Stunden nach dem Trinken einer Zuckerlösung geprüft. Dr. Barbara Maier, Vorständin der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Wilhelminenspital, erklärt: „Die Schwangerschaft ist ein Stresstest für den Stoffwechsel. Mit dem oralen Glukosetoleranztest, dem Zuckerbelastungstest, wird festgestellt, ob Diabetes vorhanden ist.“

Liegt der Nüchternblutzucker über 92 mg/dl, der Blutzucker nach einer Stunde über 180 mg/dl oder der Wert nach zwei Stunden über 153 mg/dl, dann ist von einem Schwangerschaftsdiabetes auszugehen. Misst der Nüchternblutzucker bereits über 126 mg/dl, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine manifeste Diabeteserkrankung. Diese verschwindet im Gegensatz zum Gestationsdiabetes nach der Geburt nicht von selbst.

Gesunder Lebensstil steht an erster Stelle

Dr. Maier warnt vor den Folgen eines unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes: „Der erhöhte Zucker der Mutter geht auf das Kind über – nicht aber das Insulin. Das Baby produziert sein eigenes Insulin und wird dadurch zu einem Riesenkind.“ Wird die Erkrankung also nicht rechtzeitig erkannt oder therapiert, kann es zu einer starken Zunahme des Fruchtwassers oder zu einem anormalen Größenwachstum des Kindes im Mutterleib kommen. Die Kinder sind später anfälliger für Übergewicht, Diabetes Typ 2 sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

„In und nach der Schwangerschaft kann man betroffene Frauen durch gezielte Kontrolluntersuchungen gut erreichen“, fährt die Gynäkologin fort. Genau dort möchte man im Wilhelminenspital ansetzen: „Stillen etwa reduziert das Risiko von Stoffwechselerkrankungen bei Mutter und Kind. Deshalb bieten wir mit der Organisation ‚Frühe Hilfen‘ Stillberatung an.“

In einem ersten Schritt findet daher ein Arzt-Patientinnen-Gespräch statt, indem die Schwangere über die notwendigen Maßnahmen aufgeklärt wird. Meistens reicht es aus, wenn die Frau vermehrt auf ein gesundes Essverhalten sowie vermehrte körperliche Aktivität achtet. Selten bedarf es bis zum Ende der Schwangerschaft einer Gabe von Insulin.

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am:

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